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- einfach mal ne runde baden gehen, und dazu livemusik. auch wenns irgendwo verdammt dekadent ist, macht die möglichkeit, solcherlei dinge zu tun und zu erleben, eine menge lebensqualität hier in berlin aus.
Cirque Du Soleil - Varekai
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mir die neue Show des Cirque Du Soleil nicht anzuschauen, weil ich ja wie gesagt mein Geld für die Blue Man Group investiert hatte. Tatsächlich hängen hier so viele Poster herum, dass ich stark am Hadern war, aber letzten Endes stark geblieben wäre.
Eigentlich.
Dann kam die Sängerin meiner Band.
Die nämlich arbeitete bei der Friendly Society, deren Geschäftsführer widerum vor einigen Jahren bei der damaligen Show des Cirque Du Soleil geholfen hatte und deswegen im Besitz einiger Premierenkarten war, inklusive - man halte sich fest - Zutritt zur After-Show-Party.
Man muss sich das mal vorstellen. Da verzichte ich und werde sogar belohnt, indem ich mehr bekomme, als ich ohne Verzicht gehabt hätte. Glück muss man haben!
Ich musste sie nicht lange überreden, mich doch mitzunehmen…
Sozusagen als kleines Bonbon, als Gegenleistung, als Gag oder whatever, sind wir bei der Frage der angemessenen Garderobe schnell darauf gekommen, dass ich etwas aus der aktuellen Sommerkollektion tragen sollte. Deswegen besagter Tagebucheintrag vom 29. Mai.
Wow! Mein erster Auftritt als Model! Spontan dachte ich über meine Lebensziele nach und überlegte mir, dass ich gerne den Hunger und die Armut der Welt bekämpfen würde, mit dem schließlichen Ziel Weltfrieden - nur, falls mich jemand fragen würde.
Während der Anprobe habe ich dann gemerkt, dass der Designer und ich soooo viel gemeinsam haben - wir sind beide blond, beide männlich, und fanden beide, dass das T-Shirt mir ganz gut stand.
Dies nur in der Nebensache. Ich war natürlich gespannt auf die Show - und die begann schon vor dem Zelt.
Zu einer standesgemäßen Premiere müssen natürlich auch ordentlich B- und C- Promis kommen. Selber erkannt habe ich Olivia Jones und Enie van de Meiklö, Meijkloe, - ach herrje, diese Holländer! - na Enie halt. Ihr wisst schon, wen ich meine. Und diesen Zacherl. Angeblich waren noch mehr da, aber die hätte ich nicht mal bei bestem Willen erkannt - und den hatte ich weißgott nicht…
Die Show selber war tatsächlich so spektakulär, wie ich es vom Video her kannte. Die Musik wurde tatsächlich live gespielt, die Kostüme waren bunt, ungewöhnlich, aufwendig, und die dargebotene Mischung aus Story, einzelnen Akrobatiknummern, Kunst und Kitsch war recht gut austariert. Eine eigentlich sehr schöne Szene war mir persönlich zu kurz, manchmal die Übergänge zu anderen Nummern zu lang. Leider waren unsere Plätze recht weit auf den Seiten, sodass man die Bühne zwar gut erkennen konnte; manche Aktionen auf selbiger aber eben nicht, weil die direkt nach vorn gespielt wurden.
Trotzdem wurden wir natürlich sehr, sehr gut unterhalten. Ähnlich wie die Blue Man Group, verbinden sich beim Cirque Du Soleil künstlerischer Anspruch, Kreativität, Professionalismus und Ästhetik zu einer Melange, die ihresgleichen sucht.
Kaum zu glauben, dass es eigentlich “nur” ein Zirkus war.
Die After-Show-Party war natürlich ebenfalls super. Das Spindler & Klatt ist eine gute Location für Partys solcher Art, und auch hier machten die Ansprüche des Cirque nicht Halt - selbst auf der Tanzfläche waren noch Artisten.
Leider habe ich die Schlangenfrau nicht wiedergefunden; ich hätte sie ja gerne noch ein paar Dinge gefragt…
Konzert? Film? Konzertfilm!
Von Varekai noch beeindruckt, fand ich mich samt meinem Kollegen R im Open-Air-Kino wieder, wir wollten uns Shine A Light anschauen.
Ehrlich gesagt, hat der Film nicht ganz meine hohen Erwartungen erfüllt. Ich persönlich fand die Mischung aus Dokumentation und Konzertmitschnitt ein wenig unbalanciert, so wie auch der Mitschnitt selber nicht ganz die Intensität wiedergeben konnte, mit der das Konzert stattgefunden haben muss - der in der Kritik erwähnte Aufwand war schon spürbar, aber ich habe schon Mitschnitte gesehen, die mit weniger Aufwand mir mehr das Gefühl gegeben haben, dabeizusein.
Lustig und unterhaltsam war er aber auf jeden Fall; der Soundtrack ist natürlich über jeden Zweifel erhaben.
Wenn ihr euch den Film anschaut: unbedingt die Anlage auf Anschlag drehen!
Nur der Himmel mit Deko
Als ich neulich nachts die besagte Radtour gemacht habe und am Ende in einem Garten saß und mich dort unterhielt, war der Himmel natürlich wolkenlos und im Gegensatz zu mitten in Berlin recht dunkel, sodass man viele Sterne sehen konnte.
Diese habe ich dann ausgiebig beobachtet - ich glaube, ich habe sogar die ISS gesehen - doch dann erschreckte mich eine Erkenntnis: Der Himmel kam mir vor wie eine angemalte Schale - da war plötzlich kein Weltall mehr!
Denn normalerweise ist es so: ich schaue mir den Himmel an, blicke zwischen die Sterne und sehe - etwas kitschig gesagt - die Möglichkeiten, die dort oben verborgen sind. Andere Welten, andere Lösungen und ein neuer (Rück)blick auch auf unsere Welt. Ich weiß nicht, ob es ausserirdisches Leben gibt (gehe aber davon aus) oder ob Stephen Hawking Recht hat mit seinen Theorien.
Aber wenn ich mir den Sternenhimmel angeschaut habe, waren sie immer da, die Möglichkeiten, Theorien, Träume.
Die ganz großen Fragen und Gedanken, und ich selber ganz klein.
Was ich an jenem Abend gesehen habe, war nur ein Himmel mit Deko, nicht mehr und nicht weniger.
Plötzlich war das All nicht nur räumlich unendlich weit entfernt - für mich gab es in dem Augenblick all diese Dinge aus dem vorangegangenen Absatz nicht mehr, und das hat mich schon fast schockiert.
Was bedeutet das?
Nach einigem Nachdenken bin ich auf eine recht banale Arbeitshypothese gekommen.
Wenn man sich dem Ganzen abstrakt nähert, sagt mir dieses Erlebnis folgendes: Mein Blick ist offensichtlich gerade fokussiert auf das, was unmittelbar vor mir liegt: Ausbildung, Freunde, Leben.
Da bleibt nicht viel Platz für das Weltall mit all dem, was es mir bedeutet.
Anders herum gesagt scheine ich gerade recht wenig Energie für philosophische Gedanken aufbringen zu können.
Das ist einerseits meiner Arbeit geschuldet - neben der vielen Zeit und Energie, die ich investiere, um meinen Job so gut es eben geht zu machen, lebe ich insbesondere bei Veranstaltungen direkt im jeweiligen Moment. Oft weiß ich nicht, welchen Wochentag wir haben, aber ganz genau, wann z.B. eine Kaffeepause ist oder ein Beamer gebraucht wird.
Andererseits beschäftigt mich das, was in meiner umittelbar erlebbaren Welt geschieht, gerade recht stark.
Es gibt so viele gesellschaftliche Probleme zu lösen (lokal und global), dass ich es schlichtweg für wichtiger halte, gerade den Blick auf der Erde zu lassen, bevor wir zum Mars streben - so spannend und wichtig ich die Erforschung des Weltalls seit je her finde.
Und drittens: vielleicht war ich auch einfach nicht in der Stimmung, mich ins All treiben zu lassen.
Wenn jemand ein Weltall findet, kann er/sie es mich ja wissen lassen.
Ach ja: mein mp3-Player ist auch weg…
Die Kneipe am Rande der Wüste, dort, wo selbst die Sonne nicht mehr brennt, weil sie sich verbraucht hat, war klein und hatte wenig Besucher; aber diejenigen, die kamen, blieben meist sehr lange.
In dieser Kneipe wurde wenig gesprochen. Die leise Bluesmusik, die von irgendwoher kam und die alles überwältigende Stille der Wüste sorgten für eine unausgesprochene, aber beinah spürbare Erfurcht vor dem Verursachen von Geräuschen. Fast schien es so, als wollte keine der Gestalten, die hier tranken, die erhabene Geräuschlosigkeit brechen. Man hätte sich eh Nichts zu sagen, was den Anderen nicht schon bewusst war.
Denn so unterschiedlich die Menschen gewesen sein mochten, als sie aufgebrochen waren - so laut, so oberflächlich, so verdammt selbstverständlich - die Wüste - der Sand, die Sonne, die Einsamkeit - hatte sie alle reingewaschen. Ehemals bunte Kleidung war ausgebleicht; lange, strähnige Haare säumten wettergegerbte Gesichter. Männer trugen lange Bärte, Frauen schon lange kein Make-Up mehr.
Wer hierher kam, den interessierten Äusserlichkeiten nicht mehr.
Man hatte die Wüste überlebt, sengende Hitze, quälenden Durst, der Sand hatte einen rundgeschliffen.
Die Einsamkeit, dieses unendliche Gefühl des Alleinseins, des Verlassenseins - aber auch des Ein-Seins mit der Welt und sich selber - die Einsamkeit, die es nur in langen mondbeschienenen Nächten in der Wüste gab, wenn aus der Ferne ein Koyote heulte oder vielleicht nur ein laues Lüftchen in einem der spärlich gesäten Büsche raschelte, diese Einsamkeit hatte in denjenigen, die nicht vor Durst, Wahnsinn oder Erschöpfung schreiend und verzweifelt einfach liegengeblieben waren und sich ihrem Schicksal übergeben hatten, die Pforte zu einer neuen Bewusstseinsebene geöffnet.
