Schweden

Prolog: Vor etwa drölf Jahren traf ein junger Abiturient die Entscheidung, zu einer Party zu fahren. Als viel folgenreicher erwies sich die Idee, einen weiteren jungen Mann mitzunehmen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Wegen dieser aber landete ich am vergangenen Freitag in

Schweden

Die erste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten: in Schweden nennen sie den Euro „Krone“, und sie sind ein bisschen eigen mit dem Bezahlen – man kann nämlich nur mit einer Euro-Sonderedition bezahlen, deren Banknoten deutlich anders aussehen als die, welche ich dabei hatte.
Na gut, dann würde ich mich einmal mehr auf meinen Charme verlassen müssen, um eventuell aufkommende Bezahlungen diplomatisch zu klären.

Da wir uns allerdings auf einem kleinen Gehöft inmitten einer kleinen Siedlung in der Nähe einer kleinen Stadt inmitten im Wald befanden, schätzte ich das Konsumrisiko ohnehin als relativ gering ein².

In ebendiesem Wald befand sich die zweite Überraschung: Die Schweden haben überall kleine Häufchen von Schokobons verteilt, die man nur aufzusammeln braucht. Eine kurze Geschmacksprobe ergab, dass sie wohl schon zu lange im Wald lagen – sie schmeckten wie schon mal gegessen.
Ich wurde kurz später freundlicherweise darüber aufgeklärt, es handele sich um Hinterlassenschaften eines sogenannten „Elches“¹ – also bitte.
Um Schokobons zu hinterlassen, muss man Schokobons essen, und jeder weiß doch, dass Schokolade für Tiere nicht gut ist.

Der Gang in den Wald war Teil einer längeren Wanderung um den nahegelegenen See, doch trotz intensiver Versuche inklusive Elch-Suchstock konnten wir keines der Tiere sichten.

Und so verliefen die Tage: nach spätem Aufstehen und langem Frühstücken schnappt man sich eines der zahlreich vorhandenen Kinder oder der ebenfalls anwesenden Hunde und hofft, dass man nicht von den Eltern beim Quatschmachen erwischt wird – oder diese Lust haben, den Quatsch mitzumachen³.

So waren wir anderthalb Tage lang Piraten, suchten nach Feinden und erschossen oder ersäbelten diese. Wahlweise durften sie auch über die „Panke hupfen“.
Eine junge Frau nahm dieses Ereignis zum Anlass, eine „Matrix-Sterbeszene“ zu mimen – eine schauspielerische Glanzleistung und bislang unerreichte Neuinterpretation des SciFi-Klassiskers.
Später wurde beschlossen, nur noch Seniorenschiffe zu kapern, denn „die Alten können nicht mehr so schnell laufen, das ist nicht so anstrengend.“

Der Hauptgrund der Reise – die Trauung selber – war von Randumständen begleitet, die dafür sorgten, dass sie erst spät abends am Sonntag stattfinden konnte.
Ich bekam kurz etwas Angst –

– aber letzten Endes war es eine wunderschöne Trauung. Sie war leger und doch feierlich, was sich am besten daran festmachen lässt, dass der Ehemann Leatherman zum Hemd trug, was kurz für allgemeine Erheiterung sorgte.

Das (Hochzeits)essen haben wir übrigens auf einer Küchenhexe gekocht – diese Holzöfen, auf denen immer eine Kanne Teewasser köchelt – was unheimlich vergnüglich war. Zum Glück die Pfanne so groß, dass auch ein Rudel Hunde darin verrückt werden konnte, sodass das Chili und die Köttbullar komplett in dieser angefertigt werden konnten.
Da ich meine Bastelknete vergessen hatte, wurde ich zum Chef-Hack-Manscher ernannt. Das entspricht auch in etwa meinen Kernkompetenzen im Kochen.

Wenn insgesamt knapp 30 Menschen gemeinsam irgendwo hin fahren, von denen viele schon auf gemeinsamen Fahrten waren, dann kommt es naturgemäß zu vielen Ereignissen, Gesprächen, Erlebnissen, zu Spaß und Freude – genauso aber auch zu Konflikten und Tränen.
Ich denke, ich spreche für alle Beteiligten, dass es eine ungewöhnliche, einmalige, wahnsinnig intensive Reise war, die schon jetzt eine zentrale Stelle in meinem Erinnerungsregal hat.

¹ Elch: so was wie ein zu groß geratenes Reh. Mit, äh, Arschgeweih, allerdings auf dem Kopf.
² Deswegen auch keine Postkarten, sorry. Am einzigen Tag, wo ich etwas hätte kaufen können, machte ich mit dem Ehemann eine Waldwanderung.
³ Da es sich ausnahmslos um sog. „junge Eltern“ handelte – zudem ähnlich sozialisiert – war deas eher kein Problem.

Epilog: Die Natur in Schweden hängt ein wenig hinterher. Die Bäume hatten noch keine Blätter, allenfalls ein paar Knospen. Das heißt, wir sind bei der Rückkehr quasi in den Frühling gefahren, weil in Deutschland schon alles grün ist. Eigentlich kann es kein besseres Bild für den Start in die Ehe geben.

Über sushey

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Eine Antwort zu Schweden

  1. piepfisch schreibt:

    Schöner Bericht. Beneide dich um die schönen und intensiven Erlebnissse und Erinnerungen. Und vielleicht wiederholt ihr das ja in 10 Jahren zur „Hölzernen“ nochmal. ma

    Gefällt mir

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