Die besten Bands, die es niemals gab

oder: die Existenz eines Dinges ist das Vorhandensein desjenigen selbst.

Im lesenswerten Musikblog Vinyl Galore gab es vor einiger Zeit einen Artikel, der eine Selbstbauanleitung für Plattencover enthielt. Das Ganze ist ein bisschen lustig, ein bisschen sinnfrei, und das Verhältnis zwischen Aufwand und Unterhaltungswert ist gut genug, im mich mal an diese Anleitung zu machen.
Hier also fünf Alben von fünf Bands, die es gar nicht gibt – und über eines werde ich irgendwann noch mal eine komplette Rezension schreiben😛

1. Human Waste Project – noteworthy events of this year


Den Preis für das beste Albumcover wird das Hardcore-Trio aus Baltimore wohl nicht mehr bekommen – dafür ist das Konzept der Songtitel umso erwähnenswerter: in ihren 12 Songs beschäftigt sich Sänger Mike Wilter mit 12 verschiedenen Ereignissen des vergangenen Jahres, die er besonders erwähnenswert hielt. Die Restband – Schlagzeuger und Gitarrist/Bassist – untermalt die Wuttirade mit entsprechend krachigen Klängen. So findet das herzhafte „Fuck you, BP! Fuck you and your dirty money!“ aus „black killing flood“ durchaus seine musikalische Entsprechung.
Das sie das Album veröffentlichen, bevor überhaupt ein Monat des neuen Jahres herum ist, schlägt sich deutlich in dem sehr rohen und unproduziert klingenden Sound nieder – aber man darf annehmen, dass es so gewollt ist.

2. c-bus – go suck a bug

Bei c-bus muss man sich erst einmal vergewissern, dass die Band nicht aus Detroit, sondern aus Schottland kommt, so reduziert und oldschool klingt der Techno auf der Platte. Wer meint, ein bisschen „Mogwai“, hier und da sogar „Boards of Canada“ herauszuhören, liegt nicht weit daneben: Initiator des Projekts ist Steven Lowell, Studiotechniker aus Schottland, der schon mit beiden Bands gearbeitet hat. Auf das ungewöhnliche „c-bus“ angesprochen, meinte er augenzwinkernd, es handele sich beim c-bus um einen bestimmten Kanal am Mischpult, der bei den Aufnahmen zu Mogwais letztem Album besonders viele Probleme bereitet hatte und ihn dazu inspirierte, dieses Album aufzunehmen, ohne ein einziges Mal auf diesen Kanal zurückzugreifen.

3. Boston Strangler – we’re camping out

Auch „Boston Strangler“ sind unter falscher Flagge unterwegs, denn die zwei Damen und zwei Herren stammen aus Australien. Ihr Folk-Rock zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Mitglieder der Band inklusive Gesang verschiedene Instrumente beherrschen und gerne wie wild durchtauschen – mitunter mitten in den Songs. Auf den Bandnamen angesprochen – der „Boston Strangler“ war ein berüchtigter Serienkiller – antwortete der Manager der Band nur, man würde ja schließlich verrückte Dinge von den Australiern erwarten – und da die Musik es eher weniger sei, müsse dann eben der Bandname ein Knaller sein. Na dann mal viel Glück…

4. David Rumsey – Vergiftet die Religion die Welt?

David Rumsey – der Vater des Münsteraners ist Amerikaner – studierte eigentlich Philosophie und Ethik. Er sei als Jugendlicher gerne mit den Pfadfindern unterwegs gewesen und habe dort das Gitarrenspielen gelernt. Irgendwann kam beides zusammen, und als er einen lokalen Kneipenwettbewerb gewonnen hatte, wurde die Musikwelt aufmerksam. So einfach kanns gehen, jedenfalls wenn man seinen Ausführungen glauben kann.
Seine Singer-Songwriter-Songs stehen irgendwo zwischen Reinhard Mey und Gisbert zu Knyphausen, und er befasst sich mit weit mehr als Religion: es geht um die Gesellschaft, um Liebe, um Glauben, um Zukunft und Vergangenheit.
Warum der provokante Titel? Er habe nach etwas gesucht, das seiner unentschlossenen Haltung gegenüber Kirche und Glauben einen Reibungspunkt gebe, sagte er. Irgenwann habe er beim Zappen „Menschen bei Maischberger“ gesehen, mit genau jenem Titel, „und der musste es dann sein.“

5. Treibachse – Das ist Konsumverhalten

Wer das Albumcover von „das ist konsumverhalten“ sieht, könnte leicht auf die Idee kommen, „Treibachse“ wäre eine deutsche Punkband aus den Achtzigern – vielleicht eine jener Bands, in denen Bela B. und Farin Urlaub ihr Handwerk lernten.
Man könnte fast nicht weiter daneben liegen: „Treibachse“ ist ein Projekt zweier österreichischer Werbefachleute, die fanzösische Chansons singen. Doch laut Aussage von Arsene Figuta, einem der beiden Kollaborateure, hätten sie beide bei einem rotweingeschwängerten Abend festgestellt, dass sie viele Platten im Regal übersähen, weil die Punkplatten so „marktschreierisch designt“ seien – und schon war die Idee geboren, es ebenso zu machen: „Wir bekamen sogar eine Email von einem 15-Jährigen Punker, der sich zunächst geschockt, dann begeistert zeigte. Ich glaube, das nächste Mal designen wir das Cover im Stile einer Metal-Band.“
Glücklicherweise haben Metaller viel Humor…

 

Über sushey

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3 Antworten zu Die besten Bands, die es niemals gab

  1. Martin schreibt:

    Nein, wie geil ist das denn. Auch noch ganze Lebensläufe zu den Bands gedichtet. Es ist unglaublich, ja du hast recht es mindestens so sinnfrei wie lustig, aber es ist so unglaublich kreativ-produktiv.
    Ich muss sagen, wäre es nicht alles fake, würde ich mir die Platte von Boston Strangler kaufen.

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    • sushey schreibt:

      Vielen Dank für die warmen Worte und den Tweet!
      In der Tat fand ich die Aktion sehr inspirierend, und da meine Fähigkeiten als Grafiker niederschmetternd sind, wollte ich noch nen kleinen Mehrwert bieten.
      „Boston Strangler“ sind auch mein heimlicher Liebling und heißer Kandidat für ein Fake-Review…

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