Lieblingstweets im April

Herrje. Monatsanfang verpasst, dies ist der 666. Beitrag auf milchmithonig.de – und mir fällt nichts Diabolischeres ein, als meine Lieblingstweets. Nun denn, Vorhang auf:

https://twitter.com/Liebke/status/725958463478599680

… und zum Abschluss noch ein Video von Käptn Peng:

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Die alte Brücke

Die alte Brücke stand schon seit einhundertzwanzig Jahren, sieben Monaten, drei Wochen und vier Tagen. Es war viel geschehen in dieser Zeit. Es hatte friedliche Zeiten gegeben und Zeiten des Aufruhrs. Stiller war es gewesen, damals als nur Menschen und Droschken die Brücke passierten, und auch Pferdefuhrwerke. Und Schuhe hatten sie betreten, unzählige Paare. Waren es zunächst Lederschuhe gewesen und ab und an welche aus Stoff, so wandelten sich die schweren Lederschuhe in leichtere, und mit dem Wandel der Zeit wandelte sich Leder in Kunstleder, Stoff in Kunststoff. Beinah angenehm war es, von Sneakers betreten zu werden; mit ihren weichen Sohlen waren sie eine richtige Wohltat gegenüber den immer schwerer und schneller werdenden Autos und Lastkraftwagen.
Diese vielen Paar Schuhe; und nicht wenige davon bemerkenswert:

Ein Paar Boxerschuhe mit dem Kürzel „MS“.

Ein Paar Schuhe, bestehend aus Fleisch, genau wie der restliche Dress der Trägerin.

Ein Paar aus Leder, das sie sehr zielstrebig und militärisch-zackig überquerte. Später sollte die rechte Hand des zugehörigen Körpers traurige Berühmtheit bekommen.

Diverse Springerstiefel aller politischer Coleur.

Ein Paar Fußballschuhe, die zwar wenig gespielt hatten, aber das entscheidende Tor in einem wichtigen Finale geschossen hatten.

Ein Paar Chucks, die berühmt dafür waren, gemeinsam mit einer Schuluniform über riesige Bühnen zu springen.

Zahlreiche Paar Schuhe, die sich in der Mitte der Brücke getroffen haben, dort eine Zeit lang verweilten und nicht selten gemeinsam von der Brücke gingen.

Ein Paar gepflegter Lederschuhe, auf deren Sohlen eine gelbe 18 prangte, was nicht nur die Brücke erheiterte.

Ein Paar flacher, unscheinbarer Damenschuhe, flankiert von den Lederschuhen der Personenschützer, die sie umgaben.

Ein Paar schwarzer Sneakers, in denen ein mittelmäßig begabter Blogger betrunken nach Hause torkelte.

Unzählige Paar Schuhe, die aufgeregt von einer Seite zur anderen liefen, als eine Mauer gefallen war.

Bauarbeiterstiefel. Viele.

Die Brücke verband Menschen. Vielen war dies gar nicht bewusst, doch sie war stets mehr als ein Stück Infrastruktur gewesen. Viele, viele Wege hatten sich hier gekreuzt, viele Entscheidungen waren hier getroffen, viele Beziehungen beschlossen worden. Radfahrer überquerten sie, manche ächzend und stöhnend, andere schienen förmlich hinüberzufliegen. Motorradfahrer, Rollerfahrer knatterten hinüber, im steten Strom der Autos, die nimmermüde hinüberrauschten. LKWs durften schon seit einiger Zeit nicht über die Brücke fahren, doch es gab noch so einiges mehr. Pferde, Hunde, Katzen, Ratten, Füchse, das ein oder andere Wildschwein, Wiesel, Frettchen, einmal gar eine Schlange.

