Bionade und Cashews

frühling

Die rauchige Stimme des Bluessängers scheppert ebenso vor sich hin, wie seine Gitarre. Entspannt, aber mit Aussage; pointiert und doch auch emotional.
Aus allen Richtungen drängen sich Gesprächsfetzen zu mir, aus der Küche kommt das Brutzeln der Burger und Pommes, sowie anderer Köstlichkeiten.
Das laute TAKTAKTAK des Kochs, der gerade etwas zerschneidet, schwingt für einen kurzen Moment mit dem Blues in Takt, doch dann trennen sich die Rhythmen wieder und offenbaren sich als die Individuen, die sie immer waren.

Mit einem Zischen wird eine Bierflasche geöffnet – ob man daran wohl erkennen kann, was für eine Marke es ist? –  Eis klappert plockplockplock in die Gläser, gefolgt vom satten, sich kurzzeitig wiederholenden schwuschplipplatsch des Cocktailshakers.

Es ist eine schöne Kulisse, die ich verlasse, und bevor ich mein Rad loskette – Fahrradketten sind urbane Schlangen, denke ich, sie schlingen sich wie eine Boa um ihr Opfer, würgen es, um es vor der Entführung durch Diebe zu bewahren – kaufe ich schnell noch eine Bionade und eine Dose Cashewkerne im Späti.
Nachdem das Schellen der Klingel nur nur eine nebulöse Erinnerung ist, erfüllt das Summen des Kühlschrankes den Raum, gefolgt von der kurzen Konversation mit dem Kassierer.
Ich kehre zu dem Rad und der Schlange zurück. Man sollte sie Boa Antidieba nennen, denke ich und schmunzele. Es wäre die einzige Schlange der Welt, die man aufschließen kann…

Den Rucksack umgeschnallt, setzt der Drahtesel zu seiner letzten Fahrt an. Die Reifen zischen förmlich über den wunderbar trockenen Asphalt, wenn sie nicht vom immerwährenden Straßenverkehr überblendet werden. Es sind Fußgänger unterwegs, langsam kommen sie alle aus ihren Löchern, denke ich, es ist wie ein allgemeines Aufatmen nach einem viel zu langem, dunklem Winter.

Die Luft ist mild, aber eigentlich ein bisschen zu kalt, um nur ein T-Shirt zu tragen, aber wenn mich schon die Wintergrippe verschont hat, wird es der Frühling auf jeden Fall tun.

Ja! Es wird Frühling! Das ist so evident wie die Anwesenheit des Hundes in der Wohnung über mir, dessen Krallen über den Holzfußboden kratzen und dabei klackscharren, weil er die Pfote immer aufsetzt und dann über den Boden zieht,

Der letzte Teil des Wegs ist wellig; der Winter hat seine Spuren gelassen.
Bionade und Cashews bilden eine sonderbare Symbiose in meinem Rucksack: ein Gluckern gepaart mit dem trockenen, scharrenden Purzeln und Klappern der Nüsse – ein Antagonismus in sich, das weiche Gluckern und das harte Scharren, dafür sollte es ein neues Wort geben – Gluppern vielleicht? Oder Kluggern?

Begleitet von einem Knirschen, Kracken und meinem Stöhnen, gleitet der Schlüssel elegant wie ein volltrunkener Engel ins Schloss…

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Über sushey

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