Foo Fighters – Wasting Light (2011)

oder: die Wiederentdeckung des Testosterons.

Dass eine Rockband nicht immer „volles Brett“ geben muss, um zu rocken, haben die Foo Fighters bereits mit den letzten beiden „echten“ Longplayern bewiesen, auf denen leise, verträumte Stellen mit den krachigeren Momenten für eine spannende Dynamik gesorgt haben.

Wer befürchtete, dass den Foos dadurch ein wenig das Fighten abhanden gekommen war, dürfte sich schon mit den ersten Tönen von „Bridge Burning“ beruhigt in die Headbang-Position begeben haben:
Das Album springt mit erfrischendem, wuchtigen Rock aus den Boxen, die Gitarrenverstärker ordentlich aufgedreht. Man darf sich an „One By One“ erinnert fühlen; allerdings ist der Sound deutlich zeitgemäßer und aufgeräumter.

Damit ist dann „Bridge Burning“ auch passend betitelt: das leicht nervöse Intro, welches vom muskulösen Schlagzeug überrollt wird, kappt rigoros die Brücke zum Rausschmeißer „Home“ aus „Echos, Silence, Patience & Grace“ – wer mag, kann sogar eine ordentliche Portion Grunge aus dem Opener heraushören.

Das Tempo bleibt, die Geschwindigkeit ebenfalls – man spürt schon beim zweiten Song, dass es auf diesem Album keine gefühlvollen Balladen geben wird.

„White Limo“ z.B. kann schon fast in Richtung Thrash Metal einsortiert werden; der stark verzerrte Gesang zu den harten Riffs tut da Einiges.
Dave Grohl scheint überhaupt einige Ideen und Erfahrungen vor allem aus seinem kleinen Ausflug mit den „Crooked Vultures“ mitzubringen; viele Stereo-Spielereien und Effekte peppen den Sound auf.

So beginnt „Arlandria“ mit einem fetten „Crooked Vultures“ – Riff und schlägt dann eine etwas gemäßigtere Richtung ein – und wird somit zu einem typischen Foo Fighters – Song.
Überhaupt zeigt das Album recht deutlich eine der Hauptstärken (und -Schwächen) der Band: An sich einfach strukturierte Rocksongs bekommen durch interessante Riffs und eingängige Hooklines eine zeitlose Dimension – wirken dadurch aber manchmal poppiger als sie eigentlich sind.

„These Days“ z.B. klingt ein wenig so, als sei er von Tylor Hawkins geschrieben worden; der Drummer ist zwar ein passabler Sänger, seine Songs sind aber – um es positiv zu formulieren – recht einfach gestrickt. Ich mag den Song trotzdem; in ihm sind viele typische Foo-Elemente vereint – und man kann ihn sofort mitsingen…

Zu Hawkins‘ Ehrenrettung muss man aber sagen, dass das Schlagzeugspiel außerordentlich gut gelungen ist; gerade auf „Rope“ zeigt er, was er hinter den Kesseln kann – und das ist Einiges.

Im Anschluss geht es wieder härter zur Sache.

Selbst das introspektive „I Should Have Known“ gibt sich in Sachen Lautstärke keine Blöße – die Nummer würde allerdings auf „Skin and Bones II“ zum 30. Bandjubiläum in der Unplugged-Version mit Orchester der absolute Knaller werden.

„Wasting Light“ macht Spaß; ähnlich hochenergetischen Rock gab es bei den Foo Fighters zuletzt auf „One By One“ oder in ihrem Frühwerk. Einige Songs hätten ruhig komplexer sein dürfen; etwas weniger Eingängigkeit und ein wenig mehr Stonerrock, und es wäre eine ähnlich bemerkenswerte Scheibe wie das Debüt von „Them Crooked Vultures“.

Trotzdem sehr hörens- und kaufenswert!

Das Album als Vorabstream

Mehr Foo Fighters / Crooked Vultures

Live ebenfalls ein Knaller!

Über sushey

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