Inception

An Christopher Nolans Stelle hätte ich mich unmittelbar nach Fertigstellung des Films erschossen – dies war mein erster Gedanke nach dem Film. Nicht, weil dieser so schlecht wäre; ganz im Gegenteil. Würde ich nicht vermuten, dass Christopher Nolan – der schon mit „Memento“ eine ordentliche Durftmarke gesetzt hat – noch Einiges im Ärmel versteckt hat, so müsste ich befürchten, dass es nahezu unmöglich sein wird, „Inception“ noch zu toppen.

Wer die ebenfalls großartigen „Batman“-Filme „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ gesehen hat, wird look & feel eines Nolan’schen Actionthrillers kennen – die Bilder sind spektakulär, die Visual Effekts hevorragend, die Geschichte in ihrem jeweils eigenen Setting schlüssig, die Rollen vielschichtig und komplex.

So auch in „Inception“. Leonardo DiCaprio spielt Cobb, einen Spezialisten für Extraktion, also das Stehlen geheimer Informationen aus dem Unterbewusstsein anderer Menschen. Nach einem – nur teilweise geglückten – Test wird er für einen ungleich schwereren Job angeheuert: Dem Konkurrenten des Geschäftsmannes Saito eine Idee einzupflanzen, die zur Zerschlagung dessen Konzerns führen soll.

Es ist vor allem DiCaprios grandiosen Fähigkeiten als Schauspieler zu verdanken, dass er den innerlich zerrissenen und – natürlich! – gutartig angelegten Schwerkriminellen Cobb so spielt, dass sich der Zuschauer nicht sofort, aber umso nachhaltiger mit ihm identifizieren kann.

Soweit folgt der Film klassischen „Guter-Bankräuber-Regeln“. Die eigentlich unmögliche Aufgabe wird angenommen, ein Team zusammengestellt, Schwierigkeiten und Unvorhersehbarkeiten machen die Aufgabe um ein Vielfaches schwerer – und am Ende winkt dem Hauptcharakter die Katharsis.

Auch das Setting – das Spiel mit der Realität – ist nicht wirklich neu. „Matrix“ verfolgt in der Hinsicht einen recht ähnlichen Ansatz, nur um ein Beispiel zu nennen. Oder – etwas aktueller – „Dr. Parnassus“.

Die wahre Kunst Nolans ist es aber, aus diesen bewährten Zutaten etwas Originäres zu gestalten, das vergessen lässt, dass der Film über zweieinhalb Stunden dauert. In einer Kritik war die Rede davon, man könne während des ganzen Films nicht die Augen von der Leinwand nehmen, und das stimmt.

Nolan nimmt den Zuschauer mit auf eine atemlose Hatz durch Traumwelt und weitere Traumwelten innerhalb der Traumwelten – und pflanzt so langsam auch eine Idee in die Köpfe der Zuschauer: Ist unsere Welt eigentlich „real“? Woran machen wir Realität fest? Und welche Realitäten sind wir bereit – bewusst oder unterbewusst – zu akzeptieren?

Nicht nur das hervorragende, weil ambivalente Ende des Films wird diese Ideen weiterhin unterstützen, und das bringt eine weitere Perspektive hervor: „Inception“ selber ist eine Art Inception, eine eingepflanzte Idee.

Wenn er weiterhin solch großartige und handwerklich perfekte Filme macht, darf Christopher Nolan das gerne auch weiterhin bei mir tun.

Eine besondere Erwähnung hat sich noch der Soundtrack von Hans Zimmer verdient, der immer präsent ist und die Wirkung des Films enorm beeinflusst – die düsteren und schweren Riffs passen hervorragend zu ihren jeweiligen Szenen.

Unbedingt sehenswert!

Kritik auf http://www.ingame.de

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