Show, Musik und – ach ja: hat jemand ein Weltall gesehen?

Cirque Du Soleil – Varekai

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mir die neue Show des Cirque Du Soleil nicht anzuschauen, weil ich ja wie gesagt mein Geld für die Blue Man Group investiert hatte. Tatsächlich hängen hier so viele Poster herum, dass ich stark am Hadern war, aber letzten Endes stark geblieben wäre.

Eigentlich.

Dann kam die Sängerin meiner Band.

Die nämlich arbeitete bei der Friendly Society, deren Geschäftsführer widerum vor einigen Jahren bei der damaligen Show des Cirque Du Soleil geholfen hatte und deswegen im Besitz einiger Premierenkarten war, inklusive – man halte sich fest – Zutritt zur After-Show-Party.

Man muss sich das mal vorstellen. Da verzichte ich und werde sogar belohnt, indem ich mehr bekomme, als ich ohne Verzicht gehabt hätte. Glück muss man haben!

Ich musste sie nicht lange überreden, mich doch mitzunehmen…

Sozusagen als kleines Bonbon, als Gegenleistung, als Gag oder whatever, sind wir bei der Frage der angemessenen Garderobe schnell darauf gekommen, dass ich etwas aus der aktuellen Sommerkollektion tragen sollte. Deswegen besagter Tagebucheintrag vom 29. Mai.

Wow! Mein erster Auftritt als Model! Spontan dachte ich über meine Lebensziele nach und überlegte mir, dass ich gerne den Hunger und die Armut der Welt bekämpfen würde, mit dem schließlichen Ziel Weltfrieden – nur, falls mich jemand fragen würde.
Während der Anprobe habe ich dann gemerkt, dass der Designer und ich soooo viel gemeinsam haben – wir sind beide blond, beide männlich, und fanden beide, dass das T-Shirt mir ganz gut stand.

Dies nur in der Nebensache. Ich war natürlich gespannt auf die Show – und die begann schon vor dem Zelt.

Zu einer standesgemäßen Premiere müssen natürlich auch ordentlich B- und C- Promis kommen. Selber erkannt habe ich Olivia Jones und Enie van de Meiklö, Meijkloe, – ach herrje, diese Holländer! – na Enie halt. Ihr wisst schon, wen ich meine. Und diesen Zacherl. Angeblich waren noch mehr da, aber die hätte ich nicht mal bei bestem Willen erkannt – und den hatte ich weißgott nicht…

Die Show selber war tatsächlich so spektakulär, wie ich es vom Video her kannte. Die Musik wurde tatsächlich live gespielt, die Kostüme waren bunt, ungewöhnlich, aufwendig, und die dargebotene Mischung aus Story, einzelnen Akrobatiknummern, Kunst und Kitsch war recht gut austariert. Eine eigentlich sehr schöne Szene war mir persönlich zu kurz, manchmal die Übergänge zu anderen Nummern zu lang. Leider waren unsere Plätze recht weit auf den Seiten, sodass man die Bühne zwar gut erkennen konnte; manche Aktionen auf selbiger aber eben nicht, weil die direkt nach vorn gespielt wurden.

Trotzdem wurden wir natürlich sehr, sehr gut unterhalten. Ähnlich wie die Blue Man Group, verbinden sich beim Cirque Du Soleil künstlerischer Anspruch, Kreativität, Professionalismus und Ästhetik zu einer Melange, die ihresgleichen sucht.

Kaum zu glauben, dass es eigentlich „nur“ ein Zirkus war.

Die After-Show-Party war natürlich ebenfalls super. Das Spindler & Klatt ist eine gute Location für Partys solcher Art, und auch hier machten die Ansprüche des Cirque nicht Halt – selbst auf der Tanzfläche waren noch Artisten.
Leider habe ich die Schlangenfrau nicht wiedergefunden; ich hätte sie ja gerne noch ein paar Dinge gefragt…

Konzert? Film? Konzertfilm!

Von Varekai noch beeindruckt, fand ich mich samt meinem Kollegen R im Open-Air-Kino wieder, wir wollten uns Shine A Light anschauen.

