日本、おめでとう!

Ich hoffe, die Überschrift heißt auch tatsächlich „Herzlichen Glückwunsch, Japan!“…

Homare Sawa feiert

Gestern war also das Finale der Frauen-Fußball-WM – wider kollektivem Erwarten mit zahlenmäßig sehr geringer deutscher Beteiligung, aber wie ich finde, mit den besten beiden Mannschaften des Turnieres.

Zu den Amerikanerinnen mit ihrer leicht pathosbeladenen „Mission: Wir holen den Titel heim“ muss man nicht mehr viel sagen. Von Pia Sundhage augenscheinlich hervorragend auf ihre jeweiligen Aufgaben vorbereitet, überzeugten sie vor allem durch ihre kämpferische Leistung: allen voran Abby Wambach als personifizierter Siegeswille.
Ihre Präsenz auf dem Platz, ihre Entschlossenheit waren schon beeindruckend, was die ebenfalls guten Leistungen ihrer Kolleginnen wie Hope Solo oder Alexandra Krieger nicht schmälern soll – auch wenn gerade die beiden gestern den ein oder anderen Aussetzer zeigten.

Die kollektive Leistung der Japanerinnen allerdings war sehr beeindruckend. Immer ruhig, auf den Spielaufbau bedacht, taktisch sehr diszipliniert und technisch unwahrscheinlich versiert. Ein ums andere Mal habe ich eine Japanerin von vier oder fünf Gegenspielerinnen umgeben gesehen – mit dem Ergebnis, dass die Japanerin sich durchsetzt.

Vor allem die stoische Ruhe.

Gegen Deutschland mussten sie ja „nur“ geduldig sein und auf ihr Tor warten – gegen Schweden und die USA allerdings gab es jeweils Rückstände aufzuholen. Was sie dann aber auch taten. Ballsicher, mit gutem Auge für die Mitspielerinnen und immer wieder nachsetzend – die fehlende Körpergröße wird mehr als ausgeglichen durch diese Eigenschaften.

So hatte ich vor dem Spiel den Japanerinnen die größeren Chancen gegeben – wenn sie es nur schafften, die Amerikanerinnen irgendwie in Schach zu halten.

Die widerum legten los wie die Feuerwehr und wollten dem Publikum tatsächlich etwas bieten. Es hätte auch schon 3:0 stehen können, als die Japanerinnen sich befreien und den ein oder anderen Nadelstich setzen konnten, und die Expertenrunde im heimischen Wohnzimmer mutmaßte schon, die vielen ausgelassenen Chancen seitens der USA könnten sich noch rächen – und folgerichtig folgte dem 1:0 durch Morgan der Ausgleich nach der einzigen Chance, die die Japanerinnen hatten.
Es ging in die Verlängerung – und niemand in unserer Runde beschwerte sich darüber, denn das Finale war wirklich sehenswert.
Die Amerikanerinnen rannten um den Sieg, und bei den Japanerinnen fragte man sich, wann sie denn mal die Handbremse lösen und tatsächlich einen Angriff starten würden. Es folgten das wuchtige 2:1 und der schlitzohrige Ausgleich, und damit hieß es dann: Elfmeterschießen.
Und hier muss man sagen: an der japanischen Torhüterin ist ein kleiner Olli Kahn verloren gegangen. Wie Kaihori  den ersten Elfer noch mit dem Fuß pariert hat, war unglaublich.

Und schließlich siegten stoische Ruhe und taktische Disziplin vor Kampfgeist und Siegeswillen.

Es waren Nuancen, die das Duell dieser beiden so unterschiedlichen Spielweisen entschieden: der Lattentreffer von Wambach, das vermeintliche Abseits der Japanerinnen – jede dieser Situationen hätte das Spiel entscheiden können.
So aber bleibt ein Bild dieser WM die glückliche und etwas verwirrte Homare Sawa, die sich auch bei der vierten Trophäe, die sie absahnt, nicht sicher ist, wo auf dem Podium sie stehen, und in welche Kamera sie denn nun schauen soll.
Das zweite, ebenfalls beeindruckende Bild ist das der traurigen, geschlagenen Abby Wambach, die als erste den Japanerinnen gratuliert – und das verlangt mir mehr Respekt ab, als alle martialischen Sprüche davor und ihre kämpferische Härte auf dem Platz.

Ein kleines Wort noch zur Schiedsrichterleistung: Es gab auch im Verlauf dieser WM indiskutable Schiedsrichterleistungen – nicht geahndete Fouls, übersehene Handspiele usw. – aber wie Bibiana Steinhaus das Finale leitete, wurde diesem Spiel mehr als gerecht.
Freundlich, aber konsequent, mit dem richtigen Auge für den Vorteil und nur einer einzigen Fehlentscheidung – das angesprochene Nicht-Abseits – hatte Steinhaus einen großen Anteil daran, dass das Finale so toll wurde, wie es war.
Ich hoffe sehr, dass sie dann übernächste Saison auch endlich in der Bundesliga pfeifen darf – und ein Rollenvorbild für viele andere SchiedsrichterInnen ist.

(c) für das bild: noworks?

Über sushey

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3 Antworten zu 日本、おめでとう!

  1. Anna schreibt:

    Heißt es🙂
    Zum Rest kann ich nix sagen, ich schau kein Fußball….

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    • sushey schreibt:

      Dankeschön!
      Gestern hätte es sich gelohnt; es war ein sehr spannendes Spiel.
      Und vor allem: die Japanerinnen waren alle klein, süß und harmlos – bis sie eiskalt zugeschlagen haben😉

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  2. Anna schreibt:

    Endlich jemand der mich versteht:
    Klein, süße und harmlose Halb-Japanerin🙂

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