Massenmord und Sozialkartoffeln – ausserdem: will eigentlich irgendjemand arbeiten?

Auf meinem Teller türmen sich Tierleichen.

Türmten sich. Ich hab sie alle gegessen.

Fische, Bären, Elefanten, Möwen und weiteres Viehzeugs; ein halber Zoo.

Bevor mir jetzt die schwächeren Gemüter unter uns den Tierschutz, NaBu, WWF und das FBI auf den Hals hetzen oder mich gar eigenhändig lynchen, sei an dieser Stelle verraten, dass die einzig tierischen Eiweiße auf meinem Teller vom Seelachs kamen; bei den anderen Tieren handelte es sich mitnichten um echte Kadaver, sondern um in tierische Formen gepresstes Kartoffelpulver, in Rollen nennt man sowas Kroketten.
Da ich aber die Rollenform langweilig fand und das Auge isst ja mit und überhaupt bin ich manchmal verspielt und fand die Idee lustig, (fast) vegetarisch einen ganzen (Möchtegern)zoo zu vernichten und es wurden mit jeder Packung 5 Cent (also FÜNF Cent. Das reicht gerade mal für ein Gummitier beim Späti umme Ecke. Bevor ich recherchiert habe, wollte ich 10 Cent schreiben und fand das zu wenig.) an den WWF gespendet – habe ich sie gekauft.

Die Herstellerfirma hat sich selbst vermutlich etwas großzügiger bedacht; anders konnte ich mir nicht erklären, wieso die Kartoffeltieren abzüglich der Spende noch immer doppelt so teuer waren, wie die normalen Kroketten…

Spaß hats gemacht, und lecker wars auch.

Spaß habe ich auch bei der Arbeit.

Man solls kaum glauben, trotz zum Teil unterallersauigen Arbeitszeiten, viel Schlepperei, Dingen, für die wir verantwortlich gemacht werden, aber nichts dazu können (das ist vermutlich systemimmanent) – ich gehe gerne in die Firma.

Auch wenn man es mir vor meinem ersten Tee nicht wirklich anmerkt.

Im Zuge meiner Internetstreifzüge bin ich gestern auf eine Seite gestoßen, die alle möglichen Beschäftigungen auflistet, die man tun kann um zu vermeiden, dass man arbeitet. Ich fand es schon bei Bekannten spannend, dass sie über unglaublich viel (relativ) nutzloses Allgemeinwissen verfügen, aber ihren Arbeitsplatz kaum kennen. Was für eine Karriere manche machen könnten, würden sie ebensoviel Wissen und Kompetenzen ihren Job betreffend anhäufen.
Aber irgendwelche Bürospiele erfinden, damit der Alltag nicht so lahm wird, a la „Müller ist an der Kaffeemaschine vorbeigelaufen, ohne ‚Kaffee, Kaffee, Kaffee‘ zu sagen. Das heißt, wir müssen ihn jetzt eine halbe Stunde mit Kopierpapier bewerfen, bis er niederkniet und ‚Ich bin eine Teetante‘ sagt.“ – das ist mir suspekt.

Man kann sich doch bei einem kleinen Päuschen mal kurz unterhalten und dann konzentriert weitermachen, oder etwa nicht?
Vielleicht habe ich auch unglaubliches Glück mit meiner Firma; je mehr ich über die Arbeitsbedingungen in anderen Firmen erfahre, desto mehr bin ich dieser Auffassung.
Mein Geheimrezept gegen Langeweile am Arbeitsplatz: arbeiten. Das freut auch den Chef, dann gibt er einem auch bessere Aufgaben…

Warum ich so viel durchs Internet gesurft bin?

Hab mir nen neuen mp3-Player angeschafft, sozusagen den Ur-Ur-Ur-Ur-…Enkel von meinem alten. Sieht besser aus, kann mehr – und weigert sich, mit Linux zu kommunizieren, die Sau. Da muss ich von Hand nachhelfen, und ohne Internet und dessen unglaubliche Ressourcen wäre ich völlig aufgeschmissen.

Hier die Highlights der letzten Tage:

Kennt ihr noch die Heftchen zur politischen Bildung, die in der Schule immer verteilt wurden? Das hier gabs da nie… und irgendwie erleichtert es mich, dass sie noch keine Anleitung zum korrekten E-Einwerfen gebracht haben…

Wir sind jung und brauchen das Geld. Mehr gibts eigentlich nicht zu sagen.

James Bond jagd Dr.Noel:  Daniel Craig behauptet, er könne besser Gitarre spielen als Noel Gallagher. Müsste man mal hören. Auf jeden Fall kann er schon dessen großmäulige Sprüche…

Würden nicht Obdachlose in der Kälte erfrieren, Russland Europa erpressen, Krieg im Gaza-Streifen und an zig anderen Schauplätzen dieser Welt sein, Rassis-, Sexis-, Extremis- und andere -musse immer wieder Menschen diskriminieren, und vieles mehr, könnte man glatt sagen:

Diese Welt ist verrückt – aber irgendwie putzig und liebenswert.

p.S.: und das hier schlägt ja wohl jeden iPod… lol!

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Über sushey

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3 Antworten zu Massenmord und Sozialkartoffeln – ausserdem: will eigentlich irgendjemand arbeiten?

  1. Xandriah schreibt:

    1. Beim ersten Lesen dachte ich zuerst an die Butterkekstiere, als Kroketten kenn ich die gar nicht. Das die teurer sind als normale ist eigentlich klar. Ich glaub, „Kinderlebensmittel“ haben immer einen Aufschlag.

    2. Hast du noch den Link der Arbeitsvermeidungs-Seite? Ich brauch auch Ablenkung 😀 Davon abgesehen wäre ich in meiner Ausbildungszeit froh gewesen, wenn jemand mal den Alltag etwas aufgelockert hätte. Aber nee, die waren fast alle so unlustig.

    3. Die Bildungsheftchen hab ich immer noch daheim. Ich find die echt gut, vor allem wenn man mal was nachschlagen will und eine andere Quelle als Wikipedia braucht. Dem deutschen Bildungsniveau würde es guttun, wenn noch mehr Schulen damit arbeiten würden.

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  2. sushey schreibt:

    @you know you are it when there is only one comment:

    TOP 1: vertagt.

    TOP 2: ja, auflockern und soziales leben bei der arbeit finde ich ja gut. aber manchmal habe ich den eindruck, es gibt leute, die beschäftigen sich hauptsächlich mit sowas.
    ich habe gesucht und gestöbert (echt jetzt) – und konnts net finden. grmpf. als trost gibts dieses hier, das geht wenigstens in die richtung…und ausserdem meine ich, irgendwo auf der seite war der link.

    TOP 3: ich find die hefte ja auch gut. aber die beschreibung der arbeit eines djs wirkt auf mich irgendwie unfreillig komisch, so ähnlich wie der typ bei fear and loathing in las vegas, der „den kiffer“ beschreibt…

    TOP 1: „Kinderlebensmittel“. pöh! das war ein ernstzunehmender zoo. 😉

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  3. Xandriah schreibt:

    Tja, ich kann einfach nicht die Klappe halten 😉

    zu 1. Wohl eher das Kind im Manne 😉

    zu 2. LOL das find ich schon sehr kreativ 😀 Im Büro könnte man als Pendant dazu zB Stifte verlegen, Kettenmails verschicken etc. Ob dann noch einer arbeitet, lass ich mal außen vor.

    zu 3. Naja, wie soll man auch sachlich korrekt einen DJ beschreiben? Das muss ja dann so trocken klingen, dass es schon wieder komisch ist.

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