Schrödingers Katze

„Wenn sich eine Katze in einem geschlossenem Behälter befindet, so kann sie entweder tot sein oder noch leben. Man erfährt es erst, wenn man nachsieht – das Öffnen des Behälters entscheidet über den Zustand der Katze. Es gibt jedoch eine weitere Zustandsform, die von Schrödinger übersehen wurde: lebendig, tot oder verdammt wütend.“ – frei nach Terry Pratchett

Große, leicht knochige Hände mit vielen, vielen Falten näherten sich der Katze, die eben noch sich friedlich putzend dagelegen hatte. Viel zu überrascht und träge, um zu reagieren – und aus der Erfahrung heraus, dass eben diese Hände sie schon öfter gegriffen hatten, hin und wieder auch streichelten oder gedankenverloren kraulten – ließ sie es geschehen. Man würde sie schon wieder absetzen, das war bisher immer so gewesen.

Um kundzutun, dass sie der Berührung gegenüber nicht verschlossen war, aber eben auch nicht restlos positiv gegenüber stand, mauzte sie grunzend, denn wie immer drückte ihr das ruckartige Aufgehobenwerden die Luft aus den Lungen. Trotzdem war die Berührung nicht unangenehm, so dass sie das Murren im Grunde nur pro forma verlauten ließ.

Die Hände gehörten einem Wissenschaftler. Aus der Sicht einer Katze unterschied sich die Wissenschaft nicht wesentlich von den anderen sonderbaren Taten, die Menschen den lieben langen Tag unternahmen – mit der Ausnahme vielleicht, dass ab und zu vergessen wurde, ihr Nahrung hinzustellen.
Da die Katze allerdings in einer recht ländlichen Gegend aufgewachsen war, war sie es ohnehin gewohnt, nach Mäusen und anderen Kleintieren zu jagen, und sie ließ es nicht nehmen, ihrem Wissenschaftler ab und zu eine besonders schöne Maus zu schenken – als Dank für die vielen Streicheleinheiten, die sie insbesondere dann bekam, wenn der Wissenschaftler ein besonders schwieriges Problem zu lösen hatte.

Manchmal verstörte ihr Mensch sie, was sie für recht natürlich hielt, aber hätte sie sich mit anderen Katzen über die Gepflogenheiten der Menschen ausgetauscht, so hätte sie erfahren, dass es keinesfalls natürlich war, das Fell elektrostatisch aufgeladen zu bekommen, um danach die Stärke der entstandenen Ladung zu messen. Ihr wäre auch aufgefallen, dass keine ihrer Kollegen jemals ihren Schwanz fixiert bekommen hatten und dann auf einem schmalen Brett balancieren mussten.
Ihrem Charakter entsprechend war sie eine Weile beleidigt gewesen, nachdem ihr Wissenschaftler das Balance-Experiment vorgenommen hatte, denn das war ihr doch zu bunt geworden. Vor allem, weil sie dadurch enorme Probleme gehabt hatte, ihr Gleichgewicht zu halten.

Trotzdem basierte ihre Beziehung zum Wissenschaftler auf einer Art vorsichtiger und zurückhaltender Zuneigung. Sie mochte es, wenn er im Ohrensessel saß und über ein besonders schwieriges Problem nachdachte, denn sie spürte die intensiv konzentrierte Stimmung – und er atmete dann ruhiger als sonst, was das Auf-seinem-Schoss-Sitzen sehr angenehm und entspannt gestaltete. Leider kam es immer wieder vor, dass er recht hektisch aufsprang und etwas aufschrieb oder wild im Raum umherlief, aber so war es mit den schönen Momenten, nicht wahr? Sie dauerten immer viel zu kurz.

In den vergangenen Wochen war ihr Wissenschaftler oft aufgesprungen, umhergelaufen und hatte immer wieder seine große Brille mit den runden Gläsern geputzt, welche die Katze ein wenig unheimlich fand, da sie manchmal scheinbar die Augen veränderte, oder – wenn die Sonne drauffiel – völlig durch Spiegelungen verdeckte, was es schwer machte, seine Stimmung einzuschätzen – einen Schwanz oder bewegliche Ohren hatte die Katze noch nicht entdecken können. Wie verständigten Menschen sich untereinander? Anscheinend viel über diese sonderbaren Laute, die sie von sich gaben, und vermutlich auch durch die Zeichen, die sie niederschrieben.
Die Katze schaute auf. Er putzte wieder einmal seine Brille, wohl schon zum zehnten Mal heute. Sie spürte, dass er dieses Mal an etwas sehr Großem arbeitete – unter anderem hatte er regelmäßig ihr Futter vergessen, und das ging ja nun mal gar nicht – und er hatte kaum geschlafen, war sehr unruhig gewesen, hatte sie abwechselnd liebevoll getätschelt, gedankenverloren gestreichelt oder barsch fortgeschickt, wenn sie sich an ihn kuschelte. Einmal hatte er gar einen Schuh nach ihr geworfen! Das hatte sie ihm übelgenommen und war ein paar Tage nicht auffindbar gewesen – jedenfalls für ihn – aber zu ihrer maßlosen Enttäuschung hatte er kaum bemerkt, dass sie nicht da war.

