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“Wenn sich eine Katze in einem geschlossenem Behälter befindet, so kann sie entweder tot sein oder noch leben. Man erfährt es erst, wenn man nachsieht - das Öffnen des Behälters entscheidet über den Zustand der Katze. Es gibt jedoch eine weitere Zustandsform, die von Schrödinger übersehen wurde: lebendig, tot oder verdammt wütend.” - frei nach Terry Pratchett

Schrödingers Katze befand sich gerade im Sendezentrum des Österreichischen Rundfunks, wo sie während der Übertragung des Halbfinals zwischen Deutschland und der Türkei für allerlei Furore gesorgt hatte. Im Labor herrschte ein heilloses Durcheinander; einer der Techniker ist ziemlich wütend auf die Katze und versucht sie zu fangen. Gerade als er sie greifen will, macht sie einen gewaltigen Satz…

… und die Katze landete inmitten eines großen Pultes mit vielen bunten Knöpfen. Gerne hätte die Katze mit ihnen gespielt, aber ihr Instinkt ließ nur Informationen an ihr Bewusstsein, die ihr unmittelbar zur Flucht verhalfen. Der Kasten war ihr Ziel; hier war sie - zumindest vorübergehend - sicher.
Zwischen dem Kasten und der Katze befanden sich allerdings mehrere Meter von wilden Technikern besetzten Flures. Beine liefen hin und her, stießen an Geräte, stolperten übereinander. Schrödingers Katze brauchte alle ihre Sinne, um nicht zwischen den chaotisch durcheinander laufenden Menschen zermalmt zu werden, Tunnelblick auf den Kasten.

Abermals sprang sie - und entkam ihrem Häscher gerade so. Die Katze drängte sich in die Ecke, die ihrer Sprungrichtung am weitesten entfernt war und wartete auf wütende Hände, die sie greifen wollten und denen sie sich ebenso wütend zur Wehr setzen würde.
Doch es blieb still; der Lärm aus dem Sendezentrum war wie weggeblasen.
Die Katze war verwirrt; sie verspürte eine tiefe Abneigung gegen diesen Kasten, und doch gab er ihr ein vorsichtiges, leicht zweifelhaftes Gefühl von Sicherheit - etwas, das ihr in letzter Zeit gefehlt hatte.

Vorsichtig, zögerlich gar und dann doch mit dem Eifer der Gerechten, begann sie sich ausgiebig zu putzen. Die Katzenwelt war im Grunde recht einfach gestrickt: Es gab Dinge, die passierten, und manchmal musste man flüchten. Manchmal musste man selber jagen, und manchmal gab es etwas zu Fressen. Passierte nichts, dann schlief man - aber nur, wenn man sich vorher eifrig geputzt hatte; sich selber sauber zu machen war für Katzen beinah entspannender als zu schlafen.

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ein herrlicher sonnenaufgang. frühmorgens, autobahn, durchgefeiert.

… während wir wieder nach Berlin fahren, das Erlebte verarbeiten und die entspannte Stimmung genießen, die entsteht, wenn drei schweigende Menschen im Morgengrauen auf der fast völlig leeren Autobahn unterwegs sind, habe ich plötzlich einen sehr klaren Eindruck davon, wie ich The Human Equation als Musical inszenieren würde - so klar, dass ich die Musik höre, die Show sehe.

Aber sollte es jemals soweit kommen, dann gehen bis dahin mit Sicherheit noch einige Jahre ins Land; also kümmern wir uns ums Hier und Jetzt.

dies ist zwar nicht Der Große Bagger, aber ein durchaus respektables modell.

Das “Hier” ist das Freibad Hagenwerder in Görlitz, ein ehemaliges Tagebaubergwerk. Auf der Suche nach einem Parkplatz kommen wir an einem gigantisch großen Schaufelradbagger vorbei, der bei Sonnenuntergang eher wie ein vergessenes Monster aussieht, als eine Industriemaschine.
Das Freibad selber besteht aus einem hübschen kleinen See, an dessen Ufern sich die Zelte drängen.
Auf der einen Seite die der tapferen Camper, auf die anderen Seite das Festival selber.
Im Hellen sieht das Ganze recht nett und überschaubar aus; im Dunkeln haben Zelte, die bunt von Innen leuchten, ihre eigene Magie.
Die auf dem See schwimmenden Kerzen lassen kurzzeitig mein Fantasyherz aufleben. Die roten, flackernden, vom Wasser reflektierten Lichter treiben über das Wasser, und fast bin ich versucht, nach Elben Ausschau zu halten.

Wäre da nicht das völlig überdrehte Gerummse aus dem Zelt neben dem Wasser.

dancing queen, la lala, dancing queen…

Sirenen heulen, Beats und Bässe sind zum Teil so schnell, dass sie nur noch wummern, und das Ganze in einer Lautstärke, die mich vergessen lässt, dass da schon ein Gehörschutz in meinen Ohren steckt.
Mittanzen und kurzzeitig abspacken macht sehr viel Spaß; Drum’n'Bass ist nicht das, was ich zur Entspannung hören würde, aber ich finde es sehr spannend. Langsam gehts in Richtung Gabba, was dann irgendwann doch nicht mehr mein Fall ist. Man bedenke: ich bin nüchtern, während viele andere völlig weggetreten wirken…

… auch wenn ich hier bemitleidenswert aussehe, gings mir eigentlich ganz gut. ja wirklich.

Obs beabsichtigte Selbstironie war oder Zufall: ausgerechnet in diesem Zelt hing der Sponsorbanner der Kulturstiftung.
Wobei ich ausdrücklich befürworte, dass auch und gerade Musik abseits des allgemeingültig Anerkannten gefördert wird; weil gerade Musik durch ihre Vielfalt erst lebt.

Auf der Main Stage heizt Westbam gerade der begeisterten Crowd ein.
Mir persönlich reicht es, ihn gesehen zu haben und eine gute halbe Stunde zu seinem Set getanzt zu haben, das wie zu erwarten sehr hochklassig ist.
Man hört einfach nicht, wie der die Trax ineinander mixt - man hört nur, dass.

Dass ich den vorher stattgefundenen Battle von Kyau & Albert trotzdem spannender fand, ist zum einen der Tatsache geschuldet, dass dort zwei DJs wechselweise aufgelegt haben, und zum anderen war deren Set nicht ganz so homogen wie das von Westbam. Das mag man jetzt positiv oder negativ interpretieren; mir hats sehr gefallen.

Ebenfalls sehr spannend und unterhaltsam fand ich Nôze, die recht viel Musik selber gespielt haben.
So begannen sie mit einem Stück, bei dem einer Klavier spielte, der andere sang - das war eher bluesig - und dann Stück für Stück Samples und alles Andere hinzu kamen. Das Stück nennt sich “remember love” und ist auf den myspace-seiten von Nôze und Houseofsummer zu hören.

Da ich keinen der Acts vom Lineup bewusst kannte - ausser Herrn Lenz, natürlich - habe ich versucht, das Festival in seiner Gesamtheit aufzunehmen und zu genießen - was mir ganz gut gelungen ist, finde ich.
Die Stimmung war super; sehr bunt, sehr friedlich, sehr laut. Manche Musik muss man halt laut hören, und so lange so gute, perfekt eingestellte Anlagen zum Zug kommen, wie die verwendeten, macht das auch jede Menge Spaß.

die wackeren drei.

Eigentlich hatte ich darüber schreiben wollen, dass ich meine verzerrten Gitarren vermisse - aber das habe ich an jenem Abend nicht wirklich.

Um es kurz und knapp zu machen: ich werde gleich losrocken, um mit Kollege J zusammen das Houseofsummer in Görlitz zu besuchen.
Um kurz einen Eindruck davon zu geben, was uns erwartet, sei so viel gesagt: Westbam ist Headliner, und J hat mir drängend empfohlen, meinen Gehörschutz mitzunehmen. Hätte ich eh getan, aber wenn er das schon sagt, dann muss es laut werden. Immerhin kommt mein Lieblings-Line-Array zum Einsatz.

Es soll mehrere Floors geben, von House bis Hardcore - alles elektronisch, alles irgendwie Techno, versteht sich.

Also gar nicht meine Musik.

It’s gotta be a lot of fun! - natürlich werde ich hier berichten, wie es war. Ein Problem bleibt: wo zum Teufel sind meine Vinylklamotten?!?

Während ich noch verzweifelt darüber nachdenke, wie ich diesen Text in Worte fasse, schleicht sich eine Melodie in meinen Kopf.

Nein, eigentlich ist es nicht einmal das, sondern nur ein kleines Riff, eine Akkordfolge, fünf Akkorde, drei bilden einen Aufwärtslauf, die letzten beiden gehen wieder nach unten.
Unhörbar ist es, und beinahe geht es unter im lärmenden Geschrei der Gedanken. Doch es bleibt hartnäckig, bohrt sich in meinen Kopf, und dann ist es schließlich allgegenwärtig: Das bestimmende Riff von “The Pretender”, einem neuen Lied der Foo Fighters, das ich exakt zwei Mal in meinem Leben gehört habe: damals im Plattenladen - und gestern beim Konzert in der Wuhlheide.

Schlimmer wars beim identitätsstiftenden Riff von “Skin And Bones”, das eine geschlagene Woche in meinem Kopf herumspukte.

Vielleicht ist dies das Geheimnis der Fighters: sie machen Songs, die einfach gut sind - und das auf dauerhaft hohem Niveau.
Bereits nach einer Viertelstunde dachte ich, was soll denn noch kommen, die haben ihre Hits doch schon ‘rausgehauen? - und es kam noch eine ganze Menge. Etwa zweieinhalb Stunden lang rockten die Fighters, was das Zeug hielt und ließen uns kaum Zeit, überhaupt Luft zu holen, denn einige Stücke gingen ansatzlos ineinander über.
Dave Grohl war spürbar gut drauf und angesichts der Zuschauermassen entzückt, die Setlist war lang, lang, lang und abwechslungsreich, das Publikum war gut drauf, und die Bühne an sich ist sehr schön - Kollege J hält sie für die schönste Bühne Berlins.

Schön und vor allem schön abwechslungsreich war auch die Setlist, die einen guten Querschnitt durch das Schaffen der Foos darstellte. Die Akustik-/Rockproblematik wurde dadurch gelöst, dass bei einigen Stücken der harte Kern um die “zusätzlichen” Foo Fighters, die auch schon bei “Skin And Bones” dabei waren, erweitert wurde.
So kam es dann doch zu ruhigeren, wenngleich auch nicht weniger intensiven Momenten.
Bonuspunkte verdiente sich besonders der Einsatz des gestrichenen Cellos in einem Lied.
Überrascht haben mich die Augenblicke, in denen die Band jammte. Zeitweise sehr bluesig, kam auch immer wieder Stonerrock zum Vorschein, den ich so eher bei Fu Manchu oder Kyuss erwartet hätte.

