Flaschenpost

Nach gestriger umfang- (und eventuell erfolg)reicher Lernsession wollte ich mich mal von meinem Schreibtisch befreien und schlug einer sich auf der jenseitigen Seite befindlichen Freundin vor, man könne sich doch am Kanal treffen, sich ein Bierchen zu Gemüte führen und den Abend enspannt ausklingen lassen.

Gesagt, getan und alsbald befanden wir uns, Kaltgetränk in der jeweiligen Hand, am Ufer. Links saß ein Gitarrero, der den Abend musikalisch untermalte, rechts hielt sich eine junge Dame damit beschäftigt, lauthals igendwelche Terminabsprachen und halbherzige Herkommens-Überredeversuche in ihr Telefon zu brüllen – Flussidylle eben.

Wir aßen selbstgebackene Cupcakes, schnackten, bewunderten das Zusammenspiel von Mond und Wolken, eine Straßenlaterne flackerte lustig vor sich hin, und des Gitarreros Kumpel informierte uns freundlicherweise über ein paar halbernst gemeinte Verschwörungstheorien, in denen Kondensstreifen, merkwürdige Chemikalien, Radarstrahlen und Politiker, die allesamt durch ausserirdische Echsen ersetzt wurden, eine Rolle spielten.

Zwischen den Gesprächsblöcken gab es immer wieder Phasen des Aufs-Wasser-Starrens – und da entdeckten wir sie: eine Flasche, die mit irgendwas gefüllt war.

Es hätte Müll sein können, aber ich war mir sicher: da steckt ein Brief drin.

Die Neugier war also geweckt, und einige abgebrochene akrobatische Versuche und eine Angelaktion mit ihrem Gürtel später wurden wir tatsächlich für die Mühen belohnt:

In der Flasche befand sich mitnichten Unrat, sondern in der Tat zwei Briefe, verfasst in einem Bauwagen, der sich Luftlinie etwa 800 Meter entfernt befand. Ein kleines Mädchen beschrieb dort – auf stilecht verbranntem und mit Totenkopf verziertem Papier – dass sie an einer Ferienaktion teilgenommen hatte, zu der eben auch das Schreiben dieser Flaschenpost gehörte und sie sich natürlich freuen würde, gäbe es eine Antwort.

Die – das beschlossen wir sofort – es natürlich geben müsste. Da sie allerdings sicher mit – nunja, exotischeren – Orten gerechnet hat, als das Maybachufer, werden wir die Post natürlich wieder fachgerecht verpacken und zurück in den Fluss werfen.

Ich bin für mehr Flaschenpost in dieser Welt.

Über sushey

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3 Antworten zu Flaschenpost

  1. Jetteken schreibt:

    Schreibt ihr ihr trotzdem?

    Gefällt mir

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