Es war, als hätte die Sonne ihre Herzen durchleuchtet und als sei nichts als die reine Kontur übriggeblieben, wie bei einem Foto, das zu intensiv belichtet wurde.
Wer in dieser Bar saß, der mochte die Sonne nicht. Der hasste sie aber auch nicht. Es gab sie einfach, ebenso wie die Wüste.
Es wurde langsam dunkel, und der einzige anwesende Gast beobachtete durch die Fensterscheiben am dunkelblauen, fast schwarzen Himmel gleichzeitig die Sterne und die Reflektionen aus der Bar, sein Bier sorgfältig neben der Kerze in dem über und über mit Wachs bedeckten Halter gestellt.
Die Kerzen spiegelten sich im Fenster, wie auch der Kronleuchter, scheinbar am Himmel schwebend.
In die Ferne erstreckte sich die Wüste, am Horizont zerklüftet und hügelig.
Der Gast hatte diese Wüste überwunden, doch sie hatte ihn bezwungen.
Selbstvergessen starrte er aus dem Fenster und im Kopf war er bei der Geschichte, die das Lied ihm erzählte, mit dem Herzen in der Wüste. Zeit war nebensächlich, und so dauerte die Nacht eine Ewigkeit und nur einen Augenblick gleichzeitig.
Die Kneipe am Rande der Wüste, dort wo selbst die Sonne nicht mehr brennt, weil sie sich verbraucht hat, und die nur von wenigen Menschen besucht wird, die aber lange bleiben, trug den seltsamen Namen Friedhof der Ideen und gebrochenen Träume - denn wer hier eingekehrt war, brauchte schon längst beides nicht mehr…
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Bademeister: Bist du schon fertig?!?
Ich: Nee, aber mein Handtuch wird nass.
Bademeister: Stimmt!
Eigentlich hätte ich das Handtuch auch liegenlassen können; ein wenig später hörte es sowieso auf zu regnen, und nass war es nun ohnehin schon.
Ich hatte mich nämlich kurzfristig entschieden, dem Badeschiff einen Besuch abzustatten - nach nervigem Samstagsarbeiten, schwüler Luft und allgemeinem Gefühl des Mal-Abtauchen-Wollens erschien mir das wie eine gute Idee.
Die ich dann umgesetzt habe; und so plantschte ich frühabends um sieben im verlassenen Becken. Kurze Zeit vorher hatte sich dort noch eine Familie (Mutter, Töchter, Freund derselbigen) vergnügt, doch angesichts sich drohend am Horizont dräuender Regenwolken - nebst der Tatsache, dass sie anscheinend schon länger im Becken waren - verlegten sie ihr Vergnügen an die Cocktailbar.
Und ich war allein. Es war herrlich!
Das Badeschiff, das muss man sich nämlich so vorstellen: Man hat etwas Eingefrorenes in einer Plastikschale, und das will man auftauen. Damit weder das Plastik kaputt geht, noch das Essen, steckt man es samt Schale in einen größeren Topf, der mit warmem Wasser gefüllt ist. So ungefähr funktioniert auch das Badeschiff, nur dass man selber das (eigentlich schwitzende) Eingefrorene ist, und die Plastikschale (=Badeschiff) in der Spree schwimmt, die natürlich nicht warm, sondern kalt ist - dafür ist das Badeschiff schön beheizt.
Verdammte Metaphern…
Es begann dann also irgendwann zu regnen, und das muss man sich schon vorstellen: kaltes, dreckiges Wasser von unten, kaltes, dreckiges Wasser von oben, und ich mittendrin in warmem, sauberen Poolwasser eines Freibades.
Der Platzregen hat richtig Spaß gemacht, das war wie damals im AquaDrom, als man im Winter ins Freibecken konnte. Da kann man nämlich das Scheißwetter richtig genießen, weil man ja jederzeit wieder ins herrlich warme Wasser kann. Zwischenzeitlich hat es so doll geregnet, dass die Oberbaumbrücke verschwunden ist, aber das war mir recht egal…
Jedenfalls war es schon toll, in einem Behältnis in der Spree herumzuschwimmen, das ordentlich beheizt war. Gegenüber die Gebäudekomplexe von Universal und empty-vee, im Fluss der gelegentlich auftretende Touridampfer, und nebst dem Körper kann man auch mal die Gedanken treiben lassen.
Sogar einen Fischreiher habe ich gesehen, aber der hat sich verpieselt, bevor ich näher an ihn heranschwimmen konnte.
Gefühlte fünf Stunden und geschwommene 20 Meter später, den Pool in preussischer Ordnung halb ausgetrunken - na gut, wir wollen nicht überdramatisieren, es war nur eine Stunde, und ganz so viel Wasser hab ich nicht verschluckt - war mein Handtuch zwar immer noch nass, aber das tat dem Spaß eher wenig Abbruch - toll wars auf jeden Fall!
gux du auch
http://lindenkind.blogspot.com/2008/05/herzlich-willkommen-freibadsaison.html
Es ist wunderbares Wetter, ausgeschlafen habe ich so einigermaßen, sogar schon gefrühstückt und mir über Tempelhof Gedanken gemacht, und während ich hier an der Tastatur sitze, werde ich von drei Seiten musikalisch umzingelt und eingekesselt - wie soll ich mich denn da konzentrieren?!?
Wir haben also: hinter mir - also geographisch gesehen im Westen, da mein Bildschirm gen Osten gerichtet ist (und das hat keinerlei religiöse, komödiantische, terroristische oder anderweitig geartete Ursachen - es ergab sich einfach so, weil ich dann die Einrichtung meines Zimmers als angenehm empfinde), also im Westen haben wir meinen Mitbewohner mit Turbostaat. Unter mir mal wieder Schlager allerübelster Schublade, und aus der Küche (also im Süden, von mir aus) wechselweise Elektronik oder Bruce Springsteen, gerne auch ein dort vergessenes Mobiltelefon.
Aus allgemeiner Rücksicht habe ich dann drauf verzichtet, weiterhin die White Stripes zu hören, aber auch das ist Makulatur, weil die Punkbeschallung ausm Westen gerade in den Park gegangen ist.
Die White Stripes habe ich schon ewig nicht mehr gehört; das ist mal richtig erfrischend, dieser auf oll getrimmte, unproduziert klingende New-Rock’n'Roll… und die Schallplatte ist aus pinkem, durchsichtigen Vinyl - das Auge hört ja mit… da leuchtet der ganze Plattenteller!
Eigentlich hatte ich aber vor, von etwas ganz Anderem zu schreiben, aber ich weiß nicht wirklich, wie ich mich diesem Themenkomplex nähern soll. Ach, einfach frei heraus:
Ich mag langweilige Sportarten.
Die Meisten der hier vorbeikommenden Leser werden es nicht wissen, aber jetzt gerade, in diesem Augenblick (und auch schon seit gestern, vorgestern, vorvorgestern und vielleicht sogar schon davor und auf jeden Fall noch mindestens eine Woche lang) findet die Snooker-Weltmeisterschaft statt.
Also Snooker, das ist eine Art Billiard, mit kleineren Kugeln, größeren Tischen, kleineren Taschen und komplizierteren Regeln. Schikipedia erklärt das ganz gut.
Jedenfalls ist diese Sportart vergleichsweise langweilig. Es stehen zwei Kerle am Tisch - eigentlich immer nur einer, der andere sitzt und wartet, trinkt dabei Wasser und versucht irgendwie, seiner Nervosität und der Anspannung Herr zu werden - und alle paar Minuten wird mal ne Kugel angestoßen. Man darf das jetzt nicht falsch bewerten. Die einzelnen Stöße können schon sehr spannend sein, und “The Rocket” Ronnie O’Sullivan spielt auf jeden Fall immer unterhaltsam, weil riskant und schnell. Ein Hochgenuss.
Ich will gar nicht näher drauf eingehen, warum eine Sportart wie Snooker für jemanden wie mich interessant ist. Oder warum jemand wie O’Sullivan mich fasziniert. Sie tun es einfach.
Nun weiß ich allerdings nicht, wie ich mich vernünftig aus der Sache hier zurückziehe. Einen Bogen zurück zur Musik schlagen? Klassisch, wenngleich nicht sonderlich originell. Ein Randfeature aufgreifen und einen kurzen, überraschenden Kommentar zu Tempelhof abgeben, den Leser förmlich das argumentative Messer in den Rücken hauen? Okay, es wäre eher ein Klappmesserchen.
Ich rette mich, indem ich sage: Ach schade, jetzt wollte ich noch so viel schreiben, muss aber die Platte umdrehen…
Genießt das Wetter!
nicht nur das neue Programm des Cirque du Soleil auswendig lernte, sondern auch die neue Haarpflegeserie von Wella ausprobieren durfte, sehr gut essen war, irgendwie so halb an der europäischen Clubnacht teilgenommen habe, eine Modenschau ansehen durfte, auf einer Party war und umsonst mit der Bahn fahren konnte…
Klingt nach einer Menge Unternehmungen, und alles in allem habe ich auch 24 Stunden dafür gebraucht. Hat aber Spaß gemacht.
Es begann also mit einem Casting für Platzanweiser, Kassierer/innen und ähnliche düstere Wesen, die bei Varekai, dem neuen Programm des Cirque du Soleil hier in Berlin arbeiten werden. Um die Wartenden zu unterhalten, lief ebendieses Programm - in einer Endlosschleife an die Wand geworfen - den ganzen Tag durch. Technisch war nicht so viel zu tun, also habe ich mir das Programm sehr ausgiebig angesehen.
Am besten gefiel mir die Nummer mit dem Italiener…
Abends bauten Wella noch eine Haarmodenschau auf, bei der die neuen Produkte vorgestellt werden sollten. Mir persönlich wurden ein Gel und ein Haarlack vorgestellt.
Anschließend hatte ich natürlich eine Menge Hunger und entschloß mich - auch aus evaluativen Gründen unseren Kunden gegenüber - im Umspannwerk essen zu gehen.
Es war großartig. Das Umspannwerk ist sehr gemütlich, stimmig eingerichtet. Das Personal ist sehr nett und zuvorkommend; besonders spannend ist die offene Küche - man kann beobachten, wie das Essen zubereitet wird. Selbiges war sehr lecker, Preis und Leistung stimmten überein.