Physik war nicht die Stärke dieser Katze – Physik ist keiner Katze Stärke, es sei denn, es geht um Dinge wie Balance, Schnelligkeit, Impuls; und dann auch nur instinkthaft – aber wäre sie es gewesen, dann wären diese Wochen sehr spannend für die Katze gewesen. Stets verfolgt von einer Gruppe Menschen, die sich „Nazi“ nannte und welche die Katze abscheulich fand – ihre Uniformen, ihr zackiges, bedrohliches Auftreten, ihr lautes, aufbrausendes Schreien, das auch ihren Wissenschaftler einzuschüchtern schien – diese Widerlinge jedenfalls klopften immer mal wieder an die Türe oder brachen gleich ein und bedrängten ihn.  Einmal war er gar mit ihr in ein anderes Haus gezogen, und sie hatte das alte eine ganze Zeit erfolglos gesucht. Sie hatte ihre Heimat vermisst; die Luft roch anders, die Menschen waren anders, und selbst die Katzen, die sie getroffen hatte, konnten sich ihr weniger verständlich machen – und war deswegen sehr froh gewesen, dass er wieder zurück in die alte Heimat gezogen war, wenn auch nicht in das gleiche Haus. Dafür musste sie anscheinend diese ekelhaften Uniformmenschen in Kauf nehmen – und glücklicherweise störten sie die Ruhe im neuen Haus nun seltener.
Zudem hatte sie es einmal geschafft, einem der Männer, der besonders aggressiv auftrat, vom Schrank aus ins Gesicht zu springen und ihm einige schwere Kratzer zuzufügen, worauf sie eigentlich stolz sein konnte – sie hatte sich diesen kleinen Sieg allerdings damit erkaufen müssen, dass ihr Wissenschaftler anschließend aufs Übelste beschimpft worden war.

Jedenfalls war sie mit Physik nicht so betraut, was ihren Wissenschaftler manchmal ein klein wenig traurig sein ließ – ab und zu hätte er sich gerne mit einem Wesen, das ihm so nahe stand wie die Katze über seine Forschungen ausgetauscht. Immerhin hatte er oft Besuch von seinen Kollegen – was wiederum die Katze auch klasse fand, denn dann endeten die Abende nicht selten mit ausgedehntem Whiskytrinken vor dem Kamin – und damit einer Menge Streicheleinheiten. Herrlich!

Doch gerade jetzt hätte er sich gerne mit ihr ausgetauscht, denn er hatte da ein Problem, mit dem er nicht wirklich weiterkam. Ein bekannter Mann namens Einstein hatte vor relativ kurzer Zeit seine berühmten Theorien aufgestellt, und die Katze hatte zwar nicht wirklich verstanden, was am Einsturz der klassischen Newtonschen Mechanik so aufregend war – schließlich war für sie danach alles andere wie davor auch – aber ihr Wissenschaftler hatte das in ein regelrechtes Denk-und Forscherfieber versetzt. Ständig murmelte er Begriffe wie „Quanten“, „Kohärenz“, „Verschränkung“, und – was sie ein wenig beunruhigte: „Quantenebene“ und „Makroebene“ – denn dabei schaute er sie immer sehr sonderbar an.

Und nun hatte er sie gepackt.

Sie spürte an seinem Griff, dass etwas anders war als sonst.

Er packte sie etwas fester, beinahe schon grob, und hielt sie sicher fest. Er würde schon nichts Böses tun, dessen war sie sich sicher (vor allem, weil er ihr nach der Kratzaktion im Nazigesicht eine Extraportion Futter gegeben hatte), aber sie hatte das ungute Gefühl, dass diesmal wieder eines seiner Experimente anstand.

Dort war ein Kasten!

Er würde sie doch wohl nicht da reinstecken, oder? Prinzipiell fand sie Kästen aufregend; aber sie präferierte es dann doch, freiwillig einen Kasten zu erkunden. Vor allem, weil es in diesem Kasten sonderbar roch, leicht metallisch.
Sie vertraute ihrem Wissenschaftler, aber wollte wirklich nicht in den Kasten. Sie begann sich zu winden und zu wehren, doch sie konnte nicht mehr wirklich etwas tun. Leicht unsanft  –  wäre sie ein Mensch, hätte sie ihn dafür später gekratzt, aber sie war ja eine Katze und konnte deswegen mit dem Konzept „später“ nichts anfangen, ebenso wie „früher“ auch nur eine andere Schale Futter war – wurde sie am Grund des Kastens abgesetzt, den er sogleich fest schloss.

