Going Deeper Underground

Es ist also mittlerweile wieder einigermaßen kalt in unserem kleinen Städtchen. Trotzdem wartet eine kleine Schar dick eingepackter und / oder bibbernder Menschen auf zwei weitere Menschen mit orange-leuchtenden Warnwesten, mit denen gemeinsam sie einen von außen unscheinbaren Raum betreten – niemand von ihnen wird das Tageslicht in den nächsten anderthalb Stunden wiedersehen.

Es handelt sich bei diesem Unterfangen um die Tour 3 der „Berliner Unterwelten“, die vom gleichnamigen Verein durchgeführt wird. Dieser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die etwa 1200 verbliebenen, größtenteils unterirdischen Bunker Berlins zu erschließen und unter Beachtung des historischen Kontextes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

So war ich zunächst ein wenig perplex, als unser Expeditionsleiter – André mit unaussprechlichem Nachnamen, wie er selber sagt –  die Führung locker und sehr unterhaltsam begann. Sehr bildhaft und offensichtlich kenntnisreich versuchte er uns ein Bild davon zu vermitteln, wie es gewesen sein muss und sein würde, wenn man tatsächlich mit Tausenden anderen zusammengepfercht in einem dieser Bunker hätte ausharren müssen – denn mehr wäre in den teilweise klaustrophobisch engen und nicht gerade gemütlichen Bauwerken auch nicht möglich gewesen.

Gerne hätte ich ein paar Photos gemacht, doch das wurde aus nachvollziehbaren, wenn auch ärgerlichen Gründen verboten.

Doch auch ohne Photos bleiben Bilder im Kopf, und ich werde garantiert noch ein wenig über das Erlebte nachdenken. Dazu beigetragen hat auch die Tatsache, dass ich selber handgreiflich werden und für ein paar Minuten die Luftversorgung mittels Handpumpe übernehmen durfte. Aber auch der Gedanke, dass die Bunker zum Teil noch immer betriebsbereit sind und z.B. im Falle eines Atomkrieges benutzt werden sollen, macht mir bewusst, dass der Kalte Krieg gar nicht so schrecklich lang her ist.

Vor allem, als wir aus den Bunkern wieder herauskamen und mitten zwischen den Passagieren auf dem U-Bahnhof Pankstraße standen, zeigt sehr eindrucksvoll, dass es hier in Berlin, aber auch anderswo einen Teil der Welt gibt, von dem wir nur wenig wissen und den wir auch oft genug einfach ausblenden.

Meinen Drang nach allumfassendem Verständnis muss eine ausgiebigere Tour befriedigen, aber als Einstieg und kleines Sichbewusstmachen ist sie allemal die 9 bzw. 7 Euro wert. Einen herzlichen Dank nicht nur an André und Friedrich, sondern auch an alle anderen, die solche „lebendigen“ Geschichtsbegehungen möglich machen.

www.berliner-unterwelten.de – „meine“ Tour war die 3

Über sushey

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