Wäre man bösen Mutes, könnte man trotzdem behaupten, die Foo Fighters würden seit ihrem ersten Album immer wieder dasselbe Lied machen. Und in der Tat finde ich, dass sie an ihrem Erfolgsrezept - jangliges Intro, stark verzerrter Chorus, durchsetzungsfähiger und präsenter Bass, sowie kraftvolles Schlagzeug, gepaart mit dem meist halb geschrieenen Gesang - wenig geändert haben über die Jahre. Heraus kommt dabei immer wieder guter, solider Rock, der nicht sonderlich komplex ist, aber immer pointiert.

Um es kurz zu machen: Der Gig war großartig und toppte problemlos den an sich auch sehr guten Gig in Hamburg vor einigen Jahren um Längen.

das sagt die zitty

so siehts video aus

auch pointiert, eingängig, ehrlich und sehr, sehr gut

Cirque Du Soleil - Varekai

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mir die neue Show des Cirque Du Soleil nicht anzuschauen, weil ich ja wie gesagt mein Geld für die Blue Man Group investiert hatte. Tatsächlich hängen hier so viele Poster herum, dass ich stark am Hadern war, aber letzten Endes stark geblieben wäre.

Eigentlich.

Dann kam die Sängerin meiner Band.

Die nämlich arbeitete bei der Friendly Society, deren Geschäftsführer widerum vor einigen Jahren bei der damaligen Show des Cirque Du Soleil geholfen hatte und deswegen im Besitz einiger Premierenkarten war, inklusive - man halte sich fest - Zutritt zur After-Show-Party.

Man muss sich das mal vorstellen. Da verzichte ich und werde sogar belohnt, indem ich mehr bekomme, als ich ohne Verzicht gehabt hätte. Glück muss man haben!

Ich musste sie nicht lange überreden, mich doch mitzunehmen…

Sozusagen als kleines Bonbon, als Gegenleistung, als Gag oder whatever, sind wir bei der Frage der angemessenen Garderobe schnell darauf gekommen, dass ich etwas aus der aktuellen Sommerkollektion tragen sollte. Deswegen besagter Tagebucheintrag vom 29. Mai.

Wow! Mein erster Auftritt als Model! Spontan dachte ich über meine Lebensziele nach und überlegte mir, dass ich gerne den Hunger und die Armut der Welt bekämpfen würde, mit dem schließlichen Ziel Weltfrieden - nur, falls mich jemand fragen würde.
Während der Anprobe habe ich dann gemerkt, dass der Designer und ich soooo viel gemeinsam haben - wir sind beide blond, beide männlich, und fanden beide, dass das T-Shirt mir ganz gut stand.

Dies nur in der Nebensache. Ich war natürlich gespannt auf die Show - und die begann schon vor dem Zelt.

Zu einer standesgemäßen Premiere müssen natürlich auch ordentlich B- und C- Promis kommen. Selber erkannt habe ich Olivia Jones und Enie van de Meiklö, Meijkloe, - ach herrje, diese Holländer! - na Enie halt. Ihr wisst schon, wen ich meine. Und diesen Zacherl. Angeblich waren noch mehr da, aber die hätte ich nicht mal bei bestem Willen erkannt - und den hatte ich weißgott nicht…

Die Show selber war tatsächlich so spektakulär, wie ich es vom Video her kannte. Die Musik wurde tatsächlich live gespielt, die Kostüme waren bunt, ungewöhnlich, aufwendig, und die dargebotene Mischung aus Story, einzelnen Akrobatiknummern, Kunst und Kitsch war recht gut austariert. Eine eigentlich sehr schöne Szene war mir persönlich zu kurz, manchmal die Übergänge zu anderen Nummern zu lang. Leider waren unsere Plätze recht weit auf den Seiten, sodass man die Bühne zwar gut erkennen konnte; manche Aktionen auf selbiger aber eben nicht, weil die direkt nach vorn gespielt wurden.

Trotzdem wurden wir natürlich sehr, sehr gut unterhalten. Ähnlich wie die Blue Man Group, verbinden sich beim Cirque Du Soleil künstlerischer Anspruch, Kreativität, Professionalismus und Ästhetik zu einer Melange, die ihresgleichen sucht.

Kaum zu glauben, dass es eigentlich “nur” ein Zirkus war.

Die After-Show-Party war natürlich ebenfalls super. Das Spindler & Klatt ist eine gute Location für Partys solcher Art, und auch hier machten die Ansprüche des Cirque nicht Halt - selbst auf der Tanzfläche waren noch Artisten.
Leider habe ich die Schlangenfrau nicht wiedergefunden; ich hätte sie ja gerne noch ein paar Dinge gefragt…

Konzert? Film? Konzertfilm!

Von Varekai noch beeindruckt, fand ich mich samt meinem Kollegen R im Open-Air-Kino wieder, wir wollten uns Shine A Light anschauen.

Ehrlich gesagt, hat der Film nicht ganz meine hohen Erwartungen erfüllt. Ich persönlich fand die Mischung aus Dokumentation und Konzertmitschnitt ein wenig unbalanciert, so wie auch der Mitschnitt selber nicht ganz die Intensität wiedergeben konnte, mit der das Konzert stattgefunden haben muss - der in der Kritik erwähnte Aufwand war schon spürbar, aber ich habe schon Mitschnitte gesehen, die mit weniger Aufwand mir mehr das Gefühl gegeben haben, dabeizusein.
Lustig und unterhaltsam war er aber auf jeden Fall; der Soundtrack ist natürlich über jeden Zweifel erhaben.
Wenn ihr euch den Film anschaut: unbedingt die Anlage auf Anschlag drehen!

Nur der Himmel mit Deko

Als ich neulich nachts die besagte Radtour gemacht habe und am Ende in einem Garten saß und mich dort unterhielt, war der Himmel natürlich wolkenlos und im Gegensatz zu mitten in Berlin recht dunkel, sodass man viele Sterne sehen konnte.

Diese habe ich dann ausgiebig beobachtet - ich glaube, ich habe sogar die ISS gesehen - doch dann erschreckte mich eine Erkenntnis: Der Himmel kam mir vor wie eine angemalte Schale - da war plötzlich kein Weltall mehr!

Denn normalerweise ist es so: ich schaue mir den Himmel an, blicke zwischen die Sterne und sehe - etwas kitschig gesagt - die Möglichkeiten, die dort oben verborgen sind. Andere Welten, andere Lösungen und ein neuer (Rück)blick auch auf unsere Welt. Ich weiß nicht, ob es ausserirdisches Leben gibt (gehe aber davon aus) oder ob Stephen Hawking Recht hat mit seinen Theorien.
Aber wenn ich mir den Sternenhimmel angeschaut habe, waren sie immer da, die Möglichkeiten, Theorien, Träume.
Die ganz großen Fragen und Gedanken, und ich selber ganz klein.

Was ich an jenem Abend gesehen habe, war nur ein Himmel mit Deko, nicht mehr und nicht weniger.
Plötzlich war das All nicht nur räumlich unendlich weit entfernt - für mich gab es in dem Augenblick all diese Dinge aus dem vorangegangenen Absatz nicht mehr, und das hat mich schon fast schockiert.
Was bedeutet das?

Nach einigem Nachdenken bin ich auf eine recht banale Arbeitshypothese gekommen.

Wenn man sich dem Ganzen abstrakt nähert, sagt mir dieses Erlebnis folgendes: Mein Blick ist offensichtlich gerade fokussiert auf das, was unmittelbar vor mir liegt: Ausbildung, Freunde, Leben.
Da bleibt nicht viel Platz für das Weltall mit all dem, was es mir bedeutet.
Anders herum gesagt scheine ich gerade recht wenig Energie für philosophische Gedanken aufbringen zu können.
Das ist einerseits meiner Arbeit geschuldet - neben der vielen Zeit und Energie, die ich investiere, um meinen Job so gut es eben geht zu machen, lebe ich insbesondere bei Veranstaltungen direkt im jeweiligen Moment. Oft weiß ich nicht, welchen Wochentag wir haben, aber ganz genau, wann z.B. eine Kaffeepause ist oder ein Beamer gebraucht wird.

Andererseits beschäftigt mich das, was in meiner umittelbar erlebbaren Welt geschieht, gerade recht stark.
Es gibt so viele gesellschaftliche Probleme zu lösen (lokal und global), dass ich es schlichtweg für wichtiger halte, gerade den Blick auf der Erde zu lassen, bevor wir zum Mars streben - so spannend und wichtig ich die Erforschung des Weltalls seit je her finde.

Und drittens: vielleicht war ich auch einfach nicht in der Stimmung, mich ins All treiben zu lassen.

Wenn jemand ein Weltall findet, kann er/sie es mich ja wissen lassen.
Ach ja: mein mp3-Player ist auch weg…

Eigentlich, so schwirrte es mir die ganze Zeit durch den Kopf, wollte ich doch wieder dem Badeschiff einen kleinen Besuch abstatten. Die Vorzeichen standen auch ganz gut: es war bedeckt, schwül-kalt-doof, und ein kurzer Anruf verhieß recht überschaubare Badegastzahlen. Die Zitty machte mir da einen Strich durch die Rechnung, aber da die Alternative Rock’n'Roll hieß, hielt sich die Trauer in Grenzen.

Eine kleine Premiere am Rande, und ungewohnt dazu: ich war als allererster Gast im Festsaal. Dieses Ereignis musste ich dokumentarisch festhalten:


Die Welt aus der Sicht des FOH. Nicht viel los…


…und damit nur unwesentlich mehr als hier…


…oder hier. Ja, wo sind sie denn alle?!?

Leider wurde es nicht wesentlich voller; die Band-zu-Publikum-Ratio von 1:5 ist zwar eine Traumquote, wenn man mit einer Jugendgruppe schwimmen geht, aber Konzerte dürfen gerne gut besucht sein. Vielleicht kam auch deswegen der Funke nicht so rüber, wie ich es mir erhofft hatte.