Sie war gefangen!

Unwillkürlich begann sie, sich zu wehren. Sie randalierte ein wenig im Kasten, kratzte an den Kanten und Wänden und miaute, aber als sich ihre Augen an das Dunkel gewöhnt hatten und sie mit ihren Tasthaaren alles sondiert hatte, beruhigte sie sich.
Der Kasten war nicht besonders groß, vielleicht zwei Katzenlängen breit und genauso lang, sowie eine Katzenlänge hoch, bestand aus Holz, das – zumindest von Innen – mit Metall beschlagen war und beherbergte eine Apparatur, von der anscheinend der sonderbare Geruch stammte.
Die Katze war schnell von dem Kasten gelangweilt, und nach einigem weiteren Randalieren – sie wollte sich ja nicht alles gefallen lassen, begann sie sich zu putzen.

So intensiv, dass sie zunächst das Licht nicht bemerkte, welches sich langsam im Kasten ausbreitete. Doch dann schien sie etwas zu hören und widmete dem Licht die volle Aufmerksamkeit. War das eine Öffnung? Sie schaute näher hin. Doch, das war eine Öffnung, durch die zumindest eine Katze passen würde. Sie war hell erleuchtet, schien aber nicht zurück ins Zimmer zu führen. Um ehrlich zu sein, wusste die Katze überhaupt nicht, wohin die Öffnung führte, denn sie konnte nichts erkennen oder erschnuppern. Aber ihre Neugier war geweckt.

Kurzentschlossen trat sie durch die Öffnung…

Liebe LeserInnen,

wie dreist, ein solcher Cliffhanger! Es kommt noch schlimmer: die Geschichte hat noch keine Fortsetzung. Das liegt nicht daran, dass ich eine faule Sau bin, sondern möchte, dass wir gemeinsam die Geschichte weiterspinnen.
Was passiert Schrödingers Katze, nachdem er sie in den Kasten gesteckt hat? Wohin führt das Licht? Und wird sie jemals wieder in seinen Armen liegen und sich kraulen lassen?

Werdet kreativ! In den Kommentaren könnt ihr mögliche Fortsetzungen vorschlagen, und ich werde mir eine davon aussuchen, um die Geschichte weiter zu erzählen. Mal sehen, was der Katze noch alles passiert!

Viel Spaß!

Tempelhof und Musik aus allen Richtungen

Es ist wunderbares Wetter, ausgeschlafen habe ich so einigermaßen, sogar schon gefrühstückt und mir über Tempelhof Gedanken gemacht, und während ich hier an der Tastatur sitze, werde ich von drei Seiten musikalisch umzingelt und eingekesselt – wie soll ich mich denn da konzentrieren?!?
Wir haben also: hinter mir – also geographisch gesehen im Westen, da mein Bildschirm gen Osten gerichtet ist (und das hat keinerlei religiöse, komödiantische, terroristische oder anderweitig geartete Ursachen – es ergab sich einfach so, weil ich dann die Einrichtung meines Zimmers als angenehm empfinde), also im Westen haben wir meinen Mitbewohner mit Turbostaat. Unter mir mal wieder Schlager allerübelster Schublade, und aus der Küche (also im Süden, von mir aus) wechselweise Elektronik oder Bruce Springsteen, gerne auch ein dort vergessenes Mobiltelefon.
Aus allgemeiner Rücksicht habe ich dann drauf verzichtet, weiterhin die White Stripes zu hören, aber auch das ist Makulatur, weil die Punkbeschallung ausm Westen gerade in den Park gegangen ist.

Die White Stripes habe ich schon ewig nicht mehr gehört; das ist mal richtig erfrischend, dieser auf oll getrimmte, unproduziert klingende New-Rock’n’Roll… und die Schallplatte ist aus pinkem, durchsichtigen Vinyl – das Auge hört ja mit… da leuchtet der ganze Plattenteller!

Eigentlich hatte ich aber vor, von etwas ganz Anderem zu schreiben, aber ich weiß nicht wirklich, wie ich mich diesem Themenkomplex nähern soll. Ach, einfach frei heraus:

Ich mag langweilige Sportarten.

Die Meisten der hier vorbeikommenden Leser werden es nicht wissen, aber jetzt gerade, in diesem Augenblick (und auch schon seit gestern, vorgestern, vorvorgestern und vielleicht sogar schon davor und auf jeden Fall noch mindestens eine Woche lang) findet die Snooker-Weltmeisterschaft statt.

Also Snooker, das ist eine Art Billiard, mit kleineren Kugeln, größeren Tischen, kleineren Taschen und komplizierteren Regeln. Schikipedia erklärt das ganz gut.

