Tag 24: An welchem ich Fehler begehe

oder: Sind wir nicht alle Mängelexemplare?

Während ich mich gestern noch genüsslich über den Unsympath ausgelassen habe, wird es heute Zeit, mich meinen eigenen Fehlern zu stellen.

Ich bin ungeduldig.

ICH! ÜBERTREIBE! MANCHMAL! MASSLOS!

Ärgernisse halte ich manchmal zu lange zurück.
Um sie dann explosionsartig zu entladen.
Und treffe dabei manchmal den Falschen.

Ich neige zu Faulheit – ich habe bloß keine Zeit dafür, denn

Manchmal verzettele ich mich, müsste eigentlich an drei Orten gleichzeitig sein, und muss notgedrungen Menschen enttäuschen.

Ich bin perfektionistisch.
Und sehe dann nicht den Wert dessen, was ich gut gemacht habe.

Und allzu oft lasse ich meine Dämonen ein Urteil über mich fällen, das mir nicht gut tut.

Ich finde es dann immer wieder erstaunlich, dass es Menschen gibt, die mich trotz meiner offensichtlichen Fehler mögen, die Wert auf mein Urteil legen, die sich von dem, was ich sage – und schreibe – beeinflussen lassen – und das offensichtlich gerne, wenn die die Kommentare hier richtig deute.
Ich will keine Streicheleinheiten. Ich glaube, dass ich mich mittlerweile ganz gut mit mir arrangiert habe, und glücklicherweise haben meine Dämonen Höhenangst (weswegen ich so gerne klettere). Ich wollte nur, dass ihr wisst, dass ich mir meiner Fehler bewusst bin und hart dran arbeite.

24. Buchfrage: Ein Buch, von dem niemand vermutet hätte, dass du es gelesen hast.

Seltsame Frage. Alle meine Bücher haben in einem gewissen Sinne mit mir zu tun und sind deswegen erwartbar – sonst hätte ich sie ja nicht. Als ich mein Regal durchsucht habe, fiel mir aber eines ins Auge, das ich normalerweise links liegen gelassen hätte – „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner.

 

Junge Frau mit Depressionen, geschrieben von einer Musikmoderateuse, deren flippiges Auftreten mich nur so halb begeistert hat – ein Autor, der viel über Musik schreibt, der ebenfalls zu Popkultur zählt und im Alphabet gar nicht so weit weg ist – Nick Hornby – klingt schon eher nach meinem Beuteschema.
„Mängelexemplar“ also. Ich habe es gelesen – recht schnell, sind ja nicht so kompliziert, die Sätze – und gemocht. Denn die junge Frau ist bemerkenswert unniedlich – eigentlich will sie nur irgendwie klarkommen, doch da sind diese Panikattacken… Sarah Kuttner hat ihrer Protagonistin einen erstaunlich normalen Lebensweg mitgegeben, mit dem ich mich gut identifizieren konnte.
Zudem – und das hat mich überzeugt – ist das Ende zwar positiv, aber nicht kitschig-gut – und das mag ich.

„Mängelexemplar“ also.

 

Über sushey

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3 Antworten zu Tag 24: An welchem ich Fehler begehe

  1. alicia schreibt:

    Hallo Mängelexemplar,nun mach dir man über deine Fehler und Unzulänglichkeiten nicht so viele Gedanken. Das passt schon. Und überhaupt, wer mag schon Menschen ohne Ecken und Kanten? Furchtbar langweilig. Ma

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  2. ohrenrausch schreibt:

    Listen, ich liebe Listen; Bücher, von denen keiner denkt …; Bücher, die ich nur nach dem Cover gekauft habe; die ich verstecke, die ungelesen im Müll landen; die ich nutze, um den Monitor auf Augenhöhe zu bringen.

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