Einziges Manko war die Tatsache, dass sie keinen Salat zum Essen reichen und die vegetarischen Alternativen nicht wirklich vorhanden waren. Empfehlenswert (zumindest für Fleischfresser) ist es trotzdem.
Während des Essens erreichte mich eine SMS, mit dem groben Inhalt, man würde sich langweilen und dumm herumstehen, während gleich die Modenschau, auf die man sich während des Praktikums vorbereitet hätte, begänne.
Kurzentschlossen, und weil die Alternativen alle nicht so geil waren (nach Hause fahren und pennen - keine Lust drauf, Kneipe - zu müde, Konzert - grad kein Tolles) fuhr ich also in den Admiralspalast und durfte - nach durchaus ergiebigen Verhandlungen mit dem Türsteher - herein, ohne die einem Admiral angemessenen 12 Euronen zu zahlen. Hab dann noch die Mode der kommenden Saison angeschaut (sommerlich, bunt, luftig, ein wenig romantisch, hell) und mich dann mit der Urheberin der Nachricht auf eine Party abgeseilt.
Angesichts des fortgeschrittenen Status des Abends und dem dementsprechenden Besäufnisgrad der meisten anwesenden Herren war dies Unterfangen minder spaßig, wenngleich ungemein unterhaltsam. Man endete natürlich mit den wenigen Nüchternen in der Küche…
Mein Fahrrad stand zum Glück noch am Admiralspalast. Die Leuchte allerdings ist geklaut worden, was aber nicht mal schlimm ist, denn sie war eine elendige Batteriefresserin.
Manchmal, da kommt einem das Leben vor wie ein Traum. Nicht im kitschigen Sinne, dass alles super sei oder völlig irreal, aber manchmal scheint es mir, als befände ich mich in einer Parallelrealität, die sich in unmittelbarer Nähe unserer “normalen” Realität befindet - und beide Welten trennt nur ein Atemzug.
Es ist beinah so, als trüge ich Kopfhörer, während ich durch die Straßen gehe. Die Welt ist genau so, wie immer, aber die Geräuschkulisse ist eine völlig andere. Menschen laufen an dir vorbei, und statt der Gehgeräusche lauschst du einem Song von Moloko. Statt des Schnaufens der anderen in der Bahn einen gehauchten Song von Emilie Simon, das hat zumindest ästhetische Vorteile.
Aber während sich Musik massiv in die Wirklichkeit drängt und einen Teil dieser ersetzt (so, als tauche man in ein spannendes Buch ein und kämpfe Seit an Seit mit Bilbo gegen den fiesen, bedauernswerten Gollum), ist dieses Gefühl der Irrealität sehr viel subtiler, wesentlich fragiler. Es ist beispielsweise nicht stark genug, um mich beim Arbeiten zu stören - aber ich glaube auch, dass die Arbeit ein Teil dieser Realitätsveränderung ist. Etwa in dem Sinne, dass ich ungewohnt früh aufstehe und - anstatt an meinem Schreibtisch - direkt vor Ort in der Mälzerei arbeite, und das eine ganze Woche lang.
Nein, es ist gerade einmal so stark, als dass ich nachts im Bett liegen und mich wundern kann, den Kopf voll mit einem Song, der aufgenommen werden will. Das muss später kommen, leider. Aber wenn es auch nur annähernd so toll wird, wie es im Geiste klingt, dass wäre ich sehr glücklich.
Es ist gerade einmal so stark, dass ich staune, über das Leben lache, mich begeistern lasse von der Dynamik, mit der die Dinge sich manchmal selber in die Hand nehmen.
Warum das so ist?
Möchte ich gerade nicht analysieren. Vermutlich ist es die Mischung aus ungewohnten Dingen, neuen Menschen, massiver Übermüdung - und der Überzeugung, dass alles, was passiert, sinnvoll ist.
Unsere Kunden haben sich heute mit dem Thema “Veränderungen” beschäftigt. Mir fällt dazu ein Spruch ein, den ich irgendwann mal aufgeschnappt habe: Veränderungen tun gut. Fast jeder findet es spannend, etwsa neues zu erleben, frischen Wind zu spüren. Warum haben die meisten Menschen trotzdem eine solche Angst davor?
Nach zähen Verhandlungen mit meiner Schwester darf ich wieder die Bilder zeigen:
Meine kleine Schwester Alicia nimmt sich gerne mal mein Mobiltelefon, wenn ich sie mal besuche. Einerseits ist sie fasziniert von elektronischen Spielzeugen, andererseits ist es natürlich cool, sich das schicke Telefon vom Bruder zu nehmen.
Soweit, so gut. Sie kann eh nirgendwo hintelefonieren, da ich das Telefon dann immer sperre.
Wie ich erst vor kurzem bemerkt habe, hat sie anscheinend herausgefunden, wie die Kamera funktioniert:
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meine mutter. wohl ein erster versuch. und ihr vater. super, diese weitwinkligkeit
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die kleine, fast impressionistisch anmutende serie “bruder beim teetrinken”
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das wohnzimmer, (vorweihnachtlicher) lebensmittelpunkt der familie.
An dieser Stelle muss ich einwerfen, dass ich bei vielen der Photos anwesend war (die Zeitung auf dem Tisch entlarvt mich) und oft auch wusste, dass sie gerade etwas fotografiert - aber eben auch oft davon ausgegangen ist, dass sie eines der Spiele spielt, die ich ihr gezeigt habe. Hmm, sollte man aufmerksam sein, wenn man (seinen) Kindern digitale Medien in die Hand drückt?
der erste schultag rückt näher:
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zunächst die gerade geschenkt bekommene schultasche. dann wird die sicht etwas globaler, der fokus weitet sich:
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die schultasche muss ja auch getragen werden. da die fotografin selber nicht verfügbar ist, übernimmt teddy die rolle.
da fehlt aber noch was in der komposition: aha, die murmel!
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dahinter steckt ja richtig methode: zunächst das gesamtbild teddy, schultasche, murmel.
dann der fokus auf die murmel, auf den teddy, dann ein experiment mit der perspektive.
ist euch aufgefallen, dass der große teddy den kleinen im arm hat? geborgenheit ist alicia sehr wichtig.
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einen tag später: diese drei bilder scheinen mir ein wenig uninspiriert, obwohl ich das bild mit der blume klasse finde.
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die weihnachtsschätze werden dokumentiert.
Die Bilder von sich selbst habe ich herausgenommen. Wer sie sehen möchte: komm mich besuchen!
Übrigens stammen alle Photos aus zwei Sets (August 07, Dezember 07) und sind - jeweils für sich - in der chronologisch korrekten Reihenfolge wiedergegeben. Nicht gezeigt habe ich nur die Bilder, auf denen wirklich nichts zu erkennen war.
copyright: alicia w.
… heute: dinge, die man so garantiert nicht auf der landkarte findet.
oder: au weia, gibts wirklich nur noch das ?!?
Man nehme also nen ausgehungerten Sascha, einen gewaltigen Karton voller Küchendinge und lasse ihn nicht die Bratlinge finden. Dann nämlich muss er improvisieren, was zu folgender kulinarischer Absonderlichkeit führt:
Nudeln mit einer Champignon-Chicken-Tom-Kai-Kokosmilch-Curry-Soyageschnetzeltes-Soße.
Ein bisschen scharf (aber nicht so sehr, dass es nimmer schmeckt), ganz schön sonderbar (näxtes mal weniger Kokosmilch) und im allgemeinen überraschend köstlich.
Photo konnt ich nimmer machen, hatte schon alles verputzt…
Also:
Nudeln (am besten al dente und nicht so matschig, wie bei mir)
Chicken-Tom-Kai Paste (findet man im WG-Küchenschrank)
Soyageschnetzeltes (aus dem großen Karton, ebenfalls in der Küche)
Curry
Champignon-Fertigsuppe (die musste halt weg, und ausserdem hatte ich Lust auf Champignons)
Kokosmilch
Die Nudeln für sich, den Rest in einer Pfanne wahlweise aufweichen (das Geschnetzelte) und aufkochen (der Rest) lassen, bis man glaubt, es sei fertig (Hunger kann hier Wunder wirken). Kurz ungläubig in die brodelnde, dampfende Masse schauen und sich dabei denken: “Naja, sooo hungrig war ich nicht und überhaupt: wir haben doch noch Ketchup”.
Großes Kino!
sie sind definitiv sehr besonders für mich. weil sie mich in zeiten und stimmungen versetzen, die ich mal erlebt habe, nach denen ich mich manchmal zurücksehne oder die mir als beeindruckende erinnerung verblieben sind:
ich mochte sie gerne, diese knackige, klare kälte, bei der die luft schon ein ganz kleines bisschen nach frühling gerochen hat. hat dann der mp3-player auch noch zufällig mobys “play” gespielt, dann war ich ganz hin und weg, denn das album erinnert mich immer an den sommer nach neuseeland, als ich in meinem neuen zimmer² in hambergen gewohnt habe - gerade hatte mama einen neuen freund/mann, ich bekam ein neues schwesterlein, hab mich so richtig in den ev.jugend-hype reingelebt und in hambergen mit katharina akte x geschaut.
auch wenn ich nicht ausschließlich gute erinnerungen an den sommer habe, so fühle ich mich, wenn ich “play” höre, als hätte es mich in diese zeit zurückversetzt. manchmal rieche ich sogar die gerüche von damals oder erinnere mich sehr lebhaft an das gefühl, meine kleine schwester im arm zu halten - und das finde ich unheimlich beeindruckend.