Durch die myspace-Seite war ich ja überhaupt erst zu der Überzeugung gekommen, mir die Band anschauen zu wollen, und insgeheim hatte ich gehofft, das Konzert würde mich ähnlich mitreißen, aber so ganz erfüllen konnte der Gig die Erwartungen nicht. Dabei war die Band gut drauf, rockte trotz spärlich vorhandener Zuschauermasse richtig los - und spielte einen spannenden Mix aus rotzigem Rock’n'Roll neuerer Coleur, Punk, und überraschenden, experimentell klingenden Elementen, wobei ich fand, dass sie zu viel Gustav und zu wenig Bewusstseinserweiterung gespielt haben. Der Rest der Zuhörerschaft anscheinend nicht, also will ich nicht zu sehr herummäkeln; schließlich habe ich ja doch ne CD gekauft.

Grand Island sind eine sympathische, unterhaltsame Band aus Oslo, die mir meiner Meinung nach mit 12 Euro zu viel abgeknöpft haben. Nen sechser, und alles wäre super gewesen. So: lockere 3.

Ach ja: und Banjos gehören verboten. Oder - ich bin eher gegen Verbote - geflissentlich ignoriert. Ausser bei jenem sehr lustigen Riff, das eben deswegen lustig war, weil das Banjo die Gitarre begleitet hat.

Selber hören:
myspace

Selber kennenlernen:
Bandseite

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froifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroifroi

:-)

und wenn dann die stimmung richtig kocht und alle diesem brithype hynterherhypfen und alle vermuten, dass jetzt die quotenballade kommen muss, und es eigentlich schon recht spät - oder früh - ist und man das mädchen abgeschleppt hat oder vielleicht auch nicht oder man gibt gerade das vierte bier aus und wo ist eigentlich mein pulli? - dann holte ich die platte raus, weisses label, nur ein song, und das wäre dieser hier.

Ticket Blue Men Group

Ich war DA! Ich kanns selber kaum glauben, aber einem Zufall habe ich es zu verdanken, dass ich mir heute Abend die Show der Blue Men Group anschauen konnte.

Um es kurz zu machen: es hat sich absolut gelohnt.

Ich hatte vorher schon Ausschnitte aus verschiedenen Blue Men - Shows gesehen, wusste also in etwa, was mich erwarten würde - und wurde trotzdem in den gut anderthalb Stunden, die die Show zu Buche schlug, bestens unterhalten. Es begann schon mit den Ankündigungen, die vor dem eigentlichen Beginn gemacht wurden - verschiedene Gäste wurden aus unterschiedlichen Gründen be-und vom Publikum gegrüßt. Der Aufforderung, Mobiltelefone, Laptops, Gameboys, Communicator und tragbare Faxgeräte doch bitte auszuschalten, kam ich gerne nach - auch wenn ich noch ein dringendes Fax erwartete. Aufgrund des am Anfang geleisteten Schwurs, keine Bild- oder Tonaufnahmen zu machen, gibts diese von mir auch nicht.

Und dann ging es erst so richtig los. Natürlich besteht ein großer Teil der Schow aus Perkussion. Die Blue Men haben sich ja auf Abflussrohre spezialisiert, und so wurde getrommelt, was das Zeug hielt. Aber recht schnell sollte sich herausstellen, dass wir rundum unterhalten werden sollten - in Wort, Bild und Ton sozusagen, und so entfaltete sich eine Show, die - stets von treibenden Rhythmen unterlegt - mal witzig, mal augenzwinkernd ernst - vor allem die “Zivilisationskrankheit” Internet und die völlige Reizüberflutung auf die Schippe nahm - und auch sich selber, etwa wenn zwei Blue Men Schattenspiele spielen, und sich später herausstellt, dass es nur eine Projektion war und der eine in der Zeit gemütlich geraucht und Bier getrunken hat…

Überhaupt spielen die Blue Men viel mit den Sinnen und multimedialen Hilfsmitteln. So wurde aus einer 2D-Animation auf dem Bildschirm ein “echtes” 2D-Männchen auf der Bühne, das sein Lichtschwert geschwenkt hat. Das Prinzip des Phenakistiskop wird anschaulich erklärt und deutlich gemacht, und vieles mehr.

Um nicht schon alles zu verraten, halte ich mich kurz, was die tatsächlichen Inhalte der Show betrifft.
Was mich neben der erzählten Geschichte und deren Umsetzung sehr fasziniert hat, sind die große Originalität und der hohe ästhetische Anspruch, welche die Show prägen. So etwas habe ich in der Tat noch nicht gesehen, und trotz des hohen Eintrittspreises (fast 70 Euro für ‘ne Azubikarte) finde ich, dass sich diese Investition sehr gelohnt hat. Sollte man sich mal anschauen!

Eine fast perfekte Show also. Fast, weil: man kann sich ja immer noch mehr ausdenken.

Zwei kleine Schmankerl habe ich dann doch noch:


Blue Men Group, Moby, Jil Scott


Blue Men Group und Dave Matthews

das habe ich lange nicht mehr gemacht: nach dem feierabend ab in den plattenladen, stöbern und tatsächlich was hörbares mitnehmen - schließlich war ich in letzter zeit sehr unentschlossen, was ich denn hören mag (vor allem, wenn ich vorher dafür geld ausgebe) - aber heute habe ich mir zwei alben geholt, die schon länger auf meiner liste standen: jukebox von cat power und tempo tempo von blackmail.

blackmail - tempo tempo

letzteres rotierte zunächst auf dem acrylteller; schließlich kam ich gerade erst von der arbeit, war noch auf volldampf, und ähnliches sollte auch aus den boxen kommen. das tat es dann auch - naja, grob gesagt.
denn blackmail haben mit tempo tempo ein album vorgelegt, das im großen und ganzen grundsolide ist - nicht mehr und nicht weniger. im vergleich zu den vorgängeralben sind sie etwas ruhiger geworden, haben sich ein wenig die ecken und kanten abgeschliffen, ohne dass man das jetzt verteufeln müssen. die laut-kritik nennt das stagnation auf hohem niveau, und dem kann ich mich in etwa anschließen.
die rockigen momente sind durchaus lohnenswert, allein, es fehlen mir solche killersongs wie reptile for a saint oder fast summer.
fazit: ein gutes album. es gibt einige alben, die ich gekauft habe und nicht so gut finde; trotzdem hoffe ich, dass blackmail auf dem nächsten album wieder ein bisschen rotziger werden.

blackmail

cat power - jukebox

ich erkenne die coverversionen einfach nicht.

das ging mir schon bei the covers record so, und auch auf jukebox bereitet chan marshal die songs dermaßen eigen auf, dass ich nicht einmal gewillt bin, zu raten, vom wem denn jetzt das original ist, sondern einfach zuhöre, mich von ihrer zerbrechlichen und doch kraftvollen und ausdrucksstarken stimme verzaubern lasse.
diese jukebox ist angefüllt mit lauter souligen, entspannten nummern, zu denen sich dementsprechende szenen in meinem kopf abspielen. hätte man mir vorher gesagt, dass dieses album wesentlich durchproduzierter klingt als zum beispiel you are free, dem oder der hätte ich geantwortet, dass ich um cat powers musikalische identität fürchte, fand ich sie doch toll, gerade weil sie sich oft stark auf ihre gitarre und ihren gesang reduziert hat.
meine befürchtungen wären gegenstandslos gewesen. bestes beispiel: joni mitchells blue, in dem ein recht stark verhallter gesang von schweineorgel und klavier begleitet wird, ab und an deutet sich ein sachtes jazzschlagzeug an. und trotzdem ist das ganze so unverkennbar chan marshall, das einem ganz warm ums herz wird.
und, quasi als bonus, hat sie anscheinend viel an ihrer stimme gearbeitet, denn die klingt, als sei sie gewachsen, ausdrucksstärker und facettenreicher geworden - toll!

das ganze macht in der 180g - vinyl-version natürlich noch mehr spaß, als auf cd…

schikipedia
herspace
der katze heim

nine inch nails - the slip

ach ja: heruntergeladen und nach halbem durchhören für okay-isch befunden: the slip von den nine inch nails - detaillierteres folgt eventuell später…

a.k.a. Freiheit für Cuba und ne halbe Schokolade

a.k.a Has there ever been a world of non-wetness?

… ich bin natürlich später dazugekommen als erwartet, sodass 21 Love Hotel schon durch waren mit ihrem Set. Folgerichtig kann ich nichts dazu sagen, ausser meine Mitmusikkonsumenten zu zitieren: “Man hört, dass sie Nick Cave verehrt [die Sängerin], und manche Sachen sind auch gecovert - aber das hat sie laut rausgeschrieen, also finde ich das okay.” - “Irgendwie eingängiger als das, was die jetzt gerade spielen.” - “Weiß nicht. So Musik halt” - so Musik halt. Habs verpasst, das Album zu kaufen, aber dafür gabs ja noch Barbez.

Die widerum für Vieles entschädigten und musikalisch viel versprachen, und zwar allein mit diesem komisch anmutenden Ding, das ich endlich, endlich mal in echt, live UND in Farbe gesehen habe, und zwar von ihr gespielt. Neben dem Theremin befanden sich eine Gitarre, ein Bass, ein Xylophon, eine Klarinette und ein Schlagzeug auf der Bühne - nebst hunderten, gar tausenden von Effektgeräten - allesamt sehr vielversprechend.
Es begann also mit einem Gedicht, sehr ruhig, sehr getragen. Doch in typisch-postrockiger Manier wechselten sich Crescendo und Decrescendo in einem wilden Wechsel ab, und der enorme Dynamikumfang der Musik begeisterte mich, und ließ mich das Rauschen vergessen, das an den leisen Stellen durchaus nervig war.
Postrock wird und wurde ja so häufig verwendet, dass es nur noch ein verwelkendes Klischee ist.

Postrock, Schmostrock, Popostrock.

Vergleiche zu bekannten Bands verbieten sich, vor allem auch, weil Barbez ein klares musikalisches Programm zu fahren scheinen. Die Riffs mäandern vor sich hin, im Wechsel seufzen Klarinette und Theremin klezmermotivisch - vielleicht haben sie mit dem vorgetragenen Gedicht zu tun, ich weiß es nicht. Vom Klang her würde es passen, inhaltlich kann ich weniger Aussagen machen - Sprache ist auch nur Musik mit einem anderen Instrument.

Ich war übrigens im Schokoladen in Mitte. Hätte ich das USB-Kabel für mein RAZR griffbereit, gäbe es Photos. Na gut, dann eben nicht… morgen vielleicht :-)

Ein schöner Abend. Doof, dass ich so nass geworden bin, als ich auf dem Fahrrad heimwärts strudelte, aber gut, so ist es nun mal.

Wenn man (oder in diesem Fall ich) mit schlechter Laune auf ein Konzert geht, bei dem man zwei der drei Bands nicht kennt und von einer zumindest irgendwie den Namen mal gehört hat, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Es wird geil - oder eben nicht.

