Die rote oder die blaue Kapsel?

Bruce Wayne hatte es mit Mühe und Not sowie einer einfallsreichen Verkleidung geschafft, seinen baldigen Geschäftspartner (das vermutete dieser jedenfalls) oder auch sein „Opfer“ (das vermutete Bruce selber) in das Auto zu bugsieren, das ihn zur Spendengala bringen sollte, und machte sich selber auf den Weg dorthin.

Es war nicht der direkte Weg, denn Bruce machte einen Umweg und fuhr in Windeseile auf ein verlassenes Fabrikgelände, in dessen Untiefen die Bathöhle versteckt lag, die sein Ziel war. Oh ja, er würde auch zur Spendengala fahren, doch nicht, wie alle vermuteten, als Bruce. Er hatte noch viel vor mit seinem „Opfer“ – und lächelte grimmig bei dem Ausdruck, mit dem er seinen Geschäftspartner bedachte. Als Opfer konnte man ihn nun wirklich nicht betrachten, dafür hatte er schon zu viele Leben auf dem Gewissen.
Er hetzte in die Höhle und begann sich umgehend in den allseits gefürchteten und heimlich bewunderten Fledermausmann zu verwandeln, in jenes sonderbare Zwischenwesen aus Licht und Schatten, und ich erwartete ihn dort, schon fertig umgezogen in meinem Robin-Kostüm.
„Worauf wartest du?“ herrschte er mich an, „du weißt doch, wie eng unser Zeitplan ist!“

– „Ja, Master.“ entgegnete ich. Früh genug würde er bemerken, dass ich schon alles vorbereitet hatte…

Wir gingen beide zur Tür. Er sprang beinahe hinaus, während ich mir die Zeit nahm, durch das Fenster zu blicken.

Plötzlich entdeckte ich etwas, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ: Batman hatte einen kleinen roten Punkt auf seinem Rücken, genau zwischen den Schulterblättern. Der Zielpunkt eines Scharfschützengewehres!  Es sollte ein Attentat auf Batman geben, und ich war der Einzige, der ihn retten konnte. Der Scharfschütze musste irgendwo rechts von mir auf dem Dach sitzen, und ich drehte mich vorsichtig, aber schnell in die Richtung. Dort saß er! Ich musste schnell etwas tun; er sah so aus, als wolle er jeden Moment abdrücken. Aber ich hatte keine Waffe, mit der ich schnell genug durch das Glas kommen würde und gleichzeitig den Scharfschützen ausschalten konnte.

Plötzlich hatte ich eine Idee…

Doch was diese Idee sein sollte, werde ich wohl niemals mehr erfahren, denn in dem Moment – es war morgens, 6:11 Uhr – wurde ich durch eine Maus geweckt, die versuchte, sich durch den Fußboden in mein Zimmer zu fressen – aber das ist eine andere Geschichte.
Meine Träume jedenfalls waren schon immer sehr lebhaft, und es ist nicht das erste Mal (und garantiert nicht das letzte), dass ich mit einem Cliffhanger der Realität übergeben werde. Das macht mich nicht nur als Geschichtenschreiber wahnsinnig – wär doch super, wenn ich meine Träume quasi abschreiben könnte, nie wieder Geschichten ausdenken (dafür müsste ich aber die ganzen logischen Brüche und Ungereimtheiten ausbügeln, au weia…) – sondern was mich wirklich stört, ist die Tatsache, dass
sie alle schon existieren. Alle Träume, alle Gefühle, alles Erlebte tummeln sich in meinem Unterbewusstsein, liegen dort sozusagen auf der faulen Haut, bis sie in den Traumprojektor kommen, ohne sich auch nur einen Deut darum zu scheren, dass sie alle mir gehören, und alle nur aus Kulanzgründen bei mir wohnen. Schweinerei!
Vielleicht ist es aber auch gar nicht so schlecht, eben keinen Zugriff aufs Unterbewusstsein zu haben, denn – ohne, dass sie so bedrohlich gewesen wäre – hat mir die Story heute Nacht offensichtlich so viel Angst gemacht, dass ich aufgewacht bin:

Wir sind unterwegs mit dem Away-Team der Enterprise und erkunden einen unbekannten, erdähnlichen Wüstenplaneten. Beige-und Ockertöne beherrschen das Bild, und die Luft in der Höhle, die wir erkunden, ist trocken, sehr trocken, aber angenehm kühl. Wir gehen nicht in der richtigen Reihenfolge, Dr. Crusher ist zu weit vorn und irgendwas mit der Rangfolge stimmt nicht. denke ich noch, als auch schon irgendetwas passiert. Es ist dermaßen blitzschnell, dass ich gar nicht weiß, was überhaupt geschehen ist, als ich schon auf dem Boden liege, um mich herum Verwundete und Tote. Ich weiß nicht, was es ist, aber etwas lauert…

So schlimm fand ich das jetzt nicht, aber ich habe noch im Traum gedacht: „Mach die Augen auf, dann ist der Spuk vorbei.“ –  offensichtlich konnte ich die Situation oder vielmehr das Gefühl, was der Traum vermitteln wollte, nicht ertragen.
Ist vielleicht auch besser so, weil – wer Star Trek kennt, weiß es – bei den Ausseneinsätzen immer die Unbekannten gestorben sind, und in diesem Fall wäre das
ich gewesen…

Eines frage ich mich allerdings wirklich: warum träume ich nicht mal von Döner-Kalle oder Schrödingers Katze? Obwohl – die könnte nun wirklich selber vorbeikommen, mit ihrem komischen Kasten...

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Über sushey

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2 Antworten zu Die rote oder die blaue Kapsel?

  1. rotor schreibt:

    Ich wollte erst schreiben: „Ich lese nur Fan-Ficton, wenn ein schwuler Harry Potter drin vorkommt“. Jetzt komme ich aber eher zum Kommentar: Lass dich nicht von Time-Warner etc. verklagen weil du deren Inhalte „aufgenommen“ hast und diese sogar „remixt“.
    LG 😉

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    • sushey schreibt:

      hehe, lol! ursprünglich hatte ich sogar mal vor, eine harry-potter-verballhornung zu schreiben, mit dem titelhelden „hairy potter“, der in die pubertät kommt und deswegen haare an den sonderbarsten stellen bekommt.
      der hätte noch ganz andere sachen mit seinem zauberstab gemacht, und ausserdem seine ersten drogenerfahrungen auf partys mit hermeline gehabt…
      copyright vs. phantasie: sobald vor meinen träumen der hinweis kommt, dass screenen verboten ist, mache ich mir richtig sorgen…

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