Morgan Finlay – New Harbour (2015)

Dear english-speaking readers, welcome, and please scroll down for a translation!

In these times when my mind races about

Close my eyes, let the words come tumbling out

And come back to the moment we’re in right now

Die Musik von Morgan Finlay lädt zum Reisen ein, das hatte ich schon in einer früheren Rezension festgestellt, und es gehört zu seinem Konzept, jedes Album hauptsächlich in einem anderen Land zu schreiben und die dortigen Eindrücke in die Texte und ins Songwriting einfließen zu lassen.

Morgan Finlay - New Harbour

Morgan Finlay – New Harbour

“New Harbour” ist in Neufundland entstanden, und führt somit die maritimen Ideen von “Fault Lines” ein wenig weiter – nicht aber, ohne musikalisch und inhaltlich zu wachsen.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger scheint es eine eindeutige Standortbestimmung zu sein, und dementsprechend positiv und optimistisch startet es mit “My Good & Noble Friend” – einem Gruß an einen fiktiven(?) Freund, dem der Songwriter davon erzählt, dass es ihm den den letzten Jahren gut ergangen ist – die Lebensfreude ist dem Upbeat-Folksong deutlich anzuhören.
Das schöne, durch ein Akkordeon angereicherte “Oh The Good Times” leitet über zum sehr introspektiven und berührenden “So Courageous” – der Song ist musikalisch auf das Minimum – Gesang und akustische Gitarre – reduziert, aber das hervorragende Fingerpicking und der warme, emotionale Gesang transportieren die starke Message des Textes wunderbar. “So Courageous” ist einer jener Songs, die einem ganz unvermittelt ins Ohr kommen, auch wenn man nicht dran denkt.
“Quiet Harbour” könnte so etwas wie der Bruder seines Vorgängers sein, ist aber mit Flöte, Bouzouki und Schlagzeug für Finlays Verhältnisse schon üppig instrumentiert. Das hervorragende Zusammenspiel dieser Instrumente mit seiner Stimme gibt dieser Auswahl Recht.
Es ist sicherlich eine der größten Stärken dieses talentierten Songwriters, dass er es schafft, mit seinen Songs Geschichten zu erzählen, die sehr nah an seinem eigenen (Er)Leben sind, aber dem Hörer genug Freiraum lässt, die Musik mit dem eigenen Kopfkino zu füllen.
Bei einem Instrumental wie “Microscopic” erklärt sich das vielleicht von selbst, aber auch das sehr ruhige und intim klingende “Pixels” nimmt den Hörer sofort auf seine eigene Reise mit.
Das Album schließt mit dem groovigen, entspannten “Until The Next Time”, in dem sich Morgan Finlay verabschiedet – nicht ohne dem Good & Noble Friend deutlich zu machen, dass es auch nach dem Erreichen dieses “Neuen Hafens” weitere Reisen geben wird – und wo immer er landet, man möchte ihm zurufen:

Meet you at five, we’ll drink to being alive

Wie schon bei den vorherigen Alben, so gibt es auch “New Harbour” nicht als CD, sondern als Download in Kombination mit einem Booklet. Dieses Booklet beinhaltet auf 61 Seiten nicht nur die Texte, sondern auch sehr schöne, interessante und manchmal lustige Fotos, die auf ihre Weise die Entstehung des Albums dokumentieren – und für sich alleine schon wert sind, gekauft zu werden.

morganfinlay.com

English version:

In these times when my mind races about

Close my eyes, let the words come tumbling out

And come back to the moment we’re in right now

Morgan Finlays music invites to travelling, I realized before, and it seems to be part of his concept to mainly write each album in a different country and incorporate the impressions there into lyrics and songwriting.

Morgan Finlay - New Harbour

Morgan Finlay – New Harbour

“New Harbour” came to be in Newfoundland and therefore explores the maritime ideas of “Fault Lines” a little further – not without growing both musically and thematically.
In difference to its predecessor it seems to be an exact definition of bearings, and it starts off accordingly positive and optimistic with the song “My Good & Noble Friend”. This song seems to be for a fictive(?) friend whom the songwriter tells about the good things that happened during the last years – there clearly is a lot of joy in the upbeat-folksong.

The beautiful, through accordion enhanced “Oh The Good Times” leads to the very introspective and touching “So Courages” – the song is musically reduced to the bare minimum of voice and guitar, but the great fingerpicking and the warm, emotional voice transport the strong message of the lyrics terriffically. “So Courageous” is one of those songs coming into your mind, even if you are not thinking about it.
“Quiet Harbour” could be something like the brother of its predecessor, but with flute, bouzouki and drums it is very well equipped for the likes of Finlay. The excellent interaction between those instruments and his voice rectifies this choice nicely.

It is one of the great strengths of this talented songwriter to both tell stories, which are closed to his own experiences and live, but let enough room for the listener to fill the music with his own impressions. It is self-explanatory, that an instrumental like “Microscopic” achieves this, but the very quiet and intimate sounding “Pixels” also invites the listener to his/her own journey.
The album closes with the groovy, relaxed “Until The Next Time”, in which Morgan Finlay says goodbye – not without making clear to his Good & Noble Friend there will be new journeys even after reaching this “New Harbour” – and wherever he ends up, you just want to call out:

Meet you at five, we’ll drink to being alive

Like its predecessors, “New Harbour” cannot be bought as a CD, but as a digital download in combination with a booklet. This booklet does not only feature the lyrics on 61 pages, bur also a lot of beautiful, interesting and sometimes funny pictures, which in a way of their own document the rise of the album – they alone would be worth the buy.

morganfinlay.com

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An der Kletterwand

In der Boulderhalle ist es immer laut. Es läuft Musik – meistens irgendeine Form von Techno oder House, das muss bei den hippen Profis anscheinend so sein – oft sind sehr viele Menschen da, reden miteinander, feuern sich gegenseitig an, bouldern. Ein Gewirr aus Melodien, Stimmen, Geräuschen, das dem visuellen Durcheinander entspricht, bestehend aus bunten Grifffarben, den grün und weiß gestrichenen Wänden, den vielfältig gekleideten Menschen und dem allgegenwärtigen Nebel aus Chalk, also dem Magnesium, das man zur Trocknung der Hände benutzt.