Angesichts der Tatsache, dass ich den Magnet-Club mit T-Shirt und CD verlassen habe, sollte eigentlich Ersteres zutreffen - kombiniert mit meiner Entscheidung, den Laden vor Beendigung des Gigs der dritten Band zu verlassen, wird das Ganze ein wenig komplexer.

Beginnen wir also von vorn.

Black Rose
Fand ich, waren ein guter Opener. Die Dreierformation ging mit rotzigem Rock’n'Roll ganz gut nach vorne, hat meiner Meinung nach den ganz großen Wurf aber verpasst, weil man das, was sie gespielt haben, so oder so ähnlich schon in tausend Variationen gehört hat. Macht nichts, war trotzdem spaßig, und im Grunde haben sie genau das getan, was eine Vorband tun sollte: das Publikum gut aufgewärmt und unterhalten, ohne dem Hauptact die Show zu stehlen.

Macht euch selbst ein Bild:  http://www.myspace.com/blackrosenola - aber obacht: sie waren nicht ganz so bluesig, wie sie sich auf myspace verkaufen, eher ein bisschen hardrock-lastiger.

Death By Kite
Waren  für mich der Bringer des Abends, der Grund, warum sich das Eintrittsgeld gelohnt hat und die Band, deren T-Shirt und CD ich mitgenommen habe. Death By Kite bestehen aus drei Personen, einem Gitarristen, einem Schlagzeuger und einer Bassistin, die bei Germanys Next Top Model durchaus Chancen hätte - ohne dabei so glatt und nichtssagend wie das typische Model auszusehen. Sie war also sehr hübsch - und das Beste ist, sie konnte auch noch gut Bass spielen ;-)
Death By Kite nennen ihre Musik “Powerpop” - und poppig sind sie auch, das kann man ihnen nicht abstreiten. Aber es ist eher Pop in Richtung tanzbarer Indiepop - und das hat Spaß gemacht! Der Sound der Band lebt recht stark vom sphärischen, halligen Sound der Gitarre und dem hohen, manchmal gezogenen Gesang, der manchmal sachte an Brian Molko erinnert. Die treibenden Basslinien in Kombination mit dem sehr flächigen Gitarrensound erinnern mich immer ein bisschen an Godspeed You! Black Emperor - ohne jedoch den emotionalen Tiefgang zu besitzen.
Live haben sie mir aber auf jeden Fall viel Spaß gemacht, und auch nach mehrmaligen Hören mag ich das Album noch immer - das ist, zumindest bei mir, immer ein gutes Zeichen…
Gux du: http://www.deathbykite.com/, http://www.myspace.com/deathbykite

Black Lips
Waren dann eigentlich die Hauptband des Abends, aber die waren mir zu rotzig, zu punkig, zu kaputt, um mir wirklich Spaß zu machen. Musikalisch passten sie zu den anderen Bands, aber als ich den zigsten Ellenbogen in den Rippen, den wiederholten Fuß auf meinem (ja, das tat weh!) und Bier auf dem Pulli hatte - nach dem zweiten Lied - habe ich mich eines Besseren besonnen, und mir klargemacht, dass ich am nächsten Tag ja auch noch ne Klausur würde schreiben müssen - ich bin also einfach gegangen.

http://www.myspace.com/theblacklips

Trotzdem war es ein schöner Konzertabend, auch wenn ich dann auf dem Heimweg Abschied vom Frühlingswetter nehmen musste und ordentlich nass geworden bin.

Ach ja: ist euch schon mal aufgefallen, dass “Live” und “Viel” Anagramme sind?

sie sind definitiv sehr besonders für mich. weil sie mich in zeiten und stimmungen versetzen, die ich mal erlebt habe, nach denen ich mich manchmal zurücksehne oder die mir als beeindruckende erinnerung verblieben sind:

moby - play

ich mochte sie gerne, diese knackige, klare kälte, bei der die luft schon ein ganz kleines bisschen nach frühling gerochen hat. hat dann der mp3-player auch noch zufällig mobys “play” gespielt, dann war ich ganz hin und weg, denn das album erinnert mich immer an den sommer nach neuseeland, als ich in meinem neuen zimmer² in hambergen gewohnt habe - gerade hatte mama einen neuen freund/mann, ich bekam ein neues schwesterlein, hab mich so richtig in den ev.jugend-hype reingelebt und in hambergen mit katharina akte x geschaut.
auch wenn ich nicht ausschließlich gute erinnerungen an den sommer habe, so fühle ich mich, wenn ich “play” höre, als hätte es mich in diese zeit zurückversetzt. manchmal rieche ich sogar die gerüche von damals oder erinnere mich sehr lebhaft an das gefühl, meine kleine schwester im arm zu halten - und das finde ich unheimlich beeindruckend.

2: riesengroß, schön, mit treppe zum dachboden, mit balkon, mit dachschräge voller postkarten und neuseeland als lichterkette an der decke - selbige hatte mein neuseeländischer kumpel david gestaltet, nachdem er befunden hatte, dass die alte anordnung der lichterkette ihn zu sehr an australien erinnert hatte…

ayreon - the human equation

ich hatte ja schon vom ende berlins geschrieben, und das ist das album, was ich damals gehört habe. ich hatte es gerade so noch bekommen, dann sind erfi und ich losgefahren, um einen schweinekalten sehr geilen winter in berlin zu erleben - als wir am bahnhof zoo ausgestiegen waren und durch die schneewehen stapften, hatte ich kurzzeitig das gefühl, es hätte mich nach sibirien oder kanada verschlagen - zum teil waren autos unter den schneewehen…
kennt ihr übrigens das sibirische klo?

das besteht aus zwei stöcken.

einen zum dran festhalten beim hinhocken.

den anderen, um die wölfe zu vertreiben…

sorry, aber ich fand das witzig.

also: kälte, erfi, timo, franzis freundin, mit der ich sehr spät frühstücken war, der görlitzer park - und zwischen all dem der wunderbare powergesang von irene jansen, immer wieder. manchmal ist es sonderbar, dieses album wieder zu hören, weil ich jetzt jeden tag hier in berlin verbringe.
und vielleicht der görlitzer park als einziger neben dem album geblieben ist.

ein wenig sonniger - wenngleich melancholischer - wird mir, wenn ich “lost in space” von aimee mann höre. ja, sonnig und melancholisch geht. weil ich das album intensiv während eines sommers auf borkum gehört habe, während ich mich vom zivildienst/der nua:lounge und dem ganzen drumherum erholt habe und auf mein studium wartete - allerdings immer nur abends, wenn alles sich langsam beruhigte und die ruhige stimmung des albums sich voll entfalten konnte - und ein bisschen melancholisch ist es nun einmal, das album.

heißer her gehts mit dem “buena vista social club” und dessen album, das nils und ich sehr viel gehört haben, wenn wir cocktails gemixt habe. entgültig hängen geblieben ist das album - insbesondere mit “chan chan”erst an dem tag, als wir vormittags am baggersee waren und uns dort die wohlverdiente abkühlung geholt haben - es gibt wenige tage, die ich als genau so heiß im kopf habe, wie diesen.
irgendwann bin ich also losgefahren, um auf dem osterholzer stadtfest cocktails zu machen - bis dann zwei freunde vorbeikamen, mit denen ich mir vorher noch am see war, und der eine mir eröffnete, sein bruder sei bei dem heißen wetter erstickt.
ich habe das album seitdem ein einziges mal gehört.

was mich jedesmal wieder enorm beeindruckt, ist die intensität, mit der diese alben mich wieder in die jeweilige zeit versetzen. es ist nicht nur so, dass ein film in meinem kopf abläuft, den ich mir dann anschaue, sondern ich habe wieder eine genaue vorstellung davon, wie es mir damals ging. wenn man so will, werde ich wieder in meine damalige version zurückversetzt. das geht so weit, dass ich wieder den geruch von limetten rieche (weil wir viel caipirinha gemacht haben in jenem sommer), ich das gefühl habe, wieder mit kat auf dem sofa zu sitzen und akte x zu schauen, oder halt meine kleine schwester schreien höre. wobei das in diesem fall der reale säugling in der wohnung über mir ist ;-)

jedenfalls finde ich diese zeitmaschine natürlich einerseits spannend und unterhaltsam, andererseits zeigt sie mir auch, welchen weiten weg ich schon gegangen bin (und alle anderen ebenfalls) - und was noch so alles vor mir liegt.
denn ich hoffe natürlich, dass sich noch viele weitere momente in meinem hirn festbrennen, am besten mit viel, viel toller musik.

p.S.: versprechen eingelöst!

Der erste Teil dieses Posts bestand darin, stichwortartige Begriffe zu sammeln und euch rätseln zu lassen, um was es sich wohl handelt. Wie die meisten vermutet haben werden, handelte es sich um einen Konzertabend im Frannz und meine Gedanken und Assoziationen währenddessen (jedenfalls einen Teil davon). Hier also - blau - meine Gedanken, schwarz der Text dazu.

a.k.a. Ingo Pohlmann / Ben Hamilton im Frannz
Äh, ja. Darum geht es ja eigentlich. Spontan dem Ruf der “Zitty”-Empfehlung gefolgt, nochmal umgedreht, weil Portemonnaie vergessen, aber das war auch nicht weiter schlimm, Zitty schreibt die Zeiten ja auch gerne mal eine Stunde früher auf.

Vorurteil: Der Vollspinner (fast) gleichen Namens
Beinah wäre ich nicht gefahren, es gibt nämlich einen, der heißt Ingo Oschmann, ist eher semilustig und hat mit Herrn Poschmann nichts gemein. Außer etwa 99% des Namens. Der Herr Poschmann hat mit dem Herrn Pohlmann eher gar nichts gemein, was mir aber auch eben erst bei der Suche nach Herrn Pohlmann bewusst wurde. Ähm… zurück mit den Vorurteilen, und whaththefuck ist in meinem Namensgedächtnis schiefgelaufen?!?

Kühler, unpeinlicher Pathos von with or without you
Nachdem ich also das Vorurteil des Namens überwunden hatte, sah ich mich einem anderen Problem gegenüber: Der Poschmann hat ja so Songs geschrieben wie “Wenn jetzt Sommer wär” oder “Der Junge ist verliebt” - beide finde ich nicht wirklich schlecht, aber es schiebt den Pohlmann schon arg in die Schmusepop-Ecke. Da muss ich meine Schubladen wohl neu sortieren, denn “Bruce Lee” erinnert mich nicht nur strukturell, sondern auch mit seinem kühlen, unpeinlichen Pathos an “With Or Without You” und erfreut mich, denn auch das Line-Up (Gitarre A und E, Bass A und E, Schlagzeug nur A, Cello auch nur A) ließ mich hoffen, einige Arrangements zu erleben, die den Schmusepop ein wenig entschärfen.

Flashback nach Hannover / Blackmail
Gerade die beiden eingangs erwähnten Songs haben mich sehr an einen Sommer in Hannover erinnert, in dem sich meine damalige Mitbewohnerin - die ich bis auf ihren Niedlichkeitswahn sehr schätze - diese beiden Lieder angehört hat.

Tagelang.

Ausschließlich.

Sehr laut.

Als sie irgendwann mit dem - natürlich - sommerlichen Album eines berüchtigten Surfers ankam, stand ich kurz davor, jemandem Gewalt anzutun. Ich bin dann lieber aufs Blackmail-Konzert gegangen - das im Übrigen sehr geil war.
Alles in allem brachte mich das damals zu der Überzeugung: Gute Songs hin oder her, dieses Sommergesummse geht mir auf den Sack, ABER: Ingo Pohlmann ist Nur halb so nervig wie Jack Johnson

Und konnte auf der Bühne richtig gut unterhalten. So kam er dann irgendwann nicht umhin, Die Geschichte mit den Tieren nicht nur zu besingen, sondern auch näher zu erläutern. Hat nen Mörderspaß gemacht, auch wenn ich vermute, dass einige der zärter beseiteten Anwesenden angefangen haben werden zu weinen. Dabei ist es gerade das, was ich an Live-Konzerten mag: dass die Musiker immer mal wieder Geschichten erzählen. Geschichten die lustig sind oder traurig, ernst oder eben nicht, und dass sie das manchmal mit ihren Songs und manchmal eben auch ohne ihre Songs tun.

Diesbezüglich legte Imogen Heap eine hohe Messlatte, denn ihr Konzert vor fast genau einem Jahr an gleicher Stelle bleibt für mich immer noch unerreicht, was die Stimmung angeht. Nie hatte ich auf einem Konzert mehr Spaß daran, einfach nur dem Künstler/der Künstlerin zuzuhören.
Da konnte der Cellist, der Extrovertierte, leider nichts dran ausrichten, auch wenn er sich redlich Mühe gegeben hat, die Stimmung anzuheizen. Von ihm stammte irgendwann - während einer der Experimentier-Phasen - ein Geräusch, dass ihn nach eigener Aussage an einen Massagesalon frühmorgens irgendwo erinnerte. Der Sänger fühlte sich eher auf eine Kuhwiese versetzt; für mich klang es nach - vielleicht nicht ganz geglückter - Kopulation.

Das Konzert hat also recht viel Spaß gemacht. Keine Musik, die mich vom Hocker hauen würde - weil man ja alles schon mal so oder anders gehört hat - aber im Allgemeinen bin ich froh, dagewesen zu sein. Ich hab dann kein Mädchen? mitgenommen (ca.75% Mädchenanteil), denn der Gedanke daran, zu Hause dann Rock, Hard Rock? oder gar - Metal - aufzulegen, während sie noch “Der Junge ist verliebt” summt, war mir dann doch zu grausam…

Ben = Ire? Brian Adams?
Ben, das war die Vorband. Also der Ben, das ist in Wirklichkeit nur einer. Der allerdings mit Gitarre und Stimme recht gut umgehen konnte und somit schonmal gut auf den Pohlmann vorbereitet hat. Leider viel zu kurz.

Ach ja: und Trinkgeld vom Schicksal…

Die Seite vom Herrn Pohlmann

Ben Hamilton

And now to something completely different:

- Kopulation

- Fette Katze

… und folgerichtig habe ich den tag genutzt, um eher, äh, herumzuhängen. fedora wollte nicht so wie ich, aber immerhin habe ich ein vernünftiges plugin für mp3s gefunden, sodass ich die schon vorher heruntergeladenen musikstücke (alle legal über tonspion.de!) mal probehören konnte, zuvorderst die “Tribute To Automatic” - coversammlung, die sich mit dem wunderbaren, von mir sehr geschätzen “Automatic For The People” von R.E.M. beschäftigt - das gesamte album wurde lied für lied von verschiedenen bands in verschiedenen stilrichtungen interpretiert - “man on the moon” wird so beispielsweise von den shout out louds eine bossa-nova-funk-version umgestaltet, die eher entfernt an das sonstige oevre der schweden erinnert…
alles in allem kommt das tribute-album lange nicht an die tiefe, herzergreifende schönheit von automatic heran - aber es ist unterhaltsam, und ich finds immer wieder spannend, wie unterschiedlich man ein und dasselbe lied interpretieren kann.

ähnliches gibt es auch von radioheads “ok computer” - allerdings sind diese bands nicht so bekannt und bleiben näher an den originalen: download.

etwas größeres ohrenkino sind kwoon, bei denen ich mich erst einmal davon überzeugen musste, dass sie wirklich franzosen sind und keine isländer, denn manchmal erinnern sie mich schon stark an diese andere band aus island. sehr schöne, stellenweise bedrückende musik - “I Lived On the Moon” könnte mir musikalisch noch weiter gehen; es klingt für mich wie eine - eindrückliche und sehr gute, aber entwicklungsfähige - skizze, und das video ist richtig super:

hier gibts dann ähnliches live, das ist “Eternal Jellyfish Ballet” von kwoon.

sehr viel ruhiger, aber nicht weniger schön, geht bonnie prince billy zu werke (habe ich schon mal über ihn geschrieben?). der singer-songwriter sieht aus, als hätte er das ende des bürgerkriegs in amerika verpasst, aber meine güte, wenn man gute musik macht, kann man die zeit schon mal vergessen, oder?

bonnie prince billy - cursed sleep

wir sind ja jung, dynamisch und flexibel, und deswegen habe ich auch über zwei filme zu berichten, die ich mag:

der nebel - nach einer kurzgeschichte von stephen king. weniger horror als vielmehr spannung. eine gute, wenn auch simple geschichte, endlich mal ein konsequentes (und grausames) ende - was will man mehr? überzeugendere monster, die cgis waren schon unglaubwürdig. ansonsten: sehenswert!

broken flowers - mr. so wenig mimik wie möglich bill murray nebst einigen hochkarätigen schauspielerinnen als abgehalfterter don juan auf der suche nach der frau, die behauptet, er habe einen sohn. schönes, subtil witziges roadmovie, das ich schon immer mal sehen wollte.

zum abschluss ein kleines schmankerl von imogen heap. euch allen eine schöne woche!

 

bild: www.nordische-musik.de

die geschichte des don juan

cover me!

 

 

Ahem. Da wollte ich eigentlich nen kleinen Text über Musik, das Leben und umzu schreiben, und dann bleibe ich - nebst Anruf, Amazon-Paket-Herausgebeservice und Essen, äh - hier hängen. Es ist doch jedesmal wieder Dasselbe…

Ach ja, ich bin bis Level 53 gekommen, dann mochte ich nimmer von vorn anfangen, vor allem, weil die Finger jucken. Hätte mir vorher das Chipsalz abwischen sollen…

Now to something completely different.

Neulich war ich mal wieder im Plattenladen. Das Weihnachtsgeld wollte schließlich irgendwie unter die Leute gebracht werden, und ich hatte keine Lust mehr auf irgendwas, das hier bei mir herumsteht oder liegt.

Während ich also die Cds rechts liegen ließ (denn das tun sie, wenn man zu den Platten geht), erhaschte ich aus den Augenwinkeln ein Bild, das mir bekannt vorkam, und es kam, wie es kommen musste:

Es liegt vor mir.

Klar, ich hätte es auch bei Amazon bestellen können, aber da wäre mir der Spaß des Jagens entgangen. 43 Songs also, die sich mit Piraten, Seeleuten oder einfach ganz allgemein mit dem Leben abseits des Festlands beschäftigen. Schräg ist es eher nicht in dem Sinne, wie ich es erwartet hatte, sondern sogar erstaunlich ernst(haft) - der tatsächliche Produzent Hal Wilner hat sehr viele bekannte Namen versammelt, die echte Chanteys - so nennt er sie liebevoll - vertont haben.
Herausgekommen ist ein Album, das sicherlich nicht Jedermenschen Sache ist, denn die Musik ist zum Teil sehr roh produziert und hat naturgemäß einen sehr folkigen Touch. Vielleicht kann man es mit einem Islay vergleichen; man riecht förmlich das Salz und die Meeresluft, ab und an riecht es ein bisschen nach Fisch, und man muss dem Aroma Zeit geben, sich zu entfalten. Aber die Menschen mit den großen Namen werden selbigen gerecht, allen voran Nick Cave mit zwei tollen Songs und Bono mit einer beeindruckenden Performance.
Kein Album, das man mal so nebenbei hört, und vor allem keins für alle Stimmungen - aber für manche. Ernster, als ich dachte, besser, als ich vermutete.

Eher gar nichts für alle Stimmungen ist das Album “a love of shared disasters” der englischen Band “Crippled Black Phoenix”. Das Album lässt sich am besten anhand seiner Covergestaltung beschreiben.

bird.jpg

So düster und zugleich schön wie das Bild, ist nämlich auch die Musik. Slo-Mo-Rock, Folk, Psychedelia, ganz große - aber eben hauptsächlich eher gedeckte Stimmungen - shared disasters eben. Laut.de hats da schon ganz gut getroffen, wenn auch ein wenig zu reißerisch formuliert. Aber besser könnte ichs eh nicht…

Favez hingegen rocken so straight nach vorne, dass es eine wahre Freude ist. Manchmal hört man ihnen ein klein wenig an, dass sie aus dem Emo/Hardcore-Lager kommen, aber was sie auf “Old and Strong in the Modern Times” präsentieren, hat sehr steinerne Hände und Füße. Sozusagen das kleine Energiebündel für zwischendurch; man mag kaum glauben, dass es sich um Schweizer handelt. Mein ehemaliger Mitbewohner Andi hat sie mal live gesehen; und jetzt beneide ich ihn schon ein bisschen…

Überhaupt ist Musik bei mir immer stark mit Erinnerungen verbunden; manche Alben bringen mich sofort in eine bestimmte Zeit, an einen bestimmten Ort zurück. Ich lege es ein und bin wieder da, atme wieder diese Luft und weiß wieder, was ich damals gedacht habe, fühle, wie es mir damals ging…

Mehr davon beim nächsten Mal, versprochen!

