Döner – Kalle (24)

döner-kalle Musik

Es ist ein super Abend. Ich bin gerade in dem gemütlichen kleinen Club, in dem ein gutes Konzert läuft. Die Bands sind gut drauf, die Musik macht Spaß, und auch die Kollegin hat schon angerufen, um mir zu sagen, dass wir uns am Wochenende tatsächlich treffen können – es läuft also alles super.

Dann drehe ich mich um – und es grinst mich der bekannteste Dönermann der Stadt an.

„Dit hättste nich jedacht, wa?“ begrüßt Kalle mich und grinst noch mehr. Ich bin perplex.

„Wie, ich meine, woher, also… warum..?“ – so ein blödes Gestammel. Kalle grinst noch mehr.

„Naja, ick hab jelernt, wie man dit Internet benutzen kann, und da habbick jedacht, kiekste doch mal hier vorbei, wat so jeht. Wenn du schon nischt mehr zu mir kommst… hier, der ist für dich!“

Ich schlucke. Ein Döner. Schnell dran gerochen.

„Ja“ , sagt Kalle, „extra viele Zwiebeln drin. Du konntest mir ja nischt sajen, dass de keene haben wolltest, nischt wahr? Juten Appetit!“

„Danke, Kalle. Also wirklich. Ein Döner, mit Zwiebeln. Ich bin gerührt.“

Und satt. Hatte ich doch vorher schon eine Currywurstpommes beim Imbiss um die Ecke. Aber jetzt wo er den Döner schon mal mitgebracht hat… ich kann ihn doch nicht enttäuschen. Tapfer beiße ich hinein. Schön viele Zwiebeln…

„Wie hast du den überhaupt hier reingekriegt? Es sind so viele Zwiebeln drin, dass das Ding glatt als Waffe durchgehen würde…“

„Ach, dit war doch überhaupt keen Problem. Ick hab denen jeschildert, in wat für eener verzweifelten Laje du bist und das du unbedingt wat essen musst. Dit Arjument, wat am meesten jezogen hat, war, dass ick denen jesacht habe, du könntest fast nix essen, weil du so ne Allerjie hast jegen allet, und dass dit deen letztet Konzert ist bevor du ins Krankenhaus kommst.“

Kalle grinst weiterhin zufrieden vor sich hin und wippt im Takt auf und ab, sich scheinbar in der Musik verlierend.

„Den Scheiß haben sie dir abgenommen?“

Ich finde es unglaublich. So eine Geschichte glaubt einem doch kein Mensch. Sonst kämen ja alle an den Türstehern vorbei.

Naja gut, Hauptsache, der liebe Kalle hat seinen Spaß, nicht wahr? Da spielen wir doch gerne ein bisschen mit.

„Okay, ich hoffe aber, dass sie gleich nicht die Ambulanz holen, um mich sicher hier rauszuholen, oder?“

Kalle schüttelt mit dem Kopf.

Danach schweigen wir beide für eine Weile, auch, weil die anderen Konzertbesucher komisch gucken.

Zum Glück sind wir erst bei der zweiten Vorband.

In der Pause frage ich Kalle, ob er die Musik überhaupt mag:

„Also, ick weeß nicht so wirklich. Nee, eigentlich nicht. Ist mir zuviel Gitarrenkrams. Ick broch een eenfachet Lied, wat, dat im Radio läuft.“

Wir unterhalten uns ein bisschen darüber, dass ich mir wünschte, diese Bands würden im Radio gespielt. Kalle wirkt verständnisvoll, aber nicht sonderlich überzeugt. Trotzdem bleibt er noch während The Sea and Cake da, haut aber vorm Ende der Zugabe ab.

Will er nicht mit mir in der Öffentlichkeit gesehen werden?

Ich muss ihm mal wieder einen Besuch in seiner Bude abstatten…

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Über sushey

twitter.com/milch_mit_honig
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