Tag 15: An welchem ich die Dinge nur so halb

oder: Warum ein Teil manchmal mehr sein kann, als das Ganze

Neulich habe ich die Geschichte eines Mannes gehört, der vor mittlerweile einem knappen halben Jahrhundert eine an sich niederschmetternde Diagnose bekam, nämlich dass er Tuberkolose habe und dementsprechend nicht mehr lang zu leben.

Der Mann war sehr religiös, und er schwor sich und Gott, sollte er die Krankheit überleben, würde er ein monumentales Zeugnis diesen Wunders ablegen.

Und so kam es: Mittlerweile ist Don Justo Gallego Martinez 83 Jahre alt und baut und baut und baut an seiner Kathedrale – alles von Hand, alles allein.

Faszinierend an dieser Geschichte finde ich vor allem, dass er sich eine solche Mammutaufgabe vorgenommen hat. Er wird vermutlich wissen, dass er die Kathedrale nicht zu Lebzeiten wird fertigstellen können, und trotzdem widmet er ihr fast jeden Tag seines Lebens.

Wer den gestrigen Eintrag gelesen hat, wird gemerkt haben, dass ich mit solch langwierigen und halbfertigen Geschichten nicht viel anfangen kann – es übersteigt man Vorstellungsvermögen, mir eine Aufgabe vorzustellen, die nicht innerhalb eines für mich überschaubaren Zeitraumes beendet werden kann – ich bin nunmal schlicht nicht so geduldig, und im Kopf schon immer einen Schritt weiter…

15. Buchfrage: Das 4. Buch in deinem Regal v. l.

Stephen King: Colorado Kid

Eigentlich ist das Buch eine Frechheit, und zwar weil Stephen King zwar eine Geschichte erzählt – diese sich aber um die eigentliche Geschichte, die erzählt werden soll, herumwindet. Auf den ca. 180 Seiten unterhält King zwar auf eine recht eigentümlich-beschaulich-langweilige Weise – das widerum macht er aber so geschickt, dass es trotzdem Spaß macht, das Buch zu lesen.
Also: die nicht-erzählte Geschichte ist die einer Leiche, die an einem Strand in Maine angespült wurde – unter mysteriösen Umständen. Ebenso nebulös ist die Vorgeschichte des toten Mannes, die eine junge Journalistin aufzuklären versucht. Je mehr sie herausfindet, desto rätselhafter wird der Fall.
Die erzählte Geschichte handelt vom Verhältnis dieser Journalistin zu den zwei Chefredakteuren des örtlichen Käseblattes – und deren Art, Geschichten zu erzählen.

Insofern schließt sich innerhalb des Buches ein Kreis, und es ist sehr unterhaltsam, den alten Männern und der Journalistin beim Erzählen über das Erzählen zuzuhören; zudem ist die Geschichte für King insofern sehr untypisch, als dass hier nicht einmal ein Ansatz von Horror aufkommt.

Über sushey

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