Radfahren in der Stadt ist immer noch zu gefährlich

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Als Radfahrer ist man in Städten in einer bedenklichen Lage. Auch im Jahr 2015, in Städten mit gut ausgebauten Radwegen, in einer scheinbar verständnisvollen, rücksichtsvollen Gesellschaft. Was ist da los, und warum ist das so?

Es ist bemerkenswert, dass ich selbst als aktiver Radfahrer diese Situation sehr lange einfach so hingenommen habe, und mir erst in jüngster Zeit bewusst geworden ist, dass auf unseren Straßen ein Ungleichgewicht herrscht, eine Ungerechtigkeit, die viel zu oft zu Lasten von Radfahrern geht.

Bevor der Eindruck entsteht, ich würde einen Artikel schreiben, der Rechte für Radfahrer fordert, aber diese nicht auch in der Pflicht sieht, sei vorweggenommen, dass auch und gerade manche Radfahrer sich sehr rücksichtslos verhalten. Das ist ein großes Problem. Um die Situation insgesamt zu verbessern, ist ein erhöhtes Bewusstsein auf allen Seiten gefragt. Dazu endet mein Artikel mit entsprechenden Aufrufen.

Zunächst ein paar Geschichten aus meinem Leben als Radfahrer. Es ist…

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The Weyers – Within (2014)

Es beginnt mit der vermutlich traurigsten Nummer, und das ist für ein Rock’N’Roll-Album doch etwas ungewöhnlich. Wer die Gebrüder Weyermann live erlebt hat, ihre ungezügelte Energie spüren konnte, wundert sich zunächst darüber, dass das Album mit “The Kid” eröffnet wird, einer folkig wirkenden Ballade, die nicht nur dem Großvater gewidmet ist, sondern auch dessen traurige Kindheitsgeschichte erzählt.

The Weyers - Within

The Weyers – Within

Wenn man allerdings genau hinhört, dann zeigen sich auch hier schon die Zutaten, welche die Musik der Weyers auszeichnen: Das hervorragende Gitarrenspiel Adrians, sein charismatischer Gesang, der sich irgendwo zwischen Calexicos Joey Burns und Lives Chris Shinn einordnet, und das druckvolle, groovige Schlagzeugspiel Lukes. Man mag es kaum glauben, aber auch live rocken sie zu zweit so, als stünden sie mit mindestens doppelter Personenanzahl auf der Bühne.

Das Album nimmt mit der dunklen Göttin des Grooves, “Kali”, mächtig Fahrt auf. Keine Ahnung, wie man hier die Füße stillhalten soll, die Nummer geht direkt in die Beine.
Titel Nummer drei, “The Heart of all Things” scheint das Beste seiner Vorgänger zu vereinen; der Song ist gleichermaßen atmosphärisch wie groovig.

Ihrer Eigendefinition vom “Wüstenrock aus den Bergen” kommen nirgendwo so nahe wie in “Time Waits”; die schweren, leicht dumpfen Gitarren erinnern vom Sound her stark an Kyuss und ähnliche Genrevertreter, unterstrichen vom kraftvollen Schlagzeug.

Bis zum Titeltrack “Within” beruhigt sich das Album ein wenig, um mit dem bluesigen “Big Mouth” das Tempo wieder etwas zu erhöhen:

Live oder als Scheibe: Die Weyers machen Spaß. Ihre Musik ist kraftvoll und dynamisch, rhythmisch geht sie nach vorne, melodisch gibt es viele große Momente. Diese scheinbare Gegensatz macht die Musik spannend.
Kombiniert mit einer ordentlichen Portion Selbstironie und Humor, sind die “Weyers” eben doch deutlich mehr, als ihre reduzierte Erfolgsformel: „Dreckige Riffs + rotzige Beats + englische Lyrics = The Weyers“ – auch wenn sich ihre Musik zur Not darauf reduzieren ließe.

