Archive – With Us Until You’re Dead (2012)

„Das hast du schön ausgedrückt“, lobt mich der Plattenladenverkäufer, nachdem ich die Musik von Archive beschrieben habe als „deutlich erkennbarer Sound und eine Band, die sich immer wieder neu erfindet“.

Und so klingt auch das achte Studioalbum der wandelbaren Band aus London gleichzeitig bekannt und sehr eigen. Viele Soundschnipsel erklingen nach dem bewährten Muster, bei dem die Band teilweise stark verfremdete (elektronische) Klänge mit Analogem (Streicher, Stimme) vermischt, um so Dramatik zu erzeugen.

Dies geschieht auf „With Us Until You’re Dead“ zunächst durchaus etwas düsterer und bedrohlicher, als auf dem im Rückblick betrachteten eingängigeren „Controlling Crowds“ – man hat fast das Gefühl, die Band lotet weitere Abgründe aus.

Diese sind – wie man das mittlerweile von Archive gewohnt ist – sehr vielschichtig, aber selten wirklich komplex. Spur um Spur wird übereinander gelegt, bis sich eine massive Klangwand aufgebaut hat – die aber bei näherem Hinsehen doch nur aus einzelnen kleinen Ziegelsteinen besteht.

Das soll die Leistung der Musiker – allen voran des Schlagzeugers, der sehr kreativ zu Werke geht – nicht schmälern.

Die Stücke sind im Gegensatz zu den vorherigen Alben recht kurz geraten, allerdings klingt das Album in sich homogener, sodass es schwierig ist, sich einzelne Titel herauszusuchen.
Ein Höhepunkt ist sicherlich „Violently„, welches auch schon im hervorragenden Blog songdestages.de gewürdigt wurde.
Der Titel ist bei „Silently“ Programm. Eine ruhige, rhythmisch leicht orientalisch klingende Perle, deren leiser Ausklang im starken Kontrast zum stark verzerrten „Twisting“ ist. Der Gesang erinnert stellenweise an Muse, und auch hier gibt der Titel den Ton an: „Twisting“ weist mehrere interessante Wendungen auf, bis hin zum abrupten Ende.

Es wäre kein Archive-Album, besäße es nicht mindestens eine sehr treibende Nummer wie „Hatchet“ – deren Stakkato-Gesang in Verbindung mit dem Tempo des Songs Spaß macht. Überhaupt fügen sich im hinteren Viertel des Albums mehr Fragmente zu einem stimmigen Ganzen, als es am Anfang des Albums der Fall war.

Alles in Allem ist „With Us Until You’re Dead“ kein Album, das sich einem sofort erschließt, was auch an den zahlreich übereinandergeschichteten Melodie- und Rhythmusfragmenten liegt, die wie zahlreich verlorene Fäden ein- und derselben Geschichte klingen und mal zusammenfinden, mal zerfasern.

Da wird wohl auch nach dem zehnten Hören noch Einiges zu entdecken sein, aber ich bezweifle, dass ich die Songs so im Kopf haben werde, wie z.B. bei „You All Look The Same To Me“.

Archive hat mit „With Us Until You’re Dead“ unter Beweis gestellt, dass man sich selber treu bleiben und trotzdem (in Maßen) neu erfinden kann. Es wird wohl kein Album mehr an die emotionale Wucht von „You All Look The Same To Me“ herankommen – aber was elektronische Sounds und kreative Beats angeht, kann sich eine Band wie Massive Attack durchaus noch was abschauen.

Rezension auf babyblaue-seiten.de
Rezension auf laut.de

Advertisements

Über sushey

twitter.com/milch_mit_honig
Dieser Beitrag wurde unter abgehört, archive, musik abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar? Gerne!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s