Ludwigvan und Zahnschmerzen bei der Uraufführung

Einer glücklichen Fügung ist es zu verdanken, dass ich gestern ein Konzert der Berliner Philharmoniker sehen konnte.
Auf dem Plan standen:

Joseph Haydn
Symphonie Nr. 95 c-Moll
Jörg Widmann
Flûte en suite für Flöte und Orchestergruppen
Ludwig van Beethoven
Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92

Dirigiert von Sir Simon Rattle

Und so freue ich mich am meisten auf Nr.7 von Ludwigvan – Haydn, so fürchtete ich, könnte ein wenig kitschig werden, und Widmann sagte mir soweit nichts – ich bin in klassischer Musik ein ziemlicher Kulturbanause.
Aber eines der besten Orchester unserer Zeit zu sehen, mit einem der charismatischsten Dirigenten – wer sagt da denn nein?
Eine weniger glückliche Fügung sorgte dafür, dass die einladende Person und ich uns erst kurz vor Beginn des Konzertes fanden (es gibt mehrere Eingänge, von denen einer nur aussieht, als sei er der Haupteingang) – macht ja nix, die Vorband musste ja auch noch spielen.

Und hier kommt die erste Überraschung: bei klassischen Konzerten gibt es anscheinend keine Vorbands. Punkt acht Uhr kam Sir Simon Rattle in den Saal, begrüßte die Erste Geige – und kam gleich zur Sache.
Um es kurz zu machen: es war längst nicht so kitschig, wie ich befürchtet hatte, sondern gefiel recht gut. Unter dem Aspekt, dass Beethoven einst bei Haydn lernte, ist es auch seine sinnvolle Zusammenstellung.

Es folgte eine Uraufführung von Jörg Widmann, einem zeitgenössischen Komponisten. Und die hatte es in sich. Der Komponist hatte sich anscheinend vorgenommen, nicht nur alle Instrumente einzusetzen, die es in einem Orchester so gibt, sondern diese auch auf alle Arten spielen zu lassen, die man sich vorstellen kann. ..
Ich war schon mit leichten Kopfschmerzen in das Konzert gegangen; aufgrund der zeitweise sehr hohen und überblasenen Flötentöne kamen auch noch Zahnschmerzen hinzu. Ich möchte hier keinesfalls die musikalische und kompositorische Leistung schmälern; das Orchester hat den schwierigen Stoff hervorragend umgesetzt. Mir persönlich aber fehlte eine Struktur, ein roter Faden – den meine Begleitung durchaus erkannt hat, mit der schönen Zusammenfassung: „Es hörte sich an, wie eine Handlung im Vordergrund, und im Hintergrund passiert etwas Schreckliches.“ – immerhin, im vierten Satz war ordentlich Humor in der Musik; der vierte Satz hat mir auch gut gefallen.
Im Trailer ab 2:50 gibts einen kurzen Eindruck vom 4.Satz.

Dann die Siebte von Beethoven. Ich mag seine Musik, die Klarheit, die zeitweise opulente Energie. Hatte mir die Musik zuvor (zumindest teilweise) gefallen, so berührte mich Beethoven tatsächlich auch emotional – und das suche ich in der Musik.

Ein schöner Abend in der nicht minder schönen Philharmonie. Der Klang war sehr gut, auch wenn wir sehr weit oben und seitlich zum Orchester saßen. Aber ich bin ja schon mal mitten im Geschehen gewesen…
Durch diese ungewöhnliche Perspektive konnte man das gesamte Orchester von oben überblicken und schön sehen, wie der Dirigent Akzente setzt und die Musiker führt.

Auch, wenn ihr euch nicht für klassische Musik interessiert: ein solches Konzert muss man mal erlebt haben!

Kleiner Teaser von der Philharmonie

Über sushey

twitter.com/milch_mit_honig
Dieser Beitrag wurde unter berlin, concerto, musik abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Ludwigvan und Zahnschmerzen bei der Uraufführung

  1. Pingback: Zoe Keating | Arnold Kasar | Grüner Salon (Konzert am 25.09) « milchmithonig.de

Kommentar? Gerne!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s