Es könnte so einfach sein: Es gibt doch einen Haufen Menschen, die sich für Musik interessieren. Einige haben sogar Ahnung davon, andere zumindest eine Meinung…

Als ich heute notwendigerweise dazu gezwungen war, die - auf CD aufgezeichnete - Lieblingsradiosendung meiner Mitfahrgelegenheit mit anzuhören, dachte ich ein wenig darüber nach, wie es wäre, wenn es eine Radiosendung gäbe, eine Station gar, die sich ganz dem verschriebe, wozu das Radio mal erfunden wurde: dem geneigten Hörer gute Musik und Unterhaltung zu liefern, und - da ich noch umnachtet von den gestrigen Feierlichkeiten bin, denke ich einen gar unerhörten Gedanken: Hintergrundinfos.

Früher, da gabs das mal. Da wurde sonntags ein Programm zu einem bestimmten Thema gesendet, sagen wir mal: Die Beatles - und der Moderator und dessen Team sind tatsächlich ihrer journalistischen Aufgabe folgend tief in die Materie eingestiegen und haben Qualitätsinfos geliefert: wie funktioniert dieser und jener Song, warum wurde er geschrieben und was ist vielleicht damit gemeint und vor allem wie passt der Song in den Kontext seiner Zeit?
Selbst ndr2 hat lange Zeit den “Popkocher” gesendet, eine fünfminütige Sendung, die sich mit dem technischen Aufbau verschiedener Popsongs beschäftigt hat. Wie groß war meine Freude, als ich letztens zufällig - via  Mitfahrgelegenheit - im wahrsten Sinne des Wortes erfahren habe, dass auch Radio Eins eine ähnliche Sendung bietet - besagter Moment war umso schöner, weil ein Musikprofessor gerade “Cornflake Girl” von Tori Amos auseinandergenommen hat, ein Lied, das ich gerne mag.

ZAPP

Eine kurze Wanderung durch die aktuelle Radiolandschaft:

Kanal 1: “… gleich nach der Werbung: Das Beste von Früher, Später, Gestern, Morgen und überhaupt. Nach Robbie Williams kommt ABBA, dann Madonna.” - zapp

Kanal 2: “Like a virgin…. like a viiirrrrgiiiiiin” - zapp

Kanal 3: “… wir sind die Nr. 1 im Norden bei den 15-18-Jährigen, die ausschließlich bei Vollmond Radio hören, und dafür bedanken wir uns mit Alicia Keys, gefolgt von Robbie Williams und ABBA. Aber erst noch ein Evergreen von Madonna!” - zapp

Kanal 4: “…spielen wir nur für DICH” - zapp (ich mag es nicht, wenn ich von meinem Radio geduzt werde)

Kanal 1: “…like a viiiirrrrgiiiin!” - zapp

Kanal 3: “…like a” - zapp

Kanal 5: “…und dann noch Tante Gerda, die hört den Andrè Rieu doch auch so gerne und - darf ich noch jemand grüßen?” - zapp

Kanal 1, wieder: “… und wenn ihr heute morgen die unglaublich lustige Show von unserem Morgenmän (sic!) verpasst habt, dann wiederholen wir sie gleich nach der Werbung für euch. Und denkt dran: nur hier gibts das Beste von Früher, Heute, Morgen, Gestern, überhaupt IMMER, denn wir sind die Nummer Eins unter den 40-42-Jährigen, die Steuerklasse 3 sind, gerne mal in die After-Work-Lounge gehen und morgens um halb Sechs auch schon so unerträglich gut gelaunt sind, wie unsere Moderatoren, allen voran natürlich unser Morgenmän Steffen, der sich für DICH auf einen Misthaufen begeben hat, um davon zu berichten, wie ein Hahn kräht. Was er dabei so alles erlebt hat, wird er DIR in den folgenden zehn Stunden Programm erzählen - und denke dran: nur hier kriegst DU das Beste von Früher, Heute, Morgen, Gestern und überhaupt immer, deswegen nach der Werbung, nur für DICH: Morgenmän Steffen und dann: Madonna, Robbie Williams und Alicia Keys.” - ZAPP

würg!

Presenting: Radio No Bullshit

Sinnfreies Beschweren ist meine Sache nicht, ich gestalte lieber. Also habe ich mir überlegt, wie super es wäre, einen Radiosender zu machen, der ein wenig anders ist, als all die anderen. Zum Beispiel:

- keine Werbung. Es muss doch möglich sein, auf Werbung zu verzichten, oder nicht? Das Kapital setzt sich dann zusammen aus Gebühren und, äh, Bestechungsgeldern für gute CD-Besprechungen
- keine Eigenwerbung. Dafür gibt es Internetseiten und Promo-Cds. Meine Hörer sollen den Sender an der Musik, nicht am alle 30 Sekunden eingespielten Jingle erkennen.
- erkennbare Programmstruktur. Menschen haben unterschiedliche Musikgeschmäcker. Warum nicht daraus einen Vorteil machen, und ein Programm stricken, dass gleichzeitig abwechslungsreich und in sich stringent ist? Wenn die Zuhörer wissen, dass Mittwochsabends zwischen 20 und 24 Uhr nur, sagen wir, französische Popsongs aus den Siebzigern laufen, dann können sie sich drauf einstellen.
Und sich auf Michaels Metalstunde am Sonntagmittag freuen. Nur spasseshalber könnte man ein paar Stunden lang Programm zum Thema “Das Beste von Früher, Heute, Morgen und überhaupt” machen…
- Hintergrundinfos. Herrje, darum sind sie doch alle Journalisten. Geschichten über Musik(er) gibts auch heute noch viele zu erzählen, und warum sollte man nicht mal eine Sendereihe bieten, in der erklärt wird, wie z.B. die Beats von Timbaland funktionieren? Oder die Entstehungsgeschichte des Grunge aufrollen (schön, dann könnte man endlich mal andere Bands als Nirvana bringen) ?
- kein unerträglich gut gelaunter morgenmän. oder morgenwomän, um der genderdiskussion willen. Wär das nicht schön, wenn der Radiomoderator morgens genauso muffelig wäre, wie ich? Und millionen anderer Menschen?
- kein Duzen. Überhaupt spricht das Radio mich kaum persönlich an, sondern macht einfach - Musik.

Das Ganze hieße Radio No Bullshit, und die ModeratorInnen wären interessierte Musikliebhaber, die sich nicht damit abfinden können, dass es im Ozean der heutigen Radiosender nur ab und zu winzige Inselchen guten Programms gibt. Man stünde idealistisch hinter dem Ganzen, aber niemals dogmatisch. Die Promo-Cds wären begehrte Sammlerstücke, und im Gästebuch stünden Kommentare wie: “Danke, ihr habt meinen Musikhorizont erweitert. Ich hätte nie gedacht, dass XY auch sowas gemacht hat.”
Radio No Bullshit würde den ein oder anderen Preis bekommen, und der würde seine Macher dazu anspornen, noch härter am besten Programm der Welt zu arbeiten.

Beep.

Beep.

Oh, sorry. Mein Wecker klingelt. Ist ein Radiowecker, und der unerträglich gut gelaunte Morgenmän erzählt gerade, dass auf der Autobahn alle ganz langsam gefahren seien - wegen des Schnees - und dass er deswegen beinah zu spät im Studio war. Es folgen: Ein Jingle und “Like a virgin… like a viiiiiirrrgiiiiin”.

Bullshit, denke ich und erinnere mich vage an einen Traum. Kam Madonna drin vor?

Als ich am Samstag Licht gehängt habe, war es gewiss nicht das erste, und vermutlich auch nicht das letzte Mal, dass ich - mit wechselnden Gesprächspartnern - darüber philosophiert habe, was geschähe, würde durch eine - wie auch immer geartete - Zeitreise einer der “klassischen” Komponisten (ich meine damit die Leute, die dieses komplizierte Zeugs zwischen 1400 und 1920 geschrieben haben und nicht die Epoche an sich) in unsere Zeit versetzt werden.

Also, ich meine jetzt nicht irgendwelche stereotypischen Entsetzens-/Entzückungsschreie über das, was Besuchern aus der Vergangenheit magisch erscheinen wird. Vielmehr geht es mir um die schier unendlichen musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten, die wir mittlerweile so selbstverständlich benutzen.
Mit einem stinknormalen Synthesizer kann man ganze Orchester ersetzen, Effektgeräte machen die abgefahrensten Sounds möglich; von den Möglichkeiten des Samplens mal ganz abgesehen.

Das müsste ein wahres Paradies für einen jungen, experimentierfreudigen Menschen wie Mozart sein, müsste der sich doch nicht alles komplett vorstellen, sondern könnte sich mal eben selber vorspielen, wie sein Orchester klingen würde. Aus der Zauberflöte wird Der Magische Moog, eine Kleine Nachtmusik würde er vielleicht mal eben nebenbei auf seinem Sony Ericsson zusammenbasteln, da gibts doch dieses DJ-Musik-Bastel-Tool. Und - er war ja dann doch ein wenig egozentrisch - er könnte sämtliche Spuren nach eigenem Gusto selber einspielen.
Natürlich wäre er der Haus-und Hof-Produzent von Queen, und hätte maßgeblichen Anteil an Bohemian Rhapsody gehabt - vermutlich hätte es um einiges dramatischer geklungen…

Was würde ein Ludwigvan tun, sagen - und vor allem - spielen, hätte er ein Continuum unter seinen Fingern? Man mag es sich kaum ausdenken. Wobei der Gute vermutlich in erster Linie völlig begeistert von Hörgeräten und guter PA gewesen wäre… und ich glaube, Beethoven hätte viel Spaß am ProgRock gehabt, der kracht ja so schön und ist trotzdem manchmal höllisch komplex. In seinen schlimmen Momenten, wenn die Taubheit und sein Temperament ihn am meisten genervt hätten, wäre er dann zum Grunge gewechselt.

Bach - ja, der gute alte Johann Sebastian. Pink Floyd? Eher Archive, die sind nicht so verdrogt… Wobei, der war ja musikalisch eher ein bisschen strenger, das passt widerum zu Pink Floyds aufwändigen Bühnenshows. Wäre schon spannend zu beobachten, wie JSB und Roger Waters sich um die musikalische und inhaltliche Ausrichtung der Band streiten und David Gilmour sich im Hintergrund ins Fäustchen lacht, weil er natürlich weiß, dass die Band ohne sein unnachahmliches Gitarrenspiel verloren wäre…

Pink Floyd lebten aber ja - wie so viele andere Bands auch - durch die elektronischen Spielereien, die sie so benutzt haben.

