Beck – Modern Guilt

Damals

Ich war dort, im Plattenladen, unmittelbar nachdem das Album herausgekommen war. Wollte viel Geld für ein bisschen Vinyl ausgeben und landete bei Beck. Auf das Album angesprochen, verzog der Verkäufer allerdings das Gesicht und meinte, Danger Mouse als Produzent sei ihm ein wenig zu stressig. Ich habe daraufhin das Album beiseite gelegt und mir stattdessen „Mezzanine“ von Massive Attack gekauft…

Jetzt

Ich war wieder dort. Im Plattenladen. Wollte unbedingt meine Aufwandsentschädigung aus dem Zeltlager durchbringen. Sah Modern Guilt – und dachte: „Warum nicht?“. Monetär sprach ja nichts dagegen, und mir war nach Beck, Sommersonnestrand und so.

Später

Das Album ist mit 33 Minuten recht kurz, kein Wunder, dass es die ersten Male nur so durchgerauscht ist, bevor ich überhaupt etwas dazu schreiben konnte.

Nun aber rotiert das schwarze Gold.

Persönlich finde ich den Einfluss von Danger Mouse ganz gut. Die Musik wirkt nicht mehr so garagengemacht wie z.B. „Mellow Gold“, vielmehr wirkt sie frisch und klanglich aktuell, aber auf 60ies getrimmt (Orphans, Gamma Ray) – zu den folkig angehauchten Songs kommen jede Menge Geräusche, die der Musik tatsächlich gut tun.
Der Schlagzeugrhythmus von „Chemtrails“ zusammen mit dem leicht entrückten Gesang erinnert mich entfernt an „The Four Horsemen“ von Aphrodite’s Child – und das ist per se ja schon mal nicht schlecht.

Der Titeltrack ist eine recht beschwingte Nummer, bei der man förmlich das Meer im Hintergrund rauschen hört. Ich mag den Gitarrensound, der durch ein Telefon aufgenommen scheint.
Dieses Album ist schon eindeutig „Beckig“; es klingt nach einer logischen Weiterentwicklung. Gleichwohl ist der Einfluss des Co-Produzenten deutlich in den Rhythmen, Samples und elektronischen Spielereien hörbar, die sich immer wieder in die Songs einschleichen und ihnen mehr Tiefe verlangen. Beide scheinen sie ihren Spaß an verschwurbelt-staubigen Retrosounds zu haben.

Zwei, drei Vorwürfe muss ich dann doch machen. Zum Einen ist mir das Album mit 33 Minuten viel zu kurz. Zweitens brechen viele Songs recht abrupt ab, was als einmaliger Effekt lustig ist, beim dritten Mal dann aber nervt. Und drittens: fehlt mir eine Übernummer wie z.B. Loser.

Mein persönliches, ruhiges Highlight ist „Volcano“, das noch am ehesten an alte Beck-Zeiten erinnert.

Ein schönes Album, eher geeignet für eine coole Autofahrt auf leeren Straßen als zum Entspannen an lauen Sommerabenden. Toll: Dass die Plattenfirma mitgedacht und einen Gutschein für den Download der hochaufgelösten mp3s beigelegt hat. Also: die große Schwarze für den Sommerabend, die kleinen Digitalen für die Autofahrt…

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Über sushey

twitter.com/milch_mit_honig
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2 Antworten zu Beck – Modern Guilt

  1. ohrenrausch schreibt:

    Wie Four-Horseman? Da musste ich dann doch hurtig reinhören. Sehr, sehr entspannend (glaube aber, zunächst Mezzanine zu erwerben war die richtige Entscheidung). Und ich unterstütze sehr ungerne seinen Verein. Trotzdem: nett, chillig.

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  2. sushey schreibt:

    Oh ja, die Nummer mit seinem Verein bringt mich fortlaufend in Bedrängnis.
    Mein bisheriger, leicht fauliger Kompromiss lautet: so lange mich seine Musik nicht missioniert, ist es okay.
    Und „nett, chillig“ fasst die ganze Rezension sehr gut zusammen 😉
    Und Mezzanine ist definitiv spannender…

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