Papiergeld

Die Islandreise hat sich ja schon in vielfacher Hinsicht als recht einmalig ergeben, bevor wir überhaupt losgefahren sind.
Um auch nach dem Vertilgen der zahlreichen Tütenmahlzeiten nicht zu verhungen, empfiehlt es sich, ab und an was zu Essen zu kaufen, und da die Isländer – obwohl eines der eher demokratischeren Länder, demokratischer als Deutschland ohnehin – fest an ihre Krone glauben, und weil man da jedes Kaugummi im Automaten mit Kreditkarte kaufen kann, habe ich meine monokontoistische Lebensweise aufgegeben (ein und dasselbe Konto, seit ich 16 bin, nicht mal nen Dispo hat es, aber immerhin muss Muttern nicht mehr unterschreiben, wenn ich Überweisungen tätige…) und mir ne Kreditkarte zugelegt (hurra, endlich Pornos im Internet kaufen!).

Schönes Plastikgeld, oder so dachte ich jedenfalls.

Das Eröffnen des Kontos war ja noch recht leicht. Ein Freund hat dort ein Konto und bekommt Werbepunkte (er hat jetzt das Äquivalent eines Tischtennisballs in Punkten, also nur noch ca. 234254 weitere Werbungen bis zum Sportwagen), also er Email geschickt, Email so: „Sascha, willste?“ – Sascha so: „Jo.“ – Email so: „Dann geh noch mal zur Post und lass da deinen Ausweis angucken.“ – Sascha so: „Aber Datensch… Jo.“

Und damit begann der Papierkrieg. Ganze Regenwälder sind seitdem meinetwegen gestorben, und hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich mehr Krombacher getrunken (oder überhaupt mal ein Krombacher, die Plörre schmeckt nicht).

Aber der Reihe nach. Die Post guckt sich also den Ausweis an (in meinem Fall mehrmals und sehr intensiv, dabei sehe ich (Frisur, Bart, Kopfform) genau so aus, wie auf meinem Perso. Aber vielleicht bin ich ja Terrorist oder so (kennt ihr noch diese „Wanted“-Poster, die früher bei der Post hingen…). Jedenfalls, die Post irgendwann so: „Jo. Das ist er.“

Damit kam dann ein paar Tage später ein Brief: „Moin, schön, dass wir dir das Geld aus der Tasche ziehen dürfen. Damit wir wissen, dass du wirklich nur vielleicht Terrorist bist, brauchen wir noch alle deine Adressen, unter denen du vorher gemeldet warst. Weißt ja, die SCHUFA ist nicht so schnell.“ – Sascha so: „Aber Datensch… egal. Wollt ihr wirklich ALLE Adressen?!? Na dann viel Spaß…“.
Ich bin ja der Meinung, öfter mal umziehen hält fit und ist gut für die Laune.

Dann wieder ein Brief: „Moin, wollte nur sagen, es kommen noch viele, viele, viele Briefe nach mir. Aber tröste dich: wir wollen dir das Geld aus der Tasche ziehen, und guck mal, ne Nummer hat dein Konto auch schon.“

Dann ein Brief: „Moin, hier ist schon mal die PIN für deine Girokarte. Du hast nämlich Kreditkartenkonto und Girokonto, voll praktisch, da musst du immer hin und her überweisen und hast gleich zwei Karten mit zwei PINs und allem Pipapo. Die PIN musst du in diesem kleinen blau umrandeten Feld freirubbeln, aber AUF KEINEN FALL die blaue Umrandung kaputt machen.“

Es tut mir leid.
Ich werde Ingenieur.

Das erste, was ich natürlich gemacht habe, ist die blaue Umrandung kaputt zu machen. Nur so als Test.
Es ist NICHTS passiert.

Dann ein Brief: „Moin, hier ist die PIN für deine Kreditkarte. Rest kennste ja.“

Rubbel, rubbel, nichts passiert. Gottseidank.

Dann ein dicker Brief: „Moin, hier sind deine iTans. Gut aufbewahren, aber auf keinen Fall darf je eine lebende Seele auch nur wissen, dass du dieses Dokument überhaupt besitzt. Am besten lernst du sie alle auswendig und isst dieses Stück Papier am Ende auf. Aber gut kauen!“

Kurz überlegt, ein Foto davon zu twittern.

Dann noch ein Brief: „Moin, hier deine Girokarte. Den restlichen Krempel hast du ja schon bekommen, aber falls nicht, sag uns Bescheid, unser Drucker ist nicht ausgelastet.“

Zeitgleich mit diesem ein Brief mit der PIN fürs Online-Banking. Ohne blaue Umrandung, und hier darf ich auf keinen Fall rubbeln, sondern muss auf der Rückseite irgendwas abziehen. Ich vermute, die PIN-Freimach-Feld-Firma hat einen Riesen Reibach mit diesem Konto gemacht; ich hatte bis jetzt drei unterschiedliche Modelle.

Gottseidank habe ich online und papierlos bestellt. Nicht auszudenken, was das für ein Bohei gewesen wäre, hätte ich das alles schriftlich gemacht.

Über sushey

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2 Antworten zu Papiergeld

  1. spreewaldperle schreibt:

    „Ich bin ja der Meinung, öfter mal umziehen hält fit und ist gut für die Laune.“ – So sehe ich das auch. // Was ist es denn gewodern? Visa? MasterCard? (Gibt es noch mehr?)

    Gefällt mir

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