Obscura – Omnivium (2011)

Es beginnt recht harmlos, mit einem Intro, das mit seinen zwei gezupften Akustikgitarren schon beinahe klassisch klingt – bis vor Ablauf einer knappen Minute die Elektro-Äxte dazwischenfeuern, das Doublebassgewitter loslegt und der Sänger sein Bösestes tut. „Septuagint“ bietet auf seinen 7:20 Minuten einen guten Vorgeschmack auf das, was den Hörer im aktuellen Album von Obscura erwartet: Death Metal mit Prog- und Jazz-Einflüssen und eben Gesang, der mal schön warm gesungen, dann wieder derbe gegrowlt ist. Kurze Akustik-Einsprengsel sorgen für ordentlich Dynamik.

Es ist eines jener Alben, die förmlich unter Kopfhörern gespielt werden wollen, damit man auch ja jedes Detail mitbekommt – und im Kopf dann mehr oder minder explodiert.

Dabei fällt der Bass positiv auf; fretless gespielt und mit einigen schönen Riffs versehen, ist er tatsächlich gut zu hören! Das sollte ein Beispiel für Bands wie Dream Theater sein, die ihren herausragenden Bassisten im Mix regelmäßig zu wenig beachten – selbst in so knüppelharten Stücken wie „Vortex Omnivium“ oder am Anfang von „Celestial Spheres“ gibt es ein schönes, akustisches Fundament. Weiterlesen „Obscura – Omnivium (2011)“

Land of Katzenjammer (Konzert 10.04. Berlin)

Ich hatte mal eine Freundin, die mich des Nachts aufweckte, und auf meine verständnislose Frage hin, was das denn solle, sagte sie, ich hätte einen Alptraum gehabt und sie habe mich daraus retten wollen.

Auf so viel Verständnis hatte Unni Wilhelmsen auch gehofft, als sie aufwachte und in den Arm genommen werden wollte – doch ihr Freund hatte nur Appetit auf Orangen, wie uns die Songwriterin über die Entstehung ihres Songs „Orange“ erzählte.

Anfangs nur mit einer Gitarre bewaffnet, später auch mal am Klavier, sollte sie das Publikum aufwärmen für die „Explosion, die eine Band wie Katzenjammer ist“, wie sie selber sagte. Und das tat sie dann auch.
Musikalisch in einer deutlich ruhigeren Ecke angesiedelt als Katzenjammer, aber durchaus sympatisch und mit einigen netten Songs ausgestattet – von denen „Orange“ und das Joni-Mitchell-Cover „Both Sides„, sowie „Space Opera“ hervorstachen.

Orangen bestimmten wortwörtlich auch bei Polka Björn & Kleine Heine im Anschluss das Bild, von denen einer ein Akkordeon, der andere eine Stimme mit unglaublichem Umfang sein Eigen nannte. So konnte er sehr beeindruckend jodeln, aber auch sehr tief singen, und als sei das alles noch nicht der Verrücktheit genug, hat er während eines Akkordeon-Solos auch noch jongliert – natürlich mit Orangen…
Ein sehr lustiger Act.

Auftritt der vier Hauptdarstellerinnen des Abends, die vom Start weg mit ihrem Highspeed-Balkan-Pop-Folk-Cabaret für Stimmung sorgten und somit in Songwriting und Abgedrehtheit ihre beiden Voracts vereinten und übertrafen – die nachfolgenden anderthalb Stunden plus zwei kurzer Zugaben waren sehr unterhaltsam. Weiterlesen „Land of Katzenjammer (Konzert 10.04. Berlin)“

Und was machst du,

wenn du oben angekommen bist?

Elaine ist einigermaßen irritiert. Alex hat ihr die Frage vor etwa 20 Minuten gestellt, und ausser einem spontan hingestammelten „Naja, dann bin ich oben. Ich könnte herunterschauen.“ ist sie noch nicht zu einer befriedigenden Antwort dieser Frage gekommen.

Es ist ruhig seitdem. Schweigend gehen sie nebeneinander her, Schritt für Schritt. Alex weiß, wann es angebracht ist, nichts zu sagen, und Elaine mag ihn sehr dafür.

Und doch hat er diese irritierende Frage gestellt. Sie klingt so einfach, logisch und konsequent. Wer irgendwo heraufgeht, tut dies zu einem Zweck.

„Und was machst du, wenn du oben angekommen bist?“ – Elaine dreht diese Frage in ihrem Kopf hin und her; wie eine Forscherin ein Insekt, so will sie sie zwischen ihren Fingern halten und von allen Seiten beleuchten.

Elaine tut sich so schwer mit der Antwort, denn für sie gibt es selten ein „oben“. Also, den Weg dahin, den gibt es häufig.

Elaine ist immer auf dem Weg nach irgendwohin, doch sie ist bisher noch nicht so oft irgendwo angekommen. Im räumlichen Sinne natürlich schon, aber im übertragenen Sinne eben selten.

Sie bewundert Menschen, die so erscheinen, als seien sie angekommen, und manchmal machen diese Menschen ihr auch ein bisschen Angst.

Es geht hinauf, immer weiter. Die Sonne scheint ihr auf den Rücken, und wenn sie und Alex kurz Pause machen, dann riecht sie die Frische des Frühlings.

Es geht voran, und das findet sie gut.

„Und was machst du, wenn du oben angekommen bist?“

Elaine weiß es nicht wirklich. Es ist auch nicht wichtig. Irgendwas wird sich schon ergeben, und wenn es nur die Aussicht ist, die sie genießen werden.

Sie kommen gut voran, und bald schon sind sie oben.

Oben angekommen.

Sie beglückwünschen sich zu dem Aufstieg, schauen sich um, schnaufen einmal ordentlich durch.

Und dann geht Elaine an die Kante.

Sie breitet die Arme aus, der Wind weht ihr um die Nase, lässt sie kurz die Luft anhalten und dann wieder atmen. Es rauscht in ihren Ohren, und als sie die Augen schließt, verschwindet die Welt für einen Moment.
Sie lehnt sich in den Wind, lässt sich von ihm tragen und stellt sich vor, sie könne fliegen.

Für einen Augenblick fühlt sie sich frei, schwerelos und glücklich.

Frei von allem. Von ihrem eigenen Gewicht, von den Gedanken, den Stimmen, die das Rauschend es Windes verdrängt.

Sie genießt den Moment, kurzzeitig aus der Welt entflüchtet, kurzzeitig sich selber entkommen.

Elaine dreht sich zu Alex um: „Siehst du, das mache ich, wenn ich oben bin.“ sagt sie, und es ist einer der seltenen Momente, denkt Alex, in denen Elaine wirklich glücklich aussieht.

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