Guitar Gangsters & Cadillac Blood

Mensch, mach die Räume nicht so eng! denke ich noch, während ich schneller trete, um noch vor dem Taxi auf die Straße einzubiegen, links und rechts von mir flimmern die Begrenzungsstreifen, beide in einer anderen Frequenz, weil sie unterschiedlich lang sind und ich denke noch, das ist ja wie beim Plattenspieler, wenn man da die Geschwindigkeit ändert, dann flimmern die Streifen ja auch anders und zeigen einem, wie schnell der Teller sich gerade dreht, doch dann muss ich mich wieder auf die Straße konzentrieren, was nicht sehr einfach ist, weil es spät ist, sehr spät und dunkel und weil ich natürlich feiern war, wie man das so macht an einem Freitag, es hatte ja zuerst mit einem verpassten Konzert begonnen – Volbeat, schade – und davor, am Schreibtisch hatte ich schon gedacht, ich komme hier ja gar nicht mehr los, weil mein Fahrrad einen Platten hatte, was ich bis abends ignoriert hatte und weil Linux nicht ganz so wollte wie ich, ich dem Problem aber auf die Spur gekommen bin und wenn man dann so drin ist in einem Problemlösungsprozess, dann vergisst man alles um sich herum, und als dann mein Tee kalt war und ich mir neuen machen wollte, kam ich zur Besinnung und wollte los, ich war auch schon auf halbem Wege zum Huxleys, bis mir dann aber aufgefallen ist, dass mein Fahrradschloss – denn das Rad hatte ich beim Herunterladen von Updates schnell geflickt – sich noch in meinem Rucksack befand, den ich nicht brauchte, weil ich nur mein Portemonnaie und meine Ohrenstöpsel mitgenommen hatte, aber auch mit angekettetem Rad wollten sie mich nicht reinlassen und so musste ich umdenken und bin nach kurzem Herumtelefonieren dazu gekommen, mich mit Freunden im White Trash zu treffen, wo allfreitäglich ein Live-Metal-Karaoke-Singen stattfindet, also, das muss man sich jetzt so vorstellen, dass da eine Band live, also in Echt jetzt, mit Instrumenten und allem, spielt und man sich aus einer Liste einen Song aussuchen kann, den man in Begleitung der Band dann singt, das klang von der Beschreibung her richtig spannend, aber ich war noch ein bisschen skeptisch, weil Karaoke nun mal nicht so mein Ding ist, Singstar aber wieder Spaß macht und ich ja für solche schrägen Sachen immer zu haben bin, wie übrigens eine ganze Menge anderer Menschen auch, knackevoll wars, und weil das Bier so teuer war, konnte ich immer nur in den Pausen zwischen den Karaokeblöcken schnell raus und zum Späti, aber das hat sich gut getroffen, denn die Raucher wollten eh immer raus, und so haben wir dann gemeinsam draußen gestanden und gefroren, uns unterhalten und dabei jede Menge Spaß gehabt, und die Mischung machts, finde ich, also zwischen Musik und Unterhaltung – und es war auch sehr gute Musik – und unterschwellig habe ich gedacht, das ist jetzt ne tolle Situation, weil man sich normalerweise in der Disco oder im Club weniger unterhält, – zumindest ich – weil ich das immer sehr anstrengend finde, gegen den Lärm anzuschreien, die Mischung machts also, aber das war mir nicht so sehr bewusst, als ich dort stand, das Becks in der Hand, da habe ich mehr die Situation im Ganzen genossen, da macht man sich nicht so Gedanken um das, was dahintersteckt, jedenfalls nicht so, wie O. und ich als wir uns am Ende des Abends in eine Kneipe gesetzt und noch ein letztes Bier getrunken haben, während wir über Gott, die Welt im Allgemeinen und Frauen im Speziellen unterhalten haben, wie man das halt so macht am Ende des Abends, und dann sind wir auseinandergegangen, O. in die Bahn und ich auf mein Rad, kalt ist es, schweinekalt und spät, sehr spät und dunkel und von dort hinten kommt ein Taxi, ich höre es, bevor ich es sehe, und während ich am Computer sitze und diesen Text schreibe und dazu Volbeat aus den Boxen knallen und die Reste des gestrigen Abends emotional (in meinem Kopf) und toxikologisch (in meinem Körper) sind, zaubert es sich in mein Gesicht, ganz heimlich und leise.

Ein Lächeln.

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Über sushey

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