“Within” ist purer, zeitgemäßer Rock’N’Roll, dargebracht in 11 facettenreichen, unterhaltsamen, energetischen, bisweilen treibenden Songs. Man weiß nicht, wie der Großvater das Album gefunden hätte, aber er wäre mit Sicherheit stolz auf das Werk seiner Enkel.

www.the-weyers.com

#TheWeyers #selfie #newrecord #noclue #dummies

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Die Befreiung der Ratte

“Vielleicht werden die Ratten es mir eines Tages danken.” denke ich, während ich das Treppenhaus hinauf stapfe. Eben von einem netten Kneipenabend nach Hause gekommen, hörte ich beim Anschließen des Fahrrads ein Kratzen und Schaben im Müllcontainer. Ein wesentlich größeres Tier erwartend, leuchtete ich vorsichtig in den fast leeren Container und entdeckte eine Ratte auf dem einzigen Müllsack.
Sie stand auf ihren Hinterpfoten und schaute mich mit dunklen, klaren Augen an. Ihr Fell glänzte und wirkte gepflegt; die Ratte war schlank und recht jung, umgerechnet vielleicht im Teenageralter.
Ich weiß nicht, wie lange sie schon versucht hatte, vom Müllsack aus dem Container zu springen, immer eine Rattenlänge zu kurz an den glatten Wänden abrutschend. Eine furchtbare und verzweifelte Vorstellung. Was würde sie erwarten? Erschlagen werden vom nächsten Müllsack, irgendwann vor Erschöpfung sterben, doch noch die Flucht schaffen?

Manchmal begegnet man sich und hat das Gefühl, diese Begegnung sei gewollt. Man sagt, in einer Stadt wie Berlin sei man niemals weiter als drei Meter von einer Ratte entfernt, und vielleicht stimmt das auch. Man sieht immer mal wieder etwas über den Boden huschen, und wo Menschen und deren Überreste sind, sind Tiere nicht weit. Jedenfalls konnte und wollte ich diese Ratte dort nicht im Container lassen.

Ich weiß nicht, ob sie jemals einen Kausalzusammenhang zwischen mir, dem wundersam gekippten Container und ihrer Befreiung sehen wird. Ich gab mich kurz der Vorstellung hin, sie würde noch kurz zu mir schauen, wenn sie befreit wäre, aber sie verschwand blitzschnell in irgendeiner Ecke.

Und während ich die Stufen hinaufstieg, dachte ich kurz daran, dass wir uns irgendwann wiedersehen würden, die Ratte und ich. Vielleicht, wenn ich – aus was für Gründen auch immer – durch ein Berlin below tapern würde, eine Art Unterwelt, die sich unserer Welt verbirgt. Blind aus Sicht der Ratte, die sich dann für die Hilfe revanchieren könnte.
Ich vermute aber, sie würde mit Neil Gaimans Neverwhere – aus dem diese Idee stammt – nicht viel mehr anfangen können, als sich hindurchzunagen.

Vielleicht, ganz eventuell aber, wird es irgendwann einen Fahrraddieb geben, der sich an meinem Rad zu schaffen macht, und ganz eventuell wird es eine Ratte geben, die ihn irgendwie davon ablenkt. Das Glück ist kein Pfeil, manchmal kommt es auf verschlungenen Wegen zu einem zurück.

Vielleicht existiert diese Ratte auch nur in meinem Kopf. Und wenn mir morgen, übermorgen, irgendwann etwas Positives zustößt, dann beziehe ich es auf die Ratte und denke, dass sich hier ein Kreis schließt. Und es ist vollkommen egal, ob es purer Zufall ist, ein Zusammenkommen von Wahrscheinlichkeiten oder höherer Wille. Dieser kleine Akt von Hilfsbereitschaft wird für mich zehnfach “zurückbezahlt” werden und ich werde mich freuen, weil mir Positives widerfährt. Abgesehen von dem positiven Gefühl, einem anderen Wesen geholfen zu haben.

Dafür eine kleine Ratte aus einem Müllcontainer zu befreien, war es doch wert.

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