Jedenfalls ist diese Sportart vergleichsweise langweilig. Es stehen zwei Kerle am Tisch – eigentlich immer nur einer, der andere sitzt und wartet, trinkt dabei Wasser und versucht irgendwie, seiner Nervosität und der Anspannung Herr zu werden – und alle paar Minuten wird mal ne Kugel angestoßen. Man darf das jetzt nicht falsch bewerten. Die einzelnen Stöße können schon sehr spannend sein, und „The Rocket“ Ronnie O’Sullivan spielt auf jeden Fall immer unterhaltsam, weil riskant und schnell. Ein Hochgenuss.

Ich will gar nicht näher drauf eingehen, warum eine Sportart wie Snooker für jemanden wie mich interessant ist. Oder warum jemand wie O’Sullivan mich fasziniert. Sie tun es einfach.

Nun weiß ich allerdings nicht, wie ich mich vernünftig aus der Sache hier zurückziehe. Einen Bogen zurück zur Musik schlagen? Klassisch, wenngleich nicht sonderlich originell. Ein Randfeature aufgreifen und einen kurzen, überraschenden Kommentar zu Tempelhof abgeben, den Leser förmlich das argumentative Messer in den Rücken hauen? Okay, es wäre eher ein Klappmesserchen.

Ich rette mich, indem ich sage: Ach schade, jetzt wollte ich noch so viel schreiben, muss aber die Platte umdrehen…

Genießt das Wetter!

Wie ich an einem Tag

nicht nur das neue Programm des Cirque du Soleil auswendig lernte, sondern auch die neue Haarpflegeserie von Wella ausprobieren durfte, sehr gut essen war, irgendwie so halb an der europäischen Clubnacht teilgenommen habe, eine Modenschau ansehen durfte, auf einer Party war und umsonst mit der Bahn fahren konnte…

Klingt nach einer Menge Unternehmungen, und alles in allem habe ich auch 24 Stunden dafür gebraucht. Hat aber Spaß gemacht.
Es begann also mit einem Casting für Platzanweiser, Kassierer/innen und ähnliche düstere Wesen, die bei Varekai, dem neuen Programm des Cirque du Soleil hier in Berlin arbeiten werden. Um die Wartenden zu unterhalten, lief ebendieses Programm – in einer Endlosschleife an die Wand geworfen – den ganzen Tag durch. Technisch war nicht so viel zu tun, also habe ich mir das Programm sehr ausgiebig angesehen.

Am besten gefiel mir die Nummer mit dem Italiener

Abends bauten Wella noch eine Haarmodenschau auf, bei der die neuen Produkte vorgestellt werden sollten. Mir persönlich wurden ein Gel und ein Haarlack vorgestellt.

Anschließend hatte ich natürlich eine Menge Hunger und entschloß mich – auch aus evaluativen Gründen unseren Kunden gegenüber – im Umspannwerk essen zu gehen.
Es war großartig. Das Umspannwerk ist sehr gemütlich, stimmig eingerichtet. Das Personal ist sehr nett und zuvorkommend; besonders spannend ist die offene Küche – man kann beobachten, wie das Essen zubereitet wird. Selbiges war sehr lecker, Preis und Leistung stimmten überein.
Einziges Manko war die Tatsache, dass sie keinen Salat zum Essen reichen und die vegetarischen Alternativen nicht wirklich vorhanden waren. Empfehlenswert (zumindest für Fleischfresser) ist es trotzdem.

Während des Essens erreichte mich eine SMS, mit dem groben Inhalt, man würde sich langweilen und dumm herumstehen, während gleich die Modenschau, auf die man sich während des Praktikums vorbereitet hätte, begänne.
Kurzentschlossen, und weil die Alternativen alle nicht so geil waren (nach Hause fahren und pennen – keine Lust drauf, Kneipe – zu müde, Konzert – grad kein Tolles) fuhr ich also in den Admiralspalast und durfte – nach durchaus ergiebigen Verhandlungen mit dem Türsteher – herein, ohne die einem Admiral angemessenen 12 Euronen zu zahlen. Hab dann noch die Mode der kommenden Saison angeschaut (sommerlich, bunt, luftig, ein wenig romantisch, hell) und mich dann mit der Urheberin der Nachricht auf eine Party abgeseilt.
Angesichts des fortgeschrittenen Status des Abends und dem dementsprechenden Besäufnisgrad der meisten anwesenden Herren war dies Unterfangen minder spaßig, wenngleich ungemein unterhaltsam. Man endete natürlich mit den wenigen Nüchternen in der Küche…

Mein Fahrrad stand zum Glück noch am Admiralspalast. Die Leuchte allerdings ist geklaut worden, was aber nicht mal schlimm ist, denn sie war eine elendige Batteriefresserin.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: