The Lost Weekend / The Devastations im Lido

Was macht man, wenn man voller Elan und gut gelaunt von der Arbeit kommt und noch etwas unternehmen möchte?

Richtig, man geht auf ein Konzert. Dummerweise ist es gestern melancholischer Pop geworden…

Vorm Hauptact tritt ein Support auf, das hat sich so eingebürgert mittlerweile und kommt ja auch allen zugute. Dem Support selber, weil er/sie auf einer gr0ßen Bühne spielen kann, dem Hauptact, weil das Publikum schon einmal aufgewärmt wird und dem Publikum auch, man bekommt ja mehr fürs Geld, vielleicht gar eine unbekannte Band, die man mag.

The Lost Weekend

Bestand – obwohl er beharrlich behauptete, eine gewisse Lisa würde sich schon irgendwann trauen und mit ihm singen, nur aus einem Singer/Songwriter, der Songs ebendiesen Genres feilbot, stilecht nur mit Gitarre bewaffnet. Zwischendurch auch mit additiver Mundharmonika, aber dazu später mehr.
Da saß er also ganz alleine auf der Bühne, dieser komische Kauz und musste etwa 20 musikwütige Menschen unterhalten.
Größtenteils gelang ihm das auch recht gut, wenn auch nicht immer ganz so freiwillig komisch, wie er vielleicht gerne wäre.
So hatte er mit seiner verstimmten Gitarre zu kämpfen, welche dadurch allerdings prächtig mit seinem angepisst-knarzigem Gesang harmonierte. Man darf mich hier nicht missverstehen, ich mochte die Stimme, irgendwo zwischen Eddie Vedder, dem jungen Bob Dylan und dem Ex-Frontmann von Ex-Creed.
Lisa war immer noch nicht aufgetaucht, und so erzählte The Lost Weekend zu seinen Songs, die Geschichten aus seinem Leben erzählen – Geschichten aus seinem Leben.
Das alles waren Dinge, die man so oder so ähnlich und in Variationen schon erlebt hat; einige Songs hatten sehr schöne Akkordfolgen, ebenso wie einige Textzeilen sehr super waren.
Erwähnte Mundharmonika kam zum Einsatz – warum sieht das eigentlich immer so bekloppt aus, wenn ein Gitarrist sich ne Mundharmonika um den Hals hängt? Vielleicht, weil dies absonderliche Gestell an ebensolche Zahnspangen erinnert?
Zweckdienlich wars auf jeden Fall, und um den Sänger und seine Musik zu verstehen, reicht es, zu wissen, dass er mit dem Satz: „Meine Mundharmonika ist kaputt. Ich werde trotzdem auf ihr spielen, damit ihr meine CDs kauft und ich eine neue kaufen kann…“ sogleich auch ein schiefes Lied anstimmte. Ich fands gut, hab mir also die CD nicht gekauft, muhahah!

In der Pause hat die DJende Person entweder musikalische Abgebrühtheit, jede Menge Humor oder ein gewisses Maß an Verrücktheit bewiesen, denn berieselt wurden wir von einer Ambient-Version dieses Megahits von The Darkness. Hört man auch nicht alle Tage.

The Devastations

Kommen aus Australien, da muss man als Neuseelanderfahrener vorsichtig sein… Sie haben dann auch gleich losgelegt und könnten in die Schublade „Nick Cave minus ein wenig von dessen Einmaligkeit“ gesteckt werden. Einige Sounds und Strukturen haben mich entfernt an Archive erinnert, ab und zu dachte ich kurz und unwillkürlich an Sophia.

Vielleicht lags an erwähntem Clash of feelings (Enthusiasmus vs. Melancholie), dass ich mich nicht wirklich auf die Band einlassen konnte. Sie waren gut, keine Frage – aber manchmal fehlte mir ein rockiger(er) Punch, der meiner Ansicht nach einigen Songs gut getan hätte. Ab und zu war mir insbesondere der Bassist zu geradlinig, da hätten es neben den Grundtönen auch gerne einige Fills sein dürfen.
Das Miteinander von (digitalen) Effekten und handgemachtem Pop war recht gefällig, auch wenn der Gitarrist mit einigen technischen Problemen zu kämpfen hatte. Insgesamt fand ich sie so okay, dass ich – hätte ich genug Geld dabei gehabt – mir ne Platte mitgenommen hätte, aber nicht so gut, um 16 Euro für den Abend zu bezahlen.

The Devastations

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Über sushey

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Eine Antwort zu The Lost Weekend / The Devastations im Lido

  1. Victor schreibt:

    kaputt…

    Gefällt mir

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