Es stimmt!

… der Plattenspieler brauchte tatsächlich eine gewisse „Eingewöhnungszeit“, d.h. das frisch auf den Tonarm montierte System musste sich setzen, die mechanischen Teile alle einschwingen, und so weiter. Jetzt klingt er wesentlich besser, ohne dass ich diesen subjektiven Eindruck näher belegen könnte. Der Klang im Allgemeinen (also plattenunabhängig) ist voller, sehr räumlich, transparent und auch druckvoll.

Zeit also für das versprochene Resümee, und dann soll das Thema Plattenspieler auch fürs Erste abgegessen sein.

Optik

Der gesamte Plattenspieler ist sehr minimalistisch gestaltet, was ich sehr gerne mag. Jedes Element hat seinen klar definierten Zweck. Neulich habe ich mir nen Technics 1210 MKII angeschaut (ohne Zweifel ebenfalls ein sehr toller Plattenspieler), der hatte schon deutlich mehr Spielereien zu bieten, die ich aber alle nicht brauche (Pitch, diese beleuchteten Ringe, etc…).
Das sehr dunkle Grau kommt in meinem dunklen Zimmer nicht wirklich zur Geltung; ich hätte eigentlich auch lieber ein Schwarz oder Blau gehabt, aber mir war der Klang wichtiger.

Handling

Der XPression ist sehr nutzerfreundlich und kommt – wie das iPhone – mit einem einzigen Knopf aus: dem Ein-/Ausschalter, der den Plattenteller in Gang setzt. Tonarm über die Platte führen, absenken – fertig! Die Geschwindigkeit wird mittels beiligendem Tool durch Umlegen des Riemens verändert, was sehr leicht vonstatten geht. Nervig ist allerdings, dass ich dafür den Plattenteller abnehmen muss.

Klang

Bei Weitem die wichtigste Eigenschaft ist der Klang. Hier macht der XPression wirklich Punkte, denn er zeichnet eine schöne Bühne, will sagen, er holt Vieles aus dem Stereospektrum heraus und platziert Instrumente und Stimme dort, wo man sie z.B. auch live erwarten würde – experimentelle Geschichten einmal aussen vor. Ich hätte nicht vermutet, dass das bei meinen Boxen möglich sei, aber eine gut abgemischte Platte steht klanglich mitten im Raum, transparent, klar und losgelöst von den Boxen.
Massive Attack beispielsweise klingen einfach gut – was bei den Klangperfektionisten aber auch nicht anders zu erwarten war.
Auch wenn der Plattenspieler recht ehrlich mit dem Material ist – er macht aus einem hässlichen Entlein keinen schönen Schwan – erweckt er den Eindruck, Einiges aus den Platten herauszuholen. Für wirkliche Puristen wird er aber nicht neutral genug agieren.
Mir gefällts, weil es den Platten viel Lebendigkeit verleiht – eine Sache, die ich bei CDs vermisse.
Gerne würde ich eine sehr gute Platte mit vielen Dynamiksprüngen hören, um zu sehen, wie der Plattenspieler mit diesem Thema umgeht.

Negatives

Keine Endabschaltung
Der Tonarm muss manuell zurückgeführt werden, was tagsüber – da man ja eh alle halbe Stunde, spätestens, die Platte dreht – kein Problem ist.
Einschlafen zu „( )“ ist allerdings nicht drin, es sei denn, ich habe eine sehr verständnisvolle Freundin, die für mich wach bleibt, um den Plattenspieler dann auszuschalten…

Das leidige Rauschen…
Jede Platte – egal wie gut gemastert – weist ein gewisses Maß an Rauschen auf. Die Nadel wird in mechanische Schwingungen versetzt, und das bedeutet, sie reibt über die Platte. Reibung = Geräusch…
Das führt zu erwähnten Problemen mit der Dynamik und schränkt den Spaß beim Sehr-Leise-Hören ein. Auch über Kopfhörer ist es bei leisen Stellen durchaus wahrnehmbar.

Platten sind scheissenteuer
Unter nem Zwanziger läuft auch bei etwas älteren Platten nichts – eher gehts Richtung dreißig Euro. Das hat produktionstechnische Gründe, liegt aber auch daran, dass Platten en vogue sind. Und wer schon Platten kauft, wird dafür auch blechen (wollen), denn man ist ja Fan – so die Milchmädchenrechnung der Verantwortlichen, und leider funktionierts. Generell sind Platten 20 – 30 Prozent teurer als die – ohnehin überteuerten – CDs.
Fucking Musikindustrie!

Der Nadeleinschub
Mein alter Technics konnte es: da hat man einfach die Nadel vom Tonarm abgezogen und eine Neue draufgesteckt, wenn man denn wollte. DJs praktizieren das ja auch sehr gerne mit ihren Ortofon – Bananen.
Ich kann das nicht. Das System ist fest in die Headshell integriert, d.h. ich müsste den Kopf abschrauben, die Kabel lösen, neues System rein, alles anschließen, vorsichtig festschrauben und hoffen, dass ich exakt genug gearbeitet habe…

Fazit: Abzüglich der negativen Eigenschaften (die ich z.T. bewusst in Kauf genommen habe), bin ich nicht nur glücklich, endlich wieder meine Platten hören zu können, sondern auch froh, mir gleich einen ganz neuen Plattenspieler gekauft zu haben. Er bietet schon eine ganz andere Klangqualität, als sie der Technics (nicht 1210… leider) damals geschafft hat – was ich bei dem Preis aber auch erwarte. Sicher ist der XPression nichts für absolute Profis, aber der Durchschnitts-Indie-Rock-Querbeethörer wird damit schon sehr weit kommen.

Das solls gewesen sein. Wer probehören möchte, sei herzlich willkommen; allen anderen sei gesagt: jetzt werde ich mal wieder über andere Dinge schreiben. Versprochen!

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Über sushey

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