Die Beschissenheit der Dinge

Ich war begeistert. Der Titel, dazu das Motiv – nachdem ich mir die eine oder andere Rezension durchgelesen hatte, wurde ich neugierig, und kurzentschlossen wurde der Film dann angeschaut.

Die Geschichte ist recht schnell erzählt: Günther Strobbe – etwa 13 Jahre alt – wächst bei seinem Vater auf – der mit seinen drei Brüdern noch bei seiner eigenen Mutter wohnt. Alle vier sind arbeitslos oder auf dem besten Wege dahin, und so wird schön von Mutterns nicht allzu üppiger Rente gelebt.

All dies erzählt der ältere Günther Strobbe – mittlerweile erfolgloser Autor – in der Retrospektive; und so suchen beide Erzählstränge die Antwort auf die Frage: Kommt Günther aus seinem vorgezeichneten Schicksal, das aus Alkohol, Arbeitslosigkeit, Armut und kaputten Beziehungen besteht, heraus?

Die Beantwortung dieser an sich traurigen Frage gestaltet sich – zumindest für das Kinopublikum – sehr unterhaltsam und szenenweise sehr, sehr lustig. So ist es ein Höhepunkt der Strobbe-Familienhistorie, an einem Nackt-Fahrradrennen teilgenommen zu haben. Auch die Trinkervariante der Tour de France wird höchst vergnüglich dargestellt.

Ein bittersüßes Vergnügen, denn das Bild, was die Strobbe-Familie in Wirklichkeit abgäbe, wäre ein höchst alarmierendes: Vier mehr oder weniger gescheiterte Existenzen, die ihren Frust mit ziellosem Trinken und sporadisch auftretender Gewalt – nunja, nicht wirklich bekämpfen, aber ihm ein Ventil geben – und die handlungsunfähige Mutter, sowie der vermeintlich chancenlose Junge.

Es ist die große Kunst dieser Coming-Of-Age-Geschichte, dass man gleichzeitig herzlich lachen kann über die Dummheiten, welche die Protagonisten anstellen – und weinen über die nicht allzu guten Aussichten für den jungen Günther, dessen „Älter Ego“ einen Roman mit eben jenem Titel geschrieben hat.

Sehenswert!

Eintrag bei imdb.com

Kritik auf kino.de

Über sushey

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3 Antworten zu Die Beschissenheit der Dinge

  1. fallas88 schreibt:

    Irgendwie ziemlich beklemmend der Film. Ich habe ihn mir mit einigen Freunden angesehen und ich war erstaunt wie unterschiedlich die Reaktionen waren. Die Einen haben betreten drein geblickt wärend andere gebrüllt haben vor lachen.
    Woran liegt diese, so drastisch unterschiedliche Wahrnehmung?

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  2. sushey schreibt:

    Nun, ich denke die unterschiedliche Wahrnehmung ist so beabsichtigt.
    Die reine Geschichte an sich ist ja wirklich ziemlich beklemmend und realistisch, z.B. die Szene, in der der Vater sich entscheidet, mit zum Billardspielen zu gehen – man weiß, was das nach sich zieht und erahnt, wie viele paranoid-aggressive Angriffe Günther noch zu überstehen hat.
    Zwischendrin kommen dann die Klamaukszenen, die allesamt sehr unrealistisch sind und gut ausgehen – z.B. „noch einen trinken gehen“ nach dem Wetttrinken – aus eigener (passiver) Erfahrung weiß ich, dass nicht jede Trunkenheitsfahrt so glimpflich ausgeht.
    Es ging mir ja selber im Kino auch so, dass ich herzlich gelacht habe – und nach einer Sekunde des Nachdenkens das Lachen im Halse steckenblieb.
    Vielleicht ist das der wahre Grund für die unterschiedliche Wahrnehmung: dass die vordergründig lustigen Szenen in ihrer vollen Bedeutung eben ganz schön traurig sind.

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  3. fallas88 schreibt:

    Hmm ich glaube schöner hätte ich das was mir im Kopft rumschwirrte auch nicht ausdrücken können. Ich glaube da kann ich dir uneingeschränkt recht geben. Zumal dies vieleicht die einzige Möglichkeit ist, Menschen nachhaltig zu beeindrucken, denn mal ehrlich, bei jedem Drama mit offenkundigem Zeigefinger, bleibt die Auseinandersetzung, danach wesentlich oberflächlicher.

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