Wasser im Wasser

Bademeister: Bist du schon fertig?!?
Ich: Nee, aber mein Handtuch wird nass.
Bademeister: Stimmt!

Eigentlich hätte ich das Handtuch auch liegenlassen können; ein wenig später hörte es sowieso auf zu regnen, und nass war es nun ohnehin schon.
Ich hatte mich nämlich kurzfristig entschieden, dem Badeschiff einen Besuch abzustatten – nach nervigem Samstagsarbeiten, schwüler Luft und allgemeinem Gefühl des Mal-Abtauchen-Wollens erschien mir das wie eine gute Idee.
Die ich dann umgesetzt habe; und so plantschte ich frühabends um sieben im verlassenen Becken. Kurze Zeit vorher hatte sich dort noch eine Familie (Mutter, Töchter, Freund derselbigen) vergnügt, doch angesichts sich drohend am Horizont dräuender Regenwolken – nebst der Tatsache, dass sie anscheinend schon länger im Becken waren – verlegten sie ihr Vergnügen an die Cocktailbar.

Und ich war allein. Es war herrlich!

Das Badeschiff, das muss man sich nämlich so vorstellen: Man hat etwas Eingefrorenes in einer Plastikschale, und das will man auftauen. Damit weder das Plastik kaputt geht, noch das Essen, steckt man es samt Schale in einen größeren Topf, der mit warmem Wasser gefüllt ist. So ungefähr funktioniert auch das Badeschiff, nur dass man selber das (eigentlich schwitzende) Eingefrorene ist, und die Plastikschale (=Badeschiff) in der Spree schwimmt, die natürlich nicht warm, sondern kalt ist – dafür ist das Badeschiff schön beheizt.
Verdammte Metaphern…

Es begann dann also irgendwann zu regnen, und das muss man sich schon vorstellen: kaltes, dreckiges Wasser von unten, kaltes, dreckiges Wasser von oben, und ich mittendrin in warmem, sauberen Poolwasser eines Freibades.

Der Platzregen hat richtig Spaß gemacht, das war wie damals im AquaDrom, als man im Winter ins Freibecken konnte. Da kann man nämlich das Scheißwetter richtig genießen, weil man ja jederzeit wieder ins herrlich warme Wasser kann. Zwischenzeitlich hat es so doll geregnet, dass die Oberbaumbrücke verschwunden ist, aber das war mir recht egal…

Jedenfalls war es schon toll, in einem Behältnis in der Spree herumzuschwimmen, das ordentlich beheizt war. Gegenüber die Gebäudekomplexe von Universal und empty-vee, im Fluss der gelegentlich auftretende Touridampfer, und nebst dem Körper kann man auch mal die Gedanken treiben lassen.

Sogar einen Fischreiher habe ich gesehen, aber der hat sich verpieselt, bevor ich näher an ihn heranschwimmen konnte.

Gefühlte fünf Stunden und geschwommene 20 Meter später, den Pool in preussischer Ordnung halb ausgetrunken – na gut, wir wollen nicht überdramatisieren, es war nur eine Stunde, und ganz so viel Wasser hab ich nicht verschluckt – war mein Handtuch zwar immer noch nass, aber das tat dem Spaß eher wenig Abbruch – toll wars auf jeden Fall!

gux du auch

http://lindenkind.blogspot.com/2008/05/herzlich-willkommen-freibadsaison.html

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Über sushey

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Eine Antwort zu Wasser im Wasser

  1. Anja schreibt:

    Tja, hat’s dich also auch erwischt. So toll kann man hier in der mittelgroßen mittelmäßig schönen Großstadt Hannover natürlich nicht schwimmen gehen. Das klingt wirklich verlockend, was du da so erzählst, da wird man ja fast ein wenig neidisch.
    Naja, ich bleibe dem Fössebad treu, da ist schließlich gaaaaanz früher auch die Fösse durchgeführt worden… Ist fast so ähnlich. Naja, oder auch nicht.

    Gefällt mir

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