Sünndagsschnack (20)

Moin moin,

hui, twinnich Sünndagsschnacks schon. Kinners, dat ging flott. De Feierei mok wi mit Nummer tweeunfofftich, dann is de Serie een Joar old.

Vishult
Es gibt ja diesen großen schwedischen Möbelladen, der neben Möbeln, Gedöns und Kötbullar auch fertig gerahmte Bilder verkauft. Motivauswahl, Druckqualität etc. sind meiner Meinung nach okay, aber – ähnlich wie die Möbel – eher Fast Food als dauerhaft. Aber damit scheinen sie den Zeitgeist zu treffen, und es wird ja niemand gezwungen, dort einzukaufen.
Ein Fotograf aus den Niederlanden hat sich mit einem bestimmten Bild aus Amsterdam beschäftigt, und dieses Video fasziniert auf mehreren Ebenen. Dort ist zum einen die Entstehungsgeschichte des Bildes selber, der – scheinbar – zufällige Auswahlprozess des Designchefs, die kitschige Nachbearbeitung mit dem roten Fahrrad, die Trivialität des Motivs und das Bild selber, das weit von Perfektion entfernt ist – siehe die Hinweise auf den vollen Mülleimer und die Tauben. Gleichzeitig ist das Video ein sehr interessanter Spiegel von Gesellschaft und Konsum. Wird das Bild gekauft, weil es wirklich „gut“ ist (wie auch immer man „gut“ bewerten will), oder wird es gekauft, weil es nun mal dort ist und man das Bild mit der Hängebrücke (das ich selber schon vielfach gesehen habe) eh schon Zuhause hat? Kauft man es, weil man es beim Nachbarn/im Wartezimmer/beim Vietnamesen um die Ecke gesehen hat und es, dem Herdentrieb folgend, auch haben „muss“? Sarah Kuttner hat in Bezug auf Wandtattoos einen wunderbar passenden Kommentar gemacht:

Spürt man die Melancholie in dem Motiv? Was würde passieren, wenn das Möbelhaus plötzlich ganz andere Bilder verkaufen würde? (Idee für eine Performance: Man druckt ein eigenes Bild 100 mal aus, rahmt sie und schmuggelt sie in den Laden, um zu sehen, ob das Motiv irgendwie viral geht und was dann passiert). Ich kann – und will – diese Dinge (noch) nicht beurteilen, weil ich noch nicht fertig bin mit dem Nachdenken – aber das Video ist in jedem Fall sehenswert:

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Radtour nach Oslo
Nachdem ich ja eigentlich schon im letzten Jahr eine Radtour durch das Baltikum machen wollte und sie auf dieses Jahr verschoben habe, habe ich nun beschlossen, meinen Sommerurlaub in eine Radtour nach Oslo zu investieren. Das ist etwas entspannter vong Planung her, ich mag Skandinavien wirklich gerne, und nachdem ich in Nord-Norwegen war, will ich mir mal den Süden anschauen. Zudem will ich von Schweden mehr Eindrücke sammeln als „abgeholzter Wald neben der Autobahn“.
Ein schöner Nebeneffekt: Ich werde die wunderbaren Naturcampingplätze unserer Kopenhagen-Tour wieder besuchen, dieses Mal an Møns Klint tatsächlich zum Sonnenaufgang aufstehen, und auf das Lakritzeis freue ich mich jetzt schon 🙂

p.S.: es gibt auch in Schleswig-Holstein ganz wunderbare Natur-Campingplätze: wildes-sh.de

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Animals
Pink Floyds „Animals“ halte ich nicht für das beste Album der Band, aber es ist ein Album, das ich in sehr ausgewählten Momenten höre. Es passt perfekt zu der leicht melancholischen Stimmung, die einen befallen kann, wenn aus der Dämmerung eines Sommertages NACH der Sommersonnenwende – die Tage werden also wieder kürzer – langsam Abend und Nacht wird. Oder es – so wie heute – ein grauer, trister Tag ist. Was aber auch nicht weiter schlimm ist, denn es ist Sonntag und meine einzige Aufgabe – der Sünntagsschnack – ist nun erledigt 😉

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Jümmer schön suutje blieven

brücke_amsterdam

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Sünndagsschnack (19)

Moin moin,

Take me to the Moon
Ich bin noch ganz bewegt und beeindruckt von Apollo 11, einer Dokumentation über die Mondlandung vor fast genau 50 Jahren, die als Sondervorstellung heute und nächste Woche in einigen Kinos läuft. Der Film ist wahnsinnig beeindruckend; der Kollege von der Zeit hat nicht übertrieben. Ich war sehr gespannt, wie eine Doku ohne Erzähler, ohne Interviews, ohne Retrospektive wohl funktionieren würde – und es kam ein Film heraus, den ich viel, viel beeindruckender und befriedigender fand – optisch wie dramaturgisch – als Vieles, das in den letzten Jahren in Hollywood lief. Man kennt die Ereignisse, man kennt das Ende, und trotzdem bekommt man Gänsehaut, wenn die gewaltigen Triebwerke der Saturn V heißlaufen und das riesige Monster abhebt. Man spürt die Erleichterung und Begeisterung der vielen Beteiligten, wenn sie wieder einen Checkpoint auf der Liste abhaken können. Auch wenn die ganze Mondlandung Mittel zum Zweck der Amerikaner war zu zeigen, wer den längsten hat die beste Rakete hat, so tun der Optimismus, die Neugier, die Lust, etwas zu schaffen, das noch niemand geschafft hat, aus der heutigen Perspektive einfach gut. Wer sich auch nur im Mindesten für das Thema interessiert, wer gute Filme mag oder sich für das Handwerk interessiert – der Film ist unbedingt sehenswert. Schnitttechnik, Montage, Aufbereitung des Materials, Musik – alles beeindruckend orchestriert. Man darf nicht vergessen: Das Material ist 50 Jahre alt und sieht einfach gut aus.

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Margaret Hamilton
Es sieht aus wie ein dramaturgischer Kniff, aber Tatsache wäre die Mondlandung in einer sehr kritischen Phase beinahe abgebrochen worden, weil der Computer sehr viel mehr Daten bekam, als er verarbeiten konnte, und das hätte mit einem Windowsrechner schnell so ausgesehen. Der Computer war aber – vereinfacht gesagt – in der Lage, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden, und dass er das konnte, hat er unter anderem einer brillianten Wissenschaftlerin zu verdanken: Margaret Hamilton. Wenn mich nicht alles täuscht, gibt es einen Film (auch) über sie. Aus Sicht eines Betriebssystemprogrammierers (der ich nicht bin, aber es interessiert mich) ist höchst spannend, wie der Computer der Apollo 11 mit Fehlern und zu vielen Daten umgehen konnte. Und weil Bilder mehr sagen als 1000 Worte: Das ist sie neben einem Ausdruck ihres Quelltextes.

margaret_hamilton_-_restoration

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Die Triebwerke der Saturn V
… und zu guter Letzt ein fantastisches Video vom Start mit Blick auf die Triebwerke und sehr interessantem (englischen) Kommentar. Die Slomo ist irre beeindruckend:

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Jümmer schön suutje blieven.

p.S.: Der Mond ist genau heute und morgen exakt so, wie zur Zeit der Mondlandung! (Das Bild sieht anders aus; es ist etwa ein Jahr alt…)

tagmond

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Lieblingstweets im Juni

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