Progressive Nation in der Arena Treptow

… es hatte seinen Anfang vorige Woche genommen, als mein Chef mich anrief und fragte, ob ich mir am kommenden Dienstag (also gestern) John Petrucci anschauen wolle. Mich am noch im nachmittäglichen Halbschlaf befindend, wunderte ich mich nur geringfügig über das ungewöhnliche pars per toto – und nahm natürlich an, er meine das Progressive Nation – Konzert. Nee, das sei mir zu teuer und überhaupt, in der Arena soll doch der Klang so doof sein, und Dream Theater hatten mich bei ihrem letzten Konzert doch merklich enttäuscht – aber mein Chef meinte tatsächlich nur John Petrucci.

john petrucci

john petrucci

Und so durfte ich gestern – nebst Chef und etwa achtundneunzig anderen Auserwählten – einem Workshop des Meisters folgen, den jener im Musik(er)laden „Borkowski“ gab. JP erzählte und zeigte, wie er sich denn so aufwärmt und was er sonst so gitarrespielenderweise treibt, wenn er nicht gerade auf der Bühne steht. Die Audienz versetzte uns wahlweise in Erstaunen, ungläubige Begeisterung und den verzweifelten Plan, zuhause alle Gitarren zu verbrennen.

Übrigens ist der Mann richtig sympatisch und down-to-earth und wie man das so macht als mehrfacher Metalgitarrist des Jahres, blieb er bescheiden und behauptete, jede/r könne so spielen wie er – nur immer hübsch üben.
Na dann mal los…

Angefixt von diesem Erlebnis (und in Unkenntnis meiner heutigen Kontoauszüge, ähem…) ging ich dann doch noch zum Konzert. Meine Spontanität hat sich gelohnt, einerseits finanziell (hab dann ne recht günstige Karte abgestaubt), andererseits musikalisch – denn vier solchermaßen gute Bands auf einem Haufen gibt es selten.

Unexpect begannen das Konzert. Ihre Mischung aus Gothrock und Metal hat mir gut gefallen; allerdings war mir der Sound mit sieben Musikern dann doch etwas zu vollgepackt und matschig – zudem hatte die Sängern zwar eine schöne Stimme, aber etwas mehr Durchsetzungsvermögen oder ne bessere Abmischung wäre toll gewesen.
Nichtsdestotrotz unterhielten sie uns recht gut, und nen Bassisten sieht man auch nicht alle Tage auf einem Neunsaiter spielen… leider hat man den Bass kaum gehört.

Bigelf waren klangtechnisch eine ganze Liga weiter. Ihr psychedelischer Retro-Hardrock hat mich phasenweise stark an Deep Purple erinnert. Kein Wunder, wenn man eine Hammondorgel mit rotary-speaker auf der Bühne stehen hat und der Sänger (der mit Zylinder und schwarzem Anzug stark nach Totengräber aussah) auch stimmlich manchmal ins Dunkelviolette kam. Ich kann mir vorstellen, dass man von Bigelf in näherer Zukunft noch einiges hören wird – vor allem, weil sie schön proggy mit dem Genre spielen.

Opeth waren meine persönlichen Gewinner des Abends. Mikael Akerfeld ist einer der wenigen Sänger, die wirklich gut singen und auch growlen können – das hat er nicht zuletzt als „Fear“ in Ayreons „The Human Equation“ eindrucksvoll gezeigt – und die Band schafft es, Jazz, Hard Rock, Metal in energetische und zum Teil melancholische Songs zu packen, die gleichzeitig komplex und eingängig sind. Sie hatten sichtbar Spaß an ihrem (viel zu kurzen) Auftritt – das Publikum hat es ihnen begeistert gedankt. Schade, dass das Format keine Zugabe zuließ.

Schließlich der eigentliche Hauptact – Dream Theater.

Die begannen mit einem eindrucksvollen Gewitter, das den Anfang von „Rite of Passage“ markiert. Im Gegensatz zu ihrem letzten Berlinbesuch, wirkte die Band dieses Mal wesentlich besser gelaunt und rockte sich in dem ebenfalls recht kurzen Set einmal quer durch die Bandgeschichte und zurück – gleich zwei Medleys sorgten für den subjektiven Eindruck, nur eine Handvoll Songs gehört zu haben.

Für Erheiterung innerhalb des Publikums sorgten einerseits ein nettes Mädel, die Mikael Akerfeld eröffnete, ihr Freund würde ihn lieben – was dieser recht verdutzt mit einem „Shouldn’t YOU love me?“ beantwortete – und ein Beamer, der eigentlich für schicke Projektionen während des Gigs von DT sorgen sollte, aber verdreht hing, sodass nur zwei Drittel der Leinwand bespielt wurden. Ausgerechnet während eines sehr ruhigen Teils von „Hollow Years“ versuchte ein Techniker mit einer etwa fünf Meter langen Stange nicht sein Gleichgewicht zu verlieren den Beamer auszurichten – all dies missfiel Mike Portnoy merklich.

Alles in allem ein lohnenswerter Abend.

Photos gibts keine, weil dies dämliche Telefon beim Versuch, eine Bluetooth-Verbindung zu erstellen, an akuter Verwirrung leidet…

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Über sushey

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