Mein erstes Mal…

im Motion-Capturing.

Oder: Frank* hat mich mal ordentlich durchgeschüttelt 

Also, kurze Geschichte: Student braucht Geld, Forschung braucht willige pleitene Opfer, und so fand ich mich in der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wieder, um dort an einem Versuch für „subjektives Vibrationsempfinden“ teilzunehmen.
Um zu verhindern, dass meine Leserschaft nun ebenso dreckig grinst, wie meine Kommilitonen, denen ich davon erzählte, sei an dieser Stelle auch gleich gesagt, dass der Versuch nicht-invasiv war.

Ich hab nicht getanzt, aber so in etwa sahs aus.

Ich hab nicht getanzt, aber so in etwa sahs aus.
(c) by danceinthedark

Es ging vielmehr konkret darum, dass zunächst allerlei geometrische Daten meines Körpers aufgenommen wurden¹ , um mich alsdann mit zu klein geratenen Tischtennisbällen zu bekleben, die mit grauer Reflektionsfarbe² lackiert waren: Je einer pro Schulter, einer genau auf die Stirn, einer ans linke Ohr, linke Hüfte, linkes Kniegelenk, linker Knöchel, ein paar den Rücken runter. Ich sah aus, wie ein Außerirdischer mit Antennen. Empfangen hab ich aber nichts.

Der eigentliche Versuch bestand dann darin, dass ich auf einem ungepolsterten Stuhl Platz nehmen durfte, der auf einer in alle Richtungen fahr-, heb-, senk-, kippbaren Plattform montiert war, und auf dem ich dann so richtig durchgeschüttelt wurde. Frank hatte sich alle Mühe gegeben, das Ding ordentlich zu programmieren, und so erlebte ich:
Den Kapitän. Eine recht langsame, aber mit viel Hub nach oben und unten ausgeführte Bewegung, die mich an ein Schiff erinnerte.
Das Pferd. Recht langsam, viel Hub, aber auch Bewegungen nach vorne und hinten.
Das bockige Pferd. Wie eben, nur deutlich daran interessiert, mich abzuwerfen.
Den Trecker aus den 60ern. Wer jemals bei einem solchen auf dem „Beifahrersitz³“ gesessen hat, weiß was ich meine.
Den Trecker aus den 80ern. Wie oben, nur etwas komfortabler.
„Bitch please“. Eine kaum spürbare Schwingung / Vibration.
Den Backenroller. Die meistverhasste Bewegung. Große Seitwärtsbewegungen, die – nunja – die Backen ins Rollen brachte.
Und noch so einige Bewegungen mehr.

Und nun kommen die kleinen Tischtennisbällchen ins Spiel. Es war nämlich so, dass Frank nur fürs Schütteln zuständig war. Das wissenschaftlich Interessante an der Sache war meine Bewertung der Bewegungen, und meine Bewegung selber, die ein freundlicher junger Mann mittels Motion Capturing aufzeichnete, um sie später zu analysieren. Diese Technologie wird viel in Filmen eingesetzt, oder eben, um Bewegungsabläufe wissenschaftlich zu analysieren.
Und so kam es, dass ihr vielleicht einen (manchmal) freundlichen jungen° Mann aus Fleisch und Blut in mir seht, der Computer aber nur ein paar auf und ab hüpfende Punkte (ich hab jetzt leider kein Bild davon, aber diese Animation ist nicht nur selbst beeindruckend, sondern kommt dem, was ich heute gesehen habe, schon recht nahe) – und mithilfe dieser Punkte und meines sensiblen Popöterchens werden vielleicht Schulkinder mal bequemer sitzen, Busfahrer besser gefederte Sitze haben oder sogar Arbeitsschuhe designt.

Oh, und entgegen meiner Befürchtungen kann ich noch über Kopfsteinpflaster radeln, ohne in Schreien und Wimmern auszubrechen…

* natürlich hieß er nicht so. Man, Datenschutz…
¹ und wie das so ist in der Wissenschaft, bin ich von Messung zu Messung größer geworden und nun deutlich jenseits der Einsachtzig…
² dat Zeugs, was auch Reflektionsstreifen an Fahrrädern, Jacken und allem anderen, was reflektieren soll, reflektierend macht
³ der Wortmonk in mir möchte es gerne „Beibauernsitz“ nennen
° lassen Sie sich vom abermals dreckigen Grinsen meiner Kommilitonen nicht irritieren

Über sushey

twitter.com/milch_mit_honig
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2 Antworten zu Mein erstes Mal…

  1. Anna schreibt:

    Klingt nach einer Menge Spaß…

    Gefällt mir

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