2: riesengroß, schön, mit treppe zum dachboden, mit balkon, mit dachschräge voller postkarten und neuseeland als lichterkette an der decke - selbige hatte mein neuseeländischer kumpel david gestaltet, nachdem er befunden hatte, dass die alte anordnung der lichterkette ihn zu sehr an australien erinnert hatte…
ich hatte ja schon vom ende berlins geschrieben, und das ist das album, was ich damals gehört habe. ich hatte es gerade so noch bekommen, dann sind erfi und ich losgefahren, um einen schweinekalten sehr geilen winter in berlin zu erleben - als wir am bahnhof zoo ausgestiegen waren und durch die schneewehen stapften, hatte ich kurzzeitig das gefühl, es hätte mich nach sibirien oder kanada verschlagen - zum teil waren autos unter den schneewehen…
kennt ihr übrigens das sibirische klo?
das besteht aus zwei stöcken.
einen zum dran festhalten beim hinhocken.
den anderen, um die wölfe zu vertreiben…
sorry, aber ich fand das witzig.
also: kälte, erfi, timo, franzis freundin, mit der ich sehr spät frühstücken war, der görlitzer park - und zwischen all dem der wunderbare powergesang von irene jansen, immer wieder. manchmal ist es sonderbar, dieses album wieder zu hören, weil ich jetzt jeden tag hier in berlin verbringe.
und vielleicht der görlitzer park als einziger neben dem album geblieben ist.
ein wenig sonniger - wenngleich melancholischer - wird mir, wenn ich “lost in space” von aimee mann höre. ja, sonnig und melancholisch geht. weil ich das album intensiv während eines sommers auf borkum gehört habe, während ich mich vom zivildienst/der nua:lounge und dem ganzen drumherum erholt habe und auf mein studium wartete - allerdings immer nur abends, wenn alles sich langsam beruhigte und die ruhige stimmung des albums sich voll entfalten konnte - und ein bisschen melancholisch ist es nun einmal, das album.
heißer her gehts mit dem “buena vista social club” und dessen album, das nils und ich sehr viel gehört haben, wenn wir cocktails gemixt habe. entgültig hängen geblieben ist das album - insbesondere mit “chan chan”erst an dem tag, als wir vormittags am baggersee waren und uns dort die wohlverdiente abkühlung geholt haben - es gibt wenige tage, die ich als genau so heiß im kopf habe, wie diesen.
irgendwann bin ich also losgefahren, um auf dem osterholzer stadtfest cocktails zu machen - bis dann zwei freunde vorbeikamen, mit denen ich mir vorher noch am see war, und der eine mir eröffnete, sein bruder sei bei dem heißen wetter erstickt.
ich habe das album seitdem ein einziges mal gehört.
was mich jedesmal wieder enorm beeindruckt, ist die intensität, mit der diese alben mich wieder in die jeweilige zeit versetzen. es ist nicht nur so, dass ein film in meinem kopf abläuft, den ich mir dann anschaue, sondern ich habe wieder eine genaue vorstellung davon, wie es mir damals ging. wenn man so will, werde ich wieder in meine damalige version zurückversetzt. das geht so weit, dass ich wieder den geruch von limetten rieche (weil wir viel caipirinha gemacht haben in jenem sommer), ich das gefühl habe, wieder mit kat auf dem sofa zu sitzen und akte x zu schauen, oder halt meine kleine schwester schreien höre. wobei das in diesem fall der reale säugling in der wohnung über mir ist
jedenfalls finde ich diese zeitmaschine natürlich einerseits spannend und unterhaltsam, andererseits zeigt sie mir auch, welchen weiten weg ich schon gegangen bin (und alle anderen ebenfalls) - und was noch so alles vor mir liegt.
denn ich hoffe natürlich, dass sich noch viele weitere momente in meinem hirn festbrennen, am besten mit viel, viel toller musik.
p.S.: versprechen eingelöst!
… ich möchte fair bleiben: am Sonntag Abend habe ich zufällig wieder Radio gehört - das Jugendprogramm von fritz - und da hatte der Moderator die witzige Idee, sich mit einigen SchülerInnen am Telefon über den drohenden Schulanfang, das Leben und alles Weitere zu unterhalten - und während dieser Unterhaltung ein Lied herauszusuchen, dass genau auf die Person passt, mit der er telefoniert. Hat sogar ganz gut funktioniert (und er hat echt mal gute Musik aufgelegt, vielfältig und spannend) und war sehr unterhaltsam.
Na bitte, es geht doch!
Terry Pratchett hat Alzheimer
Diese Nachricht hat mich sonderbarerweise nicht richtig schockiert oder getroffen, aber vielmehr doch recht traurig gestimmt. Gerade habe ich noch einen Bericht im Spiegel über diese in meinen Augen sehr grausame Krankheit gelesen, da finde ich heute bei WordPress diese Nachricht, die eben aussagt, dass bei TP eine Form von Alzheimer diagnostiziert wurde - und damit einer der besten Schriftsteller, die ich kenne, einer Krankheit anheim fällt, die ich niemandem an den Hals wünschen würde.
Die spontane Assoziation war jene eines Phantásia, das vom Nichts aufgefressen wird, weil Bastian seine eigene Identität vergisst.
Dieses Schicksal wird der Scheibenwelt wohl auch wiederfahren müssen, und ich finde es mehr als ironisch und sehr, sehr, grausam vom Schicksal, dass der Mensch, der so viel Phantasie, so viel Witz und Quergedachtes in unsere Welt gebracht hat, der mir so viele schöne Stunden beschert hat und den ich bewundere, sich irgendwann selber am wenigsten an sein Werk wird erinnern können - und damit um den Lohn dessen gebracht werden wird, das er sich sein Leben lang erarbeitet hat.
Klar muss er irgendwann mal sterben, das müssen wir alle. Aber muss es auf diese Weise sein?
Wie er selber sagt, wird es wohl noch für ein paar Bücher reichen, und ich hoffe, dass er die Scheibenwelt zu einem würdigen Ende bringt (wenn er das nicht eh schon längst geschrieben hat, vorstellen könnte ich es mir) - wäre doch schön, zu sehen, wohin Groß A’Tuin eigentlich “schwimmt” und ob er/sie das große Ziel erreicht.
Auf diesem Wege die besten Wünsche an Herrn Pratchett, und alles erdenklich Gute für die Zukunft, denn - auch das sagte er - noch ist er ja nicht tot.
Genießen und würdigen wir also das, was noch kommt!
Die originale Nachricht bei Paul Kidby
Es begann - wie so viele Dinge - mit einer Vorahnung: gabs da nicht einmal eine Kinderserie, die ich geguckt habe…
Weiter kam ich mit meinen Überlegungen nicht. Außer, dass ein Hauch einer Ahnung durch meinen Geist schwebte, wusste ich nicht wirklich, woran ich da so andeutungsweise versuchte zu denken.
Zwei bis drei einschlafschwierige Nächte später war ich immerhin so weit, dass ich wusste, dass in dieser Serie ein gelber Punkt vorkam - oder vielmehr ein gelber Wurm, der Zini hieß und immer mit so einer komischen hohen, verfremdeten Stimme gesprochen hat. Vor allem das extrem langgezogene “Tschüüüüüüüüüüüß” hing mir noch irgendwie im Ohr - und ich erinnerte mich, dass er immer den schwarzen Moderator (an dessen Namen ich mich partout nicht erinnern konnte) geärgert hat.
Eine bis zwei weitere Nächte später hatte ich dann auch endlich den Namen der Serie: Spaß am Dienstag, so schlicht wie schön hieß sie.
Der Rest war schon bald ein Klacks: Wikipedia angeschmissen, den Titel eingegeben, und siehe da: meine Kindheitserinnerungen waren einigermaßen exakt. Jetzt weiß ich, dass Zini eine optische Rückkopplung ist, dass der Moderator Ron Williams hieß (klar, wie konnte ich das vergessen…) und die Sendung mehrfach umstrukturiert wurde.
Hach, schön, da wurde mir ganz nostalgisch zumute…
Spaß am Dienstag bei Wikipedia
Ein Wuslon
phook the hell!
oder: Musik, das Leben und der verdammte Rest.
oder: Ein gefühlter Montag macht noch keine Woche.
oder: Mehr als zwei oders sind komisch.
oder: werden wir ja sehen…
“Nee, nee, jeh mal nisch zur Jemüsesuppe, der da is uff keenen Fall Vejetarier!” postulierte der Caterer in Richtung seines Kollegen und meinte dabei mein wie zufällig und trotzdem sehr zielstrebig aufs Essen zusteuerndes ich.
Für einen kurzen Moment war ich perplex und in einer Art logischen Kettenreaktion gefangen. Es hatte mich, ehrlich gesagt, nur minder getroffen, nicht als Vegetarier per se erkannt zu werden, dehnt sich meine Fleischabschiedstournee doch schon recht lange, und der mir von zahllosen Hannoveranern verliehene Titel “Schlechtester Vegetarier aller Zeiten” trifft die traurige Wahrheit schon recht gut. Dabei ist es interessanterweise egal, ob es sich um zugezogene Hannoveraner handelt oder nicht.
Jedenfalls, ich war gefangen. Sollte ich eine Gemüsesuppe essen, um dem Vegetarismus zu genügen? Oder - in einer Art vermiedenen Trotz - die Vorhersage bestätigen und nach der Pfefferwurstkartoffelsuppe verlangen? Vielleicht aber - um die erwartete Trotzreaktion erst recht zu bestätigen - gerade die Gemüsesuppe wollen?
Bevor ich mich versah, war die leckere Suppe auf meinem Teller.
Trotzdem fühlt es sich stark nach Montag an, wenn man mit so etwas konfrontiert wird.
Am echten Montag - erkennbar am Kalender und an all den kleinen Dingen, die zwar irgendwann funktionieren, aber bis dahin unglaublich anstrengend und ätzend sind - erreichte mich folgende Meldung:
Universal kauft V2
Äh, das ist jetzt schon ne Weile her, aber manche Mühlen mahlen eben langsam:
Verdammte Scheiße, was soll der Mist?!? V2 galt für mich bisher immer als eine Art musikalischer Himmel, hatten sie doch so Menschen wie Aimee Mann, Tiger Lou, Architecture In Helsinki, The Polyphonic Spree, Dogs Die In Hot Cars oder Underworld unter Vertrag und standen damit für künstlerische Integrität abseits des ganz großen Mainstreams.
Jetzt kommen also diese Pisser von Universal daher und kaufen sich den Laden einfach, um direkt danach alle bisherigen Mitarbeiter herauszuwerfen.
Nun bin ich - im Gegensatz zu meinem Chef - im Raubtierkapitalismus aufgewachsen; da gehört es einfach dazu, dass die großen Haie die kleinen Fische fressen, so naiv bin ich ja nun auch nicht. Aber V2, das war bisher immer der eine coole Fisch, der den Haien gesagt hat: So aber mal nicht, Jungs.
Weil, der wusste: ich kann mich in meiner kleinen Höhle verstecken, und solange ich flinker bin als die großen, bösen Haie, brauche ich keine Angst zu haben.
