Zeitmaschine 2.0

analoges schätzelein

analoges schätzelein

Ich habe vor kurzem angefangen, meinen alten Plunder meine seltenen Schätze im allseits bekannten Auktionshaus zu versteigern. Dabei handelt es sich größtenteils um alten Technikkram, der irgendwann obsolet wurde – z.B. mein 56K-Modem.
Ach ja, welch schönes Geräusch, wenn ich mich an den Rechner gesetzt und die Internetverbindung aufgebaut habe – selbstverständlich DialIn, weil es Flatrates noch gar nicht gab. Ausserdem hatten wir nur eine Leitung, und mein Internetbedürfnis clashte daher regelmäßig mit der Telekommunikation meiner Schwester…

56K! Man stelle sich das mal vor in Zeiten, in denen das Internet schneller ist, als die alte Festplatte von damals – die ich übrigens einfach nur verschrotten werde, 2GB sind einfach lächerlich wenig, die kauft ja dann doch keiner mehr.
Aber als ich sie durchforstet habe, wurde ich schlagartig nach damals versetzt: auf der Platte wohnten Warcraft II und Tombraider (der erste Teil, natürlich), im Cache meines Browsers (schon damals Opera, hehe) fanden sich Hinweise auf Audiogalaxy und ein Browsergame, bei dem man Planeten erobern durfte.
Schulreferate und Microsoft Encarta taten ihr Übriges…
Gerade Audiogalaxy hat lebendige Erinnerungen hinterlassen – nachts, wenn keiner telefonieren wollte, und der Traffic nachgelassen hatte, ließ ich dann den Rechner laufen, und morgens war die eine mp3 dann mit Glück schon da – unvorstellbar, gerade gestern habe ich mir das DVD-Image von Fedora gezogen, das schon mal doppelt so groß wie die alte Festplatte ist und nicht mal eine halbe Stunde für den Download gebraucht hat.

Ich war schon immer internetaffin, wusste allerdings am Anfang nicht so recht, was ich damit sollte.
Als ein großer Elektro-und Telefonversorger in meiner Gegend ein Servicecenter mit Internetzugang eröffnete, kam das einer Revolution gleich – ich bin natürlich hingetigert, und vor lauter Verlegenheit, was ich denn überhaupt im Internet wollte (keine Blogs, kein Myspace, kein YouTube, in meiner Klasse hatten vielleicht zwei Leute ne Emailadresse, und was ist eigentlich dies „google“?) hat mir der freundliche Mitarbeiter eine Seite über den Ferrari F50 ausgedruckt – selbst Gender Mainstreaming sollte erst viel später in mein Leben treten.

Mittlerweile mache ich zwar nicht jeden web2.0-Kram mit und das Internet ist mir noch immer viel, viel zu statisch, aber es gehört so sehr zu meinem Leben, dass ich nun wirklich nicht mehr drauf verzichten möchte – es sagt mir, was heute abend so geht in der Stadt, informiert mich über Geschehnisse in aller Welt, verbindet mich mit Freunden, erklärt mir OpenOffice, hilft mir, wenn Fedora mal wieder zickig ist, usw.

Nur das Einwahlgeräusch, das fehlt mir manchmal…

p.S.: ein internes 14K-Modem mit Soundkarte habe ich auch noch. Das Brett ist größer, als die Mainboards heutiger Netbooks…

Über sushey

twitter.com/milch_mit_honig
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