Döner – Kalle (27)

döner-kalleFischpedää

Gerade will ich um die Ecke strolchen, um mir mal wieder einen Döner zu holen, da fällt mir auf: verdammt, ich bin ja gar nicht in Berlin, sondern in Hamburg.

Naja, macht nichts, denke ich, neue Stadt, neuer Döner – und wenn ich schon in Hamburg bin, warum sollte ich das nicht auch mit einer kleinen Touristentour verbinden und stilecht ein Fischbrötchen essen?

Gesagt, getan, und siebenunddreissig Minuten, fünf unmoralische Angebote, drei Tätowierungen und haufenweise Neonreklame später sitze ich vielleicht nicht mit dem besten, aber dem besondersten Fischbrötchen, das ich je hatte, in einem Etablissement auf der Reeperbahn. Aber der Reihe nach:

Man kann diesen Laden nur mit Müh‘ und Not als ordentliche Bude bezeichnen- nun gut, kenne ich schon, hatte ich schon. Im Norden also nichts Neues.

Ich trete also ein:

„Moin!“.

„Moin, moin, Jungchen. Was darfs denn sein?“ kommt es mir schnodderig-hamburgerisch entgegen.

Zuggäei! – denke ich unwillkürlich, aber ich kann mich beherrschen. „Na, ein leckeres Fischbrötchen.“

„Legga sind die hia alle, das kannste mal glauben! Fischpedä verkauft nur dad Beste vons Beste. Also, ich hob hiääää“ – er schweift mit dem Arm über die von ihm aus gesehen linke Seite des Tresens – “ oine Auswahl an leggerem Fisch, und hiääää“ – dabei wischt er über die andere Seite des Tresens – „auch leggeren Fisch. Dobei ist dies hiäää“ – Schweif nach links – „Direkt heudde Morgen ausm Ozeon gekommen – und dies annere hiäää“ – abermals der Schweif nach rechts – „ehe mit Regionolbezuch, wenn du verstehst, was ich meine.“

„Na, dann hätte ich gerne ein großes Brötchen mit der Pfeffermakrele da.“ (Die natürlich von Gestern ist, so wie sie aussieht…) Der Budenbesitzer – wenn ich ihn richtig verstanden habe, nennt er sich Fisch-Peter – macht sich mit Feuereifer an die Arbeit; unterdessen setze ich mich und schaue hinunter auf die Elbe, staune über die riesigen Docks von Blohm + Voss und frage mich, ob ich gleich mal eine Runde durch den Alten Elbtunnel spazieren sollte – wo ich schon mal da bin…

„Soo, hiä bidde, doin Brötchen. Guden Appetit!“ Ich stürze mich auf das Brötchen – in der Tat sehr lecker – alldieweil Peter argwöhnisch auf das leiseste Zeichen des Missfallens in meinem Gesicht zu warten scheint. Also signalisiere ich mit erhobenem Daumen meine Zufriedenheit.

Peter scheint dies als Einladung zu interpretieren, herüberzukommen.

„Freut mich, dass es dia schmeckt. Sach mol, wo kommste eigentlich her und was machst du so, wenn ich mol fragen darf?“

Darf er, ist ja kein Staatsgeheimnis.

„Berlin, und ich besuche nen Freund, der hier wohnt.“

„Berlin, aha, grooße ßtadt.“ – natürlich. Das spitze hamburger ST –  „und wo ist dien Freund gerode?“

„Na der muss arbeiten.“

„Ach, dann ist das dein richtiger Freund?“

„Ach so, nee, also er ist mein Kumpel.“ Ich erinnere mich an das spezielle Vokabular dieser Altersgruppe und insbesondere dieser Peer Group. „Also, wenn du es so wissen willst, mein best Macker. Warum möchtest du das wissen?“

„Ach, nur so. Woißt du, mein Schwager, also eigentlich mein best Macker, der hat ne Bar. Die nennt sich „Jack Sparrowe’s“,  und wie der Name schon sacht, gehts dor um schwule Piroden.“

Na das ist doch mal was. Das Apostroph ist natürlich total bescheuert, aber das kann man den Deutschen wohl nie mehr abgwöhnen…

„Du meinst sicherlich „Jack Sparrows“, ohne e.“

„Nee, „Jack Sparrowe’s“ ist schon richtig, sonst kostet das zuviel Gebühren, weil Disney den Nomen hat schützen lassen.“

„Sag lieber Disny, sonst kostet mich das eventuell viel Geld… aber nein, ich bin nicht schwul. Aber die Kneipe würde ich mir trotzdem mal anschauen, das klingt recht interessant. Hast du mal ne Karte?“

„Klor, sogor dabei. Hiä, bidde. So, und nu muss ich wiedä, Kundschaft. War nett mit diä, ich bin übrigens Fischpedä!“

Ich nenne ihm meinen Namen, und nach tausendmaligem Versprechen, unbedingt sowohl in die Kneipe seines Schwagers, als auch bei ihm einzukehren, trolle ich mich dann auch…

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Über sushey

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