Hmm. Verschätzt, würde ich sagen.
Jetzt kann man zu Recht fragen: Warum schreibt der Sascha über so nen Scheiß, wo doch unsere Grundrechte zum Teufel gehen und dieser Staat noch unerträglicher wird? Nun denn. Zum einen sollte jeder Amöbe, die halbwegs geradeaus verdauen kann, klar sein, dass der Schäuble alles tut, ausser das Grundgesetz zu schützen. Im Gegenteil, er bombardiert, durchlöchert, unterhöhlt, zerstört und sabotiert es, wo er kann. Und das ganze Parlament zieht mit.
Inzwischen geht es - glaube ich - nicht nur mir so, dass ich mehr Angst davor habe, unrechtmäßig verhaftet zu werden, als Opfer eines Attentats zu werden. Der Unterschied: das Attentat hat wenigstens irgendwann ein Ende, der Schäublewahnsinn beginnt erst…
Andererseits ist Schäublebashen schon fast uncool, weil das gerade alle tun.
Anyway, es muss auch gute Nachrichten geben, sonst wäre es nicht milchmithonig.
Also: Radio Eins (dieselben, die mir die V2-Nachricht überbrachten) hat noch am selben Abend The Great Gig In The Sky von Pink Floyd gespielt (also das mit der Frau, die so: AaaahaaaaaUUuuuuhuuuuuuaaaaaaauauauuuuuuuuuaaaaaaaaaaaoooooohooooooo macht), von dem großartigen Dark Side of The Moon - meiner Meinung nach haben sie nie ein besseres Album gemacht.
Solange noch solche Lieder im Radio gespielt werden, gibt es auch noch Hoffnung.
Es ist verdammt scheissenkalt. Jedenfalls fühlt es sich so an. Gefühlt Minus 20, die Uhr an der Ecke verrät mir: doch nur 0 Grad. Aber durch den Nachhauseweg, der scheissenverdammtkalt war, ist die ganze schöne Anduselei wieder verlustig gegangen.
Was bringt es denn, was zu trinken, und zuhause im Bett ist man wieder nüchtern?!?
Ich hätte vieles darum gegeben, direkt aus der warmen, kuschligen, gemütlichen Bar in mein Bett gebeamt zu werden, zähnegeputzt und alles. Aber nein, es geht ja durch die kaltverdammte Scheiße äh, Kälte, und zwar per pedes.
Dabei fällt mir ein, dass das Star-Trek-Team den Beamer nie wirklich ausgiebig genutzt hat. Man könnte sich nämlich ohne weiteres satt beamen, da bräuchte man nichts essen - obwohl einen das um einige interessante haptische Eindrücke bringen würde… - man bräuchte auch nie wieder Angst vor Krankheiten oder Tod haben. Der Computer scannt einen ja eh ein, wenn man gebeamt wird. Entweder bereinigt er die DNA gleich beim Beamen, weil er alle Krankheiten (und deren Erreger, sofern es welche gibt, kennt), oder aber, man scannt jeden Abend seinen Körper ein und hat so eine Art Backup, auf die man im Falle eines Falles zurückgreifen könnte. Damit wäre eigentlich jedes Problem gelöst, und jede Zivilisation, die in der Lage ist, Captain Kirk auf die Menschheit (und schlimmer noch: das All und dessen unendliche Weiten) loszulassen, müsste selbstbewusstverrückt genug sein, um mit der Möglichkeit multibler Personen nicht nur umzugehen, sondern damit auch fertigzuwerden.
Ausserdem könnte man unendlich viel herumprobieren: wie wäre die Welt, wäre ich nur 10 cm groß? Wie fühlt es sich an, zweidimensional zu sein? Wie, wenn der Körper in Scheiben geschnitten ist?
Aber das wollten sie in Star Trek ja nicht. Die haben lieber diese Fluffviecher überall herumlaufen lassen.
Bleibt noch Eines: ich hatte die sehr plastisch vor meinem geistigen Auge erscheinende Vision vierer Krankenwagen, die sich - allesamt unter Blaulicht und damit im Recht wähnend - in der Mitte einer Kreuzung getroffen haben, also in einem Sinne, der da lautet: Das wird teuer. Blechschaden ohne Ende, einer, zwei oder gar drei Krankenwagen umgekippt und die Verletzten, die hinten drin waren, rollen auf ihren Tragen in die vier Himmelsrichtungen auseinander.
Wenn jemand sich inspiriert fühlte, das zu malen: bitte, bitte. Ich würde mich gigantisch freuen.
It’s only Rock’n'Roll but I like it.
Neulich ist die älteste Deutsche verstorben.
Mal abgesehen von der Unmöglichkeit dieser oder ähnlicher Formulierungen - schließlich gibt es ja immer eine älteste Deutsche - erinnerte mich der Bericht über ihr langes Leben - das im Kaiserreich begann, zwei Weltkriege, eine Mauer, eine Wiedervereinigung und den Schritt von der Kutsche zum Auto, vom Rechenschieber hin zu Youtube überdauerte - an einen Gedankengang, den ich im Gespräch mit meinen Großeltern und beim Nachdenken über meine eigene Zukunft oft habe:
Was mag wohl noch so kommen?
Mir geht es dabei weniger um die drängenden gesellschaftlichen Probleme, auf die wir zusteuern - Klimawandel und dessen Folgen, Energieverbrauch, Globalisierung in all ihren Facetten - sondern ich frage mich, welche Herausforderungen mir das Leben allein in (alltags)technischer Hinsicht stellen wird - und wie ich diese meistern werde.
Allein mein Opa - obwohl mitnichten der älteste Deutsche oder überhaupt nahe dran - ist mit Pferdefuhrwerken aufgewachsen; mittlerweile gibt es Autos mit DVD-Player und iPod-Dock, die via Internetverbindung die beste Route heraussuchen und im Notfall von allein zum Stehen kommen können.
Es hat eine enorme technische Entwicklung stattgefunden, deren Rasanz meinen Opa zu kauzig anmutenden Verhaltensweisen nötigt. Beispielsweise kämmt er sich vor dem Telefonieren die Haare oder beklagt sich beim Thema “Alkohol und fahren” halbernst darüber, dass Autos - im Gegensatz zu Pferden - nicht von allein nach Hause finden, wenn er mal einen über den Durst trinkt.
Manchmal frage ich mich dann, ob ich dereinst erfundenen Dingen und Strukturen erstens ähnlich offen gegenüberstehen (er mag Autofahren) und zweitens auch ähnlich unverständig entgegentreten werde - schließlich kann ich nur nackt oder ungewaschen telefonieren, weil ich die Technologie verstehe…
Ein Punkt, der mich dabei unwahrscheinlich nervt, ist die Tatsache, dass ich mir nicht vorstellen kann, was sein wird - ist ja auch logisch, denn sonst wäre ich derjenige, der es erfände. Klar, es gibt Dinge, die ich als möglich erachte, wie das Beamen, automatisiertes Auslesen von Gedankentendenzen, fliegende Autos…
Wann wird allerdings der Punkt erreicht sein, an dem Halbwissen und Vorstellungsvermögen (ich weiß, wie ein Transistor funktioniert. Wie zwei, vier, acht… zusammengeschaltet werden können, auch. Wie ein Pentium Dualcore im Detail funktionert, nicht mehr - aber es ist keine Magie im Spiel…) sich in Unverständnis verwandeln?
Wann werde ich das erste Mal sagen: “das ist ja Zauberei” , so wie Oma es tut, wenn ich ein Photo mit dem RAZR mache und es meiner Schwester schicke?
Einen Vorteil habe ich gegenüber meinen Großeltern: ich glaube nicht, dass wir noch einmal so allumfassende Revolutionen erleben werden, wie es die Schritte zum industriellen respektive Informationszeitalter waren. Nein, unsere technischen Revolutionen werden subtiler sein, mehr vom Brodeln der digital-globalisierten Welt verschleiert werden. Der Schritt von analogen zu digitalen Speichermedien war größer, als der z.B. von der DVD zur Blue-Ray-Disk.
Ich bin es gewohnt, in einer Welt aufzuwachsen, in der viele Dinge automatisiert ablaufen. Wenn ich irgendwann ein Interface benutzen werde, das beispielsweise auf Sprachkommandos, auf Gesten oder auch nur Gedankenströme reagiert, dann werde ich wissen, dass hochkomplexe Rechenvorgänge mir das abnehmen, was ich in dann grauer Vergangenheit getan haben werde: tippen. Und dass auch tippen nur bedeutet, einige Transistorschaltkreise so zu beeinflussen, dass sie zu anderen Ergebnissen kommen.
Mein zweiter Vorteil wird sein, dass ich - nebst allen anderen meiner Generation - mehr oder minder gezwungen bin, mein Leben lang dazuzulernen. Allein das Führen dieses Blogs, meine Arbeit und viele andere alltägliche Dinge setzen eine Fülle von Kompetenzen voraus, die die Generation Großmutter weniger dringend brauchte, und folglich nur begrenzt trainiert hat. Sie mussten sich nie mit der Benutzerführung eines Mobiltelefonmenüs herumschlagen, weil es das nicht gab, als Oma 24 war.
Vorstellbar wäre auch, dass es zu einer großen Energiekrise, dem Sieg des Kapitalismus über die Menschlichkeit oder der großen Flut kommen könnte. Einerlei, ob positiv oder negativ, ich frage mich, wie ich (re)agieren werde.
Und wann ich meine Enkel das erste Mal darum bitten werde, mir den Musikmikrochip - der unter meine Haut implantiert wurde und ausgehend von meinem Gemütszustand Musik komponiert - so zu programmieren, dass er nicht immer nur Classic Rock a là Placebo spielt…
Eine spannende Zukunft
Eine vergangene Zukunft
Eine Zukunft, die nicht werden sollte
…oder so…
oder: Platten, die begeistern
Bei aller Begeisterung über den Plattenspieler muss man sich natürlich fragen, was dahinter steckt. Was bringt einen Menschen wie mich, der nicht nur mit der CD aufgewachsen ist, sondern auch das Prinzip der mp3 richtig klasse findet, dazu, sich altertümlich anmutende Schallplatten anzuhören und vor allem richtig viel Geld für nen Plattenspieler auszugeben?
