Land of Katzenjammer (Konzert 10.04. Berlin)

Ich hatte mal eine Freundin, die mich des Nachts aufweckte, und auf meine verständnislose Frage hin, was das denn solle, sagte sie, ich hätte einen Alptraum gehabt und sie habe mich daraus retten wollen.

Auf so viel Verständnis hatte Unni Wilhelmsen auch gehofft, als sie aufwachte und in den Arm genommen werden wollte – doch ihr Freund hatte nur Appetit auf Orangen, wie uns die Songwriterin über die Entstehung ihres Songs „Orange“ erzählte.

Anfangs nur mit einer Gitarre bewaffnet, später auch mal am Klavier, sollte sie das Publikum aufwärmen für die „Explosion, die eine Band wie Katzenjammer ist“, wie sie selber sagte. Und das tat sie dann auch.
Musikalisch in einer deutlich ruhigeren Ecke angesiedelt als Katzenjammer, aber durchaus sympatisch und mit einigen netten Songs ausgestattet – von denen „Orange“ und das Joni-Mitchell-Cover „Both Sides„, sowie „Space Opera“ hervorstachen.

Orangen bestimmten wortwörtlich auch bei Polka Björn & Kleine Heine im Anschluss das Bild, von denen einer ein Akkordeon, der andere eine Stimme mit unglaublichem Umfang sein Eigen nannte. So konnte er sehr beeindruckend jodeln, aber auch sehr tief singen, und als sei das alles noch nicht der Verrücktheit genug, hat er während eines Akkordeon-Solos auch noch jongliert – natürlich mit Orangen…
Ein sehr lustiger Act.

Auftritt der vier Hauptdarstellerinnen des Abends, die vom Start weg mit ihrem Highspeed-Balkan-Pop-Folk-Cabaret für Stimmung sorgten und somit in Songwriting und Abgedrehtheit ihre beiden Voracts vereinten und übertrafen – die nachfolgenden anderthalb Stunden plus zwei kurzer Zugaben waren sehr unterhaltsam.

Das Set drehte sich in der Hauptsache um das 2009er Album „Le Pop“, und so durften wir auf des Teufels Rücken reiten („Hey Ho (On The Devils Back)„), tranken einen zuckersüßen Zimttee („Tea With Cinnamon„) und hörten dem Wind zu („To The Sea„) – gerade bei Letzterem konnte das Publikum die Band mit seiner Textsicherheit und Sangeskunst überraschen; auch bei „Gypsy Flee“ durften die üblichen Crowdspielereien nicht fehlen.

Für die ruhigeren Momente sorgte vor allem das wunderschöne „Lady Marlene“ und das wehmütige „Mother Superior“.

Entsprechend den Anfordernissen eines Songs wechseln die Damen munter nicht nur im Instrumentarium (oder spielen mehrere Instrumente gleichzeitig), sondern auch in den Gesangsrollen. Dabei harmonieren die Stimmen wunderbar; es gibt kaum ein Lied, bei dem die Leadsängerin nicht tatkräftig von den drei Anderen unterstützt wird.

Die vier Norwegerinnen hatten sichtlich nicht nur Spaß daran, ihre Musik, sondern auch mit ihren Kolleginnen zu spielen – mit Anne Marit als multiinstrumentalistischer Romantikerin, Solveig als Hippemusikerin, Turid als kühle Blonde und Marianne als wuchtige Rampensau – das Auge isst ja schließlich auch mit…

Allzu schnell war der offizielle Auftritt vorbei, doch glücklicherweise ließ die Band sich nicht lange bitten und kam für eine längere und eine recht kurze Zugabe zurück auf die Bühne.

Eigentlich hätte ich mir gerne noch die dramatische Melancholie von „Wading In Deeper“ gewünscht, aber der Abend war dafür viel zu beschwingt und fröhlich und endete folgerichtig in „A Bar in Amsterdam“ – naja nicht ganz, aber fast.

An Orangen dachte da schon lange niemand mehr.

Unni Wilhemsen – Offizielle Seite
Katzenjammer – Offizielle Seite
mehr Katzenjammer auf milchmithonig
Katzenjammer im fastforward-magazin
und dieses Konzert im Rockpalast war der Auslöser

p.S.: die Überschrift bezieht sich natürlich auf diese sexy Version von Land of Confusion

Über sushey

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Eine Antwort zu Land of Katzenjammer (Konzert 10.04. Berlin)

  1. Judith schreibt:

    Es gibt echt Menschen, die finden die Vorstellung von Aliens + Cowboys romantisch?😀 Find ich gut.

    Das mit den Römern glaube ich übrigens nicht. Es gibt einen Grund, warum Asterix & Obelix sie verprügelt haben.

    Gefällt mir

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