Es hatte Sonnenschein gegeben, warme Strahlen auf warmem Gemäuer. Regen, der langsam in die Steine zog. Hagel und Schnee, kalt aber weniger unangenehm, denn sie zogen nicht so tief ein. Beißender Frost, der weh tun konnte. Eiseskälte, die man nur stoisch ertragen konnte, um auf den Frühling zu warten. Unzählige Male war auf die Brücke uriniert worden, Zigarettenasche und -stummel auf ihr verteilt, Getränke ausgeschüttet, Essen heruntergefallen. All dies hatte sie ertragen, und zusammen mit unendlich vielen Kaugummis, zertreten und irgendwann staubig-grau wie der Asphalt, hatten sie die Feinheiten im Gesicht dieser Brücke geprägt. Sie war renoviert worden, dann doch wieder vergessen, ignoriert aufgrund klammer Kassen, und immer wieder aufgepäppelt.

Die Brücke hatte viel gesehen und erlebt, doch sie wurde nicht mehr oft betreten; es war Jahre her, dass der TÜV sie zuletzt untersucht hatte. Es war nun endlich an der Zeit, sich zu verabschieden.

„Meines Wirkens ist hier nicht länger.“, dachte sie.
Mit einem wohligen Seufzer brach sie in sich zusammen.

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Kopfüber

Die Sonne scheint mir ins Gesicht, und so drehe ich meinen Kopf nach oben, weiter und weiter, bis ich an die Decke stoße, die aus hölzernen Latten besteht.
Das dunkle Holz bildet einen schönen Kontrast zu dem fast wolkenlosen, tiefblauen Ozean, der sich unter mir erstreckt. Die Bäume, welche aus der Decke sprießen – viele mit zarten Knospen – ragen bis in diesen Ozean hinein und umrahmen das Haus, welches auf seinem spitzen Dach balanciert und doch fest verankert scheint.

Ein laues Lüftchen weht und spielt mit der vorsichtigen Wärme der Sonne auf der Haut. Ein widersprüchliches Gefühl; gegensätzlich, aber nicht unangenehm.

Vor dem Haus spazieren Menschen oder fahren mit dem Rad; ihre Stimmen kündigen sie an, bevor ich sie sehe. Unterhaltungsfetzen aufschnappe, die wie kleine Schiffchen vorbeisegeln. „Wie geht es euch dort an der Decke?“ möchte ich fragen und weiß, sie würden mich nicht verstehen. Vielleicht würden sie sich auch durch die Frage erst bewusst, was sie machen, sich erschrecken und herunterfallen. Für immer entschweben, losgelassen wie ein Luftballon.

Ihre Gespräche vermischen sich mit den Gedanken in meinem Kopf. Ein widersprüchliches Gefühl; gegensätzlich, aber nicht unangenehm.

Boote röhren. Vögel zwitschern. Verkehr rauscht. Menschen reden. Räder knirschen.  Schilf raschelt. Wind weht. Die Welt ist voll von Geräusche, die von überallher kommen. Ich nehme sie auf, höre sie, versuche sie bewusst wahrzunehmen. Im Geiste wandere ich von den größten Geräuschen hin zu den kleinsten, versuche die einzelnen Stimmen im Rauschen auszumachen und zu hören.

Ein stiller Moment trotz der scheinbaren Reizüberflutung. Ein widersprüchliches Gefühl; gegensätzlich, aber nicht unangenehm.

Ich liege auf einem Steg in der Rummelsburger Bucht und habe meinen Kopf so gedreht, dass ich die Welt überkopf sehe. Geräusche kann ich nicht überkopf sehen, aber auch so bietet sich mir ein spannendes Bild und ich stelle mir vor, das Haus und die Bäume würden wirklich an der Decke schweben und könnten in den Himmel fallen, der mir jetzt vorkommt wie ein Meer.

Schwindlig und fest am Boden liegend. Überkopf und richtigherum. Sonne und Wind. Gedanken und Gespräche. Stille und Geräusche. Wartend und voll im Augenblick.

Widersprüchliche Gefühle; gegensätzlich, aber nicht unangenehm.

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