Die einfache Antwort: es ist mein Hobby.
Nicht mehr, nicht weniger.
Räumen wir einmal mit ein paar Vorurteilen auf: man kann nicht per se sagen, die Schallplatte sei “besser” oder “schlechter” als die CD. Ich selber bin dieser Fehlinterpretation auf den Leim gegangen; eine halbe Nacht lang habe ich mit einem Kameramann über digitale vs. analoge Technik diskutiert.
Klar ist: die analoge Wiedergabe eines analogen Signals auf einer (analogen) Schallplatte ist prinzipiell “näher” am Original, weil eben analog - wie Schallwellen es nunmal sind. Dieser Technik sind ganz klare Grenzen gesetzt, z.B. in der Dynamik (weil sonst die Rillen einfach zu groß würden) oder auch in der Auflösung (das hängt stark von der Nadel ab) - das kann die CD wesentlich besser - digitale Nullen und Einsen nehmen nunmal immer den gleichen Platz weg. In Punkto Räumlichkeit liegt die Platte wieder ein bisschen vorn, und so weiter. In beiden Fällen gilt: ein gutes Abspielgerät ist viel wert.
Keine Kratzer (bei der CD) und kein Staub (bei der Platte) auch…
Eins ist klar: eine gut gemasterte Platte ist einer schlecht gemasterten CD immer überlegen, aber umgekehrt gilt eben genau das Gleiche. Auf dem High-End-Level dürften beide etwa gleichauf liegen; die CD hat da natürlich unschlagbare Vorteile wie Transportierbarkeit oder Unempfindlichkeit gegenüber Fingerabdrücken, keinen machanischen Abrieb …
Nein, für mich persönlich liegt das Unterscheidungsmerkmal in der unterschiedlichen Herangehensweise an die Medien. Eine CD lege ich ein und spiele sie ab. Das funktioniert immer, und das praktiziere ich auch ausgiebig.
Eine Schallplatte verlangt da nach einem ganz anderen Maß an Aufmerksamkeit; nicht nur, dass man sie vorsichtig aus der Hülle ziehen muss, nach dem Auflegen bürste ich einmal den Staub ab, schalte den Motor ein, bringe die Nadel in Position und setze diese dann *vorsichtig* ab. Spätestens nach der Hälfte muss dann gewechselt werden.
Ich widme einer Schallplatte also eine ganz andere Aufmerksamkeit als einer CD.
Dann höre ich die Musik natürlich auch recht laut, und hier kann der Plattenspieler groß punkten.
Ein nicht ganz unwichtiger Nebenaspekt: Platten kommen ohne Kopierschutz; ich habe immer das gleiche hochwertige Produkt. Keine Löcher, kein Vielleicht-Kann-Ich-Es-Abspielen, kein Kompromiss - und ich muss mir keine Sorgen um meinen Computer machen…
Nichtsdestotrotz liebe ich natürlich CDs; eben gerade wegen ihrer Vorteile und ihrer Entstehungsgeschichte sind sie eine unglaublich tolle Erfindung.
mp3 halte ich für nen richtigen Geniestreich; wobei man schon sehr deutlich hören kann, dass da “was fehlt” - vor allem, wenn man sie laut hört. Dafür habe ich schon viele Bands kennen- und liebengelernt, eben weil ich mir über myspace, Bandwebsite, Freundeskreis oder pandora/last.fm mal eine oder mehrere mp3s anhören konnte - als unverbindlichen Test sozusagen. Nicht selten ist daraus ein (gekauftes!) Album geworden; an mir macht die Musikindustrie also ordentlich Gewinn, obwohl ich vermute, dass sie in ihrer typischen Schwarz-Weiß-Malerei auch mich zum Verbrecher abstempeln würde.
Im Original (als Vinyl) gekauft und gehört genossen habe ich:
Sigur Ròs - ( )
Dieses Album ist groß.
Dieses Album ist und bleibt eines der schönsten Stücke Musik, die ich kenne. Schwermütig und melancholisch, ja, aber eben auch zum Sterben schön. Im Gegensatz zu “Takk” oder “Aegaetis Byjurn” siegt hier die Musik gegenüber der Zugänglichkeit, was aber auch bedeutet, dass es kein Album für “mal eben nebenbei” ist.
Dämmerung, Tee und der Platz direkt vor den Boxen trifft es da schon eher.
Rezension auf laut.de
cux du amazon
Oasis - Heathen Chemistry
Oasis sind die größte Band der Welt. Bis ich Blur höre, dann sind sie es. Bis ich dann wieder Oasis höre…
Im Ernst: es gibt bessere Bands, sowohl als Oasis, als auch Blur. “Heathen Chemistry” ist auch nicht unbedingt das beste Album, das die Brüder Gallagher gemacht haben, aber ein Gutes.
Manche Songs - wie “Stop Crying Your Heart Out” oder “Little by Little” sind perfekter Britpop und toll, andere sind eher nettes Beiwerk.
Architecture in Helsinki - In Case We Die
“Oh Gott, was ist denn das?!?” dachte ich, als ich dieses Album nichtsahnend auflegte, es schon vor anderthalb Jahren gekauft habend - weil mir der Name der Band und das Cover gefielen. Jetzt ballert mir das Pendant eines unaufgeräumten Kinderzimmers um die Ohren…
Insgesamt 42 Instrumente haben die Australier benutzt, manche mehr, manche weniger gut gespielt, und dazwischen haben sie einen ganzen Haufen schöner Popperlen versteckt. Hat man sie erst einmal gefunden, dann macht das Album richtig viel Spaß.
the zutons - tired of hanging around
Die Zutons habe ich zum ersten Mal am 22.04.06 in Hamburg gehört; dort waren sie Teil des “Visions Spring Break” - zusammen mit den Kooks, Duels und Archive. Es darf munter geraten werden, wen ich eigentlich wirklich sehen wollte…
Die Zutons waren mir mit ihrem leicht naiven, souligen “New-Rock’n'Roll” allerdings gleich recht sympatisch. Gleiches gilt für das Album.
Rezension auf laut.de
cux du amazon
Queen - A Night At The Opera
Man mag es kaum glauben: dieses Album wurde 1975 aufgenommen, noch auf Tapes - und Schneiden hieß: das physikalische Band auseinanderschnippeln und aneinanderkleben.
In Queentypischer Manier sind die Songs spitze; “Death On Two Legs”, “The Prophet’s Song” und “Bohemian Rhapsody” natürlich den anderen haushoch überlegen.
Der Produktion hört man an, dass sie aus den Siebzigern kommt; auch wenn ich davon ausgehe, dass das Scheppern und Krachen beabsichtigt ist, hört man von der Gitarre nur die Höhen (was aber auch ein Trademark von Brian May ist), und der gesamte Mix ist nicht so fett wie heutzutage, auch wenn sie schon intensiv mit Flangern und anderen Effekten spielten…
Die Klarheit, mit der “Bohemian Rhapsody” aufgenommen ist, fasziniert mich allerdings immer wieder… glasklar, obwohl sie das Tape so oft überspielt haben, dass es der Legende nach beinahe schon transparent war.
laut.de gabs da noch nicht, lol!
cux du amazon
Massive Attack - Blue Lines
“Mezzanine” ist rockiger und abwechslungsreicher, “Blue Lines” hat die schöneren Songs. Ich mag beide Alben sehr gerne, aber “Unfinished Symphony” - ohnehin ein toller Song - hat mir erst gezeigt, was der Plattenspieler eigentlich so wirklich kann. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, unmittelbar vor der Band zu sitzen und konnte nicht wirklich glauben, dass ich da vorne, in der Mitte nur das Bücherregal habe - toll! Liegt natürlich auch daran, dass das gesamte Album sehr gut abgemischt ist.
Air - Moon Safari
Ähnlich wie “( )” oder “Blue Lines” oder vielleicht auch “Automatic for the People”, ist “Moon Safari” eines dieser perfekten Überalben, bei denen aber auch so alles stimmt. Klar, nicht jeder Song ist ein Hit, aber insgesamt ist das Album sehr stimmig und vielschichtig, und auch hier ist der Mix ein Genuss, sodass der Plattenspieler seine Differenzierungsfähigkeit voll ausspielen kann.
All I Need (to be happy) ist diese Platte…
mùm - yesterday was dramatic - today is okay
Auf mùm bin ich nur gekommen, weil ich von denen eine Mini-CD gefunden hatte, die ich ganz niedlich fand. Dieses Album ist der Lohn für meine Bemühungen bei Swamp Room und in typisch-isländischer Manier sehr schön, sehr verspielt - und sehr sonderbar. Sample um Sample, Geräusche, Melodien und Klänge basteln mùm zu einer sehr bunten Collage zusammen - nichts für Partys, aber gut zum Schreiben…
Ähnlich wie bei “In Case we Die” lassen sich hier richtige Perlen finden, wenn man sich nicht von den anarchisch anmutenden Songstrukturen abschrecken lässt.
hey wiki…
cux du amazon
Das solls erstmal gewesen sein. Und ja, wer genau nachgezählt hat, wird nicht auf 13 1/2 Alben gekommen sein. Wir wollen ja nicht übertreiben…
Der Titel sollte eine Referenz zu den wirklichen 13 1/2 Alben sein, die mich 2004 sehr begeistert haben und damit diesen Beitrag über den typischen mad music munday herausheben…
Diese Alben dort oben begeistern mich aktuell, und wenn sie irgendjemandem von euch gefallen, um so besser.
