Oh mein Gott, die Gegensprechanlage hat zu mir gesprochen!

… oder: Wem arbeiten gut tut, und warum – und wem nicht.

Ich spreche immer wieder mal mit Gegenständen. Das war bisher nicht weiter besorgniserregend und eher als eine Form erweitertes Selbstgespräch zu verstehen – um zu postulieren, dass ich in der Mälzerei arbeite, begrüße ich sie manchmal, und auch mein Fahrrad scheint schneller zu fahren, wenn ich nett zu ihm bin.

Gedanken habe ich mir erst gemacht, als ich heute nach Hause kam und glaubte, ein Geräusch von der Gegensprechanlage zu hören – das macht sie manchmal, dann knackt und rauscht sie, und dann ist alles wieder gut.

In leicht süffisanter Stimmung habe ich also ein knurriges „Hallo Gegensprechanlage“ herausgebrummelt und bin durch die Tür gegangen – um währenddessen ein leises „Hallo“ zu vernehmen, quasi als Antwort. Es konnte nicht anders sein, niemand war in der Nähe. Kein Summer ging und niemand wartete vor der Tür, es konnte also wirklich nur von der Gegensprechanlage kommen.

Wirklich…

Anyway.

Am Sonntag (also gestern) machte ich mich bereit, zur gehen, und das zu recht früher Stunde. Ein Zufall wollte es, dass ich einen großen Teil meiner MitbewohnerInnenschaft antraf, in einem dieser frühspäten Stunde angemessenen fortgeschrittenen Zustand.
Ohne, dass es weiterer Worte bedurft hätte, schaute mich eine an und meinte nur: „Oh Gott, musst du etwa jetzt arbeiten? Du musst dir unbedingt nen anderen Job suchen, so kann es nicht weitergehen!“.
Vollends geschockt war sie, als ich erklärte, auch heute sehr früh arbeiten zu gehen, ebenso wie den Rest der Woche, und immer sehr lange.
Als die mich umgebenden Menschen blasser und blasser wurden, versuchte ich zu erklären, dass es schon okay sei.

An dieser Stelle sei gesagt, dass es wirklich okay ist.

Sicherlich kann ich mir sonntagsmorgens weitaus Schöneres vorstellen, als arbeiten zu gehen, aber der Punkt ist – ich arbeite ganz gerne.
Ich mag meinen Job, ich bin gerne in der Firma, und so lange ich mich wohlfühle und das Gefühl habe, trotz des Arbeitens auf meine Kosten zu kommen, finde ich Arbeitszeiten jenseits des typischen Mo-Fr. 8:00 – 16:00 h nicht sonderlich schlimm – im Gegenteil, Veranstaltungstechnik ist auch deswegen ein Job, den ich gerne mache, weil ich nicht immer feste Zeiten habe, und hinter meinem Schreibtisch versuche, die Zeit irgendwie herumzubekommen.
Das meiner WG klarzumachen, wäre ein verlorenes Unterfangen gewesen. Niemand von ihnen arbeitet ernsthaft, und seit Wochen wird World Of Warcraft gezockt (ich habe absolut nichts gegen das Spiel, im Gegenteil, aber dies spielen sie nunmal), dabei muss man doch irgendwann mal lernen, oder?

Oder studieren, so genau kann man das bei dieser speziellen Zielgruppe nicht sagen. Meinetwegen sollen sie auch machen, was sie wollen, aber ich würde meine Freizeit mit Dingen verbringen wollen, die mich erfüllen.
Computerspiele zocken gehört definitiv dazu, ebenso wie Lesen und selber schreiben. Oder Gitarre spielen, und diese letzten beiden Dinge sind bei näherer Betrachtung auf der aktiven Seite des Freizeit-Verbringens.

Ebenso finde ich, dass man – wenn man schon arbeitet und auch wenn es vielleicht nicht der Traumjob ist – man sich wenigstens Mühe geben kann, vielleicht erreicht man ja das nächste Level.

Vollends geschockt hätte ich sie vermutlich, wenn ich gesagt hätte, dass ich gerne mal mit einer Produktion auf Tour ginge, und das wäre dann wirklich ein monatelanges Geknüppel – aber es würde mich erfüllen, mit Metallica, den Chili Peppers oder auch Sigur Rós auf Tour zu gehen.

Sicherlich kommt ein großer Teil meines manchmal erhöhten Schaffensdrangs daher, etwas zu erschaffen, das ich toll finde und das mich erfüllt.

Sicherlich kann es erfüllend sein, WoW zu spielen.

Und ganz sicher sind es nur Wenige, die in der wirklich glücklichen Lage sind, eine gesunde Mischung zwischen Beidem zu finden…

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Über sushey

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