Krise leichtgemacht, Teil I

oder: Die Banken, die Krise, die Verantwortung.

not as evil as the financial system, but still evilnot as evil as the financial system, but still evil;
das bild gehört dos82

Kürzlich ereilte mich ein Brief meiner Bank, und nichts Böses ahnend, sondern eher davon ausgehend, mal wieder Auszüge nachgeschickt zu bekommen oder einen kleinen Hinweis, doch endlich den Fehlbetrag von zwölfeurofuffzich auszugleichen, der sich dort seit einem Buchungsfehler meinerseits tummelte, liess ich ihn zunächst ungeöffnet liegen und aß ein Müsli.

Welch Fehler! Man habe, wurde mir beschieden, als ich das Pamphlet endlich öffnete, sich meine Lohnsituation genauer angesehen und habe beschlossen und freue sich mir endlich mitteilen zu können, dass ich nunmehr eines Dispokredites würdig sei, eine kleine dreistellige Summe, die ich doch am besten in Konsum umsetzen solle, unseres armen gebeutelten Staates wegen.

Warme Freude durchströmte mich!
Euphorie machte sich breit, und ich malte mir bereits in buntesten Farben aus, auf welche bahnbrechenden Weise sich mein Leben fortan ändern würde.
Ich würde mir CDs kaufen können, Schallplatten gar. Ich würde dem weltgrößten Elektronikmarkt die Tür einrennen, und man würde mich mit offenen Armen – und viel wichtiger noch: offenen Geldtaschen – empfangen, mich auf Schultern tragen, mir alle meine materiellen Wünsche erfüllen, mir Hymmnen singen.
Kunden wie ich waren beliebt; Haben ohne Hinterfragen, Konsum ohne Kritik.
Ich würde mir nicht nur ein Auto kaufen, nein, dies sollte die Grundlage eines ganzen Fuhrparkes sein. Ich würde nur noch in den besten Hotels nächtigen, von den goldensten Tellern essen, der Bank sei Dank.

Doch die Freude wich kaltem Entsetzen, als ich mir meiner Gier bewusst wurde. Auf den Boden der Tatsachen zurückkehrend, schämte ich mir meiner selbst, den Verheißungen dieser Nachricht erlegen zu sein – und sei die Euphorie noch so kurzzeitig gewesen.

Denn langsam hatte das logische Denken eingesetzt.
Etwas konnte da nicht stimmen, wenn die Bank sich wirklich meinen Lohn als Berechnungsgrundlage genommen hatte. Entweder verfügten sie über Informationen, die mir vorenthalten worden waren, oder aber sie hatten sich verrechnet – denn seit dem krisenbedingten Einbrechen der Konjunktur war es auch um mein bescheidenes Salär nicht mehr allzu rosig bestellt, jedenfalls in Bezug auf die Summen, die ich genannt hatte, als ich das Konto eröffnet habe.
Man hätte sagen können, die Höhe meiner Entlohnung befinde sich in einem stabilen Abwärtstrendkanal – und ausgerechnet nun wollten die mir etwas geben?

Überhaupt meine ich, schon damals meinerseits einen Dispokredit abgelehnt zu haben.

Oder so hatte ich jedenfalls vor dem Brief vermutet.

Beide Varianten hinterließen einen seltsam schalen Nachgeschmack.
Konnte es sein, dass die Bank gar nicht mein Bestes im Sinn hatte? Hatten sie es drauf angelegt, mir nicht selbstlos Geld zu geben, sondern später sehr viel mehr von mir zurückzufordern?
Schließlich kenne ich Menschen, die einen Dispokredit besitzen, die meisten sogar wesentlich üppiger als der mir eingeräumte Kreditrahmen.
So sinnvoll sich ein Dispo für sie irgendwann einmal erwiesen haben mag, ihnen allen war gemein, dass sie sich redlich mühen mussten, ihn wieder auszugleichen, der Bank sei Dank.

Die kassierte und kassierte, erhöhte irgendwann den Rahmen – man brauche ja schließlich mehr Geld – und was dort wirklich passiert war, dass man den Durchmesser des Hamsterrades vergrößert hatte, und so strampelten und mühten sich die Menschen, um doch wieder nirgendwo anzukommen.

Nein, dieses Schicksal sollte mir nicht beschieden sein, beschloß ich noch im selben Atemzug.
Ich würde mit der Bank sprechen müssen, sie fragen, was sie zum Thema Einseitige Vertragsänderung zu sagen haben. Ob sie nicht der Meinung seien, das Vertrauensverhältnis zwischen ihnen und mir nachhaltig belastet zu haben.

Und ob sie schon einmal darüber nachgedacht haben, dass es diese schäbige Art von verantwortungslosem Verhalten ist, welche diese ungeheuerliche Krise erst verursacht hat.

To be continued

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Über sushey

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Eine Antwort zu Krise leichtgemacht, Teil I

  1. Durden Tyler schreibt:

    Super Artikel, kommt mir sehr bekannt vor.
    Geld arbeitet nunmal nicht von alleine, auch wenn die globalen Financiers das gerne so darstellen…

    Gefällt mir

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