… und an den Keyboards: Johann Sebastian!

Als ich am Samstag Licht gehängt habe, war es gewiss nicht das erste, und vermutlich auch nicht das letzte Mal, dass ich – mit wechselnden Gesprächspartnern – darüber philosophiert habe, was geschähe, würde durch eine – wie auch immer geartete – Zeitreise einer der „klassischen“ Komponisten (ich meine damit die Leute, die dieses komplizierte Zeugs zwischen 1400 und 1920 geschrieben haben und nicht die Epoche an sich) in unsere Zeit versetzt werden.

Also, ich meine jetzt nicht irgendwelche stereotypischen Entsetzens-/Entzückungsschreie über das, was Besuchern aus der Vergangenheit magisch erscheinen wird. Vielmehr geht es mir um die schier unendlichen musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten, die wir mittlerweile so selbstverständlich benutzen.
Mit einem stinknormalen Synthesizer kann man ganze Orchester ersetzen, Effektgeräte machen die abgefahrensten Sounds möglich; von den Möglichkeiten des Samplens mal ganz abgesehen.

Das müsste ein wahres Paradies für einen jungen, experimentierfreudigen Menschen wie Mozart sein, müsste der sich doch nicht alles komplett vorstellen, sondern könnte sich mal eben selber vorspielen, wie sein Orchester klingen würde. Aus der Zauberflöte wird Der Magische Moog, eine Kleine Nachtmusik würde er vielleicht mal eben nebenbei auf seinem Sony Ericsson zusammenbasteln, da gibts doch dieses DJ-Musik-Bastel-Tool. Und – er war ja dann doch ein wenig egozentrisch – er könnte sämtliche Spuren nach eigenem Gusto selber einspielen.
Natürlich wäre er der Haus-und Hof-Produzent von Queen, und hätte maßgeblichen Anteil an Bohemian Rhapsody gehabt – vermutlich hätte es um einiges dramatischer geklungen…

Was würde ein Ludwigvan tun, sagen – und vor allem – spielen, hätte er ein Continuum unter seinen Fingern? Man mag es sich kaum ausdenken. Wobei der Gute vermutlich in erster Linie völlig begeistert von Hörgeräten und guter PA gewesen wäre… und ich glaube, Beethoven hätte viel Spaß am ProgRock gehabt, der kracht ja so schön und ist trotzdem manchmal höllisch komplex. In seinen schlimmen Momenten, wenn die Taubheit und sein Temperament ihn am meisten genervt hätten, wäre er dann zum Grunge gewechselt.

Bach – ja, der gute alte Johann Sebastian. Pink Floyd? Eher Archive, die sind nicht so verdrogt… Wobei, der war ja musikalisch eher ein bisschen strenger, das passt widerum zu Pink Floyds aufwändigen Bühnenshows. Wäre schon spannend zu beobachten, wie JSB und Roger Waters sich um die musikalische und inhaltliche Ausrichtung der Band streiten und David Gilmour sich im Hintergrund ins Fäustchen lacht, weil er natürlich weiß, dass die Band ohne sein unnachahmliches Gitarrenspiel verloren wäre…

Pink Floyd lebten aber ja – wie so viele andere Bands auch – durch die elektronischen Spielereien, die sie so benutzt haben.

Überhaupt gehe ich mit dem guten rotor d’accord, wenn ich annehme, dass diese Komponisten vermutlich völlig begeistert von den Möglichkeiten elektronischer Musik gewesen wären (deswegen auch die vielen Keyboards) – schließlich haben sie schon zu ihrer Zeit hauptsächlich auf dem Klavier gespielt und sich die anderen Instrumente und Stimmen vorgestellt oder später in Begleitung hinzugefügt. Was gäbe es also Besseres für einen klassischen Komponisten, als ein Interface, dem er – theoretisch – beliebige Stimmen hinzufügen könnte? Vor allem, weil klassische Musik davon lebt, ein Thema zu wiederholen, es zu variieren, verändert zu benutzen und so weiter. Statt also einfach die Noten eines Themas in umgedrehter Reihenfolge abzuspielen, kann man auch ein ganzes Riff komplett vorwärts arrangieren und rückwärts wiedergeben.

Wer weiß also, was so passieren würde, tauchte auf einmal ein DJ Haendle hinterm Plattenteller auf? Oder der Wu-Tang-Clan mit dem neuen Mitglied Ash’N’Berg statt in die 36 Chambers, auf die Jagd nach den 12 Notes gehen würde?

edit, 11.12.:

Mein Chef sagte heute, spontan auf diese Frage angesprochen: „Du meine Güte, Mozart wäre so eine Art Dieter Bohlen. Überleg doch mal, bei seiner Kreativität, der hätte einen Output… über Jahre hinweg wären die Hitparaden voll mit seinem Zeug. Natürlich würde der auch feiern ohne Ende, mit Drogen und Frauen und diesem ganzen Schweinekram. Und Bach… der muss bei Pink Floyd spielen!“

Na sowas…

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Über sushey

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Eine Antwort zu … und an den Keyboards: Johann Sebastian!

  1. Roattygroom schreibt:

    Hello!
    Nice site 😉
    Bye

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