Überhaupt gehe ich mit dem guten rotor d’accord, wenn ich annehme, dass diese Komponisten vermutlich völlig begeistert von den Möglichkeiten elektronischer Musik gewesen wären (deswegen auch die vielen Keyboards) - schließlich haben sie schon zu ihrer Zeit hauptsächlich auf dem Klavier gespielt und sich die anderen Instrumente und Stimmen vorgestellt oder später in Begleitung hinzugefügt. Was gäbe es also Besseres für einen klassischen Komponisten, als ein Interface, dem er - theoretisch - beliebige Stimmen hinzufügen könnte? Vor allem, weil klassische Musik davon lebt, ein Thema zu wiederholen, es zu variieren, verändert zu benutzen und so weiter. Statt also einfach die Noten eines Themas in umgedrehter Reihenfolge abzuspielen, kann man auch ein ganzes Riff komplett vorwärts arrangieren und rückwärts wiedergeben.

Wer weiß also, was so passieren würde, tauchte auf einmal ein DJ Haendle hinterm Plattenteller auf? Oder der Wu-Tang-Clan mit dem neuen Mitglied Ash’N'Berg statt in die 36 Chambers, auf die Jagd nach den 12 Notes gehen würde?

edit, 11.12.:

Mein Chef sagte heute, spontan auf diese Frage angesprochen: “Du meine Güte, Mozart wäre so eine Art Dieter Bohlen. Überleg doch mal, bei seiner Kreativität, der hätte einen Output… über Jahre hinweg wären die Hitparaden voll mit seinem Zeug. Natürlich würde der auch feiern ohne Ende, mit Drogen und Frauen und diesem ganzen Schweinekram. Und Bach… der muss bei Pink Floyd spielen!”

Na sowas…

Meine Damenundherren, ich präsentiere stolzest: Ein “Concerto”-Doublefeature auf milchmithonig.de!

Viele (insbesondere ich) hätten es nicht für möglich gehalten, doch in der letzten Woche war ich tatsächlich nicht nur auf ZWEI Konzerten, sondern habe auch jetzt die Muße (und den Teeinflash), das ganze zu vertexten. Dauert ne Weile, weil meine Hände jetzt zittern… aber davon bekommst DU, lieber Leser ja zum Glück nichts mit. Du darfst dich in aller Ruhe zurücklehnen, vielleicht nebenbei schon mal youtube oder myspace scharfmachen, um Näheres zu den Bands zu erfahren - und bitteschön ein Heißgetränk deiner Wahl trinken.

Am 18. war ich im Lido, um mir Radio Harlekins und DOGS anzuschauen.
Die Musik der beiden Clowns war ganz schön abgefahren, weil handgemachter Drum’n'Bass.
Einer der beiden also hinterm Schlagzeug, der andere spielte Bass, beim Singen haben sich beide abgewechselt, und im Allgemeinen haben sie es ganz schön krachen lassen - und sind dabei immer schön oldschool geblieben, manchmal mit ein paar Breakbeats - das hat Spaß gemacht, auch wenn sich die Songstrukturen doch recht zuverlässig wiederholt haben.

Dem Hauptact fehlte eigentlich ein “The” vor dem Bandnamen, denn sie haben - wie so viele vor ihnen und nach ihnen vermutlich auch - retro - Rock’n'Roll geliefert, der ja gerade sehr beliebt ist. Dabei hat mir gefallen, dass sie ein bisschen retroiger wirkten als viele der angesagten “The”-Bands - was ihnen in meinen Augen bzw. vielmehr Ohren viel Authentizität gegeben hat. Die beiden Gitarristen haben gebrezelt, was das Zeug hielt, die Rhythmussektion hielt gut dagegen, und der Sänger schien - einigermaßen - wahnsinnig betrunken zu sein, was seinem Gesang - stimmlich etwa zwischen Mike Skinner und Damon Albarn - viel Kante verliehen hat. Insgesamt war der Auftritt recht solide, hat aber meine Ressertiments gegenüber britischen The-Bands nicht wirklich abgebaut - aber eben auch nicht weiter unterstützt.
Warum ich solch ein komisches Gefühl hatte und ständig auf unerwartete Gags gewartet habe, wurde mir erst klar, als ich kurz dachte “der Sänger sieht ja aus wie Eric Idle in den Siebzigern” - als ich mir ebenso klar gemacht habe, dass er es nicht ist, konnte ich dem Ganzen wesentlich konzentrierter folgen.

Gestern war ich dann zum ersten Mal im Festsaal Kreuzberg, einem schnuckeligen kleinen Venue am Kotbusser Tor.
Von der Größe und dem Gemütlichkeitsfaktor her etwa mit dem Frannz vergleichbar, wurde es ganz schön eng, als sich so um die hundertdreißig Menschen Urlaub in Polen und Black Mountain anschauen wollten.

Erstere haben es - ähnlich wie Wolfgang’s Vacation - zu zweit mehr krachen lassen, als die anderen zu fünft, letztere waren dafür verspielter, komplexer und - besser. Beide Gruppen haben viele drogengeschwängerte Retrosounds durch die ebenso attribuierbare Luft geschossen, sodass der Zitty-Vergleich “Pink Floyd trifft auf Black Sabbath” tatsächlich ziemlich gut hinkam. Das ist ja einer meiner Hauptkritikpunkte an Pink Floyd, dass sie - insbesondere später - nicht so wirklich gerockt haben.
Black Mountain schon. Einzig der Gesang der Sängerin war ein wenig nervig; sie hatte zwar an sich eine schöne Stimme, hat aber mit einem sonderbaren Tremolo gesungen, was manchmal wie ein Wiehern klang.

Egal, Spaß haben sie gemacht, nett wars auf jeden Fall, und ich denke, ich werde mal wieder amazon bemühen…

Dogs

Beschreibung vom Lido
Soundmag hat auch was zu sagen

Urlaub in Polen
Black Mountain

… die wären nämlich, das wissen wir alle - mit der auswahl des richtigen spülmittels - wieder absolut rein geworden.

wo bitte gehts zum universum?

leider tut katie melua das nicht, sondern beschäftigt sich in ihrem song “nine million bycicles” mit den auswirkungen bedingungsloser liebe.
da muss dann auch schon mal das universum - wie wir es kennen und (vielleicht) vermessen können - zum vergleich herhalten.

über den lyrischen wert dieser übung will ich mich an dieser stelle nicht auslassen; das sollen andere tun. auch musikalische qualitäten des liedes sind mir nicht bekannt, da ich die frau melua zwar für eine gute sängerin halte, ihre musik aber alles andere als interessant finde.

anlass, ein wenig weiter über das lied und dessen inhalte nachzudenken, gibt allerdings dieser wunderbare artikel von simon singh - letzterer hat mindestens zwei sehr gute und unterhaltsame bücher über fermats letzten satz und verschlüsselungstechniken geschrieben. besagtem mann - anscheinend zumindest zeitweise chefwissenschaftler beim bbc - stieß eine zeile bös auf, und zwar jene mit der geschätzen größe des bekannten universums, die er viel zu unwissenschaftlich, ja gar als die wissenschaft diskreditierend empfand.

zunächst wunderte ich mich ein wenig ob des harschen tons, den der mann dort anschlägt, handelt es sich doch nur um ein popliedchen. spätestens bei seiner sarkastisch-ironischen neudichtung allerdings war ich restlos davon überzeugt, den text eines großen komödianten zu lesen - zumindest hoffe ich, dass er das nicht wirklich ernst meint, zumal bei einer zahl von 13,7 milliarden lichtjahren darauf stolz zu sein, die erste stelle hinterm komma zu nennen, in etwa so ist, wie bei der frage “wo ist die sonne” nach oben zu zeigen und “da!” zu rufen - die antwort ist korrekt und einigermaßen hilfreich, aber noch immer extrem vage.

lest selbst:

Katie Melua’s bad science

Simon Singh

da kommt’s her

Was macht man, wenn man voller Elan und gut gelaunt von der Arbeit kommt und noch etwas unternehmen möchte?

Richtig, man geht auf ein Konzert. Dummerweise ist es gestern melancholischer Pop geworden…

Vorm Hauptact tritt ein Support auf, das hat sich so eingebürgert mittlerweile und kommt ja auch allen zugute. Dem Support selber, weil er/sie auf einer gr0ßen Bühne spielen kann, dem Hauptact, weil das Publikum schon einmal aufgewärmt wird und dem Publikum auch, man bekommt ja mehr fürs Geld, vielleicht gar eine unbekannte Band, die man mag.

The Lost Weekend

Bestand - obwohl er beharrlich behauptete, eine gewisse Lisa würde sich schon irgendwann trauen und mit ihm singen, nur aus einem Singer/Songwriter, der Songs ebendiesen Genres feilbot, stilecht nur mit Gitarre bewaffnet. Zwischendurch auch mit additiver Mundharmonika, aber dazu später mehr.
Da saß er also ganz alleine auf der Bühne, dieser komische Kauz und musste etwa 20 musikwütige Menschen unterhalten.
Größtenteils gelang ihm das auch recht gut, wenn auch nicht immer ganz so freiwillig komisch, wie er vielleicht gerne wäre.
So hatte er mit seiner verstimmten Gitarre zu kämpfen, welche dadurch allerdings prächtig mit seinem angepisst-knarzigem Gesang harmonierte. Man darf mich hier nicht missverstehen, ich mochte die Stimme, irgendwo zwischen Eddie Vedder, dem jungen Bob Dylan und dem Ex-Frontmann von Ex-Creed.
Lisa war immer noch nicht aufgetaucht, und so erzählte The Lost Weekend zu seinen Songs, die Geschichten aus seinem Leben erzählen - Geschichten aus seinem Leben.
Das alles waren Dinge, die man so oder so ähnlich und in Variationen schon erlebt hat; einige Songs hatten sehr schöne Akkordfolgen, ebenso wie einige Textzeilen sehr super waren.
Erwähnte Mundharmonika kam zum Einsatz - warum sieht das eigentlich immer so bekloppt aus, wenn ein Gitarrist sich ne Mundharmonika um den Hals hängt? Vielleicht, weil dies absonderliche Gestell an ebensolche Zahnspangen erinnert?
Zweckdienlich wars auf jeden Fall, und um den Sänger und seine Musik zu verstehen, reicht es, zu wissen, dass er mit dem Satz: “Meine Mundharmonika ist kaputt. Ich werde trotzdem auf ihr spielen, damit ihr meine CDs kauft und ich eine neue kaufen kann…” sogleich auch ein schiefes Lied anstimmte. Ich fands gut, hab mir also die CD nicht gekauft, muhahah!

In der Pause hat die DJende Person entweder musikalische Abgebrühtheit, jede Menge Humor oder ein gewisses Maß an Verrücktheit bewiesen, denn berieselt wurden wir von einer Ambient-Version dieses Megahits von The Darkness. Hört man auch nicht alle Tage.

