Döner – Kalle (21)

Sommer

„Na, haste die Maifeierlichkeiten jut überlebt?“
Kalle steht gutgelaunt an seinem Spieß.
Kein Wunder, es ist super Wetter, draußen an der Bierzeltgarnitur sitzt eine Meute essender Jugendlicher (vermutlich von ihm versorgt, dem Angebot nach zu urteilen) und den Neuseeländern beim Segeln zuzuschauen, ist immer wieder eine Freude.
„Ja, das habe ich. Musste allerdings nen Freund davon abhalten, sich ernsthaft mit der Polizei anzulegen, aber nachdem die festgestellt hatten, dass er stockbetrunken und eigentlich harmlos war, haben die sich auch entspannt. Wie wars bei dir?“
Kalle strahlt. Genau das wollte er vermutlich hören.

„Ick hab mir nen Tach freijenommen und bin zu meenen Verwandten jefahrn, weeter in’n Osten, weeßte. Fast an der polnischen Jrenze. Na, und weil ick noch een paar Steine überhatte, hab ick denen im Jarten nen Grill jemauert. Komplett im Eijenbau, schön stabil und allet. Willste mal een Foto sehn?“
Ich bejahe, und der zeigt mir stolz das Photo. Sieht gar nicht mal schlecht aus das Ding, ein kleines bisschen schief, aber das kann auch an der Kamera liegen. Schließlich hat er das Photo mit seinem Mobiltelefon gemacht, die verzerren ja manchmal auch ganz gut.
Das Bild weckt Sommergefühle. Sattes Grasgrün, am Rand Bäume, in der Mitte der noch schneeweiße Grill. Erinnert mich ein bisschen an eine Gartensession bei meinem besten Freund, letztes oder vorletztes Jahr.
„Sieht super aus. Habt ihr den denn schon eingeweiht?“
Kalle entrüstet sich ein klein wenig.
„Wat denkst denn du? Aber erst nen Tach später, der Mörtel sollte ja jut durchtrocknen. Ick sach dir, so ne wurst haste noch nie jejessen. Die war so lecker, ick bin direkt froh, dass meene Verwandten so weit wech wohnen, da könnse mir keene Konkurrenz machen.
Aber dit beste warn die Fladenbrote, die ham wa selber jebacken, weil: guck mal da uff dem Bild.“
Kalle zeigt mir ein kleines fachähnliches Ding auf dem Bild, das ich ursprünglich für eine Art Utensilienschublade gehalten habe.
„Wenn du dir vorstellst, dass hier dit Feuer ist, kann dit natürlich keene Schublade sein. Wat biste denn fürn Inschenör? Dit wird doch viel zu heiß! Nee, dieset Ding funktioniert wie een Backofen mit Blech. Während dit Feuer brennt, kannste dein Blech da rinstellen, und wenn dann nur noch die Glut da is, dann kommt die Wurst. Und allet andere. Haste schonmal Zuchinipuffer probiert?“
Ich schüttele mit dem Kopf.
„Na dann kommste mal mit, dann machen wir die. Ick würd dir ja jetzt eenen von meinen jeben, aber dit is keen Vergleich, und, mal unter uns: die müssen och bald wech…“
Wir unterhalten uns noch einen Augenblick über alles Mögliche. In der Hauptsache solche Dinge wie Grillen (Kalle ist dafür), im Park herumlungern (Kalle ist eher dagegen), Americas Cup (der ist Kalle beinahe egal, er mag nur den Rennmodus: eins gegen eins) und den bevorstehenden Sonntag (der ist uns beiden egal, weil wir beide arbeiten werden) und ein bisschen über Musik.
Die wunderbar laue Luft erfrischt sich zu einer Brise, und langsam nimmt die Nacht Einzug.
Irgendwann verabschiede ich mich, muss ja morgen wieder früh raus.
Es wird Sommer.

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Über sushey

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