Die Architektin

Sie schaut schon ein wenig konsterniert.

Ihr Gesicht etwas starr, die Augen auf einen Punkt jenseits von mir fokussiert und mit den Lippen knetend, setzt sie zu einer Antwort an, aber da ich noch nicht fertig bin, sage ich: „Ich meine, komm schon. Ein LKW in der Küche? Also ich meine, die Idee ist nicht schlecht, aber da ist mir doch sofort klar, dass da mit der Logik etwas nicht stimmt.“

Sie atmet tief ein und setzt zu ihrer Antwort an: „Ja, aber das waren die Themen, die dich an dem Tag beschäftigt haben. Ich kann nur mit solchen Bildern und Metaphern arbeiten, das weißt du. Und immerhin musst du da mal draufkommen, mit der Ladebordwand genau durch die Tür, und die Perspektive…“

Ich gebe ja zu, dass sie da Recht hat. Es war wirklich eine tolle Idee gewesen, sonst hätte ich mich ja auch nicht dran erinnert. Nur die Sache mit der Logik…

Vielleicht erwarte ich auch zu viel. Im Allgemeinen macht sie einen wirklich tollen Job, das muss man ja mal sagen. Viele Szenerien wirken sehr lebensecht, so sehr, dass ich mich manchmal drin verliere. An andere kann ich mich noch lange erinnern, und auch, wenn sie phantastisch sind, so bewundere ich sie für ihre Bildsprache, denn das Visuelle ist dann nicht meine größte Stärke.

„Kannst du nicht etwas machen, das genau so toll ist wie die Sache mit dem LKW, sich genau so echt anfühlt, genau das Gleiche aussagt und … realistischer ist? Dann wäre es auch beständiger…“ doch ich merke, dass ich mit diesen Forderungen auf verlorenem Boden stehe. Ich verlange nach einer eierlegenden Wollmilchsau, dabei ist das, was ich bekomme auch so schon toll.

„Also. Nein. Da verlange ich ein bisschen viel. Aber irgendwas Realistischeres…“

Sie schaut mich an. Tiefe, dunkle Augen, ernster Blick, immer noch knetende Lippen:

„Ich denke, dass es möglich wäre. Ich könnte dir zum Beispiel das hier geben, das ist aber nur ein Entwurf.“

Und während sie mir den Entwurf zeigt und wir uns drüber unterhalten, und während das Gespräch abstrusere Formen annimmt, spüre ich, dass es das nur kann, weil wir uns schon längst in einem weiteren Traum befinden…

Über sushey

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