The Devastations

Kommen aus Australien, da muss man als Neuseelanderfahrener vorsichtig sein… Sie haben dann auch gleich losgelegt und könnten in die Schublade “Nick Cave minus ein wenig von dessen Einmaligkeit” gesteckt werden. Einige Sounds und Strukturen haben mich entfernt an Archive erinnert, ab und zu dachte ich kurz und unwillkürlich an Sophia.

Vielleicht lags an erwähntem Clash of feelings (Enthusiasmus vs. Melancholie), dass ich mich nicht wirklich auf die Band einlassen konnte. Sie waren gut, keine Frage - aber manchmal fehlte mir ein rockiger(er) Punch, der meiner Ansicht nach einigen Songs gut getan hätte. Ab und zu war mir insbesondere der Bassist zu geradlinig, da hätten es neben den Grundtönen auch gerne einige Fills sein dürfen.
Das Miteinander von (digitalen) Effekten und handgemachtem Pop war recht gefällig, auch wenn der Gitarrist mit einigen technischen Problemen zu kämpfen hatte. Insgesamt fand ich sie so okay, dass ich - hätte ich genug Geld dabei gehabt - mir ne Platte mitgenommen hätte, aber nicht so gut, um 16 Euro für den Abend zu bezahlen.

The Devastations

… der Plattenspieler brauchte tatsächlich eine gewisse “Eingewöhnungszeit”, d.h. das frisch auf den Tonarm montierte System musste sich setzen, die mechanischen Teile alle einschwingen, und so weiter. Jetzt klingt er wesentlich besser, ohne dass ich diesen subjektiven Eindruck näher belegen könnte. Der Klang im Allgemeinen (also plattenunabhängig) ist voller, sehr räumlich, transparent und auch druckvoll.

Zeit also für das versprochene Resümee, und dann soll das Thema Plattenspieler auch fürs Erste abgegessen sein.

Optik

Der gesamte Plattenspieler ist sehr minimalistisch gestaltet, was ich sehr gerne mag. Jedes Element hat seinen klar definierten Zweck. Neulich habe ich mir nen Technics 1210 MKII angeschaut (ohne Zweifel ebenfalls ein sehr toller Plattenspieler), der hatte schon deutlich mehr Spielereien zu bieten, die ich aber alle nicht brauche (Pitch, diese beleuchteten Ringe, etc…).
Das sehr dunkle Grau kommt in meinem dunklen Zimmer nicht wirklich zur Geltung; ich hätte eigentlich auch lieber ein Schwarz oder Blau gehabt, aber mir war der Klang wichtiger.

Handling

Der XPression ist sehr nutzerfreundlich und kommt - wie das iPhone - mit einem einzigen Knopf aus: dem Ein-/Ausschalter, der den Plattenteller in Gang setzt. Tonarm über die Platte führen, absenken - fertig! Die Geschwindigkeit wird mittels beiligendem Tool durch Umlegen des Riemens verändert, was sehr leicht vonstatten geht. Nervig ist allerdings, dass ich dafür den Plattenteller abnehmen muss.

Klang

Bei Weitem die wichtigste Eigenschaft ist der Klang. Hier macht der XPression wirklich Punkte, denn er zeichnet eine schöne Bühne, will sagen, er holt Vieles aus dem Stereospektrum heraus und platziert Instrumente und Stimme dort, wo man sie z.B. auch live erwarten würde - experimentelle Geschichten einmal aussen vor. Ich hätte nicht vermutet, dass das bei meinen Boxen möglich sei, aber eine gut abgemischte Platte steht klanglich mitten im Raum, transparent, klar und losgelöst von den Boxen.
Massive Attack beispielsweise klingen einfach gut - was bei den Klangperfektionisten aber auch nicht anders zu erwarten war.
Auch wenn der Plattenspieler recht ehrlich mit dem Material ist - er macht aus einem hässlichen Entlein keinen schönen Schwan - erweckt er den Eindruck, Einiges aus den Platten herauszuholen. Für wirkliche Puristen wird er aber nicht neutral genug agieren.
Mir gefällts, weil es den Platten viel Lebendigkeit verleiht - eine Sache, die ich bei CDs vermisse.
Gerne würde ich eine sehr gute Platte mit vielen Dynamiksprüngen hören, um zu sehen, wie der Plattenspieler mit diesem Thema umgeht.

Negatives

Keine Endabschaltung
Der Tonarm muss manuell zurückgeführt werden, was tagsüber - da man ja eh alle halbe Stunde, spätestens, die Platte dreht - kein Problem ist.
Einschlafen zu “( )” ist allerdings nicht drin, es sei denn, ich habe eine sehr verständnisvolle Freundin, die für mich wach bleibt, um den Plattenspieler dann auszuschalten…

Das leidige Rauschen…
Jede Platte - egal wie gut gemastert - weist ein gewisses Maß an Rauschen auf. Die Nadel wird in mechanische Schwingungen versetzt, und das bedeutet, sie reibt über die Platte. Reibung = Geräusch…
Das führt zu erwähnten Problemen mit der Dynamik und schränkt den Spaß beim Sehr-Leise-Hören ein. Auch über Kopfhörer ist es bei leisen Stellen durchaus wahrnehmbar.

Platten sind scheissenteuer
Unter nem Zwanziger läuft auch bei etwas älteren Platten nichts - eher gehts Richtung dreißig Euro. Das hat produktionstechnische Gründe, liegt aber auch daran, dass Platten en vogue sind. Und wer schon Platten kauft, wird dafür auch blechen (wollen), denn man ist ja Fan - so die Milchmädchenrechnung der Verantwortlichen, und leider funktionierts. Generell sind Platten 20 - 30 Prozent teurer als die - ohnehin überteuerten - CDs.
Fucking Musikindustrie!

Der Nadeleinschub
Mein alter Technics konnte es: da hat man einfach die Nadel vom Tonarm abgezogen und eine Neue draufgesteckt, wenn man denn wollte. DJs praktizieren das ja auch sehr gerne mit ihren Ortofon - Bananen.
Ich kann das nicht. Das System ist fest in die Headshell integriert, d.h. ich müsste den Kopf abschrauben, die Kabel lösen, neues System rein, alles anschließen, vorsichtig festschrauben und hoffen, dass ich exakt genug gearbeitet habe…

Fazit: Abzüglich der negativen Eigenschaften (die ich z.T. bewusst in Kauf genommen habe), bin ich nicht nur glücklich, endlich wieder meine Platten hören zu können, sondern auch froh, mir gleich einen ganz neuen Plattenspieler gekauft zu haben. Er bietet schon eine ganz andere Klangqualität, als sie der Technics (nicht 1210… leider) damals geschafft hat - was ich bei dem Preis aber auch erwarte. Sicher ist der XPression nichts für absolute Profis, aber der Durchschnitts-Indie-Rock-Querbeethörer wird damit schon sehr weit kommen.

Das solls gewesen sein. Wer probehören möchte, sei herzlich willkommen; allen anderen sei gesagt: jetzt werde ich mal wieder über andere Dinge schreiben. Versprochen!

gerade so hörbar taumeln boards of canada aus den boxen, und das liegt weniger an der musikalischen qualität der band, als mehr der unterdrückten dynamik meinerseits - ich habe schon den ganzen tag über laute musik gehört, da wollen die ohren auch einmal ein päuschen, und zudem entsteht dieser kleine beitrag zu fortgeschrittener stunde - wer weiß, ob nicht auch die nachbarn ein päuschen haben wollen…

“wie die musikalische umsetzung eines films von david lynch” - meint jedenfalls laut.de - sei die musik der beiden, die mitnichten kanadier sind, sondern schotten.

naja.

ganz so vertrackt und verquer finde ich die boc gar nicht. ungewöhnlich, schräg, collagenhaft, gar traumartig manchmal, das stimmt schon. aber zugänglicher beispielsweise als godspeed you! black emperor, die wesentlich eher dem “lynch’schen ideal” entsprechen - was auch immer das sein mag.

jedenfalls - und dabei beziehe ich mich auf “twoism”, eine ep aus dem jahr 1995 - füllt die platte mit ihren samples (gerne auch mal rückwärts), wabernden synthies, und mitunter schräg klingenden melodiefragmenten eine nische, in der gy!be zu unzugäglich, sigur rós zu überladen sind. geogaddi - als zweites “richtiges” album ist allerdings um einiges interessanter.

warum ich damals meine zeit mit la bouche, sin with sebastian, shaggy & co. verschwendet habe, weiß wohl nur die bravo…

seventeen evergreen haben meine aufmerksamkeit mit diesem plattencover geweckt, das ich sehr witzig finde - ich wüsste gerne, was für ein spruch auf dem schild steht. der titel des albums spricht ebenfalls für sich…

musikalisch handelt es sich um indiepop mit elektronischen einsprengseln, der beschaulich vor sich hinplätschert und hübsch anzuhören ist - seventeen evergreen haben einige frische ideen, die sie vom allerlei abheben, und die mich letzten endes dazu brachten, mich für sie und nicht für die foo fighters zu entscheiden - sound control behauptet, sie seien irgendwo zwischen my bloody valentine und - boards of canada (aha! anm.d.verf.), aber das finde ich nicht. dataloos einschätzung finde ich, trifft es da besser.

einige sounds und songstrukturen erinnern mich an die etwas abseitigeren lieder von “by the way” (red hot chili peppers) - insbesondere “grays” - andere an pulps “this is hardcore” - und das zeigt, wie facettenreich das album ist.

wie komme ich also von indiepop zu rock? nunja, ich war im plattenladen und habe wild alles zusammengesucht, was mir gefallen könnte, es dann durchgehört und mich für ein album entschieden - wir wollen ja nicht übertreiben, und platten sind teuer.

die chemical brothers mussten also abermals warten, ebenso wie ich mir “an end has a start” von den editors nicht gekauft habe - gutes album, aber ich mag diesen britkram einfach nicht.

ja, auch das neue album der foo fighters lag auf dem plattenteller, und ich finde “the pretender” sowas von geil. dave grohl scheint ja inzwischen entdeckt zu haben, dass ein bisschen dynamik der musik gut tut, und nutzt das auch aus. der rest des albums ist irgendwas zwischen passabel, interessant und gewohnter foo-kost - und da wollte ich lieber das unbekannte ausprobieren - sprich “life embarasses me on planet earth”. zudem stehen sie bei den ärschen von sony unter vertrag…

beim normalen durch-den-laden-strolchen habe ich noch immer nicht das piratensongsalbum gefunden. muss ich wohl doch mal amazon bemühen…