Stay tuned!
gerade eben lag aus einem mir unbekannten grund ein katzenkorb samt plastikunterlage mitten auf dem gehweg.
während ich noch überlegte, wo der wohl herkäme, und dass ich ihn gleich beiseite räumen will, erledigte das schon die person vor mir.
das besondere: der typ - etwa mein alter - trug eine schwarze hose mit buntem aufschrieb, einen grünen kapu, zerrissene jacke, nieten, piercings und einen irokesenschnitt, war also zumindest nach außen hin ein punk, jemand also, der gerne mal von anderen schichten als “asozial, “gammler” oder ähnlich tituliert wird, meistens mit dem nachsatz: “geh doch erstmal arbeiten.”
ich weiß nicht, ob er arbeitet. vielleicht ist er ein arsch und pöbelt gerne herum, vielleicht trägt er punk nur zum spaß, vielleicht will er sich wirklich gegen die gesellschaft wenden - ehrlich gesagt ist es mir ziemlich egal.
aber eins weiß ich genau: ich hab noch nie nen krawattenträger etwas derartiges machen sehen…
die wäsche ist gewaschen (danke, mama!) und ich empfinde es noch immer als eigenartig, dass von mama gewaschene wäsche fremdartig riecht - weil ich es ja nicht mehr gewohnt bin.
ein langer und sehr ereignisreicher urlaub neigt sich seinem unvermeidlichen ende zu. dabei war ich doch noch gar nicht in budapest… werde ich wohl auf den nächsten frühling verschieben (müssen).
die zwischenzeit werde ich mir mit meinem neuen plattenspieler vertreiben (den ich hoffentlich morgen endlich kaufen kann, wenn ich nicht vorher das ganze geld versaufe…), und wenn ich den vor mir stehen habe und das schwarze gold zum ersten mal rotiert, dann wird offendorf für mich abgeschlossen sein, dann ist der urlaub endgültig vorbei, dann bin ich mit dem kopf wieder hier. frei ist er ja schon, dank eben jenes zeltlagers.
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inzwischen ist alicia eingeschult - herrjemine, war die aufgeregt! - mein kleiner neffe hat den werder-strampler mal wieder getragen (dank des 2:1 gegen frankfurt), und im grauen berliner frühherbst wärmt die erinnerung an schöne hühnersuppe.
auch wenns wetterbedingt kein wirklicher sommer war, schön war er doch. schön anstrengend, schön ereignisreich, schön spaßig.
und mein pullover? ist das einzige kleidungsstück, das noch nicht gewaschen wurde. weil er so weich ist und ich befürchte, dass ist er danach nicht mehr. weil er nach dem feuer riecht, das wir am letzten tag gemacht haben. weil ich grad keinen anderen tragen will…

Pressemeldung zum Lager:
Am Mittwoch ist es endlich so weit: die Kirchenkreise Wesermünde-Süd, Osterholz, Land Hadeln und Rotenburg machen sich gemeinsam auf den Weg nach Schleswig-Holstein, um für die kommenden zwei Wochen nicht nur gemeinsam zu zelten, sondern regelrecht eine eigene Welt zu schaffen – getreu dem Motto „Eine Welt zwei Wochen lang!“ kommen auch in diesem Jahr knapp 300 Jugendliche aus den vier Kirchenkreisen zusammen.
Die malerische Gegend in und um Offendorf – das zwischen Lübeck und Timmendorfer Strand liegt – lädt förmlich dazu ein, neue Spiele auszuprobieren, neue Freunde zu machen und alte neu kennen zu lernen, am See baden zu gehen, zu faulenzen…
Eltern, Geschwistern und allen anderen Daheimgebliebenen, die ihre Neugier nicht bis zur Rückkehr in vierzehn Tagen bezähmen können, sei ein Besuch der Offendorf-Internetseite empfohlen (www.zeltlager-offendorf.net). Neben vielen Infos gibts hier unter „Webnews“ die Tagesberichte, die täglich von wechselnden Teilnehmenden aktualisiert werden. Geplant sind ausserdem regelmäßige Podcasts und aktuelle Photos - diesen Service hat der Kirchenkreis Wesermünde-Süd bereits für die in den Osterferien stattfindende “Flotte” erfolgreich ausprobiert.
Gruppenleitende und Organisatoren blicken positiv gespannt auf das, was kommen mag…
Das simpson’sche Springfield, so wurde immer wieder statuiert, das sei auch ein Sinnbild für die Popkultur der vergangenen Jahre, ein Spiegel gesellschaftlicher Geschehnisse und hinter jenem gelblichen Klamauk auch immer satirische Kritik - mal beißend und direkt, mal eher subtil und jenen vorenthalten, die sich Gedanken machen…
BOOOOOORING! hört man Homer schreien, und schon während des Vorspanns des gelbsten Films aller Zeiten, der bereits sehnsüchtig erwartet wurde, als noch Dinosaurier über das Antlitz dieser Welt wandelten, schließe ich mich an. Ich will schließlich Spaß haben.
… der entwickelt sich nicht nur über die folgenden 87 Minuten, sondern er ist sofort da,
BAM!
in your face - was das Tempo angeht, ist der Film vielleicht noch schneller als die Fernsehfolgen, und das ist gleichzeitig sein größter Schwachpunkt. Plötzlich ist er nämlich vorbei, nach gefühlten 20 Minuten, tränenden Augen und - glücklicherweise! - der unbestätigten Befürchtung, der Kinofilm könnte nicht so toll sein, wie die Fernsehfolgen.
Das stimmt nicht. Fast jede Szene ist ein Knaller. Der Film ist super. Nicht ganz so böse-kritisch wie die Serie in ihren besten Momenten, aber höchst unterhaltsam, witzig, spannend, Klamauk - Die Simpsons eben.
… auch wenn sich allerorten über die steigenden Milchpreise echauffiert wird (ob berechtigt oder nicht, sei dahingestellt), bleibt milchmithonig.de natürlich genau so kostenfrei, wie bisher - trotz spannender Reportagen, die stets den Nerv der Zeit treffen, trotz Musikanalysen par excellence, trotz bewegender Geschichten in literarisch hochwertiger Qualität…
Findige Mathematiker werden vermutlich trotzdem eine Korrelation zwischen den Milchpreisen und meinem Output herstellen können, weil ich ab dem ersten August Urlaub haben werde - einen ganzen Monat lang.
Da ich mein RAZR noch nicht dazu gebracht habe, bezahlbar komfortabel irgendwie brauchbar überhaupt aufs Internet zuzugreifen und ich mich in internetmäßigen Entwicklungsgegenden befinden werde, werde ich vermutlich meinen Mitteilungsdrang auf akustische Kanäle umstellen (müssen) - um danach noch bessere Geschichten zu schreiben, und zwar über
- Offendorf
- Hamburg und vielleicht
- Prag und/oder
- Budapescht
und natürlich verrückte Musikmontage, Dönermenschen und allet andere, wa. Ich hoffe ja, dass milchmithonig auch während meiner Abwesenheit einige Überraschungen bereithält…
Aber das wird die gute Frau Schöneberger vermutlich auch nicht dazu bringen, mal hier vorbeizusurfen…
Ganz schön hässlich, dieses Gebäude zur Linken, und man fragt sich, was es mit einer Zeitmaschine zu tun haben soll.
Ganz einfach: es ist meine Zeitmaschine.
Es ergab sich ein Zufall, und dem folgend war ich heute am Ku’damm. Hab mir da nebenbei ne tolle CD gekauft, aber das ist Teil einer anderen Geschichte.
Jedenfalls - dachte ich - wenn du schon mal am Ku’damm bist, dann kannste doch eigentlich mal eben an der Finow-Grundschule vorbeischauen - in der ich mitnichten Zeit meines Lebens auf der Schulbank, sondern ein paar schöne Nächte unter denselbigen verbracht habe, und zwar während des Kirchentags im Mai 2003.
Ich bin also vom Wittenbergplatz aus losgelaufen, vorbei an dem Schwulenklub, und da war sie dann auch schon - in der Erinnerung war der Weg länger, aber da war ich ja auch kleiner…
Während ich also das kleine Stückchen lief, kamen die Erinnerungen langsam wieder, manche sehr klar und schillernd, andere vermischt mit aktuellen Eindrücken.
Beispielsweise habe ich die Musik von Cat Power im Kopf, die ich damals - leider, aber ganz gewiss - noch nicht gehört habe, das irritiert ein bisschen. Ich weiß auch nicht wirklich mehr, was ich damals gehört habe, nehme aber an, dass es sich um den klassischen Kasba-Alternative-Indie-Mix handelte.
Ein schneller Blick in die amazon-rechnung zeigt mir, dass ich damals angefangen haben muss mit meiner Chillout-/ Ambient-Phase, aufgelistet sind nämlich Moby, Kruder und Dorfmeister und Massive Attack - und Boozoo Bajou, deren “Satta” ich im März gekauft hatte und das mein Sommeralbum hätte werden sollen; die Freude darüber hielt allerdings nur kurz an, weil es mir auf unserer Segelfahrt in Holland schon wieder geklaut wurde, bevor ich es überhaupt erst richtig kennenlernen konnte.
Eine der klarsten Erinnerungen jedoch ist die an ein Buch bzw. eine Serie, die ich damals gelesen habe, und zwar “Der Dunkle Turm” von Steven King. Während des Kirchentags las ich mich gerade durch die Szenen, zu zur Fahrt im verrückten Zug führen - wenn mich nicht alles täuscht, habe ich einige Male abends über die Lösung einiger Rätsel nachgedacht, die das künstliche Bewusstsein Roland und seinen Compagnons stellte.
Dicke, tapsige und wahnsinnige Tanzbären torkeln vor mein geistiges Auge, aber ich weiß nicht, ob ich die Stelle mit dem Bären damals auch schon gelesen hatte.
Im KaDeWe war ich natürlich auch (sowohl 2003 als auch heute) und habe eine riesengroße und mächtig teure Steroanlage entdeckt, deren Lautsprecher ich zunächst für Kachelöfen hielt, weil so groß und wuchtig.
Man musste Termine zum Probehören vereinbaren, und unter dem nötigen Kleingeld von 15.000 Euro hat man nicht einmal den CD-Player bekommen - das gute Stück hätte man mit dem Hauptgewinn aus Ulla Kock am Brinks “100.000 Mark-Show” gerade einmal zur Hälfte bekommen, mono also sozusagen.
Heute habe ich ebenfalls sehr viele schöne - und herrlich dekadente - Spielzeuge gesehen, aber nicht die Anlage, deretwegen ich eigentlich da war. Das - und die vielen, vielen mp3-Player haben mich dann ins Jahr 2007 zurückgebracht, zurück zum Hier-Leben (im Gegensatz zum damaligen Hier-Besuchen), zurück in einen wesentlich nasseren Sommer.
Wie allerdings “Der dunkle Turm” ausgeht, weiß ich immer noch nicht… dafür scheppert gerade Cat Powers “Speaking for Trees” aus den - nicht kachelöfigen (seufz!) Boxen - und das ist perfekt für die Gegenwart.
