Sorry für die Verspätung, aber mein Auto hat nen Muskelfaserriss.

Wann immer ich über Autos nachdenke flachschnellrot, ärgere ich mich darüber, dass – egal wie flachschnellrot komplex das Gefährt an sich ist – es noch immer von derselben primitiven Technik angetrieben wird, die es auch schon vor 150 Jahren gab, nämlich einem V12, 6.0l 434kW Motor, der fossile Kohlenstoffverbindungen verbrennt und die Verbrennungsenergie lediglich teilweise 0-100 in 3,5sec in Bewegung umsetzt.
Sicher, der Komfort, die Sicherheit, die Leistung haben enorm zugenommen, aber wenn man das Auto auf seine Basics reduziert, ist es ein Motor mit Rädern.
Und nem Fahrer/ner Fahrerin.
Und nem Duftbäumchen.
Und Kurven, atemberaubenden Kurven…

Ich habe also über Alternativen nachgedacht, von denen mich eine nachhaltig fasziniert:

Der Enzymmotor

Das Grundprinzip ist ganz einfach. Der Enzymmotor tut nichts anderes als fast jeder Mensch rund um die Uhr: Er spaltet mithilfe von Enzymen verschiedene Rohstoffe und setzt dadurch Energie frei, die in Bewegungsenergie umgesetzt wird. Pragmatischerweise würde ich auch hier auf die Natur zurückgreifen und Muskeln benutzen – die wissen eh schon, was sie tun sollen.

Ein solcher Motor wäre unglaublich effizient. Man stelle sich nur einmal vor, man nähme nicht nur die Enzyme, auf die der menschliche Körper angewiesen ist, sondern erschafft Enzyme solchermaßen, dass sie alles spalten könnten, was ihnen in die Quere kommt.
Man könnte das Auto füttern, womit man will, alles würde fleißig gespalten und in Bewegungsenergie umgesetzt werden – man könnte buchstäblich den Müll von den Straßen fressen.

Muskelmasse hätte zudem den Vorteil, dass man sie genau an die jeweiligen Erfordernisse des Autos anpassen könnte – und damit nicht genug, die Muskeln würden sich an die Eigenschaften des Fahrers anpassen! Stadtautos bekämen Muskeln, die schnell viel Energie umsetzen – dafür aber nicht lange durchhalten. Wer eher längere Strecken fährt, hätte ein behäbigeres Auto, das dafür aber sehr ausdauernd ist. Dumm nur, wer als Stadtbewohner mit dem Auto in den Urlaub will, denn man müsste dem Auto die langen Strecken antrainieren…

Einen großen Nachteil haben beide Varianten: man müsste sie vor jeder Strecke aufwärmen, sonst riskiert man Verhärtungen und Muskelfaserrisse. Andererseits müsste man nie wieder in die Werkstatt, sondern könnte sein Auto einfach gut und ausgewogen füttern, ab und zu ein wenig Ruhe gönnen oder es massieren, und schon fährt es wieder.

Bei richtig guter Pflege würde der Motor sogar wachsen und mehr Leistung bringen, als vorher.

Statt eines Sparbuches für die lieben Kleinen, könnte man ihnen einfach ein Auto hertrainieren; über die Jahre läppert sich das.

Sicherlich gäbe es noch kleinere ethische Bedenken. Wäre ein solches Auto mit Muskeln ein Ding? Oder ein Lebewesen? Ab wann wäre es ein Lebewesen?

Überhaupt: einen Nachteil haben Muskeln, sie erzeugen sehr viel Wärme – und schwitzen dabei.
Man müsste – nach Deos für die Achseln, Bodyspray, Hundeparfüm etc. – ein Autodeo erfinden, Duftbäumchen reloaded sozusagen.
Wenigstens wäre Epo endlich mal zu was nütze, das wäre wie Super Plus heutzutage. Sportärzte hätten völlig neue Betätigungsfelder.
Tuningfans würden nicht durchs Schrauben, sondern durchs Trainieren mehr Leistung aus ihren Autos kitzeln, und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Sogar einen Namen hätte ich schon.
In Anlehnung an einen Freund würde ich das Ding Önzymmotor nennen; tanken würde es Önzim.
Die Leistungsangabe würde in Önz gemessen, wobei ein Önz genau einem halben PS entspricht – da die Zahlenfreaks ja immer denken, mehr = besser, hätte man auf mal doppelt so viele Önzen wie PS, das erleichtert den Umstieg.

