Houseofsummer in Görlitz

ein herrlicher sonnenaufgang. frühmorgens, autobahn, durchgefeiert.

… während wir wieder nach Berlin fahren, das Erlebte verarbeiten und die entspannte Stimmung genießen, die entsteht, wenn drei schweigende Menschen im Morgengrauen auf der fast völlig leeren Autobahn unterwegs sind, habe ich plötzlich einen sehr klaren Eindruck davon, wie ich The Human Equation als Musical inszenieren würde – so klar, dass ich die Musik höre, die Show sehe.

Aber sollte es jemals soweit kommen, dann gehen bis dahin mit Sicherheit noch einige Jahre ins Land; also kümmern wir uns ums Hier und Jetzt.

dies ist zwar nicht Der Große Bagger, aber ein durchaus respektables modell.

Das „Hier“ ist das Freibad Hagenwerder in Görlitz, ein ehemaliges Tagebaubergwerk. Auf der Suche nach einem Parkplatz kommen wir an einem gigantisch großen Schaufelradbagger vorbei, der bei Sonnenuntergang eher wie ein vergessenes Monster aussieht, als eine Industriemaschine.
Das Freibad selber besteht aus einem hübschen kleinen See, an dessen Ufern sich die Zelte drängen.
Auf der einen Seite die der tapferen Camper, auf die anderen Seite das Festival selber.
Im Hellen sieht das Ganze recht nett und überschaubar aus; im Dunkeln haben Zelte, die bunt von Innen leuchten, ihre eigene Magie.
Die auf dem See schwimmenden Kerzen lassen kurzzeitig mein Fantasyherz aufleben. Die roten, flackernden, vom Wasser reflektierten Lichter treiben über das Wasser, und fast bin ich versucht, nach Elben Ausschau zu halten.

Wäre da nicht das völlig überdrehte Gerummse aus dem Zelt neben dem Wasser.

dancing queen, la lala, dancing queen…

Sirenen heulen, Beats und Bässe sind zum Teil so schnell, dass sie nur noch wummern, und das Ganze in einer Lautstärke, die mich vergessen lässt, dass da schon ein Gehörschutz in meinen Ohren steckt.
Mittanzen und kurzzeitig abspacken macht sehr viel Spaß; Drum’n’Bass ist nicht das, was ich zur Entspannung hören würde, aber ich finde es sehr spannend. Langsam gehts in Richtung Gabba, was dann irgendwann doch nicht mehr mein Fall ist. Man bedenke: ich bin nüchtern, während viele andere völlig weggetreten wirken…

… auch wenn ich hier bemitleidenswert aussehe, gings mir eigentlich ganz gut. ja wirklich.

Obs beabsichtigte Selbstironie war oder Zufall: ausgerechnet in diesem Zelt hing der Sponsorbanner der Kulturstiftung.
Wobei ich ausdrücklich befürworte, dass auch und gerade Musik abseits des allgemeingültig Anerkannten gefördert wird; weil gerade Musik durch ihre Vielfalt erst lebt.

Auf der Main Stage heizt Westbam gerade der begeisterten Crowd ein.
Mir persönlich reicht es, ihn gesehen zu haben und eine gute halbe Stunde zu seinem Set getanzt zu haben, das wie zu erwarten sehr hochklassig ist.
Man hört einfach nicht, wie der die Trax ineinander mixt – man hört nur, dass.

Dass ich den vorher stattgefundenen Battle von Kyau & Albert trotzdem spannender fand, ist zum einen der Tatsache geschuldet, dass dort zwei DJs wechselweise aufgelegt haben, und zum anderen war deren Set nicht ganz so homogen wie das von Westbam. Das mag man jetzt positiv oder negativ interpretieren; mir hats sehr gefallen.

Ebenfalls sehr spannend und unterhaltsam fand ich Nôze, die recht viel Musik selber gespielt haben.
So begannen sie mit einem Stück, bei dem einer Klavier spielte, der andere sang – das war eher bluesig – und dann Stück für Stück Samples und alles Andere hinzu kamen. Das Stück nennt sich „remember love“ und ist auf den myspace-seiten von Nôze und Houseofsummer zu hören.

Da ich keinen der Acts vom Lineup bewusst kannte – ausser Herrn Lenz, natürlich – habe ich versucht, das Festival in seiner Gesamtheit aufzunehmen und zu genießen – was mir ganz gut gelungen ist, finde ich.
Die Stimmung war super; sehr bunt, sehr friedlich, sehr laut. Manche Musik muss man halt laut hören, und so lange so gute, perfekt eingestellte Anlagen zum Zug kommen, wie die verwendeten, macht das auch jede Menge Spaß.

die wackeren drei.

Eigentlich hatte ich darüber schreiben wollen, dass ich meine verzerrten Gitarren vermisse – aber das habe ich an jenem Abend nicht wirklich.

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Über sushey

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