2012

Es ist einer jener wunderschönen Tage im Spätwinter. Man merkt gar nicht, dass es schon recht spät ist, denn weil der Himmel knallblau und wolkenlos ist und die Tage – an sich unmerklich, aber heute doch spürbar – länger werden. Die Luft ist klar und eiskalt, und als die Sonne doch irgendwann durch ein blau-gelb-orangenes Farbenmeer abtaucht, hat man – anders als sonst im Winter – nicht das Gefühl, dass der Tag jetzt endet, sondern der Abend beginnt.

Zwei Gestalten laufen vom Hauptgebäude der TU Berlin quer über die Straße des 17. Juni zum Mathegebäude, um die dort abgestellten Fahrräder loszuketten und aufzusatteln.

Nach zwei Vorlesungen, in denen das vergangene Semester zusammengefasst wurde – einmal Analysis, einmal Elektrotechnik – freue ich mich auf das Radfahren. Die Luft und die Bewegung werden mir helfen, den Kopf für die anstehende Lernsession frei zu bekommen. Während ich die typischen Startvorkehrungen treffe – Schlüssel ins Schloss, Schloss in den Rucksack, Lampe ans Rad, Hose in die Socken gesteckt, Mütze und Handschuhe auf bzw. an – durchzuckt mich ein Gedanke:

Sollte 2012 nicht die Welt untergehen?!? 

Und zum ersten Mal sehe ich den praktischen Aspekt dieser normalerweise müßigen Frage:
Nur mal für einen Moment angenommen, die Welt ginge tatsächlich 2012 unter, wie von Roland Emmerich und dem Maya-Kalender weißgesagt – dann wäre es reichlich dämlich, jetzt für die Klausuren zu lernen.

Ich meine, da gibt man sich Mühe, das Wissen draufzuschaufeln, und vielleicht kommt es niemals zur Anwendung, weil das jüngste Gericht vermutlich nicht sonderlich viel Interesse am Taylor-Polynom dritten Grades von f(x) haben wird.

Wie dumm – im wörtlichen wie übertragenen Sinne – stünde ich allerdings da, rauschte ich jetzt mit wehenden Fahnen, Pauken und Trompeten durch die Prüfungen; nur um festzustellen, dass die Apokalypse die Frage

eher – großzügig beantwortet?

Ein Dilemma.

Auch auf den Kompromiss – die Prüfungen bis 2012 aussetzen – wollten sich erstaunlich wenige ProfessorInnen einlassen; es würde mir also sehr helfen, wüsste ich, ob 2012 wirklich das Ende sein wird.

Was mich zurück zu diesem Problem führt:

Und um diese – und ähnliche Fragen nach dem hier, dem da, dem jetzt, dem später und überhaupt zu klären – bleibt ein klitzekleines, recht einfach zu lösendes Problem:

Über sushey

twitter.com/milch_mit_honig
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2 Antworten zu 2012

  1. sasa schreibt:

    Ich hab von diesem ganzen Kram gelesen so von wegen die Welt geht unter und das ist eigentlich ein totaler Mist bzw. ist eine reine Interpretationssache da die Mayas ja für den 21.12.2012 nur den Anfang einer neuen Periode angekündigt haben und die Menschheit anstatt eines Anfangs immer nur das Ende sehen mag.

    Wie kommt so ein toller Blog nur dazu mir einen so langen Kommentar über meine Bildung und die Zukunft zu hinterlassen? Immer wieder faszinierend.

    Gefällt mir

  2. sushey schreibt:

    Ach so, nur ne neue Periode. Ehrlich gesagt ist das doch die bessere Alternative, denn auf den Verdacht hin habe ich trotzdem gelernt – und irgendwie fände ich es gar nicht mal so schlecht, wenn die Welt sich auch nach dem 21.12.2012 weiterdrehte…

    Vielleicht ist dir aufgefallen, dass ich die Anfang/Ende-Thematik im ersten Absatz aufgegriffen habe – ich versuche nämlich, eher Anfänge als Enden zu sehen, auch wenn das manchmal schwer ist.

    Vielen Dank für das Kompliment!

    Wie ich dazu komme, einen Kommentar zu hinterlassen?
    Dein Post hat mich einfach angesprochen.
    Oft genug stecke ich selber in solchen inneren Konflikten, und da hilft es mir schon, zu wissen, dass ich nicht alleine bin mit meinen Gedanken.

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