Das Beste: Der Antrieb wäre völlig lautlos.

Selbstverständlich müsste die Automarke Mercedes-Önz heißen…

Genug gelacht?

Jetzt mal im Ernst: diese Welt muss nicht bleiben, wie sie ist. Alles, was man braucht, ist eine Vision, und den Mut, sie umzusetzen. Das kann so etwas bescheuert klingendes sein, wie der Önzymmotor, oder die Abschaffung des weltweiten Kapitalmarktes.

p.S.: wer errät, an welches Auto ich zwischendurch gedacht habe, der bekommt nen Preis. Einen Sport-Energy-Riegel für das erste eigene Önzymauto…
Kleiner Tipp: es ist kein Mercedes.

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Über sushey

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6 Antworten zu Sorry für die Verspätung, aber mein Auto hat nen Muskelfaserriss.

  1. nissanfan schreibt:

    Interessante Vision, dieses Önymauto *g*. Ich fände es aber ziemlich gruselig, mich in ein Auto reinzusetzen, das lebt.

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  2. Xandriah schreibt:

    Auf so ne Idee muss man erstmal kommen! Nur was ist, wenn das Önzymauto genauso einen ausgeprägten inneren Schweinehund hat wie ich und sich nur ungern zum Training aufrafft? Was wenn es bei schlechtem Wetter einfach mal streikt?

    Was mich aber viel brennender interessiert: Hast du etwa ein Duftbäumchen im Auto baumeln??!

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  3. sushey schreibt:

    aberaber liebe frau x,

    ich hatte mitnichten einen jener olfaktorischen nervtöter in meinem bedauernswerterweise inzwischen verkauften gefährt baumeln.
    es ging mir mit der formulierung nur darum, darzustellen, wie wenig sich autos entwickelt haben, wenn duftbäumchen zu den wenigen innovationen der letzten jahrhunderte zählen.
    das einzige duftbäumchen, das es in meinen besitz geschafft hat, ist jenes mit der duftnote „schlamm“, welches freunde vom wacken open air mitbrachten…

    das mit dem schweinehund hatte ich nicht bedacht. ich schlage den rigorosen gebrauch von peitschen vor.

    @nissanfan: sorry für die späte antwort, aber mein computer hatte ne zerrung… spass beiseite. da bekommt die formulierung „dein auto liebt dich“ eine ganz neue bedeutung, hmm?

    p.S.: rigoros sieht komisch aus. ist aber einscheinend richtig geschrieben. merkwürdig ^^

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  4. sushey schreibt:

    „einscheinend“ anscheinend aber nicht… ähem.

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  5. Xandriah schreibt:

    Lieber Herr S,

    tatsächlich ist rigoros orthografisch einwandfrei geschrieben. Wie komplex doch die deutsche Sprache ist, hm? Über den Vertipper sehe ich großzügig hinweg. Ich weiß, wie das ist, wenn der Kopf schneller ist als die Finger 🙂

    Anstelle von Peitschen wäre ich allerdings für eine Belohnung in Form einer rasanten Spritztour über die Autobahn, wo sich der Wagen dann mal ausleben darf. Bestrafung könnte einen gegenteiligen Effekt haben.

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  6. sushey schreibt:

    prinzipiell hast du recht;
    gewalt jedweder form ist verabscheuenswert.

    belohnungen sind allerdings ne sehr gute idee.
    nur die spritztour würde ja bedeuten, dass das auto sich noch mehr anstrengen muss.
    das auto wäre ja gewissermaßen… untot.

    womit belohnt man ein untotes wesen?

    und JA, deutsche sprach, komplexe sprach. me gusto. 🙂

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