Ehrlich gesagt, hat der Film nicht ganz meine hohen Erwartungen erfüllt. Ich persönlich fand die Mischung aus Dokumentation und Konzertmitschnitt ein wenig unbalanciert, so wie auch der Mitschnitt selber nicht ganz die Intensität wiedergeben konnte, mit der das Konzert stattgefunden haben muss – der in der Kritik erwähnte Aufwand war schon spürbar, aber ich habe schon Mitschnitte gesehen, die mit weniger Aufwand mir mehr das Gefühl gegeben haben, dabeizusein.
Lustig und unterhaltsam war er aber auf jeden Fall; der Soundtrack ist natürlich über jeden Zweifel erhaben.
Wenn ihr euch den Film anschaut: unbedingt die Anlage auf Anschlag drehen!

Nur der Himmel mit Deko

Als ich neulich nachts die besagte Radtour gemacht habe und am Ende in einem Garten saß und mich dort unterhielt, war der Himmel natürlich wolkenlos und im Gegensatz zu mitten in Berlin recht dunkel, sodass man viele Sterne sehen konnte.

Diese habe ich dann ausgiebig beobachtet – ich glaube, ich habe sogar die ISS gesehen – doch dann erschreckte mich eine Erkenntnis: Der Himmel kam mir vor wie eine angemalte Schale – da war plötzlich kein Weltall mehr!

Denn normalerweise ist es so: ich schaue mir den Himmel an, blicke zwischen die Sterne und sehe – etwas kitschig gesagt – die Möglichkeiten, die dort oben verborgen sind. Andere Welten, andere Lösungen und ein neuer (Rück)blick auch auf unsere Welt. Ich weiß nicht, ob es ausserirdisches Leben gibt (gehe aber davon aus) oder ob Stephen Hawking Recht hat mit seinen Theorien.
Aber wenn ich mir den Sternenhimmel angeschaut habe, waren sie immer da, die Möglichkeiten, Theorien, Träume.
Die ganz großen Fragen und Gedanken, und ich selber ganz klein.

Was ich an jenem Abend gesehen habe, war nur ein Himmel mit Deko, nicht mehr und nicht weniger.
Plötzlich war das All nicht nur räumlich unendlich weit entfernt – für mich gab es in dem Augenblick all diese Dinge aus dem vorangegangenen Absatz nicht mehr, und das hat mich schon fast schockiert.
Was bedeutet das?

Nach einigem Nachdenken bin ich auf eine recht banale Arbeitshypothese gekommen.

Wenn man sich dem Ganzen abstrakt nähert, sagt mir dieses Erlebnis folgendes: Mein Blick ist offensichtlich gerade fokussiert auf das, was unmittelbar vor mir liegt: Ausbildung, Freunde, Leben.
Da bleibt nicht viel Platz für das Weltall mit all dem, was es mir bedeutet.
Anders herum gesagt scheine ich gerade recht wenig Energie für philosophische Gedanken aufbringen zu können.
Das ist einerseits meiner Arbeit geschuldet – neben der vielen Zeit und Energie, die ich investiere, um meinen Job so gut es eben geht zu machen, lebe ich insbesondere bei Veranstaltungen direkt im jeweiligen Moment. Oft weiß ich nicht, welchen Wochentag wir haben, aber ganz genau, wann z.B. eine Kaffeepause ist oder ein Beamer gebraucht wird.

Andererseits beschäftigt mich das, was in meiner umittelbar erlebbaren Welt geschieht, gerade recht stark.
Es gibt so viele gesellschaftliche Probleme zu lösen (lokal und global), dass ich es schlichtweg für wichtiger halte, gerade den Blick auf der Erde zu lassen, bevor wir zum Mars streben – so spannend und wichtig ich die Erforschung des Weltalls seit je her finde.

Und drittens: vielleicht war ich auch einfach nicht in der Stimmung, mich ins All treiben zu lassen.

Wenn jemand ein Weltall findet, kann er/sie es mich ja wissen lassen.
Ach ja: mein mp3-Player ist auch weg…

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Über sushey

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2 Antworten zu Show, Musik und – ach ja: hat jemand ein Weltall gesehen?

  1. Xandriah schreibt:

    Die Holländerin heißt Enie van de Meiklokjes *klugscheiß* 😉 Wusste gar nicht, dass es die noch gibt. Zu meiner Zeit hat die sonntags immer Bravo TV moderiert. Mei, ist das lange her…

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  2. sushey schreibt:

    ja, ja… is schon klar. normalerweise bin ich ja auch so ein klugscheißer…
    aber ich fand, diese kleine einlage war ganz im sinne der dramaturgie des textes – auch weil ich die – naiv und putzig aussehende – orthographie der holländer sehr mag.
    die hat mal bravo tv gemacht? das muss echt lange her sein!

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