Döner – Kalle (34)

döner-kalleSchneebälle.

Während Kalle gleichzeitig in geübter Gewohnheit einen Döner zusammenbastelt und mir konsterniert wahllose Namen an den Kopf wirft, versucht er mir zu erklären, wie Skateboarden, internationale Finanzmärkte und der Verkauf von Dönern zusammenhängen:

„Also, Steffi – ach neee, Frank, dit hängt allet zusammen, weeßte? Kieck dir dit mal an, ick steh hier mitten inner Nacht und mach noch nen Döner. Die Jeschäfte loofen schlecht, vor allem, weil dit so nasskalt ist. Ausserdem ist der Dollar so schwach“ – an dieser Stelle muss ich mir ein Grinsen verkneifen. Die Dönerindustrie ist vom Dollar abhängig?!? – “ das uns dit allet teuer zu stehen kommt. Kieck mal, die janzen jroßen Nationen wie Deutschland, Frankreich, Spanien – die sind alle von nem juten Dollarpreis abhängig, weil det Öl immer noch in Dollar bezahlt wird und jerade unsere Autoindustrie…“ – vorm Fenster fährt gerade ein Toyota vorbei, gefolgt von einem Daihatsu. Die Berliner – insbesondere die aus dem Osten – lieben asiatische Autos.

Das bringt Kalle für einen kurzen Moment aus dem Konzept – vor lauter Verwirrung greift er nicht nach den Zwiebeln, sondern tut mir ein bisschen Salat in die Teigtasche und reicht mir dann das Kunstwerk.

„Also, jedenfalls. Unsere Industrie. Und so. Verstehste? Der amerikanische Tourist, der konnte sich früher allet koofen, wat ihm jefallen hat. Und jetzt stell dir mal vor, der war letztes Jahr im KaDeWe und hat sich wat jekooft, und nu kommt er wieda und entdeckt, das allet teurer jeworden is – da kriegt der doch nen Schock!“

An dieser Stelle würde ich gerne einhaken und zu Protokoll geben, dass ich noch nie einen ansatzweise amerikanischen Touristen in Kalles Bude gesehen habe – oder auch nur in deren Nähe. Ich lasses aber doch sein, einerseits, weil ich gerade mit Wonne esse – meine erste warme Mahlzeit an dem Tag – andererseits, weil ich weiß, dass es Kalle kränken würde, wenn ich ihn in seiner Eitelkeit stören würde. Er ist ja eh beleidigt, weil ich eine ganze Zeit lang nicht aufgetaucht bin – was ich auch verstehen kann.

Inzwischen hat er seine abstrusen Theorien weiter verbreitert: „… und dann haste finanzielle Anarchie, so jeht dit ja wohl ooch nischt. Weeßte, so sehr ick dafür bin, den Dingen ihren Lauf zu lassen, ein paar Rejeln brauchste dann ja doch. Da könnte ja jeder kommen und sajen, ick mach dit jetzt so oder so. Stell dir mal vor, ick mach den Döner jedetmal anders, wat würdste denn da sajen?“

„Danke, war lecker.“ denke ich mir, aber wahre auch hier meine contenance und bin eher still.

„Wat kieckste denn so nach draußen? Wartest uff den Weihnachtsmann, wat? Der kommt erst späta, dit kann ick dir aba sajen.“

„Nee, ich will Schnee. Guck dir mal den Himmel an, der sieht doch nach Schnee aus, oder? Ich meine, es ist etwas zu kalt für ordentlichen Schnee, aber könnte es nicht trotzdem schneien?“

Kalle ist minder begeistert von der Idee. Wahrscheinlich sieht er sich Schnee schippen oder hat Angst um seine Umsätze oder so etwas.

„Na, ick weeß nischt. Und dann machste ne Schneeballschlacht oder wat?“

„Ja, auf jeden Fall. Und baue nen Schneemann… wir könnten nen Schneedönermann basteln…“ – jetzt taut Kalle langsam auf. „Dit wäre supa, aber der würde so schnell schmelzen, wenn der vorm Grill steht, der würde bestimmt keenen einzijen Döner fertigbekommen.“

Wir lachen beide herzhaft. Ach herrlich, einfach mal den blöden Gedanken freien Lauf lassen.

„Aber det wär schon schön, weiße Weihnachten. Dajejen hätte ich ooch nischt. Du fährst bestimmt nach Hause, wa?“

Ich bestätige das und erkläre ihm, dass wir uns bis Weihnachten und vielleicht sogar bis zum neuen Jahr nicht mehr sehen werden.

„Na dit kenne ick ja von dir, dann tauchste schon mal uff, und dann meldeste dich wieda wochenlang nischt. Naja, muss wohl so sein. Ick wünsch dir auf jeden Fall allet Jute und nen juten Rutsch, falls wir uns wirklich nischt mehr sehen.“

„Dir auch Kalle, dir auch.“

Jetzt geben wir uns eine Weile etwas ernsteren Gedanken hin, und irgendwann verabschiede ich mich. Geschneit hats nicht, dafür wurde ich virtuell von einem Schneeball beworfen, und zwar von Xandriah – wat für ein Spasssss! Ich werfe gleich auch ein paar Bälle, und zwar an Daniel einen werfe ich auf rotor und einer prallt an Yannicks improvisierter Barrikade ab…

schneeball.jpg

hier kommt der her…

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Über sushey

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