Terror im Kopf.

Ich verlasse das Haus und trete auf die Straße. Die angenehme Brise dieses schönen Abends und die freitag-abendlichen Geräusche beruhigen meine herumirrenden Gedanken. Mit unbestimmtem Ziel laufe ich los. Aus der Weinbar gegenüber schallt Musik – die Red Hot Chili Peppers, mal wieder – und vereinzelte Gesprächsfetzen. Die Brise raschelt in der Girlande, die seit der EM noch immer hier hängt. Aus der Ferne das Rauschen des Verkehrs, Polizeisirenen, ein laut knatterndes Motorrad. Die Stadt lebt ihr eigenes Leben.

Weit, weit weg höre ich eine dumpfe Explosion, und der erste, beschämende Gedanke ist jetzt hier auch. Doch eigentlich glaube ich an einen Feuerwerkskörper oder was auch immer. Eine Haustür knallt, daneben ein offenes Fenster, Nachrichten: …weiß man noch nichts Genaues. Was wir zum jetzigen Zeitpunkt… Hinter mir ein Fahrrad, die Kette quietscht und eines des Schutzbleche schleift. Ich weiche nach links aus, mich überholt ein junger Mann auf einem Hollandrad, Bier in der Linken.

Am Späti an der Ecke sitzen etwa zehn Menschen und trinken Bier. Ich höre an der Sprachmelodie, dass es Niederländer sind und verstehe einzelne Wortfetzen. Sie unterhalten sich darüber, wo sie heute Nacht feiern und unterkommen können Menschen in zahlreichen Privatwohnungen, sowie vielen Institutionen – und auch Moscheen. Unter dem Hashtag #opendoor sind… An der nächsten Ecke: ein Umzug, die Haustür steht offen. Ich sehe einen Stapel Kisten, Kartons und Möbel.

Immer wieder sehe ich auch Dinge, die hier eigentlich nicht hingehören. Ein Fernseher in fortgeschrittenem Verfall, ein Regal – man könnte sich drüber aufgeregt erzählt die junge Dame, dass sie noch vor einer Stunde hier einkaufen war. Völlig aufgelöst auch dieser Mann, der mit seiner Freundin Arm in Arm aus einer Kneipe kommt und mich fast umrennt. Ein Auto nähert sich auf dem Kopfsteinpflaster rumpelnd und fährt langsam vorbei ist dies hier noch lange nicht, so ein Sprecher der Polizei.

Man wisse noch nicht, ob es ein Einzeltäter oder mehrere sind, oder ob es ein Attentat ist. Die Polizei rät im Hauseingang Sterni trinken und dazu Punkmusik hören. Ich überlege kurz, ob ich mich dazu setze. Vielleicht überdeckt das ja den Lärm in meinem Kaufhaus. Derzeit ist die Lage noch vollkommen unübersichtliches Sortiment im Späti. Ich kaufe ein Gösser, das ich unterwegs trinke. Zwei Frauen kommen mir entgegen, sie unterhalten sich, lachen. Eine mustert mich beiläufig, beide gehen nach Hause. Wir melden uns, sobald wir Genaueres wissen.

Ausgerechnet am Jahrestag des Attentats in Norwegen und zynisch denke ich: wann ist es denn kein Jahrestag eines anderen Attentats? Meine Cousine wohnt mit ihrem Mann dort, wie es denen geht man davon aus, dass es mehrere Täter sind. Die Anzahl der Toten hat sich inzwischen erhöht sich mein Krankenkassenbeitrag, weil ich eigenständig an Waffen gekommen ist. Unterdessen wurde ein Krisenstab ins Bundeskanzleramt einberufen.

Ich bin wieder an meinem Haus angekommen. Die Haustür schlägt hinter mir zudem ist noch völlig unklar… Ein Knall. Ein Knall. Eine Haustür. Ein Schuss. Feuerwerk. Schießerei. Menschlich bleiben. Wut. Angst. Hass. Eine Spirale im Kopf. Eine Spirale des Terrors. Ich muss hier raus aus den Köpfen. Ich bin stärker. Wir sind stärker. Unsere Gesellschaft ist stärker. Wir müssen es sein, um unsere Menschlichkeit nicht zu verlieren. Ich drehe mich zur Tür.

Ich verlasse das Haus und trete auf die Straße. Die angenehme Brise dieses schönen Abends und die freitag-abendlichen Geräusche beruhigen meine herumirrenden Gedanken.

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Good news, everyone!

Whoop, whoop, whoop!!!

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Sonnenschauer

Das extreme Wetter in Berlin hat zumindest den Vorteil, dass man im richtigen Moment gute Fotos machen kann…

 

sonnenschauer_panorama

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