Mehr Bücher 2012

Während ich gerade endlich den letzten Band des Dark Tower lese – und damit für diese Geschichte insgesamt gut zehn Jahre gebraucht habe – und mich einerseits freue, andererseits ein bisschen Angst vor dem Loch habe, in das ich fallen werde, wenn ich die letzte Seite gelesen haben werde – fällt mir ein, dass ich noch ein paar Bücher aus 2012 schuldig bin:

Uwe Timm – Der Mann auf dem Hochrad
Der Ich-Erzähler berichtet von seinem Onkel Franz, der eigentlich Tierpräparator ist und sich im 19. Jahrhundert herum ein Hochrad kauft und damit durch Coburg fährt – zur damaligen Zeit ein unerhörtes Spektakel, und alsbald ist Coburg nicht nur gespalten in die Hoch- und Niederradfahrer (die mit religiösem Eifer von der Richtigkeit ihres eigenen Tuns überzeugt sind), sondern es geschehen noch allerlei andere gesellschaftliche Veränderungen, die das kleine Städtchen in Aufruhr stürzen.
Ich hatte dieses Buch während eines Besuchs in Dresden gekauft, als kleine Notlösung, um mich zu unterhalten.
Wie auch schon „Die Entdeckung der Currywurst“ ist auch „Der Mann auf dem Hochrad“ beinah unspektakulär ruhig erzählt – wenn auch mit feiner Ironie, die mir sehr gefallen hat.

Jörg Thaddeusz – Rette mich ein bisschen
Der Mann war mir eigentlich nur als Moderator im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bekannt. Er kann auch schreiben; in „Rette mich ein bisschen“ lässt er seinen Ich-Erzähler – ein depressiver Rettungssanitäter – ein monotones Leben voller Rettungseinsätze und dem derben Humor, mit dem man das Elend irgendwie zu ertragen versucht, leben – bis er – natürlich – eine Frau kennenlernt und sich in sie verliebt.
Ein sympatisches Buch (was nicht unbedingt für den Protagonisten gilt), das für mich auch den Titel „Unterhalte mich ein bisschen“ tragen könnte.

Orson Scott Card – Enders Game
Das Buch müsste einer von Amazons „Kindle-Deal des Tages“ gewesen sein, und ähnlich wie bei „Neverwhere“ von Neal Gaiman damals, erwartete ich eine mittelmäßige Story und wurde – zum Glück! – eines Besseren belehrt.
„Enders Game“ findet in einer Zukunft statt, in der die Menschheit vereint gegen eine insektoide Rasse von Ausserirdischen kämpft. Weil diese wahnsinnig schnell agieren, ist das Militär dazu übergegangen, hochbegabte Kinder zu rekrutieren, um sie in einer Art Spiel in ihr Dasein als Kampfpiloten und Kommandeure zu drillen.
Ender ist einer von ihnen, und mit seinen überragenden taktischen Fähigkeiten vielleicht die letzte Hoffnung der Menscheit…
Mich hat an der Geschichte fasziniert, mit welcher Grausamkeit das Militär versucht, Ender zu brechen – und mit welchen Methoden er versucht, sich zu schützen – denn trotz seiner Gegenwehr ist er ein überragender Stratege und Taktiker, und eben höchst intelligent. Das Ende ist schockierend und tröstlich zugleich.

Markus Zusak – Die Bücherdiebin
Ein Weihnachtsgeschenk für meine Mutter, unter anderem deswegen, weil ich selber neugierig war. Eine weitere Geschichte, die aus der Ich-Perspektive erzählt wird, wobei der Erzähler selber dieses Mal höchst interessant ist: es ist der Tod, und er ist fasziniert von der trotzigen Lebensenergie eines kleinen Mädchens, das von den Nazis deportiert wird, irgendwie entkommt und im Folgenden ihren eigenen Widerstand leistet. Bücher spielen dabei eine wichtige Rolle.
Eine tolle Geschichte, wenn auch sehr traurig. Eines der besseren Bücher 2012.

Stephen King – The Wind through the Keyhole
Roland und seine Gefolgschaft machen Rast zwischen einem ihrer zahlreichen Abenteuer – und ein Sturm kommt auf. Um die Zeit zu verkürzen – und wohl auch, damit er sich seinen Gefährten besser erklären kann – erzählt Roland eine Geschichte aus seinen früheren Zeiten, bevor die Welt sich weitergedreht hat.
Stephen King in Topform. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel der Mann erzählen kann, ohne den Plot nennenswert voranzubringen. Das macht Teile des „Dark Tower“ etwas langatmig, aber „The Wind through the Keyhole“ ist genau das, wovon es erzählt: eine Geschichte für eine dunkle, stürmische Nacht.

snoopy

Über sushey

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