Sünndagsschnack (17)

Moin moin,

Sieben Minuten
Ich habe mit Erstaunen und auch ein wenig Belustigung festgestellt, dass die präziseste Zeitangabe, die ich kenne „Sieben Minuten“ ist. Es passiert mir z.B. durchaus öfter mal, dass ich mit dem Rad in der Stadt unterwegs bin und überschlage, wie lange ich noch brauchen werde. Fünf Minuten scheinen mir dann immer sehr wenig (wobei man in fünf Minuten erstaunlich weit kommen kann), zehn Minuten insbesondere in Relation zur schon gefahrenen Strecke zu viel. Sieben Minuten trifft es da viel besser. Wenn es sein muss, bin ich in sieben Minuten komplett ausgehfertig. Wenn ich Feierabend mache, sind sieben Minuten ein guter Wert für die Zeit zwischen Computer ausschalten und am Fahrrad stehen.
Natürlich kommt diese Zeit nicht immer perfekt hin. Aber oft genug ganz gut. Sieben Minuten entsprechen zwei durchschnittlichen Pop-Songs – was nicht ganz unwichtig ist, da ich Musik gerne ausspielen lasse. Nur für das Schreiben eines durchschnittlichen Sünndagsschnacks reichen sieben Minuten lange nicht aus – da sind es eher 45 Minuten bis anderthalb Stunden, je nachdem wie inspiriert ich bin und ob die Wörter fließen oder nicht.

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Neukölln
Ich habe zufällig diese Doku über Neukölln gesehen. Und ein bisschen sowas wie Heimweh verspürt. Ich mag Neukölln, eben gerade nicht, weil dort alles so schön wäre, wie das Video gerne vermitteln würde, sondern weil Neukölln auch hässlich ist, die Menschen dort alles sind und nichts, weil es passieren kann, dass man mit seinem gehäkelten Kunstwerk aus der Ladentür tritt und wahlweise angerempelt wird, in Hundescheiße tritt, den Spätibesitzer von Nebenan beim Backgammon-Spielen mit dem Friseur sieht, eines der zahlreichen dort verklappten Möbelstücke sieht – gerne mit Müll und einem Spruch verziert – oder alles gleichzeitig. Weil Neukölln trotz Gentrifikation bunt ist, divers, heruntergekommen, neu, umgewidmet, lebendig. Weil es auf unserem Hinterhof unglaublich ruhig und friedlich war, und man durch die Tür ging und einen das Treiben, der Lärm, der Dreck, die Gerüche, Geräusche, Geschäftigkeiten schlicht erschlagen konnten.

Doku in der Ard-Mediathek.

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Jümmer schön suutje blieven.

BrutalMetal_01

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Sünndagsschnack (16)

Moin moin,

Nass werden vs. nass sein
Ich wurde neulich abends mal wieder vom Regen überrascht und hatte selbstverständlich keine Regenklamotten dabei. Das Zeugs war ja teuer, das will man ja nicht nass und schmutzig sehen. Aber, habe ich mir gedacht, man ist ja nicht aus Zucker, es kann ja auch Spaß machen, nass unterwegs zu sein, am Ende kann ich ja schön warm duschen.

Die Feinheit liegt in der Formulierung „nass unterwegs sein“ – denn dann bin ich schon komplett nass. Mein Problem liegt eher im nass werden – also die fünf oder vielleicht zehn Minuten, in denen man langsam von Trocken nach Nass durchfeuchtet. Und das finde ich unangenehm. Ist das Kind/der Regen dann auf den Brunnen gefallen und man eh komplett nass, dann ist es auch egal – und kann sogar Spaß machen.

Übrigens: auf dem Rad wird man immer nass. Entweder ohne Regenklamotten von Außen, oder mit Regenklamotten dann eben von Innen…

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Nils Frahm in der Elbphilharmonie
Ich habe Nils Frahm in der Elbphilharmonie gesehen – und fand es fantastisch. Natürlich gefällt mir seine Musik sehr gut – das Minimalistische, das Repetetive, die warm-analogen Synthesizer-Sounds, die schönen Melodien, die tolle Rhythmik – aber ich fand, sowohl Musik als auch Raum haben gestern sehr voneinander profitiert. Ich habe mich im Vorfeld gefragt, ob die Musik live funktioniert, weil er sie oft langsam aufbaut und ich gemerkt habe, dass mir im Youtube-Video dafür manchmal ein bisschen die Geduld fehlt – aber es funktionierte tatsächlich ziemlich, ziemlich gut. Auch die sehr warme Beleuchtung passte perfekt. Wer die Möglichkeit hat: unbedingt mal anschauen!

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Gute Kunst weckt in mir das Bedürfnis, selber Kunst zu machen
Ich tue mich manchmal ein bisschen schwer, Kunst (Bilder, Fotos, Filme, Bücher, Musik, Theater…) zu konsumieren, weil es manchmal passiert – gestern z.B. – dass ich mich sehr dazu animiert fühle, selber etwas zu erschaffen. Ich habe das Konzert sehr genossen, keine Sorge – aber auch immer darüber nachgedacht: „Wie macht der Frahm das? Wie ist dieser Song aufgebaut? Wie kann man so etwas selber machen?“ – und ich kann es selbstverständlich nicht. Ich bin nicht Nils Frahm und habe nicht sein Talent – ich habe andere Talente. Aber ich habe Lust, selber Dinge zu machen und auszuprobieren – mich auszuprobieren – auch mit dem Risiko, zu scheitern. Dieser ganze Blog ist auch nur ein Experiment. Aber – und das ist vielleicht das Wichtigste: wenn ich mich anregen lasse, wenn ich mich inspiriert fühle, dann fühle ich mich lebendig. Und deswegen bewegt mich ein Konzert wie das gestern manchmal viel mehr, als nur: Da macht jemand sehr gute und schöne Musik.  

Jümmer schön suutje blieven

Stufenundkanten

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Kleine Nordschleife

In diesem Jahr lagen Himmelfahrt und Familienfeiereien so günstig beisammen, dass ich beschlossen habe, beides zu kombinieren und aus der locker an einem Tag schaffbaren Strecke Hamburg – Heimat eine kleine Nordschleife zu machen und ein bisschen an der Nordseeküste entlang zu fahren – aus Hamburg kommend die Elbe runter, Cuxhaven auslassend Richtung Bremerhaven und dann entlang der Küste Richtung Jadebusen, und von dort Richtung Familie – so in etwa.

Auf der falschen Fähre ins Alte Land

Nanu, denke ich, als wir aus Blankenese zielsicher an Cranz vorbei nach Finkenwerder fahren, habe ich die falsche Fähre erwischt? – und tatsächlich war es so, dass ich am Anleger einem Irrtum aufgesessen bin – meine eigentliche Fähre wäre erst später gekommen. War aber nicht weiter schlimm; so lange ich auf der linken Elbeseite war, war alles gut. So bin ich immerhin am Airbus-Werk vorbei gekommen, das wollte ich mir auch schon immer mal anschauen.

Sonnenbad_kl

Sonnenbad

Im Alten Land dämmerte es langsam, aber es war sehr entspannt, am Deich entlang zu fahren. Der Himmel in Hamburg ist ja immer n büschen kitschig, was natürlich zur Stimmung beigetragen hat.

Sehr spät abends kam ich dann am Campingplatz an und habe den leisesten Zeltaufbau aller Zeiten veranstaltet, um die Nachbarn nicht zu stören.

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