Boston Strangler – We’re Camping Out (2001)

Als ich in Neuseeland auf einem Konzert der „Lads“ war, spielte eine Vorband, die ich beinahe besser fand, als den eigentlichen Hauptact. Es handelte sich um vier AustralierInnen, die einen Folkrock spielten, den man sich in etwa so vorstellen muss, wie eine Mischung aus Nick Drake und Katzenjammer.

Ich hatte viel Spaß und habe mir natürlich vor Ort das Debütalbum „We’re Camping Out“ gekauft, auf dem 12 wahre Perlen nur darauf warteten, gehört zu werden.

Das Besondere dieses Albums ist die Mischung aus Energie und Poesie; die zwei Mädels und zwei Jungs teilten sich nicht nur Live die Instrumente und Gesangparts, auch lyrisch hatte jede(r) etwas beizusteuern.
So hat der Opener „Dusty Spring, Muddy Water“ nicht nur einen schönen Titel, sondern Zeilen wie „Take me to the shore, let’s open our heart, let’s soften our core“ tragen zur Gänsehautstimmung bei dem nur von gezupfter Gitarre und gestrichenem Cello begleiteten Lied bei – Katzenjammers „Wading in Deeper“ lässt grüßen…

Die anschließende Ulknummer „The Flower is Hot“ legt da gleich mal einen Gang zu – und die Band schafft es, den an sich lustigen Song mit einem sehr subtilen melancholischen Unterton zu versehen, der nur hier und da zu vernehmen ist.

Songs Drei und Vier verfahren – etwas ernster und nachdenklicher – nach dem ähnlichen Schema, wobei der Backgroundgesang im Refrain von „Today“ in seiner Qualität dem von Queen in Nichts nachsteht, so perfekt harmonieren die vier Stimmen.

Es wird wieder ein klein wenig ruhiger. „Under the roof“ erzählt einige Episoden aus der Kindheit von Graham Andrews, der überhaupt die introvertiertesten der Texte geschrieben hat. Kostprobe?

„I sit in the sun,
yet it gets cold.
Will I hurt mum?
I don’t wanna get old.“

– es geht um einen heftigen Streit seiner Eltern mit seinem größeren Bruder, den Andrews mit angehört hatte.

Eine besondere Erwähnung unter zwölf gleich hörenswerten Titeln bekommt noch „Ululuru„, ein unheimlicher Siebenminüter, der – passend zum Titel – mit Didgeridoos und diesem geschwungenen Holz anfängt – die Schwingungen ergeben einen tiefen, dunklen Grundton, der mal an- mal abschwillt und irritierend bedrohlich und vertraut zugleich klingt. Der merkwürdige, unbeschreibliche Gesang dazu tut sein Übriges.

„Boston Strangler“ – deren Bandname übrigens der „Spitzname“ eines amerikanischen Serienkillers ist – haben ein beeindruckendes Debütalbum hingelegt, dem leider keine Platte mehr folgen wird: Im Sommer 2002 unternahm Graham Andrews einen mehrtägigen Fußmarsch durch abgelegenere Gegenden im Bundesstaat Queensland, um „die Seele zu reinigen und zu neuen Erkenntnissen zu gelangen“ – und seitdem wurde niemals wieder eine Spur von ihm gesehen.

Der Rest der Band löste sich daraufhin auf.

Nachtrag (02.04.): Wer sich wundert, dass er/sie nichts zu „Boston Strangler“ im Internet gefunden hat, schaue mal auf das Datum des Artikels…

Über sushey

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Eine Antwort zu Boston Strangler – We’re Camping Out (2001)

  1. alicia schreibt:

    Hi Sascha mir ist langweilig und da dachte ich ich schreib dir.

    PS. Hab ich ganz alleine geschriben

    HDGDL liebe grüße von alicia

    Gefällt mir

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