…und zum krönenden Abschluss noch ne 5 im Vorstieg

kletterschuhe

Sorry, ist ein bisschen melodramatischer geworden, als ich wollte. Da aber das Klettern meiner Psyche gerade ungeahnte Stabilität und Ausgeglichenheit vermittelt, sei das vielleicht an dieser Stelle gerechtfertigt.

… es ist ein wunderschöner Tag. Die Sonne scheint warm vom knallblauen Himmel, eine leichte Brise erfrischt dich, und weil es recht früh ist und Sonntag und alle frei haben, bleiben die Geräusche der Natur – Vogelgezwitscher, das Rauschen der Bäume, die eine oder andere zirpende Grille – weitgehend ungestört von menschlichen Geräuschen; ausser dem einen oder anderen knappen Kommentar der Kletterer um dich herum.

… doch dies alles ist im Moment ausgeblendet, denn du hängst am Felsen, in sechs Metern Höhe. gönnst deinen Füßen den großzügigen Platz zweier Briefmarken, während du dich mit zwei Fingern rechts und drei Fingern links in den Felsen hakst und nach den nächsten Griffen Ausschau hälst. Da du im Vorstieg unterwegs bist, musst du zu allem Überfluss auch noch an die nächste Öse kommen, um die Expressschlinge einzuklinken.

Beiläufig spürst du, wie deine Muskeln arbeiten, ihre Kraft entfalten, und langsam auf die Belastung reagieren. Weiter, immer weiter, ab nach oben.

Deine gesamte Welt, dein Tun, Denken, ist auf diesen Moment konzentriert, auf dieses Stückchen Stein vor deiner Nase und die dicken Brocken, die noch auf dich warten auf dem Weg nach oben. Weiter, immer weiter.

Es folgt eine besonders schwierige Stelle; stündest du jetzt unten, betrachtetest du das Tun mit fasziniertem Blick. Stückchen für Stückchen, teilweise nur wenige Zentimeter, geht es voran, und wenn das nicht funktioniert, dann erfindest du eben eine neue Bewegung, die du noch nie vorher gemacht hast.
Bis du die Stelle gemeistert hast. Was eben noch unmöglich erschien, ist plötzlich überwunden. Stolz und Erleichterung vermischen sich; das Adrenalin fließt; und doch musst du konzentriert bleiben, den Fokus weiter auf das richten, was unmittelbar vor dir liegt, um am Ende den Blick von ganz Oben genießen zu können.

Dann weißt du, dass sich der Aufwand gelohnt hat; später werden sich die Muskeln melden, die kennen diese ungewöhnliche Belastung noch nicht wirklich; doch in diesem Moment tust du nichts weiter, als den schönen Tag, den Ausblick und das Leben an sich zu genießen.

Herunter geht es schneller und leichter: einfach abseilen. Am Boden gilt der Dank der Person, die dich gesichert hat, die ein spürbarer fester Halt war und ist.

Abends im Schlafsack kletterst du die Route noch einmal, und noch einmal stehst du dort oben, und berauscht vom Glücksgefühl schläfst du ein, im Kopf schon die nächsten Ziele und Herausforderungen.

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Über sushey

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Eine Antwort zu …und zum krönenden Abschluss noch ne 5 im Vorstieg

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