zeitmaschine

finow-grundschule in berlin Ganz schön hässlich, dieses Gebäude zur Linken, und man fragt sich, was es mit einer Zeitmaschine zu tun haben soll.
Ganz einfach: es ist meine Zeitmaschine.

Es ergab sich ein Zufall, und dem folgend war ich heute am Ku’damm. Hab mir da nebenbei ne tolle CD gekauft, aber das ist Teil einer anderen Geschichte.

Jedenfalls – dachte ich – wenn du schon mal am Ku’damm bist, dann kannste doch eigentlich mal eben an der Finow-Grundschule vorbeischauen – in der ich mitnichten Zeit meines Lebens auf der Schulbank, sondern ein paar schöne Nächte unter denselbigen verbracht habe, und zwar während des Kirchentags im Mai 2003.

Ich bin also vom Wittenbergplatz aus losgelaufen, vorbei an dem Schwulenklub, und da war sie dann auch schon – in der Erinnerung war der Weg länger, aber da war ich ja auch kleiner…

Während ich also das kleine Stückchen lief, kamen die Erinnerungen langsam wieder, manche sehr klar und schillernd, andere vermischt mit aktuellen Eindrücken.
Beispielsweise habe ich die Musik von Cat Power im Kopf, die ich damals – leider, aber ganz gewiss – noch nicht gehört habe, das irritiert ein bisschen. Ich weiß auch nicht wirklich mehr, was ich damals gehört habe, nehme aber an, dass es sich um den klassischen Kasba-Alternative-Indie-Mix handelte.
Ein schneller Blick in die amazon-rechnung zeigt mir, dass ich damals angefangen haben muss mit meiner Chillout-/ Ambient-Phase, aufgelistet sind nämlich Moby, Kruder und Dorfmeister und Massive Attack – und Boozoo Bajou, deren „Satta“ ich im März gekauft hatte und das mein Sommeralbum hätte werden sollen; die Freude darüber hielt allerdings nur kurz an, weil es mir auf unserer Segelfahrt in Holland schon wieder geklaut wurde, bevor ich es überhaupt erst richtig kennenlernen konnte.

Eine der klarsten Erinnerungen jedoch ist die an ein Buch bzw. eine Serie, die ich damals gelesen habe, und zwar „Der Dunkle Turm“ von Steven King. Während des Kirchentags las ich mich gerade durch die Szenen, zu zur Fahrt im verrückten Zug führen – wenn mich nicht alles täuscht, habe ich einige Male abends über die Lösung einiger Rätsel nachgedacht, die das künstliche Bewusstsein Roland und seinen Compagnons stellte.

Dicke, tapsige und wahnsinnige Tanzbären torkeln vor mein geistiges Auge, aber ich weiß nicht, ob ich die Stelle mit dem Bären damals auch schon gelesen hatte.

Im KaDeWe war ich natürlich auch (sowohl 2003 als auch heute) und habe eine riesengroße und mächtig teure Steroanlage entdeckt, deren Lautsprecher ich zunächst für Kachelöfen hielt, weil so groß und wuchtig.
Man musste Termine zum Probehören vereinbaren, und unter dem nötigen Kleingeld von 15.000 Euro hat man nicht einmal den CD-Player bekommen – das gute Stück hätte man mit dem Hauptgewinn aus Ulla Kock am Brinks „100.000 Mark-Show“ gerade einmal zur Hälfte bekommen, mono also sozusagen.

Heute habe ich ebenfalls sehr viele schöne – und herrlich dekadente – Spielzeuge gesehen, aber nicht die Anlage, deretwegen ich eigentlich da war. Das – und die vielen, vielen mp3-Player haben mich dann ins Jahr 2007 zurückgebracht, zurück zum Hier-Leben (im Gegensatz zum damaligen Hier-Besuchen), zurück in einen wesentlich nasseren Sommer.

Wie allerdings „Der dunkle Turm“ ausgeht, weiß ich immer noch nicht… dafür scheppert gerade Cat Powers „Speaking for Trees“ aus den – nicht kachelöfigen (seufz!) Boxen – und das ist perfekt für die Gegenwart.

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Über sushey

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4 Antworten zu zeitmaschine

  1. rotor schreibt:

    du hast den dunklen turm vor sooo langer zeit angefangen und immer noch nicht zuende gelesen? how comes? ich hab rolands geschichte vor „kurzem“ angefangen und dann in einem rutsch durchlesen müssen — einer der größten geschichten die ich bis jetzt gelesen habe 😀
    cat power ist super, hab mich heut die ganze zeit beim einkaufen an den text von „salty dog“ erinnern wollen.
    kirchentag in bremen bald irgendwann mal — er wirft schon seine schatten voraus: sämtliche künstler und massen an bands wurden aus ihren ateliers und proberäumen aus der alten post geschmissen. (wahrscheinlich will die kirche da was mit kultur machen…)
    ich war übrigens auch mal für nen kirchentag in einer schule untergebracht und hab mir die und den weg ein paar jahre später nochmal angeguckt — bloß das war in hambug, und ich hatte keine musik in den ohren sondern farbe an den händen 😀

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  2. musicsascha schreibt:

    dunkler turm: eine vielschichtige sache. ich halte die geschichte für die beste von stephen king – und überhaupt ne große.
    erste schicht – ich musste lange auf den fünften band warten, hab da ein bisschen das interesse verloren.
    zweite schicht – und wollte eigentlich die komplette geschichte auf englisch lesen und konsequenterweise alles ebenfalls in einem rutsch lesen.
    dritte schicht – hab aber net die kohle dafür.
    vierte schicht – zwischendurch wollte ich so wenig mit der person zu tun haben, die mich drauf gebracht hat, dass ich auch die geschichte hab links liegen lassen. darauf bin ich nicht stolz, aber das ist vermutlich der hauptgrund – und mittlerweile aber längst nicht mehr wichtig.

    kt in bremen: finde ich ansich gut, aber wenns so aussieht, dass kleinkunst und underground dafür weichen müssen, dann ist das nicht nur doof, sondern auch voll gegen das motto einer toleranten und offenen bewegung, mit der der kirchentag so gerne wirbt.

    …“sondern farbe an den händen“ – das ist halt der unterschied zwischen künstler und konsument… 😉

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  3. rotor schreibt:

    du bist künstler, junge!

    …und genau das hab ich auch am kt/kirche zu kritisieren ^^ (neben einem ganzen batzen anderer themen für die die großen konfessionen im generellen stehen — wird mal wieder zeit für ein paar reformen die den ganzen muff aus dem mittelalter vorletzten jahrhundert holen…)

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  4. musicsascha schreibt:

    …danke… *rotwerd*

    und die kirche müsste echt mal entmufft werden…

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