Die völlige Reizüberflutung.

Als ich an die Wand trete, um die nächste Route zu bouldern, interessiert mich das alles nicht mehr. Ich wische die Hände an der Hose ab – gleichwohl, um den Schweiß abzutrocknen, als auch Ritual, um mich zu fokussieren – und konzentriere mich auf die Startgriffe. Heute grau, das ist der schwerste Schwierigkeitsgrad.
Mit der Linken nehme ich die beiden Griffe in Schulterhöhe in die Zange, die Rechte greift die winzige Tasche ein wenig tiefer. Den linken Fuß stelle ich auf den kleinen Tritt gerade über der Matte, spanne den ganzen Körper an. Den rechten Fuß werde ich, sobald ich mich hochgehoben habe, als Stütze in die Wand rechts stellen.

Und schon bin ich im Tunnel. Die Hintergrundkulisse schrumpft auf ein Rauschen zusammen.

Ich sehe meine Route klar vor mir, weiß, welche Bewegungen ich machen muss, wo Schwierigkeiten sind, wo ich Hände und Füße hinsetze. Ab jetzt zählt, Schritt für Schritt, nur noch der nächste Stein. Ich hänge an den Händen, stelle Rechts in die Wand und richte mich mit Links auf. Erhöhe den Druck in der linken Hand, denn die rechte Hand löse ich nun, um den großen Griff rechts über mir zu greifen. Eine Zange, also auch hier Druck. Nur mit den Händen kann ich mich nicht halten; ich setze also den rechten Fuß auf einen kleinen Tritt nach links und klemme den Hacken des rechten Fußes hinter die gerade freigewordene Tasche. Jetzt kann ich die linke Hand neben die Rechte setzen, um mit der Rechten an den nächsten großen Griff auf gleicher Höhe weiter rechts zu kommen. Ich spanne die linke Wade an, denn der rechte Fuß wird sich lösen, und wenn ich dann links den Halt verliere, falle ich aus der Route.

Mittlerweile sind auch alle Bauchmuskeln so angespannt, dass ich bewusst ans Atmen denken muss.

Ich setze die rechte Hand um, Vollspannung. Jetzt muss es schnell gehen. Linker Fuß zieht, Rechts sucht sich den flachen Tritt weiter unten. Ich kann nicht schauen, fühle ihn aber. Drauf stehen kann ich nicht, aber er gibt mir genug Halt, dass ich nicht abrutsche. Die Hände schulterbreit auseinander seitlich auf die Griffe gelegt, müssen sie nun mein Gewicht auffangen, denn den linken Fuß setze ich nun auf den Startgriff der rechten Hand. Das heißt auch, dass sich mein Körper so dreht, dass die Fingerspitzen der rechten Hand zu mir zeigen, den Ellenbogen von mir weggedreht. Der anstrengendste Zug der ganzen Route.

Ich weiß, ich kann die Kraft vielleicht fünf Sekunden aufbringen, danach werde ich
abrutschen – ob ich will, oder nicht.

Der Fuß ist umgesetzt, der rechte Arm unter Volllast. Ich spüre, wie sehr die Muskeln beansprucht werden und fühle förmlich, wie die Energie nachlässt. Aber ich kann mich das kleine Stück hochziehen und mich über die Diagonale von rechter Hand und linkem Fuß so nach rechts drehen, dass ich mit der linken Hand den kleinen Untergriff über mir greifen kann. Ich schiebe mich weiter hoch, drehe mich jetzt nach links, setze den linken Fuß auf den Griff, den ich eben mit links festgehalten habe und drehe mich so weit, dass die rechte Hand Überkreuz nach links den Griff packen kann. Den rechten Fuß auf den freigewordenen Griff der rechten Hand stellen, und kurz durchschnaufen. Das war die komplexeste und anstrengendste Bewegungsfolge.
Ich nutze meinen Schwung und greife mit Links gleich an die Kante links. Rechts kann jetzt dazukommen – mein Körper sieht jetzt aus wie ein C, das nach links gedreht ist. Den linken Fuß kann ich jetzt wieder auf den Startgriff der rechten Hand stellen, den rechts drehe ich so ein, dass ich mit den Zehen hinter den linken großen Griff haken kann – ich muss mich mit meinem Oberkörper nach links beugen, um den Schlussgriff berühren zu können; der ist aber so flach, dass ich ihn nicht halten kann, das macht also der rechte Fuß.
Ich beuge mich langsam rüber, immer darauf achten, dass ich mit Links nicht abrutsche und Rechts zieht, zieht, zieht. Ganz langsam kann ich die linke Hand an den Schlussgriff führen, und nachdem Rechts noch mehr zieht und der Körper stabilisiert ist, führe ich die rechte Hand nach. Geschafft!

Keine Ahnung, ob, und falls ja, welche Musik lief.

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