Demokratia instantia

nicht heute abend, aber ebenso schönnicht heute abend, aber ebenso schön

Als ich heute auf der Suche nach einem Wahllokal war, kam ich mir ein wenig vor wie Asterix bei seiner widersinnigen Suche nach Passierschein 18A – nachdem ich herausgefunden hatte, dass man in dem Stadteil, in dem man gemeldet ist, auch wählen muss (warum eigentlich, hat man sich das schon mal gefragt?), Bürgeramt A wegen irgendwelchen Bladihadis geschlossen und Bürgeramt B wegen weiteren Bladihadis nicht zuständig war, diente mir ein zum Wahllokal umfunktioniertes Gymnasium (man konnte es nicht verfehlen; das Gebäude sah von aussen so unsympatisch aus, wie es nur Ämter oder eben Schulen können) schließlich als Möglichkeit, meine Stimme abzugeben – nicht ohne mich vorher darüber belehren lassen zu müssen, dass ich der erste aus meiner Straße sei, der überhaupt wählen käme, und da wars schon 17 Uhr.
Ich hab den Sermon über mich ergehen lassen, weil einfach keine Lust hatte, sie argumentativ auseinanderzunehmen, und da ich dem Klischee des langschlafenden Schlurfis auch rein optisch entsprach, wollte ich nicht lang und breit erklären, dass ich a) an sechs Tagen dieser Woche früh aufzustehen hatte und dabei weitaus länger als die acht Stunden gearbeitet habe, wie Beamte es tun, ich b) auch noch um 22 Uhr wählen gehen würde, wenn die Lokale so lange offen hätten und sowieso nicht verstehe, warum man das nicht online machen kann, und schließlich c) es sie einen Scheißdreck angeht.

Dummerweise glaube ich, dass ich dadurch das Kreuz an der falschen Stelle gemacht habe – aber da es mir ohnehin mehr darum ging, mein Recht auf direkte Demokratie wahrzunehmen, als jetzt rein inhaltlich zu entscheiden, und da die Wahl eh gescheitert ist, möge man es mir verzeihen.

Auf dem Rückweg sind der Musikexpress und ich uns zufällig über den Weg gelaufen, und das Wiedersehen war jetzt nicht so unangenehm, wie man vielleicht vermuten würde. Wir hatten uns vor Ewigkeiten in gegenseitigem Einvernehmen getrennt – wir hatten uns einfach nicht mehr so viel zu sagen gehabt – und was soll ich sagen? Es war eine vergnügliche halbe Stunde, die wir miteinander verbracht haben. Dem Musikexpress scheint es ganz gut zu gehen; als Indieinstitution (ich wollte eigentlich die Wörter verbinden und Indiestution schreiben, aber das hätte nicht gepasst, obwohl ich das Wort klasse finde, also jetzt echt mal.) scheint er sich zu machen.

Ausserdem hat er mir Soap&Skin empfohlen, und die ist das Treffen allemal wert, besonders der Song Thanatos.

Mir ist heute mal wieder – wie auch vor einigen Wochen schon – mal aufgefallen, dass Sarah Kuttner eigentlich eine sehr hübsche, attraktive Frau ist, gerade weil sie Ecken und Kanten hat, und damit den Gegenentwurf darstellt zu all den auf Hochglanz polierten Plastikpuppen von Germanys Next Retortenzicke.
Zudem scheint sie echt was im Kopf zu haben, auch wenn ich ihr Buch stilistisch ein wenig belanglos fand. Inhaltlich muss ich mich nochmal damit auseinandersetzen.
Aber ist mal ein schöner Ausgleich zu den vielen hässlichen Schriftstellern, die so brilliante Sätze schreiben, dass man nach Atem ringend Seite um Seite verschlingt, durchlebt, durchschwitzt und darüber Zeit, Ort und alles andere vergisst.
Das hat mir mal einen handfesten Beziehungskrach eingebracht…

Aber eine Frau Kuttner mit der Redegewandheit eines Sebastian Haffner, das wäre der Overkill!

Dieser Frühling ist bislang auch der Overkill nach dem langen und dunklen Winter, auch wenn der Wald in akuter Gefahr ist. Sollte er wider Erwarten nicht abfackeln, so werde ich in diesem Jahr noch viel in den Seilen hängen, und damit ist nicht der rhetorisch k.o. gegangene Boxer gemeint, sondern das tatsächlich handfest anpackbare Seil.

La Vita e Bella.

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Über sushey

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