Tag 7: An welchem ich mich erinnere

oder: Memento Mori

Ich habe mich schon oft – spätestens aber, seit ich damals Memento gesehen habe – gefragt, wer ich wohl wäre, hätte ich keinerlei Erinnerungen. Könnte ich mich selber definieren und eine Persönlichkeit aufbauen, oder würde ich einfach nur existieren, zum immerwährenden Leben im Jetzt verdammt?
Ich vermute, ich könnte keinerlei Meinungen bilden (aber auch keine Vorurteile), ich hätte keinerlei Vergleichswerte (aber eben auch keine Traumata) und wäre fortwährend gezwungen, mein Weltbild – das sich über lange Jahre gebildet und verfestigt hat, manchmal aber auch radikal umgeworfen wurde – ständig neu zu gestalten. Das wäre anstrengend…
Umgekehrt ist es ein Segen, dass ich wenigstens einige Dinge vergesse – leider oft die Falschen, wie ich während der Mathewiederholung in der Uni gemerkt habe…
Dazu passend gibt es die Geschichte mit den Goldfischen: Angeblich haben die nur ein sehr kurzes temporales Gedächtnis. Befinden sich also zwei Fische in einem Glas, so haben sie ständig den Eindruck, wem neuen zu begegnen; sie begrüßen sich also den ganzen Tag…
Vielleicht erklärt das auch, warum es nicht die Goldfische sind, die besser rechnen können als Computer

7. Buchfrage: Ein Buch, das dich an jemanden erinnert

Wie sollte mich ein Buch nicht an jemanden erinnern? Ich meine, der Großteil meiner Bücher ist mir geschenkt worden, und selbst wenn nicht, dann verbinde ich meistens eine Person mit dem Buch. Sei es, dass mir die Person das Buch empfohlen hat, mit mir das Buch kaufen war, es selber irgendwo stehen hatte…

Eine besondere Erinnerung gehört dem Buch „Neverwhere“ von Neil Gaiman, welches ich von einer Schulfreundin geliehen bekommen habe. Ohne eine besonders enge Bindung zu ihr zu haben, verband uns eine gemeinsame Zeit der Jugendarbeit; wir sind beide (samt einigen anderen) gleichzeitig ins Ausland gefahren, und so weiter. Während ihrer Facharbeit für die Schule hat sie sich ausgiebig mit Kellerasseln beschäftigt, das fand ich irgendwie cool.

„Neverwhere“ ist eine gute Geschichte; der Protagonist lebt im London der heutigen Zeit – bis er ein Mädchen von der Straße aufliest. Die ist nämlich in einem Parallellondon zuhause, in welchem der Protagonist natürlich in allerlei Ungemach verwickelt wird – und vermutlich auch vielen Kellerasseln begegnet, wenn auch unbewusst… Neben der Welt, deren Beschreibung Tim Burtonsche Bilder in mir weckt, ist die Sprache ein Genuss. Es folgt eines der besten Zitate in englischer Sprache. das ich kenne:

„Oh, Messire Maquis. I think I can confidently state, with no risk of contradiction from any parties here present, that you have taken leave of whatever senses you are reputed to have had. You are,“ he confided, „if you will permit the vulgarism, completely off your head.“

Dies aus dem Munde eines brutalen Schlägers, der alles frisst, was ihm in den Weg kommt.

Ich habe ihr das Buch nie zurückgegeben…

Über sushey

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