“Ich bin bislang davon ausgegangen, dass es Aufgabe des Innenministers ist, den Rechtsstaat zu schützen. Jetzt könnte man zur Auffassung kommen, man müsse den Rechtsstaat vor dem Innenminister schützen.”
Was der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschuss - Sebastian Edathy (SPD) - da so locker vor sich hingesagt hat, macht mir (und vielen, vielen anderen) große Sorgen und Bauchschmerzen.
Es gab Zeiten, in denen hatte ich das Gefühl, der Schäuble sei zwar auf der dunklen Seite der Macht, aber an sich ganz vernünftig und einer, mit dem man irgendwie reden könne.
Dann wurde er Innenminister, und spätestens seitdem habe ich das Gefühl, das vieles, was diesen Staat erträglich machte - Dinge wie ein einigermaßen verlässliches und funktionierendes Grundgesetz und die Annahme, dass die meisten Menschen zwar nicht unbedingt Engel, aber auch keine Verbrecher sind - nicht nur abgeschafft, sondern regelrecht torpediert werden unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Terror, so sehr, dass selbst der Herr Köhler sich genötigt sieht, den Bluthund zurechtzupfeifen - natürlich sehr sanft, weil der Präsident ja nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen will (warum eigentlich nicht? Der Köhler ist doch eigentlich ein mutiger vernünftiger).
Jedenfalls macht die Entwicklung mir Angst; da kommt eine aktuelle Aktion mir ganz recht: Man kann beim Bundesinnenministerium bis zu drei Exemplare des Grundgesetzes bestellen. Eins sollte man eh immer zuhause stehen haben, ein anderes kann man irgendwelchen Nazis in die Hand drücken, und das Dritte - ja, das schicken wir sofort wieder zurück ins Ministerium, damit Herr Schäuble nicht vergisst, dass er gerade im Begriff ist, etwas zu zerstören, das uns allen irgendwie ermöglicht, einigermaßen frei und unbescholten zu leben.
Weil: der eingängliche Konjunktiv ist überflüssig. Man muss die Verfassung vor dem Innenminister schützen.
Zum Thema:
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auch son beitrag
richtig gruslig
Man stelle sich einmal Folgendes vor: eine kleine Nebenstraße in einer großen Stadt. Es ist eine sehr große Stadt, so groß, dass man sagen könnte, man sei in einer Großstadt.
Die Nebenstraße allerdings ist in der Tat sehr klein. Aber auch von solchen gibt es eine Menge in einer großen Stadt.
Vermutlich sind es auch die kleinen Nebenstraßen, die eine Stadt groß machen.
In dieser Nebenstraße gibt es viele Wohnhäuser, einen Bäcker, mehrere Kioske, eine Pizzaria, eine Schule, an der seit
Monaten gebaut wird, einen Kindergarten und eine Dönerbude.
Man bekommt hier nicht die besten Döner der Welt. Aber die besondersten.
Döner-Kalles Döner.
Man stelle sich ferner vor, es sei Sommer. Alle freuen sich, sind glücklich und froh und genießen das tolle Wetter,
sind draußen, flanieren vor sich hin und machen das, was man im Sommer so macht. Kinder toben, Jogger laufen sich fit,
und so weiter.
Die Dönerbude ist voll, der Laden brummt. Wohl auch, weil der Spieß brutzelt und die Leute alle zufrieden vor sich hin-
kauen.
Dieser Sommer ist anders.
In diesem Sommer regnet es alle zehn Minuten. Es gießt, als hätte es nie Regen gegeben, und die grauen Wolken tun ihr
Übriges, dafür zu sorgen, dass die Menschen zu Hause bleiben oder irgendwelchen Indoor-Aktivitäten nachgehen.
Ein einsamer und missmutiger Dönerverkaufer steht am Fenster und starrt in die Feuchte, ganz so, als wolle er mit der
Macht seines Blicks den Sommer herbeizwingen.
Auftritt Ich-Erzähler:
“Hey Kalle, heute habe ich mal wieder so richtig schön Zeit für dich und nen netten Döner von dir. Wie schauts?”
“Hmpf.” - wäre die Bude groß genug, würde jetzt ein Tumbleweed durch sie durchtumblen. Isse aber net.
“Kiek dir den Scheiß hier doch mal an. Dit Wetter is völlich durchjeknallt. Dit soll een Sommer sein? Dit is ja schlimmer als
im Herbst, da war et wenigstens trocken. Keen enzijer Kunde bis jetze.”
“Aber ich bin doch da, und will mir mal wieder nen Döner holen.” versuche ich ihn wenigstens ein bisschen aufzumuntern,
doch es scheint nicht viel zu bewirken. Kalle grummelt vor sich hin und hat nicht einmal Lust, mir eine Zwiebel in den Döner
zu stecken, um mich zu ärgern.
Ich weiß nicht so recht, was ich machen soll, ausser den Döner zu essen. Gemeinsam mit Kalle schaue ich nach draußen in
die graue Nässe und beobachte die paar Menschen, die unterwegs sind.
Plötzlich geht ein Lächeln über Kalles Gesicht, scheu zunächst, doch dann immer größer und breiter.
“Aber weeßte, wat rischtisch toll is?” fragt er mich und ich weiß nicht recht, worauf er hinaus will.
“Äh, nee…?”
“Wenn dit so reget, dann hab ick viel Zeit, um Harry Potter zu lesen. Meene Frau mag dit ja nich, aber ick kann dann ja hier uff Arbeit lesen…”
Ich bin, gelinde gesagt, überrascht. Kalle und Harry? klingt für mich eher nach einer Polizistenserie als nach einem
ernsthaften Lesevorhaben.
Aber ich bin ja offen, und so lasse ich mich von Kalle in die Geheimnisse von Harry Potter einweihen, während es draußen munter regnet. Lange nicht mehr einen solch gemütlichen Abend gehabt…
Es ist ein super Abend. Ich bin gerade in dem gemütlichen kleinen Club, in dem ein gutes Konzert läuft. Die Bands sind gut drauf, die Musik macht Spaß, und auch die Kollegin hat schon angerufen, um mir zu sagen, dass wir uns am Wochenende tatsächlich treffen können - es läuft also alles super.
Dann drehe ich mich um - und es grinst mich der bekannteste Dönermann der Stadt an.
“Dit hättste nich jedacht, wa?” begrüßt Kalle mich und grinst noch mehr. Ich bin perplex.
“Wie, ich meine, woher, also… warum..?” - so ein blödes Gestammel. Kalle grinst noch mehr.
“Naja, ick hab jelernt, wie man dit Internet benutzen kann, und da habbick jedacht, kiekste doch mal hier vorbei, wat so jeht. Wenn du schon nischt mehr zu mir kommst… hier, der ist für dich!”
Ich schlucke. Ein Döner. Schnell dran gerochen.
“Ja” , sagt Kalle, “extra viele Zwiebeln drin. Du konntest mir ja nischt sajen, dass de keene haben wolltest, nischt wahr? Juten Appetit!”
“Danke, Kalle. Also wirklich. Ein Döner, mit Zwiebeln. Ich bin gerührt.”
Und satt. Hatte ich doch vorher schon eine Currywurstpommes beim Imbiss um die Ecke. Aber jetzt wo er den Döner schon mal mitgebracht hat… ich kann ihn doch nicht enttäuschen. Tapfer beiße ich hinein. Schön viele Zwiebeln…
“Wie hast du den überhaupt hier reingekriegt? Es sind so viele Zwiebeln drin, dass das Ding glatt als Waffe durchgehen würde…”
“Ach, dit war doch überhaupt keen Problem. Ick hab denen jeschildert, in wat für eener verzweifelten Laje du bist und das du unbedingt wat essen musst. Dit Arjument, wat am meesten jezogen hat, war, dass ick denen jesacht habe, du könntest fast nix essen, weil du so ne Allerjie hast jegen allet, und dass dit deen letztet Konzert ist bevor du ins Krankenhaus kommst.”
Kalle grinst weiterhin zufrieden vor sich hin und wippt im Takt auf und ab, sich scheinbar in der Musik verlierend.
“Den Scheiß haben sie dir abgenommen?”
Ich finde es unglaublich. So eine Geschichte glaubt einem doch kein Mensch. Sonst kämen ja alle an den Türstehern vorbei.
Naja gut, Hauptsache, der liebe Kalle hat seinen Spaß, nicht wahr? Da spielen wir doch gerne ein bisschen mit.
“Okay, ich hoffe aber, dass sie gleich nicht die Ambulanz holen, um mich sicher hier rauszuholen, oder?”
Kalle schüttelt mit dem Kopf.
Danach schweigen wir beide für eine Weile, auch, weil die anderen Konzertbesucher komisch gucken.
Zum Glück sind wir erst bei der zweiten Vorband.
In der Pause frage ich Kalle, ob er die Musik überhaupt mag:
“Also, ick weeß nicht so wirklich. Nee, eigentlich nicht. Ist mir zuviel Gitarrenkrams. Ick broch een eenfachet Lied, wat, dat im Radio läuft.”
Wir unterhalten uns ein bisschen darüber, dass ich mir wünschte, diese Bands würden im Radio gespielt. Kalle wirkt verständnisvoll, aber nicht sonderlich überzeugt. Trotzdem bleibt er noch während The Sea and Cake da, haut aber vorm Ende der Zugabe ab.
Will er nicht mit mir in der Öffentlichkeit gesehen werden?
Ich muss ihm mal wieder einen Besuch in seiner Bude abstatten…
Neuheiten.
Kalle ist entsetzt.
“Wie sieht dit denn hier aus? Ick komm hier ja jarnischt mehr zurecht… Wat soll denn ditte?”
Kalle ist ausnahmsweise bei mir zu Besuch. Ich habe nicht nur ein bisschen umgeräumt, sondern gleich alles so umgestaltet, dass sein Erstaunen nur allzu verständlich ist. Wird das Gewohnte verändert, reagieren viele erst einmal mit Ablehnung…
“Naja, es wurde mal Zeit, meinst du nicht auch? Ein bisschen mehr Schwung, ein bisschen Pep, Zukunftssicherheit…”
“Wat soll denn ditte, von wejen ‘Zukunftssicherheit’



