Magst du mich?

Blicke – zunächst.

 

Ein flüchtiger Gedanke, Sympathie aus den Augenwinkeln.

 

Du bist beschäftigt, ich tue nur so.

Während ich beschäftigt bin, tust du nur so.

 

Ab und zu treffen wir uns in unseren Blicken.

 

Was wäre eigentlich, wenn…?

… und was, wenn nicht?

 

In deinen Augen eine Art Antwort.

Eine Art Beruhigung.

Eine Art Aufforderung.

 

Mut.

Viel.

Angst.

Fast zuviel.

 

Fast.

 

Na gut, man hat ja nichts zu verlieren, nicht wahr?

 

Ein Lächeln.

Unsicher.

Wacklig.

Eine Erwiederung.

Freundlich.

Bestätigend.

 

So ging das schon den ganzen Abend.

 

Ansprechen, aber wie?

Bloß keinen Scheiß reden.

Es bloß nicht versauen.

 

Würdest du mir das verzeihen?

 

Glücklicherweise lachst du.

Und so kommen wir ins Gespräch.

Unverbindlich.

Verheißungsvoll.

Spannend.

 

Eine neue Bekanntschaft.

Ein neuer Mensch, ein neuer Freund.

Eine neue Liebe, ein neues Leben?

Zukunft.

 

Zukunft?!?

 

Am Ende tauschen wir Nummern.

Der Klassiker.

 

Und während wir gegenseitig auf einen Anruf warten.

Auf ein Zeichen, eine Bestätigung.

Ist es die Frage, die so bittersüß in uns nagt:

Sag mal, wie steht es eigentlich mit dir, magst du mich?

So wie immer

Erwin steht auf seinem Balkon und beobachtet das Treiben unter ihm auf der Straße, während er raucht.

Er zieht an der knisternden Zigarette, während der leise nieselnde Regen sich mit dem Grundrauschen der Stadt vereint. Der in orange-rosa schimmernde Himmel spiegelt sich auf den dunklen Straßen; unter dem Balkon stehen zwei Männer und unterhalten sich, ihre Mantelkrägen hochgeschlagen, den rot leuchtenden Glutpunkt der Zigaretten jeweils in der Faust versteckt.

Ein Jugendlicher steuert schnellen Schrittes auf den Spätverkauf zu; vermutlich um sich ein Feierabendbier, ein paar Süssigkeiten oder etwas Freizeit ausserhalb seiner Wohnung zu erkaufen.

Erwins Frau schreit irgendetwas Undefinierbares aus der Wohnung heraus. Erwin registriert es mit dem beiläufigen Desinteresse desjenigen, der dieses oder Ähnliches schon tausende von Malen gehört hat – und vermutlich noch tausende von Malen hören wird.

Unbewusst schnippst Erwin die Zigarette über die Brüstung, hinaus in einen nasskalten Tod.

Wann war sie ihm eigentlich egal geworden? Er hatte sie doch schließlich geliebt, so wie sie ihn auch. Wann hatte sie begonnen, ihm undefinierte Dinge aus der Wohnung hinterherzuschreien? Wann hatte er begonnen, sie zu verabscheuen – und wenn er ehrlich war, auch sich?

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