Döner – Kalle (22)

 Club Mate

Kalle schaut drein wie ein kaputtes Auto, als ich in Inlinern in seine kleine Bude komme und erkläre, dass ich gerade keinen Döner möchte, weil der Hals gerade total zugeschleimt ist und ich unmittelbar nach sportlichen Betätigungen ohnehin keinen Hunger habe.

Dafür aber Durst, und da ist Club Mate natürlich total super.

„Haste aber Jlück, daste nicht bei der ARD bist.“ begrüßt Kalle mich.
Ich wundere mich. Nicht, dass er Unrecht hätte, aber wie um alles in der Welt kommt er ausgerechnet darauf?!?
„Na, is ja janz eenfach: Du weeßt doch, dass die bei der ARD in letzter Zeit immer soviel Stress wejen Schleichwerbung hatten. Und dann kommste hier rin und nennst Club Mate beim Namen. Da könnten doch deene Leser verführt werden, dit och zu probieren. Und schon haste schleichend jeworben…“
Ich lache: „Na gut, dass ich Club Mate genommen habe, die mag nämlich kaum jemand. Ist ja sehr herb und rauchig der Tee, und dann auch noch kalt und mit Zucker versetzt… Ein sehr ambivalentes Getränk.“

Kalle nickt anerkennend.

„Also, es wäre was ganz anderes gewesen, hätte ich eine Bionade oder eine Afri-Cola trinken wollen… Die werden nämlich gerne von anderen getrunken, und dann könnten sie sich gerade jetzt genötigt fühlen, etwas zu trinken.
Oder weniger genötigt… eher… erinnert. Bekomme ich jetzt das Club Mate?“

Kalle reicht mir die Flasche.

„Überhaupt Schleichwerbung: Wat is denn überhaupt aus deinen so jroß anjekündichten Änderungen jeworden? Da versprichste deinen Lesern wat, und dann kommste nicht mal dazu, dein Tagebuch weiterzuführen…“
Ich war ein wenig in Gedanken versunken und schaue hinter meiner Flasche hervor.
„Ja, da hast du allerdings recht. Leider. Was die neue Serie betrifft: Konzepte sind easy, aber ich finde sie schwerer in Worte zu packen, als ich dachte. Machmal kämfe ich um oder sogar mit einem einzigen Ausdruck, und vor lauter mit den Worten kämpfen komme ich nicht mal dazu, bei dir vorbeizuschauen.“

Kalle schaut entschlossen drein. Er will auf irgendwas hinaus.
„Also, jetzt mal unter uns: manchmal wenn du mich besuchst, habe ich nicht dit Jefühl, dass du groß mit Worten kämpfst. Also weeßte, wenn du hier bist“

Ich habe ihn schon verstanden.

„Das liegt daran, dass ich meistens sehr spontan bei dir … vorbeikomme. Plötzlich habe ich Appetit auf einen Döner oder will mit dir sprechen, dann geht alles ganz schnell. Du bist ja auch ein ganz anderes Konzept.“

„Ick dachte ick wär een Freund?“

„Bist du ja auch. Und Dönerbudenbesitzer, und Konzept, und Metapher. Das geht Hand in Hand, und die Grenzen sind fließend.“
„Na dit is ja een Durcheinander. Willste nicht doch nen Döner?“

Will ich mittlerweile. Echte Nahrung hat der geistigen doch immer noch einiges voraus.
Und dazu ein zweites Club Mate…

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Über sushey

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